Berliner Polizei bereitet sich auf einen Blackout vor

Die Berliner Polizei hat Szenarien für einen großen Stromausfall entwickelt. Die Möglichkeiten für die Ordnungskräfte, sich auf den schlimmsten Fall einzustellen, sind jedoch eher beschränkt.

IMAGO / ZUMA/Keystone
Ein geplündertes Geschäft in New York nach dem großen Blackout von 1977

Die Berliner Polizei bereitet sich nach Medienberichten mit einem Notfallplan auf einen Energieausfall vor. Die Landespolizeidirektion und das Landeskriminalamt erarbeiteten hierzu ein Konzept, das drei Stufen vorsieht. Die erste Stufe, die Verteuerung der Energie ist demnach bereits eingetreten. Demonstrationen und Proteste sind die Folgen. Die zweite Stufe beinhaltet die Verknappung der Energie. Die Gas- und Stromversorgung wird dezimiert. Haushalte können nicht mehr uneingeschränkt heizen und warme Mahlzeiten zubereiten. Dann würde beispielsweise auch die Toilettenspülung nicht mehr rund um die Uhr funktionieren.

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In der letzten Phase wird von einem Blackout, also einem flächendeckenden Stromausfall, ausgegangen. Die Autoren erwarten für diesen Fall Plünderungen und Unruhen aus. Ich nehme dabei marodierende Banden an, die auch auf das Umland von Berlin (kleine Gemeinden!) ausweichen. Denn wenn die Regale der Märkte in der Stadt geleert sind, ist auf dem Land immer noch etwas zu holen.

Nach dem Deutschen Städte- und Gemeindebund hat also auch die Polizei solche Szenarien entwickelt und interessiert sich für Fragen, die man bis vor kurzem ausschließlich „Rechten“ zuschrieb. Die Realität überholt offenbar immer wieder die die wirklichkeitsblinden Ideologen und Utopien.

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Deutschland war Weltmeister im Export. Das sind wir immer noch in den Papierlagen. Die meisten haben nicht die Qualität, erfolgreich umgesetzt zu werden. Sie bleiben als „Schatz“ in den Verwaltungen. Der Teufel liegt wie immer im praktischen Detail. Gefüllte Wassertanks, Satellitenhandys und Notstromaggregate anzuschaffen, ist ein Selbstverständnis und Minimum an trivialen Erfordernissen. Die polizeilichen Großlagen müssen erfahrungsgemäß trainiert werden.

Die sich ergebende Frage ist, ob man die Folgen und Nachfolgen (!) eines Blackouts überhaupt allumfassend praktisch durchspielen kann. Natürlich ist das nicht möglich. Vermutlich wird man sich in einer so großen Stadt wie Berlin, der bei einem Worst Case viel zu wenig Polizeikräfte zur Verfügung stehen, auf einige wenige Objekte und Aufgaben konzentrieren müssen. Mit anderen Worten: Die Bevölkerung wird sich weitestgehend selbst überlassen sein.

Einige Details

Weiß der einzelne Beamte, der zu Hause sitzt, was er konkret zu tun hat, wenn alles dunkel wird? Die Nahverkehrsmittel sind ausgefallen, ist der Tank im eigenen Auto ausreichend gefüllt? Wo muss er hin, wie kommt er zur Dienststelle, mit welcher Ausrüstung, wer gliedert die Kräfte und erteilt Aufträge? Ist das in diesem Konzept auch geregelt? Das darf bezweifelt werden. Die Bundespolizei hat in den meisten Dienststellen Notstromaggregate und kann damit einige wenige Tage durchhalten. Tanklastzüge sind dagegen keine vorhanden, deren Anschaffung wurde abgelehnt.

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Eigene Tankstellen und Werkstätten gibt es nicht mehr. Jetzt rächt sich, dass die eigene Logistik kaputtgespart und an private Firmen vergeben wurde. Nur die Bundespolizei hat noch funktionierende Verpflegung mit eigenen Küchen, ansonsten erhielten private Caterer den Zuschlag. Ob die im Chaosfall überhaupt Personal zur Verfügung haben, Essen aufbereiten (ohne Strom) und liefern können, darf ebenso angezweifelt werden. Die politischen Fehler der letzten Jahrzehnte, (Personalabbau, selektives Outsourcing elementarer Aufgaben an Privatunternehmen) lassen sich nicht von heute auf morgen heilen.

Schlussendlich müssen die Einsatzkräfte auch geschlossen untergebracht werden. Wurde das, wie zum Beispiel in Thüringen, bereits geregelt? Hoffentlich bekommt dabei keiner der Beamten „Heimweh“, weil er unentwegt voller Sorge an seine Familie mit den kleinen Kindern denken muss. Je länger ein Blackout anhält, desto wirkungsloser können die noch möglichen polizeilichen Eingriffe sein. Sicherlich kann man Großlagen gut trainieren, einen Blackout jedoch nicht. Es darf angezweifelt werden, ob die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen überhaupt ausreichend analysiert und definiert worden sind, bevor man ein greifbares und praxisnahes Einsatzkonzept erstellt.

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Das betrifft ebenso die Nachwehen, wenn das Strom- und Wärmenetz langsam wieder hochgefahren werden kann. So ein komplexes System funktioniert aufgrund der europäischen Vernetzung und Globalisierung nicht auf Knopfdruck. Die Warenproduzenten, deren Zulieferersysteme und die Transportunternehmen werden mehrere Monate benötigen, um den gewohnten Normalzustand wieder herzustellen. Der Ratschlag des Hautgeschäftsführers des deutschen Städte- und Gemeindebundes, sich für 14 Tage einzudecken, sind nur ein nett gemeinter Akt der Selbstberuhigung.

Mir ist jedoch klar, dass viele Menschen gar nicht die finanziellen und räumlichen Voraussetzungen für ein eigenes Vorratslager besitzen. Wasser, Wärmegerätschaft und lebenserhaltende Medikamente sollten trotzdem entsprechend der eigenen Möglichkeiten angeschafft werden. Dieses, die eigenen Sicherheitserfordernisse und alles Weitere können Sie umfangreicher hier nachlesen. Wer vorgesorgt hat, muss nicht plündern oder bei anderen Menschen betteln gehen.

Steffen Meltzer ist Autor des Buches „Ratgeber Gefahrenabwehr“.


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Kommentare ( 27 )

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27 Comments
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Ralf Poehling
10 Tage her

So langsam sollte jedem denkenden Menschen klar werden, dass die Polizei einen derartigen Krisenfall nicht komplett bis gar nicht abfedern und die zivilisierte Bevölkerung nicht vor allen Unzivilisierten Plünderern und Verbrechern wird schützen können. Es ist zwingend geboten, dass die anständige Zivilbevölkerung alles dafür tut, sich selbst auf den Ernstfall vorzubereiten und sich möglichst gut mit Wasser, Nahrung und Waffen eindeckt, um die Überforderung des Staatsapparates abzufedern. Und der Staat muss aufhören, dies mit absurden Gesetzen zu saboteren. Der Staat ist nicht allmächtig. Wenn der Staat versagt, werden seine Schutzbefohlenen in rauen Mengen sterben. Und dann wird dieser Staat dafür… Mehr

Evero
10 Tage her

Statt dass sich die Polizei auf einen Blackout in der Millionenstadt Bundeshauptstadt vorbereitet, sollte die Regierung ihre ideologischen Scheuklappen abwerfen und North-Stream-II einschalten, dann erübrigen sich andere Schildbürgerstreiche unserer grünspanhaltigen Verwaltung.

Die Ansicht, einen länger andauernden Blackout polizeilich zu beherrschen ist vollkommen illusorisch.
Wollen die Polizisten dann mit E-Scootern ausrücken, um Strom zu sparen?

Astrid
10 Tage her

Man da hat die Berliner Polizei den Kopf voll. Derzeit der Kampf gegen räächts und dann die vielen Delegitimierer des Staates, die auf die Straße gehen, weil sie mit den Verhältnisses, wie z.B. zu hohe Energiekrise, Coronapolitk, Arbeitsplatzverlust etc.nicht klarkommen und ihren Unmut darüber äußern werden. Auf den Coronademos hat man ja schon gesehen, wie toll die Ausbildung funktioniert hat. Die waren richtig gut ältere Damen mit dem Grundgesetz in der Hand über den Asphalt zu schleifen. Die Berliner Polizei ist sehr bürgernah und diesen sehr verbunden. Lets go!

Evero
10 Tage her
Antworten an  Astrid

Nach dem Motto “ Wer sich bewegt ist ein Rechter“. Linke Staatsterroristen bleiben zuhause, lassen sich ihr Bürgergeld überweisen und löschen derweil im Auftrag der Regierung ihnen nicht genehme Tweets aus dem Netz.

Helmut Kogelberger
10 Tage her

Die Berliner Polizei („Lass mich Dein homie sein…“) kriegt nicht mal eine Führerscheinkontrolle bei Merkelgästen über die Bühne ohne vermöbelt zu werden.

Tizian
10 Tage her

Die Polizei bereitet sich auf die bürgerkriegsähnlichen Auswirkungen eines Blackout vor, während die deutsche Regierung aus rein ideologischen Gründen die AKW und Kohlekraftwerke abschaltet und es aus rein politisch motivierten Gründen ablehnt, daß die zur Verhinderung eines Blackout nötigen Gaslieferungen ankommen können und treibt nebenher die Strompreise in Europa in absurde Höhen. Das alles, obwohl sie die Pflicht, Verantwortung und die Möglichkeit hätte, einen Blackout zu verhindern. Deutschland anno 2022! Völlig irre!

Fieselsteinchen
10 Tage her

Man sollte gerechterweise zwischen Plünderern und “Plünderern” unterscheiden. Die erste Sorte sind Kriminelle jeglicher Couleur, die genau auf solche Momente warten, um im Schutz der Dunkelheit zuzuschlagen, bei fehlenden Sicherheitskräften natürlich auch am Tag. Die nehmen alles mit, was geht, ich vermute sogar, dass die momentan ziemlich gut dabei sind, Objekte auszukundschaften. Die zweite “Sorte” sind die prinzipiell Gesetzestreuen, die sich in einer Notlage befinden, weil sie sich nicht vorbereitet haben/vorbereiten konnten und merken, dass sie dringend, z B Babynahrung brauchen. Um der Lage, Herr zu werden, werden sicher die eingesetzten Polizisten zu Beginn milde agieren (Befehl von oben), um… Mehr

Last edited 10 Tage her by Fieselsteinchen
Manfred_Hbg
10 Tage her

Zitat: „Die Bevölkerung wird sich weitestgehend selbst überlassen sein.“ > Genau so wird es dann bei einen -vor allem mehrtägigen- Blackout kommen! Wobei es mich hier dann auch so gar nicht überraschen würde wenn dann viele der Polizisten zum Personen- und Objektschutz abkommandiert werden weil z.Bsp. unsere wohlwollenden woken Eliten – und hier besonders jene die für dieses (Energie-)Elend verantwortlich sind – als erstes lauthals um Hilfe und nach Polizeischutz am schreien sind weil sich bei manchen von denen schon die ersten Menschengruppen vor deren schönen Heimen versammelt haben. Außerdem würde mich hier dann vor allem auch mal interessieren, dass… Mehr

Fabian S.
10 Tage her

In so einem Dritte-Welt-Land wie Deutschland macht es natürlich Sinn sich auf einen Blackout vorzubereiten! Die Elite sitzt währenddessen in ihren Palästen mit Notstrom.

Th. Nehrenheim
10 Tage her

»Die politischen Fehler der letzten Jahrzehnte, (Personalabbau, selektives Outsourcing elementarer Aufgaben an Privatunternehmen) lassen sich nicht von heute auf morgen heilen.«
Davor steht erst einmal die Einsicht, dass es sich um existenziell relevante Fehler handelt. Und dafür gibt es diese Katastrophe. Ich freue mich darauf und auf das Gejammer der Idioten.

Last edited 10 Tage her by Th. Nehrenheim
Der-Michel
10 Tage her

Welcher Aldi, Lidl, Rewe, Edeka hat ein Notstromaggregat in Reserve? Ich kann nur jedem raten sich die Kühl- und Tiefkühlbereiche der Supermärkte anzuschauen. Diese ganzen Waren müssen dann, wegen Unterbrechung der Kühlkette, entsorgt werden. Aber auch die Privathaushalte müssen nach einer gewissen Zeit sämtliche Lebensmittel, die gekühlt oder tiefgekühlt werden müssen, entsorgen. Wer hat heute noch einen Kamin im Haus an dem ein Holz- / Kohleherd angeschlossen ist und kann solche Lebensmittel mittels Einkochen haltbar machen? Die Versorgung der Bevölkerung wird auf breiter Basis komplett zusammenbrechen! Schwerstpflegefälle, die zu Hause gepflegt werden und auf eine funktionierende Stromversorgung angewiesen sind, sei… Mehr