Der Kampf für Tierrechte und eine vegane Welt

Nach der aggressiven Dekonstruktion von Religion, Volk und Familie, nach erfolgreichen Angriffen der Ideologen unterschiedlicher Couleur auf den Geist der Aufklärung, nehmen nun im unerklärten Krieg gegen unsere Zivilisation radikale Tierrechtler den Menschen selbst ins Visier.

IMAGO/Parsons

Auf den ersten Blick hat die Forderung nach „Gerechtigkeit für die Tiere“ – so auch der Titel des jüngsten Werks der amerikanischen Philosophin Martha Nussbaum – wenig zu tun mit den Bewegungen für „Gender-Gerechtigkeit“, mit den „postkolonialen Studien“ oder den „antifaschistischen“ und „globalistischen“ Politorganisationen. Allerdings sind die leidenschaftlichen Verfechter von Tierrechten, die von einer vegan lebenden Welt träumen, auch nur eine weitere Kampftruppe in der Front gegen die moderne freiheitliche und liberale Welt mit ihrer abendländischen Geschichte.

Das berechtigte Anliegen des Schutzes von Tieren im Haus und in der Wildnis sowie anständiger Bedingungen bei der Nutztierhaltung sind für viele Tierrechtler, die mit ihren Ständen in Fußgängerzonen und auf Marktplätzen des Landes agitieren, oft eher nur ein Deckmantel für die Forderung nach radikaler Veränderung unserer Welt.

Spätestens seit den Schriften des französischen Philosophen Jacques Derrida und den Apologeten der Frankfurter Schule stehen die Wissenschaften und letztendlich auch der Geist der Aufklärung im Fokus grundsätzlicher Kritik und Dekonstruktion, gespeist aus unterschiedlichen ideologischen Lagern. Längst schon befinden wir uns in einer Phase, in der alle Gewissheiten, auch die naturwissenschaftlichen, infrage gestellt werden. Das reicht von den zwei Geschlechtern des Menschen und in der Natur bis hin zu einer Debatte über eine angebliche „Mathematik der Weißen“.

Der Kampf für mehr Tierschutz, weitgehenden Tierrechten und anderen ökologischen Zielen dient zunehmend dazu, die Besonderheit und Einzigartigkeit des Menschen zu bestreiten. Der Mensch ist für diese Ideologen alles andere als die Krone der Schöpfung oder gar ein Ebenbild Gottes – der Mensch erscheint eher als mörderischer Parasit der Natur und Störenfried einer heilen Fauna und Flora. Dem Menschen gebühre keine Sonderstellung; er sei im Grunde nicht viel mehr als ein extrem erfolgreiches, aber letztendlich maßlos herrschsüchtiges und grausames Raubtier unter vielen anderen Tieren.

Die Vermenschlichung der Tiere

Um die Dringlichkeit und Dramatik des Tierelends auf der Welt zu beschreiben, ist die inzwischen umfangreiche moderne Literatur zum Thema zunehmend geprägt von einer Vermenschlichung der Tiere. Sehr gern benennen Autoren – wie auch Martha Nussbaum – bei der Schilderung von Tierschicksalen die Tiere mit Namen, sie sollen als „Individuen“ wahrgenommen werden.

Dann heißt die Elefantenkuh „Virginia“, das Eichhörnchen „Gustav“, die Amsel „Gisela“, das Schwein „Gonzales“ oder der Hai „Benny“. Ebenso wie unsere Kinder, Freunde oder Nachbarn. Der US-Comedian Michael Jr. macht sich gern darüber lustig, dass weiße Amerikaner ihren Haustieren gängige Vornamen geben, während ihre schwarzen Mitbürger in der Regel Fantasienamen wählen – aber eben fast nie Menschennamen.

Framing durch Vermenschlichung

Je vermenschlichter die Opfer menschlicher Grausamkeiten beschrieben werden, desto berührender sind die Schilderungen von „Folter“, „Babyraub“, „Todesqualen“ „Inhaftierung“, „Kindes-Tötungen“, „Massaker“ oder „psychischen Qualen“. Der Leser wird in diesen Schriften mit einer Welt konfrontiert, in der er als mehr oder minder gedankenloser Konsument das entsetzliche und ungeheure Leiden von Milliarden Lebewesen bisher ignoriert hat – angefangen von Zuchtlachsen und Hühnern über Kühe, Schweine und Rehe bis hin zu Papageien, Walen und Raubtieren in Zoos und Zirkussen.

Schon seit vielen Jahrzehnten dokumentieren Tierschützer mit Fotos und Filmen den Schrecken und das Elend misshandelter Tiere. Die emotional aufwühlenden Belege für grausame Lebensbedingungen, brutale Testverfahren und schreckliche Schlachtmethoden haben sicherlich dazu beigetragen, dass inzwischen weltweit große Fortschritte bei Tierhaltung und Tiernutzung erzielt wurden.

Ganz sicher gibt es noch viel Handlungsbedarf; allerdings gehen die Ziele der radikalen Denker und Organisationen weit über das angestrebte Tierwohl hinaus. Schon die höchst erfolgreichen Bestrebungen, Wölfen und Bären in Mittel- und Westeuropa neuen Lebensraum zu bieten, verweisen auf die Erwartung der Tierschützer: Die Menschen sollen sich gefälligst den neuen Umständen anpassen. Wölfische Gemetzel in Schafherden oder Bärenangriffe auf Menschen (jüngst erst in Italien mit einem Todesopfer) werden als extreme Ausnahmen verharmlost; Bauern und Schäfer sollen ihre Tiere eben besser schützen, Angriffe von Bären seien eigentlich unwahrscheinlich, argumentieren die Tierschützer.

Erklärtes Ziel der Tierrechtler, für die der bloße Schutz von Tieren längst nicht weit genug geht, ist es, „eine Welt zu schaffen, in der Menschen wirklich Freunde der Tiere sind und nicht deren Nutzer oder Ausbeuter“, so die harmlos klingende Formulierung der renommierten Wissenschaftlerin Nussbaum. Möglich sein soll das alles in einer radikal veganen Welt.

Die Fundamentalisten der Tierrechtsbewegung
attackieren vehement
eine „Hierarchisierung der Lebewesen“
und sehen selbst im Tierschutz
eine Diskriminierung der Tiere

Diese vegane Utopie soll den „Fehler“ korrigieren, dass sich vor etwa 12.000 Jahren die Jäger-und Sammler-Lebensweise zugunsten einer sesshaften Landwirtschaft wandelte und dann zu „einer Ausbeutung und Domestizierung von Tieren führte“, so die immer wieder mit spektakulären Aktionen in die Öffentlichkeit drängende Organisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals).

Der Mensch als grausamer Ignorant

International agierende Organisationen wie PETA, die Animal Liberation Front (ALF) und Animal Equality vertreten offen ihre extremen, wahrhaftig revolutionären Ziele. Sie fordern den Verzicht auf jegliche Nutzung von Tieren, verlangen ein Ende der „Ausbeutung von Tieren“, womit sie jede Nutzungsform von Tieren für Ernährung, Kleidung, Medizin, als Transportmittel oder zu Bildung und Unterhaltung ablehnen. Sie wollen schlicht eine völlig andere Welt.

Der US-Jurist und Philosoph Gary L. Francione bezeichnet „Gewaltlosigkeit“ gegenüber Tieren als unverzichtbaren Bestandteil einer wirklich friedlichen Welt. Schon wer Milch trinke, ein Eis schlecke oder Käse esse, versündige sich an einer „Mutter“. „In einem Glas Milch oder einer Eistüte steckt wahrscheinlich mehr Leid als in einem Steak“, schreibt er. Wie könne Genuss „auch nur eine Sekunde des Leidens oder einen einzigen Tod rechtfertigen“?

„Vergewaltigung der Tiere“

Der österreichische Philosoph Helmut F. Kaplan behauptet: „Wer Fleisch isst, nimmt Teil an einem tagtäglichen grauenhaften, ungerechten und überflüssigen Krieg gegen Unschuldige und Wehrlose.“ Gleichermaßen radikal ist die Influencerin Raffaela Raab, die sich „militante Veganerin“ nennt und auf Tiktok und Instagram mehr als 400 000 Follower hat. Fleisch aus der Kühltheke des Supermarkts bezeichnet sie als Leichenteile, Massentierhaltung nennt sie Konzentrationslager. Milch gebe es nur als Folge der „Vergewaltigung an Tieren“.

Die Fundamentalisten der Tierrechtsbewegung, ob bei PETA oder in der Tierrechtspartei, attackieren vehement eine „Hierarchisierung der Lebewesen“ und sehen selbst im Tierschutz eine Diskriminierung der Tiere. Die angebliche Sonderstellung und Überlegenheit des Menschen sei ein rassismusähnlicher „Speziesismus“, der zu Unrecht Tiere entwürdige und herabsetze. Für diese Tierrechtler haben alle „empfindungsfähigen Lebewesen“ das Recht auf Leben, Freiheit und Schutz vor unnötigem Leid.

Kaplan wirbt für eine „einfache Ethik“, die im Grunde – trotz manch gegenteiliger Versicherungen – grundsätzlich auf eine Gleichsetzung von Mensch und Tier abzielt. Seine These: „Tiere haben das Recht, dass ihre Interessen gleich berücksichtigt werden wie vergleichbare menschliche Interessen.“ Genauso wenig, wie Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts diskriminiert werden dürften, dürften Tiere aufgrund ihrer Spezies diskriminiert werden. Die Tierrechtsbewegung gehöre zu den Freiheitsbewegungen wie der Kampf gegen die Sklaverei oder für die Emanzipation von Frauen. Jegliche Tiernutzung sei abzulehnen.

Das kanadische Ehepaar Sue Donald­ son (Schriftstellerin) und Will Kymlicka (Philosoph) setzt sich für eine parla­mentarische Vertretung von Tieren ein, die als vollwertige „Staatsbürger“ an­erkannt werden sollten. Vor allem die Nutztiere sollten in die Gesundheits­versorgung und Rentenversicherung eingebunden werden. Details dieser Utopie würden hier den Rahmen spren­gen, aber die Kanadier genießen in der veganen Community hohes Ansehen.

Die facettenreiche Tierrechtsbewe­gung bleibt keineswegs nur bei Agita­tion und Propaganda stehen. Schon seit Jahrzehnten sucht sie mit militanten Aktionen Aufmerksamkeit zu erregen. In den USA gilt die Animal Liberation Front (ALF) deshalb seit 2004 als ter­roristische Vereinigung – nachdem sie zahlreiche Labore, Zuchtbetriebe und Institute angegriffen und teilweise zer­stört hatte. Auf ihrer Homepage berich­tet die Organisation stolz über ihre At­tacken auf Jagdhochsitze, Metzgereien, Schlachthöfe oder Pelztierfarmen und Pelzhändler.

Auch in Deutschland haben sich die Tierrechtsaktivisten radikalisiert. Schätzungen gehen von Hunderten von Brandanschlägen und weiteren Sachbe­schädigungen in den vergangenen Jah­ren aus. Das Bundeskriminalamt ver­zeichnete von 2010 bis 2014 insgesamt 958 Straftaten radikaler Tierschutz­aktivisten. Neuere Zahlen sind seitdem nicht mehr veröffentlicht worden.

Zuweilen manipulierte Filme

Nicht selten lancieren radikale Tier­rechtler manipulierte Berichte und Filme. So gerieten 2015 in Tübingen Wissenschaftler des Max-­Planck-­Instituts ins Visier von Aktivisten, die ihre manipulativ zusammengeschnittenen Aufnahmen von Laborversuchsaffen bei „Stern TV“ lancieren konnten. In dem Zusammenschnitt wurde sugge­riert, dass in dem Labor sadistisch an­mutende Zustände herrschten. Es folgte eine Welle öffentlicher Empörung und Proteste, die Wissenschaftler wurden in mehreren Geschäften nicht mehr bedient.

Es half kaum, dass der renommierte Primatenexperte Professor Stefan Treue und der Institutsleiter Nikos Logothetis alle Vorwürfe der Aktivisten widerlegen konnten. Die Gewaltbereitschaft der Tierschutz-­Fundis zeige, „dass es den Tierrechtsaktivisten nicht um Tiere geht, geschweige denn um irgendeine Moral. Ihr eigentlicher Antrieb ist eine tiefe Misanthropie, ein Hass auf alles Menschliche“, schrieb der Philosoph und Publizist Alexander Grau.

Nachdem sie zahlreiche Labore, Zuchtbetriebe
und Institute teilweise zerstört hatte,
gilt die Animal Liberation Front
seit 2004 als terroristische Vereinigung

Was bei der Tierrechtsbewegung so hochmoralisch und friedfertig daher­kommt, geht bei näherer Betrachtung mit einer recht schäbigen Ignoranz gegenüber den Realitäten in unserer Welt einher. Es ist schon irritierend, mit welch moralischer Wucht und ethi­schem Pathos, mit welch ungeheurem Einsatz von Geld und einer Heerschar von Tierschützern vor allem in den rei­chen Ländern das Thema Tierwohl in den Vordergrund gestellt wird.

Das leidenschaftliche Engagement vieler Menschen für Tiere erinnert an das Phänomen der weitverbreiteten „Fremdenliebe“ in den Industriestaa­ten, die Sorge um das Schicksal von Dschungelindianern, tibetischen Mön­chen oder Südseebewohnern. „Frem­denliebe“ ist sicher viel einfacher als Nächstenliebe. Diese fordert, in der ei­genen Lebenswelt aktiv zu werden und einzugreifen.

Die Erziehung zur Militanz

Auch Tierschützer widmen ihren Ein­satz einer vom eigenen Leben doch recht entfernten Wirklichkeit, mögen Tiere auch noch so menschenähnlich sein. Kaum jemand bezweifelt, dass auch Tiere schrecklich leiden können. Ihr Elend ist berührend und der Kampf gegen unnötiges Tierleid zweifellos eh­renwert. Es ist aber evident, dass es oft weniger eine vernunftgeleitete Ausein­andersetzung mit dem Thema gibt, sondern das Ziel eine möglichst große Emotionalisierung ist.

Vor allem gelingt es den Tierschüt­zern, Kinder und Jugendliche zu be­eindrucken und oft tief aufzuwühlen. Ohne viel Differenzierung wird das Bild einer finsteren, verdorbenen Welt voll grausamer Tierquälerei gezeichnet. Eine bessere Vorbereitung für Militanz und unbändige Wut auf die Welt gibt es kaum. Tierschutzaktivisten können sich deshalb der Solidarität anderer mi­litanter Weltverbesserer – wie „Last Ge­neration“ oder Antifa – sicher sein.

Tierelend lässt kaum jemanden kalt, das Engagement für den Kampf gegen Tiernot weckt zu Recht Sympathien. Es darf aber auch die Frage gestellt wer­den, ob diese leidenschaftliche Empa­thie für Tiere noch Raum lässt für die Wahrnehmung des ungeheuren Elends von Menschen weltweit. Schließlich lei­den Millionen und Abermillionen unter Ausbeutung, Entrechtung, Hunger und Elend. In sehr vielen Staaten gibt es sys­tematische Folter und grausame Unter­drückung.

Was ist mit dem Elend der Menschen?

Wie präsent ist den sensiblen, mitfüh­lenden Mitteleuropäern die weitver­breitete Praxis der schrecklichen Ver­stümmelung von Mädchen nicht nur in Afrika, sondern auch in den Migranten­ gemeinden Europas? Oder das Schick­sal von kleinen Mädchen, die in Indien und anderswo in Ehen gezwungen werden – nach UN-­Zahlen trifft dieses Schicksal jährlich etwa zwölf Millionen Mädchen. Wie viel Mitgefühl wird für die Menschen in Foltergefängnissen, Arbeitslagern und Gulags allerorten aufgebracht, für die Opfer von Zwangs­prostitution (auch in unseren Städten) und Sklaverei? Und, und, und …

Niemand bestreitet ernsthaft die Be­rechtigung von Tierschutz und die Not­wendigkeit, in vielen Bereichen noch Verbesserungen zu erzielen. Oft genug aber hat der Einsatz für das Tierwohl einen merklich schalen Beigeschmack. Es entsteht schnell der Verdacht, dass den Aktivisten das Menschenwohl of­fensichtlich nicht ganz so wichtig zu sein scheint.

Vielleicht noch wichtiger für die Be­urteilung der Tierrechtsbewegung ist aber der ökonomische und kulturelle Aspekt. Denn die realitätsfernen Uto­pisten der Tierschutzbewegungen ignorieren die Wirklichkeit einer Welt, in der ein Gutteil der Menschheit ohne die Nutzung von Tieren Hunger und Elend ausgesetzt wäre.

Der Wissenschaftsjournalist Florian Schwinn schilderte in seinem Buch „Tödliche Freundschaft“ die dramatischen Konsequenzen, würde man den radikalen Ideologen folgen: Beispielsweise wären ohne die Nutzung der Bienen als Zuchttiere erhebliche Teile des modernen Obst- und Gemüseanbaus in großer Gefahr. Zwei Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen in der Welt seien heute Weideland, das meiste könne gar nicht als Ackerland genutzt werden. „Das heißt, um es klar und hart zu sagen: Vegan ist der Tod!“, schreibt Schwinn.

Der Verfasser zahlreicher Sachbücher, der sich durchaus mit Vehemenz für mehr und besseren Tierschutz einsetzt, sieht in der veganen Ernährung Einzelner keinerlei Gefahr. „Falls aber die Überzeugung, dass vegane Ernährung besser sei, zum ‚Ismus‘ wird, zur moralischen Verpflichtung, zur neuen Religion, dann wird es tödlich.“ Zum einen sei dann der Tod der Nutztiere programmiert und damit das Aussterben ihrer Arten; ohne Menschen wären Kühe, Schweine oder Hühner kaum überlebensfähig. Vor allem würde das aber den Tod vieler Millionen Menschen zur Folge haben, die ohne Nutztiere nicht hinreichend ernährt werden könnten.

Raubtiere umerziehen

Aber nicht nur der Mensch soll auf das Töten und Verzehren von Lebewesen verzichten, auch Tiere sollen nach dem Willen von Tierrechtlern zu Veganern „umerzogen“ werden – in erster Linie Haustiere, wobei manche Fantasten angeblich sogar davon träumen, dass in ferner Zukunft auch Raubtiere von ihrer blutigen Ernährungsform abgebracht werden könnten. Man stelle sich das vor: Ein Wolfsrudel verabredet sich zum Schachtelhalm-Snack und trabt mit einem freundlichen „Hallo“ an einer Schafherde vorbei.

Im Zentrum der aktuellen Bemühungen stehen natürlich die Lieblingsvierbeiner der Deutschen, Hund und Katze. Für die radikalen Tierschützer von PETA ist eine vegane Ernährung von Hunden und Katzen wünschenswert, sie preisen dazu „Fertigfuttersorten“ an: „Eine vegane Ernährung während des gesamten Lebens“ sei möglich und gesund, behauptet die Organisation. Da jedoch in Deutschland und vielen anderen Ländern eine rein vegane Ernährung von Katzen gesetzlich verboten ist und als Tierquälerei gilt, empfiehlt PETA „Nahrungsergänzungsmittel“ für die kleinen Verwandten von Tigern und Leoparden.

Weltweit gibt es einzelne Bestrebungen,
ein Klage­recht für Tiere zu erreichen
und Tierrechte in Ver­fassungen zu verankern

Als Vorbild gilt PETA „die taube Katze Maitri“ die seit ihrer Geburt erfolgreich vegan ernährt worden sei. Sollte das stimmen, bejubelt die Organisation (auf ihrer Website) einen klaren Verstoß gegen geltendes Recht. Für Seelenverwandte der „Last Generation“ ist das aber vermutlich kein Problem.

Hunde seien ohnehin Allesfresser („Omnivore“), heißt es – deshalb sei eine vegane Fütterung des zweitliebsten Haustiers der Deutschen (nach der Katze) problemlos, meinen viele Tierschützer. In England sichert allerdings seit 2007 der „Animal Welfare Act“ die artgemäße Fütterung von Hunden. Wer seinen Hund zu vegetarischem Futter zwingt, dem droht eine Geldstrafe von immerhin bis zu 20 000 Pfund (derzeit rund 23 000 Euro) und im schlimmsten Fall sogar Gefängnis.

Radikale Veränderung der Welt

Radikale Tierrechtler wollen grundsätzlich das Leben der Menschen und der Tiere verändern, Tierschützer dagegen kämpfen weltweit und oft erfolgreich ganz konkret für neue Rahmenbedingungen zum Wohle der Tiere. In Deutschland wurden deshalb mehrfach die Gesetze geändert, um Nutztiere besser zu schützen. Zuletzt geschah das zu Jahresbeginn 2022, als das Schreddern von Eintagsküken verboten wurde. Zuvor wurden bereits die Vorschriften zur Durchführung von Tierversuchen verschärft sowie das Vorführen von Wildtieren im Zirkus oder die Zucht von Pelztieren verboten.

Weltweit gibt es einzelne Bestrebungen, ein Klagerecht für Tiere zu erreichen und Tierrechte in Verfassungen zu verankern. In Einzelfällen wurden bereits in Neuseeland, Indien und Kolumbien bestimmte Tiere oder Ökosysteme als rechtliche Personen vor Gericht anerkannt. Meist aber kämpfen Tierschutzorganisationen vor Gericht im Namen von Tieren.

Kröten und Fledermäuse vor Gericht

In Westeuropa geht es vor allem um das Lebensrecht von Kröten und allerlei anderem Getier im Zusammenhang mit dem Bau von Straßen, Brücken oder Leitungen. Das Bauprojekt Stuttgart 21 wurde wegen der Umquartierung von Fledermäusen vorübergehend unterbrochen. Der Autobahnausbau durch den Dannenröder Forst (Hessen) musste wegen des Schutzes von Zauneidechsen und Fledermäusen der Art Großes Mausohr gestoppt werden.

In Kolumbien kämpfen Anwälte erbittert um das Überleben von 130 Nilpferden. Vier der aus Afrika stammenden Tiere waren einst von Drogenboss Pablo Escobar in der kolumbianischen Region Medellín angesiedelt worden. Inzwischen sind die hochgefährlichen Tiere eine wahre Plage und Bedrohung geworden. Zunächst wollten die Behörden die Tiere einfach erlegen, aber angesichts des Proteststurms von Tierrechtlern beschloss die Regierung eine Umsiedlung der Flusspferde nach Afrika – die Operation soll etwa 3,5 Millionen Dollar kosten.

Im afrikanischen Botswana leben heute 130 000 Elefanten, die inzwischen zu einer Gefahr für das ökologische Gleichgewicht und die Landwirtschaft geworden sind. Tierschutzorganisationen vor allem aus den Industrieländern verhindern seit Jahren eine wirkungsvolle Begrenzung der Elefantenpopulation. Die Regierung in Gaborone hat gegen alle Proteste die Erlaubnis zu etwa 800 Elefantenabschüssen erteilt. Eine Lösung der Probleme ist das nicht. Hingegen ein großer Erfolg von Tierrechtlern – offensichtlich auf Kosten der Menschen.

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Kommentare ( 78 )

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thinkSelf
10 Monate her

Es ist schon Zeitverschwendung sich überhaupt inhaltlich mit diesem Schwachsinn auseinanderzusetzen. Es handelt sich hier schlicht um schwere zivilisatorische Degenerationserscheinungen. Da hilft nur die Spinner ununterbrochen dazu aufzufordern endlich die persönlichen Konsequenzen ihrer Weltanschauung zu ziehen.
Schließlich haben die doch versprochen die „letzte Generation“ zu sein.

Deutscher
10 Monate her

Und dann frisst ein Veganer zu Mittag eben nicht ein halbes Hähnchen, sondern mehrere Dutzend wehrlose Spinatpflänzchen.

LadyGrilka55
10 Monate her

Ganz sicher werden die schächtenden Muselmanen sofort auf Döner & Co. verzichten und auch das blutige Opferfest abschaffen! Oder?

Diese Doppelstandards, diese Heuchelei der Linksgrünen ko…. mich immer mehr an! Wer schon mal gesehen hat, wie so eine arme geschächtete Kreatur mit vor Angst irrem Blick langsam verblutet, vergisst das nie mehr.

Kümmert euch mal besser um diese und andere Grausamkeiten (z.B. Mädchenbeschneidung), als uns Wurst und Schnitzel madig machen zu wollen. Aber über das Schächten und Beschneiden schweigen die Linksgrünen sich dröhnend aus.

Last edited 10 Monate her by LadyGrilka55
Deutscher
10 Monate her

„Ernährung ist keine Privatsache!“
Diese Überzeugung war schon im Hitler-Sozialismus etabliert.

Deutscher
10 Monate her

Fleisch gehört nunmal zur artgerechten Ernährung des Tieres „Mensch“.

maru
10 Monate her

Wie halten es denn diese Herrschaften mit den Moslems, die Tiere schächten?
Denn ich gehe mal davon aus, daß es Schnittmengen gibt zwischen radikalen Tierrechtlern und anderen Gutmenschen, z.B. denen mit „Willkommenskultur“

maru
10 Monate her

Guter Einwand! Und auch logisch zu Ende gedacht. Pflanzen müssten nach dieser „Logik“ wiederum auch mit Menschen und Tieren gleichgestellt werden

LadyGrilka55
10 Monate her
Antworten an  maru

Tja, und dann dürfte man auch nicht einmal deren Samenkörner, sprich Weizen, Roggen, Hafer etc. essen, denn das wäre dann ja gewissermaßen Kindermord!
???

Lasst uns in Zukunft nur noch von Luft und Liebe leben! Dass dürfte auch gewissen „gewichtigen“ Personen aus der Politprominenz zu Nutzen und Frommen gereichen.

Last edited 10 Monate her by LadyGrilka55
maru
10 Monate her

Oh Mann, wo kommen diese ganzen Spinner bloss her?
Auch bei den Naturvölkern werden Tiere verspeist. Allerdings steht das fleischliche Mahl dort nicht jeden Tag auf der Speisekarte, sondern ist etwas Besonderes. So wie früher mal in unserer Kultur der Sonntagsbraten.

Deutscher
10 Monate her
Antworten an  maru

Ja, aber der traditionelle Sonntagsbraten dürfte heute wohl als „Nazi-Kulturgut“ gelten.

LadyGrilka55
10 Monate her
Antworten an  maru

Die Spinner hat der Deutsche Wähler mit seinem Kreuzchen bei Grün oder Rot gezüchtet. Und jetzt? Die Geister, die ich rief, die werd‘ ich nicht mehr los.

Vielleicht aber auch doch, wenn endlich zu über 50% alternativ gewählt wird.

Crossbow
10 Monate her

Eines haben alle die, die dem Irrglauben folgen, mit fleischloser Ernährung könne man den Planeten retten, offenbar immer noch nicht begriffen : Erst über den Verzehr von Fleisch kann man bestimmte , ansonsten für die menschliche Ernährung vollkommen nutzlose Flächen nutzbar machen. Graslandschaften, auf denen nichts anderes wachsen würde, die somit als Kulturflächen wegfallen, können von Tieren abgeweidet werden, die dann ihrerseits für den menschlichen Verzehr zur Verfügung stehen .
Landwirte sehen das in der Regel pragmatisch – Leute, die als Kind zu lange Märchen vorgelesen bekommen haben, offenbar nicht .

havanna06
10 Monate her

wenn diese veganen Ideologen Gleichberechtigung für Tiere fordern….., dann möchten sie doch sicher auch demnächst ein Schwein, eine Kuh, ein Schaf, ein Huhn, eine Katze, einen Hund, usw. auch in der Politik haben (ist teilweise schon vorhanden), oder? Dann diskutieren Individuen mit „Worten“ wie muh, oink, miau, wuff im Bundestag die neuen „Gesetze“…. . 🙂

Last edited 10 Monate her by havanna06
Bukephalos
10 Monate her
Antworten an  havanna06

Dass Gesetze, die auf solche Weise zustande kommen, mehr Schaden anrichten, als diejenigen der amtierenden Regierung, wage ich zu bezweifeln.

LadyGrilka55
10 Monate her
Antworten an  havanna06

?
Erinnert mich ein bisschen an den durchgeknallten altrömischen Kaiser Caligula, der sein Lieblingspferd zum Senator ernannte.

Soweit sind wir mit dem ungebremsten Irrsinn, dem offenbar derzeit keiner Einhalt gebieten kann, schon gekommen! Was hierzulande so manches kranke Hirn ausbrütet, das geht wahrlich „auf keine Kuhhaut mehr“.

Last edited 10 Monate her by LadyGrilka55