Das ABC von Energiewende und Grünsprech 101 – „Freiheitsenergie“

Zur Huldigung grüner Energie, zumal der branchenbeglückenden Wind- und Solarenergie, wurden schon heroische Bezeichnungen verwendet. In Kriegszeiten kommen neue Vokabeln ins Spiel, nicht nur die „nationale Sicherheit“ wird bemüht, auch der Freiheitsbegriff wird neu interpretiert.

IMAGO / Political-Moments

Täglich werden wir mit Begriffen konfrontiert, die im Ergebnis einer als alternativlos gepriesenen Energiewende verwendet werden oder durch sie erst entstanden sind. Wir greifen auch Bezeichnungen auf, die in der allgemeinen Vergrünung in den Alltagsgebrauch überzugehen drohen – in nichtalphabetischer Reihenfolge.

F wie

Freiheitsenergie, die

Im Gegensatz zu vielen anderen Begriffen sind Urheber und Datum dieser Wortschöpfung bekannt. Finanzminister Christian Lindner (FDP) kreierte ihn am 27. Februar in seiner Rede vor dem Bundestag. Das tiefere Nachdenken über die Abhängigkeit vom Ausland bezüglich der Energierohstoffe ist neu. Bisher galt Erdgas unangefochten als „Übergangsenergie“ mit der Zielvorgabe, spätestens 2045 mit der Dekarbonisierung oder auch schon eher auf sie verzichten zu können. Der Ersatz durch Wind und Solar ist naturgemäß schwierig, weil der Anwendungsbereich von Prozess- über Heizwärme bis zur Mobilität nur über Elektrizität zu bewerkstelligen wäre, deren Aufkommen sich bis dahin mindestens versechsfachen müsste.

Aber selbst wenn eine energetische Vollversorgung aus bewegter Luft und Licht in Gänze oder zu großen Teilen gelingen sollte, würden wir nicht frei sein. Alle längsprogressiv verfassten Dokumente zur seligmachenden Wasserstoffzukunft gehen davon aus, dass sehr große Mengen (grünen) Wasserstoffs importiert werden müssten. Unter anderem aus Nordafrika, welches nicht dadurch bekannt ist, dass politische Stabilität herrscht, die Menschenrechte mustergültig eingehalten werden (Lieferkettengesetz!) und das auch politisch reagiert, wenn Deutschlands Politik nicht gefällt.

Zeitgeistgemäß glaubt Lindner, mit Zufallsenergie geringer Dichte einen ziemlich sauberen, hochkalorischen Brennstoff ersetzen zu können. Schon der eher zufällige Anfall der Naturenergie hält dem Vergleich zu konstant fließendem Gas nicht stand. Grüne machen es sich dann leicht und rufen fröhlich „Wasserstoff“. Von einem Spitzenvertreter einer Partei aber, die Wirtschaftskompetenz beansprucht, verlangt man eigentlich mehr. Er stellt sich in eine Reihe mit den Wind- und Solarlobbyisten, denen die bisherige schon exzessive Bebauung des Landes mit immer größer werdenden Anlagen zur Umwandlung von Naturenergie nicht reicht und die als Kriegsgewinnler einer unfassbar traurigen und dramatischen Aggression in der Ukraine vom Platz gehen wollen.

Während selbst Klimaminister Habeck von den Grünen nun ohne Denkverbote denken will, zieht sich Lindner auf einen verkürzten und irreführenden Begriff zurück.
Es ist auch nicht mehr der Lindner aus der Opposition, der zumindest hin und wieder als scharfes Schwert dieselbe aus der trägen Rolle der Regierungsbegleitung riss, sondern der Funktionsträger einer Ampelkoalition. In dieser Rolle vergisst er vieles, was er früher bekämpfte. Er findet am Wegesrand „Kreditermächtigungen“, gegen die er früher noch ankämpfte, weicht die Schwarze Null auf, vergisst die kalte Progression und befördert die energiewirtschaftliche Planwirtschaft gegen die Interessen von Betrieben und Mittelstand und gegen die Grundprinzipien der Markwirtschaft. Lieber schlecht regieren, als nicht regieren.

Die FDP in Hamburg fordert indessen den Stopp des Rückbaus des Kraftwerks Moorburg und in Schleswig-Holstein die Prüfung des Wiederanfahrens des KKW Brokdorf, nachdem sie dort schon lange vor der Bundespartei den Ausstieg gefordert hatte. Die Bemühungen werden vergeblich sein, denn die FDP hat Partner in Ländern und Bund. Für die rotgrünen Köche ist die FDP nur der gelbe Kellner.

Apropos Kellner: Der gleichnamige Michael, grüner Parteisoldat, ehemaliger Bundesgeschäftsführer und jetziger Staatssekretär im Klimaministerium, das nebenbei auch Wirtschaft macht, lehnt Laufzeitverlängerungen von Braunkohletagebauen und -kraftwerken mit der Begründung ab, man müsse sich unabhängig machen vom Import fossiler Energieträger.

Jemand sollte ihm sagen, dass die Braunkohle ein heimischer, gut verfügbarer und von Weltmarktpreisen unabhängiger Bodenschatz ist, der uns unabhängig und frei von globalen Einflüssen macht. Energie aus Braunkohle ist gewissermaßen Freiheitsenergie. Die Beschlüsse vergangener Jahre verhinderten jedoch, sie durch Modernisierung und Neubau von Kraftwerken, auch mit CO2-Abscheidung, zukunftsfähig zu machen. Wind und Sonne hingegen machen uns zeitweise frei von Energie, indem sie nicht zur Verfügung stehen.


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Kommentare ( 23 )

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23 Comments
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Manfred_Hbg
3 Monate her

Zitat: „Die FDP in Hamburg fordert indessen den Stopp des Rückbaus des Kraftwerks Moorburg und in Schleswig-Holstein die Prüfung des Wiederanfahrens des KKW Brokdorf, nachdem sie dort schon lange vor der Bundespartei den Ausstieg gefordert hatte“

> Tja, hier der beste Beweis dafür, wie bei unserer „Altparteienelite“ gerbeitet wird: Erst das Maul aufreißen und Töne spucken und erst danach das Denken anfangen.

Mir wurde es genau andersherum beigebracht….. .

RMPetersen
3 Monate her

Braunkohle als Freiheitsenergie zu bezeichnen, das ist den Lobbyisten früher nicht eingefallen. Aber: In den Coronazeiten entstand doch überall die Ansicht, dass „Freiheit“ überbewertet würde.

Als Techniker bin ich von dem Stoff auch nicht überzeugt – für Braunkohle massenhaft die Flächen zu ruinieren, zumal in einem Land wie D mit Flächenknappheit, das sollten wir hinter uns haben. Da ist Kernkraft doch vernünftiger.
„Freiheit“ und Aussenhandel zu verwechseln, das sollte einem FDP-Politiker nicht passieren. Unsere Volkswirtschaft basiert auf Aussenhandel, ein nennenswerter Wohlstand nur auf heimischen Ressourcen aufzubauen, das funktioniert nicht.

Teide
3 Monate her

Es kommt noch viel schlimmer bevor es besser werden kann. Aus der Welt “Allerdings arbeitet bislang unbemerkt von der Öffentlichkeit bereits eine Taskforce in seinem Ministerium, um die fatale Abhängigkeit vom russischen Regime schnell zu beenden, die sogenannte Ad-hoc-Projektgruppe Gasreduktion…Immerhin enthält der Masterplan zum deutschen Gasausstieg – es ist nach Atom- und Kohleausstieg bereits der dritte staatlich betriebene Technologieausschluss – weitreichende Vorgaben für Immobilienbesitzer, Bauherren, Stromversorger und die Gaswirtschaft als Ganzes…In der Gaswirtschaft kursiert das Konzept bereits – und löst Besorgnis aus. Getrieben seien die Vorschläge offenbar von der Vision einer „All Electric Society“, also einer Gesellschaft, in der vom… Mehr

R.J.
3 Monate her
Antworten an  Teide

Danke, dass Sie das ausgegraben haben. Aber wenn es „Vorgaben“ gibt, bin ich beruhigt. Warum eigentlich gibt man nicht vor, dass beispielweise der Erste und Zweite Hauptsatz der Thermodynamik ab sofort nicht mehr gelten? Das wäre doch viel einfacher. Vor allem wenn man „Philosophie“ studiert hat, wie das bei den beiden Hauptmatadoren der Fall ist.

Auswanderer
3 Monate her
Antworten an  Teide

Also ich hau jetzt mal einen raus, der böse ist, aber irgendwie die deutsche Politik gut charakterisiert. „Die deutsche Energiepolitik ist so etwas wie Hitlers Russlandfeldzug!“ Da war auch ein Märchenerzähler am Ruder! Aber im Prinzip trifft das für jedes Ministerium zu. Kompetenz ist da absolut nicht vorhanden. Das Steffi Lemke, sogenannte Umweltministerin, entscheidet über technische Dinge! Eine Zootechnikeren, die schon mal als Briefzustellerin gearbeitet hat! Super! Da komme ich, ich vermute auch jede Menge Menschen der Leserschaft voll verar……t vor, da wir sowas alles nebenbei vor dem Abi gemacht haben!

Roland Mueller
3 Monate her
Antworten an  Teide

Man darf gespannt sein, wie lange die geplante „All Zappelstrom Gesellschaft“ bei der Fahne bleibt.

Werner Geiselhart
3 Monate her

Seit Jahren nerve ich meine Bekanntschaft mit Bemerkungen zur Energiewende wie: Das Sprengen von Kernkraft- und das Schließen von Kohlekraftwerken werden wir noch bitter bereuen. Es fehlt eigentlich an allem, was man für den Übergang auf „Erneuerbare“ benötigt, z.B. Speicher und Leitungen. Je mehr „Erneuerbare“, desto unsicherer und teurer die Stromerzeugung, insbesondere unter dem Aspekt, dass sich die benötigte Strommenge durch Sektorkopplung vervielfachen wird. Gas als Übergangsenergie wird uns in eine fatale Abhängigkeit/Erpressbarkeit von Rußland bringen. Es gibt nicht genügend materielle und menschliche Ressourcen, um „Erneuerbare“, Stromleitungen, Akkus, Wasserstofferzeugungsanlagen, Haustechnik usw. usw. in genügender Menge herzustellen. Die Konzentration auf nur… Mehr

Bernhard H.
3 Monate her

Freiheitsenergie, die uns vom Ausland unabhängig machen soll und uns dabei im Inland zu Sklaven macht.

H. Hoffmeister
3 Monate her

Unsere politischen Führungskräfte fallen unvermindert durch
1) absolute Kompetenzbefreitheit in allen technisch-naturwissenschaftlichen und ökonomischen Disziplinen,
2) grandiose Logikdefizite und
3) perfekte Klimahaltungsnoten auf.
Wenn es alles nicht so unendlich erschütternd wäre, würde das notwendige Kopfschütteln zwangsweise zum Schleudertrauma führen. So bleibt uns nur zu hoffen, dass Putin sich verhoben hat und das mutige ukrainische Volks ihn zurückdrängen kann.

Kampfkater1969
3 Monate her

Morgen, Dienstag 08.03.2022 19 -20 Uhr kostet die kWh Strom an der Großhandelsbörse EEX genau 70 Cent. Damit sind wir in einem Bereich, wo man die Notfallpläne mit den gezielten Abschaltungen herauszieht und durchliest.

Ananda
3 Monate her

Der Bürger ist dann so „frei“ nur noch für Energiekosten zu arbeiten oder sich ganz freiheitlich Freiheitsfrostbeulen zu holen.
Die große Transformation ins Schildbürgerland.

bkkopp
3 Monate her

Wenn der Bundestag nicht sehr bald das Atomgesetz ändert, dann braucht man über Brokdorf, oder Grundremmingen, oder die Ende 2022 stillzulegenden AKWs überhaupt nicht mehr zu reden. Wenn wir aber nächstes Jahr keinen Atomstrom mehr haben, dann könnten wir aus energiewirtschaftlichen, und auch aus gesamtwirtschaftlichen Gründen (Rezession) den “ Kampf gegen den Klimawandel “ erst einmal beiseite legen. Wir werden ganz andere Probleme haben, die ganz andere Prioritäten erfordern. Jeder Grüne, und jeder Grünen-Wähler muss wissen, dass die Finalisierung des Atomausstiegs den Geldfluß zu Putin, und damit den Krieg gegen die Ukraine mitbezahlt und verlängert.

Hannibal Murkle
3 Monate her

Da die Chinesen heute offen sagen, dass sie zu Russland stehen, rechnen sie vermutlich mit dem baldigen Fall des Westens. Darauf spielt keine Rolle mehr, wer von den Klimaindustrie-Lobbyenden*Innen was sagt.