Bis zu 900 Milliarden Euro soll der Klimawandel kosten

Das Bundeswirtschaftsministerium stellt eine Studie vor, der zufolge der Klimawandel 280 bis 900 Milliarden Euro kosten könnte. Geliefert wie bestellt, in UBA-Tradition? Oder Ausweis für die bisherige Nutzlosigkeit der Energiewende?

IMAGO / Bernd Elmenthaler

280 bis 900 Milliarden Euro könnte der Klimawandel Deutschland kosten. So eine Studie, die das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und die Prognos AG heute vorgestellt haben und über die das Handelsblatt berichtet. Auftraggeber dieser kolossalen Prognose: Wirtschaftsminister Robert Habeck.

Ein Katastrophenmodell auf Bestellung? Zumindest heißt es neuerlich: klotzen statt kleckern. Denn auch diese Kosten sind nicht vollständig. Manche Schäden ließen sich schlicht nicht beziffern – etwa die eingeschränkte Lebensqualität, der Verlust der Artenvielfalt oder psychische Belastungen.

Bei den bezifferbaren Schäden gehen die Forscher davon aus, dass sich die durchschnittlichen jährlichen Kosten aufgrund von „Extremwetterereignissen“ bis 2050 bis um das Fünffache erhöhen. Laut Wirtschaftswoche hieße das, dass im „worst case scenario“ im Jahr 2050 1,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels wegfielen.

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Die Studie kennt auch zwei Hauptverantwortliche: den Gebäudebereich und den Verkehrssektor. Das überrascht – und doch wieder nicht. Denn einerseits hat Deutschland deutlich früher als jedes andere Land eine „Energiewende“ eingeleitet, landet jedoch in der CO2-Statistik deutlich abgeschlagen gegenüber dem Nachbarland Frankreich, das bekanntlich ja mehr Schaden als Nutzen aus seiner Atomkraft zieht, wie deutsche Medien immer wieder zu belehren wissen.

Andererseits ist klar, dass Diskussionen über Verbrenner-Aus und Tempolimit damit neuen Schwung erhalten. Geliefert wie bestellt, in guter UBA-Tradition?

Die Frage bleibt, ob die Bundesregierung sich mit dieser Studie einen Gefallen tut. Denn man könnte sich fragen, ob die bisherige deutsche Klimapolitik wirklich so zielführend ist, wie suggeriert wird. Warum steht Deutschland trotz Energiewende im internationalen Vergleich bei den CO2-Emissionen so schlecht da? Warum hat die von den Grünen vorgedachte, sowie von CDU, FDP und SPD durchgeführte Energiewende nach zehn Jahren so wenige Auswirkungen? Und weshalb soll ausgerechnet „mehr vom selben“ dieses Mal helfen?

Auch die Bandbreite der Summe sollte verwundern: 280 Milliarden bis 900 Milliarden Euro sind eine sehr große Spanne. Sie setzt drei Szenarien voraus: milde, mittelmäßige und starke klimatische Veränderungen in den nächsten zwanzig Jahren. Wie so häufig kommunizieren Auftraggeber das Horrorszenario. Folgt man aber damit wirklich „der Wissenschaft“?

Dabei sind große Summen in der Klimapolitik nichts Neues. Laut statista kostet die Energiewende bereits rund 500 Milliarden Euro. Da nehmen sich die 280 Milliarden fast bescheiden aus. Warum also nicht gleich eine Billion für die Energiewende 2.0 – sicher ist sicher. Dann behielte auch der so häufig gescholtene Peter Altmaier recht, dass die Energiewende Deutschland bis Ende der 30er Jahre mehr als eine Billion kosten dürfte. Das war 2013. Mit der Ampel darf man sich sicher sein: So lange werden wir nicht warten müssen.

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Kommentare ( 85 )

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G
11 Monate her

1,8% von BIP (heute: 3000 Mrd.) in 2050 sind bei Nullwachstum 54 Mrd. jährlich. Das kostet die Energiewende letzt schon. Wenn unsere Wirtschaftsleistung aufgrund der „Energiewende“ auf die Hälfte fällt kostet das 1500 Mrd. jährlich. Was sind das für Zahlen? 900 Mrd. jährlich oder bis 2050 oder was? Woher kommen die 1,8%?

moorwald
11 Monate her

Heutiger Titel in der WELT: „Die Robert-Habeck-Katastrophe“: .

Bad Sponzer
11 Monate her

Nutzlosigkeit der Energiewende? Aber nicht doch. Darauf warten doch schon viele linksgrüne Taugenichtse, die sonst von H4 leben müssten. Dass ist reine Klientelpolitik und die „gewählten“ grünen Taugenichtse müssen jetzt liefern und den „wählenden“ grünen Taugenichtsen was zurückgeben. Die wissen alle ganz genau, dass das fürs Klima nix bringt. Aber es bringt was für die grünen Taugenichtse. Darum geht es!!!

w.k.
11 Monate her

Also, soviel soll eine Massenhysterie in D kosten.

Edwin
11 Monate her

Bei jedem öffentlichen Kostenvoranschlag, da politisch motiviert, kann man getrost mindestens einen Faktor von 3 bis 4 dranmachen. Der BER, Stuttgart 21 und die Elbphilharmonie lassen grüßen.

K.Behrens
11 Monate her

Was ist eigentlich ein „Klimaminister“ und welche Aufgaben hat ein „Wirtschaftsministerium“? Die größte propagandistische Verdummung seit Bestehen der Bundesrepublik! Was kostet diese obskure Studie und wo kann sie gelesen werden? Es reicht ein Blick in jede Kommune Deutschlands und deren Zersiedelung seit 20 Jahren. So sehr ich jeder Gemeinde die Steuereinnahmen und jedem sein Häuschen gönne, eine weitere Ansammlung von Einfamilienhäusern auf kleinen Grundstücken und damit verbundener Bodenverdichtung wird sich auswirken. Weiter geht es mit Windrädern, allein das Fundament für ein Windrad hat einen Durchmesser von 20 – 30 Meter und eine Tiefe bis zu 4 Meter. Lustig wird es auch… Mehr

Lizzard04
11 Monate her

IöW was? Wer bezahlt das und warum? Offensichtlich ein weiterer, staatlich subventionierter „Laden“, der sich mit dem Begriff „Forschung“ schmückt, dann aber mit Arbeiten an die Öffentlichkeit tritt, die eher dem Niveau einer kirchlichen Glaubenskongregation entsprechen als auch nur ansatzweise wissenschaftlichen Grundsätzen. Gemeinsam mit den anderen Slapstick-Instituten wie DIW (Kemfert) oder diesem unsäglichen Potsdamer Institut für Klimafolgeforschung bitte sofort auflösen und Steuergelder sparen! Wobei, das ist mittlerweile ja auch völlig sinnlos.

89-erlebt
11 Monate her

Niemand hat die Absicht die Kosten des LNG Wahnsinns zu benennen. Am Bsp Brunsbüttel: „Hoegh Gannet“ mit Tagesrate von 200.000 $. Am 20.01.23 großer Bahnhof zum Erstanlauf – nix LNG. Dann wieder raus auf Reede, dann Cuxhaven … warten auf Olafs Weihnachtsschiff aus 1001 Nacht.
Nix LNG ins Netz. Jetzt wieder raus vor Wilhelmshaven auf Reede, mit einem Schlepper immer stand by ( kostet weniger als 10.000 $ pro Tag) dazu noch 24 Stunden Lotsen an Bord. Sinn & Zweck: Kosten für den Steuer Michel hoch halten.

Proffi
11 Monate her

Der CO2 Eintrag in die Luft der Atmosphäre hat nur Vorteile. Insofern muß man die Franzosen nicht beneiden.

Proffi
11 Monate her

Würde er die wahren wissenschaftlichen Grundlagen kennen, würde er nicht über den Klimawandel sprechen. Es ist unglaublich daß die zum Himmel schreiende Ignoranz bezüglich Klima und Wirtschaft des Omaschmeichlers seinen Kabinettskollegen nicht auffällt, die sich seinetwegen in Grund und Boden schämen müssten. Stattdessen machen sie sich zu Komplizen der dümmsten Wirtschaftspolitik, die man sich nur denken kann. Auch wenn sie alle genausowenig von der Materie verstehen, sollte ihnen die dummdreiste Unverfrorenheit des beliebten Kollegen zumindest sauer aufstoßen.