Mehrere EU-Länder setzen auf Kernenergie

Die Internationale Atomenergiebehörde in Wien meldet eine erhöhte Nachfrage nach Kernkraftwerken. Derzeit seien weltweit 52 neue Atomkraftwerke im Bau, allein 13 in China.

Eine Wende von der Energiewende? Mehr und mehr können sich wieder Atomreaktoren vorstellen. Vor Kernkraftwerken wird sogar wieder demonstriert – für den Fortbestand der Kraftwerke! Doch keine Chance! Kernkraft hat in Deutschland fertig.

In einer Umfrage von Civey haben sich 43,9 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, dass Deutschland zum – so wörtlich – »Gelingen der Energiewende wieder verstärkt auf Atomkraft setzen« sollte. Mit »Nein, auf keinen Fall« antworteten 31,3 Prozent. Mit Unentschieden 4,8 Prozent.

Atomkraft gern! Denn langsam werden die desaströsen Folgen der »Energiewende« sichtbar. Die bisherigen »Ergebnisse«: Deutschland hat die höchsten Strompreise – weltweit. Der Strom wird knapper und knapper. Die Stromqualität nimmt ab. Immer häufiger sehr kurzfristige Frequenzschankungen und Aussetzer schädigen elektronische Steuerungen in Unternehmen und verursachen Schäden in Millionenhöhe.

Mehrere EU-Länder setzen auf Kernenergie. In den Niederlanden steigt das Interesse an Kernkraft. In Frankreich legt Präsident Macron ein eine Milliarde teures Programm zu Entwicklung neuer Mini-Atomreaktoren auf. Der sogenannte »Weltklimarat« IPCC bekennt sich ausdrücklich zur Kernkraft aus Gründen der Klimaneutralität. In Deutschland dagegen liefern derzeit noch sechs Reaktoren Strom, die sollen jedoch alle bis Ende 2022 abgeschaltet werden. Woher dann der Strom kommen soll, ist keinem der »Energiewender« klar.

Technisch gesehen könnten sie weiterlaufen. Sie sind auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik. Doch gibt es so schnell keinen Brennstoff mehr. Die etwa fünf Meter langen und fast eine Tonne schweren Brennelemente kauft man nicht im Supermarkt um die Ecke, sondern muss sie Jahre voraus bei kerntechnischen Anlagen bestellen. Die entsprechenden Lieferverträge sind gekündigt. Gut, könnte man alles regeln, allein der Hauptgegner heißt: die Grünen. Deren erklärter Wille: Atomkraft, nein danke! Selbst wenn die Spitze dies wollte, sie könnte diesen ideologischen 180-Grad-Schwenk ihren Fußtruppen kaum erklären.

Atomkraft – ja bitte? Zu spät! Auch aus Sicht der Energieversorger. Deren Aussage ist klar und eindeutig: »Wir werden unsere Atomkraftwerke nicht weiter betreiben!« Das betonte gerade erst wieder Michael Müller, Finanzchef des Stromerzeugers RWE, in einem Interview mit der Börsen-Zeitung. In Deutschland sei die Diskussion durch.

Nach den Schlammschlachten vergangener Jahrzehnte kann man es den Energieversorgern auch kaum verdenken, dass sie die Nase voll von Atomkraftwerken haben. Zumal sie prächtig an Windrädern und Photovoltaikanlagen verdienen, denen so viel Geld hintergeworfen wird, dass es fast schon unanständig ist. Sie bekommen gutes Geld dafür hinterhergeworfen, dass sie ihre guten Kraftwerke abschalten. Je schneller, desto besser. Wenngleich nachdenkliche Stimmen aus den Reihen der Versorger schon hinter vorgehaltener Hand fragen, was passiert, wenn der Zug weiter so mit Volldampf gegen die Wand rauscht. Dann dürfte irgendwann auch das Geschäft mit den Subventionen für Windstrom nicht mehr funktionieren, weil einfach kein Geld mehr da ist.

Jetzt kann Müller noch aus voller betriebswirtschaftlicher Überzeugung sagen: »Es ist im übrigens wirtschaftlich viel attraktiver, in Erneuerbare zu investieren als in Kernkraft.« RWE hat sich auch frühzeitig mit reichlich CO2-Zertifikaten eingedeckt, den modernen Ablassbriefen. »Wir haben uns finanziell bis 2030 abgesichert.«
Umso wichtiger sei, dass die Politik jetzt den Ausbau der Erneuerbaren beschleunige, meint Müller. Je mehr Strom aus Wind und Sonne komme, desto weniger spielten Gas- und CO2-Preise eine Rolle. Immerhin fügt er noch hinzu, dass die Wetterabhängigkeit in der neuen Energiewelt zunehme.

Die vergangenen vier Wochen zeigten wieder einmal jene gewaltige Lücke, die zwischen Stromverbrauch und Angebot von Solaranlagen und Windrädern liegt.
Am 18. Oktober um 13 Uhr lag der Stromverbrauch Deutschlands bei 75 Gigawatt. In der Mittagszeit schien die Sonne, so konnten die Solaranlagen 12,7 Gigawatt liefern, die Windrädles leider nur 4,2 GW. Der Wind war ziemlich eingeschlafen.

Die Versorgungslücke ohne konventionelle Kraftwerke: Den Rest von 48,5 GW lieferten die konventionellen Kraftwerke. Ohne die hätte es duster ausgesehen. Und ja, es macht keinen Spaß, dieses unfassbare Experiment zu beschreiben, wie ein Land seine gut funktionierenden Kraftwerke schrottet, Milliardenwerte vernichtet und die Stromversorgung zertrümmert. Das unter lautem vielstimmigen Jubel.

Währenddessen meldet in Wien die Internationale Atomenergiebehörde eine erhöhte Nachfrage nach Kernkraftwerken. Derzeit seien weltweit 52 neue Atomkraftwerke im Bau, allein 13 in China.

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Kommentare ( 65 )

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65 Comments
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Peter Pascht
1 Monat her

Wir haben zusammen mit den AKW, selbstverstsändlich auch die technologische und wissenschaftliche Kompetenz dazu, mitvernichet, für deren Erlangung es Jahrzehnte gebraucht hat.
Das solte doch klar sein.
Diese wieder zu erlangen wird wieder Jahrzehnte dauern, wenn überhaupt.
Das gleiche gilt für Verbrenner und Getriebe Technologie beim PKW.
Spätestens in 5 Jahren wird niemand mehr in Deutschland einen Verbrennermotor oder Automatic-Schaltgetriebe, konstruiern, entwickelen, berechnen können.
Die elektronischen Chips zur Steuerung werden eh nicht mehr bei uns entwickelt und produziert, daher, schauen in die Röhre, nach China.
Das gleiche in der Medikamenten Entwicklung und Produktion.

Enrico
1 Monat her
Antworten an  Peter Pascht

„Wir haben zusammen mit den AKW, selbstverstsändlich auch die technologische und wissenschaftliche Kompetenz dazu, mitvernichet, für deren Erlangung es Jahrzehnte gebraucht hat.“
Guter Punkt. Diese langfristig verheerend wirkenden Folgen des Ausstiegs aus der Kernkraft(technologie) ist leider der wählenden Bevölkerung erst in Promillebereichen bewußt. Wie so vieles andere auch. Für einen etwaigen blackout-erzwungenen Relaunch (dauert!) werden dann ggf. chinesische Spezialisten angeheuert, 600.- € die Stunde oderso, aber wir hamms ja.
Aber Zielhorizont ist ja sowieso, daß wir in 10-20 Jahren uns gendergerecht nur noch gegenseitig die Haare schneiden. Irgendwie sowas.

Peter Pascht
1 Monat her

Da sitzt ein Fianzminister Altmaier in einer Talk-Runde im TV (die ich zufällig gesehen habe) in der zeit dieser Corona Krise und sagt großkotzig grinsend
„Wir haben unendlich viel Geld“
und niemand in der Runde fällt tot um vor Lachen.

Biskaborn
1 Monat her
Antworten an  Peter Pascht

Altmaier ist Wirtschaftsminister, Scholz ist Finanzminister! Klar, die haben genug Geld, die Druckerpresse läuft auf Hochtouren!

HPM
1 Monat her

Deutschland will nach politischer Vorstellung durch „Elektrifizierung“ von Wärmeprozessen, Verkehr und Industrieproduktion massiv CO2 einsparen und damit sog. „klimaneutral“ werden – zumindest glauben viele Klimaforscher und fast alle Politiker daran. Die großen und bislang ungeklärten Fragen sind zwei wesentliche: 1.) Kann man ein Industrieland ohne Atomkraft und ohne fossile Energieträger (Öl, Gas, Kohle) wirtschaftlich überlebensfähig allein mit Wind- und Solarenergie betreiben? – meines Erachtens ist das sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus technisch, physikalischen Gründen nicht erreichbar. 2.) Kann Deutschland mit seinem international einzigartigen Sonderweg der Energiewende zukünftig ein wettbewerbsfähiges und wohlhabendes Industrieland bleiben? – meines Erachtens haben uns andere… Mehr

Kapitaen Notaras
1 Monat her
Antworten an  HPM

Kann man ein Industrieland ohne Atomkraft und ohne fossile Energieträger (Öl, Gas, Kohle) wirtschaftlich überlebensfähig allein mit Wind- und Solarenergie betreiben?“

Das ist nicht möglich, und man kann es anhand des Erntefaktors nachweisen.

Anti-Merkel
1 Monat her

Und wieder einmal hängt ganz Europa hinter dem Rest der Welt – warum keine Thorium-Reaktoren?

Peter Pascht
1 Monat her
Antworten an  Anti-Merkel

Weil China das kann, aber wir nicht.
Wir haben zusammen mit den AKW, selbtvertsändlich auch die technologische und wissenschaftliche Kompetenz dazu, mitvernichet.

Hueckfried69
1 Monat her

Ich habe es aufgegeben. Dieses Volk enthält -was auch die jüngste Wahl bestätigt hat- einen zu hohen Anteil an Verstrahlten, als dass man noch Hoffnung auf eine rationalen Umgang mit dem Thema Kernenergie haben könnte.

Thorsten
1 Monat her

Wer soll denn so dumm sein in D. ein AKW zu bauen, und zu riskieren dass es im Sumpf der Behörden steckenbleibt oder von „Aktivisten“ im täglichen Betrieb terrorisisert zu werden.

Biskaborn
1 Monat her

Der Artikel bringt es dankenswerterweise auf den Punkt. Die Energieversorger setzen voll auf auf Wind und Solar, sind dabei Vorreiter und reden den Grünen, Linken, Bundesumweltamt, NGO‘s und nicht zuletzt den FFF Hüpfern nach dem Mund. Insofern ist die Diskussion über Kernkraft hierzulande vollkommen unnötig. Es gibt kein Zurück, definitiv nicht.

Paul Brusselmans
1 Monat her

Man glaubt sich im Kindergarten. Egal, welche Option, sie ist nicht durchdacht. E-Mobilität ohne Strom und ohne Leitungen (braucht man dann auch nicht mehr), Grundversorgung, Zerstörung von Sozialstaat und Identität bei gleichzeitiger Hypochrisie. Renten, Corona. Ich habe noch nie verstanden, dass man sich «Flüchtlinge» vom Hals halten will und Weissrussland attackiert, gleichzeitig, unabhängig vom Status, die, die es geschafft haben, Vollstversorgung bis in alle Ewigkeit bekommen plus Zuzug, während zunehmend Elend unter deutschen Rentnern herrscht. Diese werden (er)frieren, während es in Asylantenheime und zugewiesenen Wohnungen (bis hin zur Münchner Innenstadt) schön warm sein wird. Die bekämpften «CO2-Treiber» werden schlicht auswandern,… Mehr

FerritKappe
1 Monat her

Die Frage die sich mir stellt wann knacken wir die 1 Euro Marke pro kW/h.
Dank unserer neuen Regierung vermutlich innerhalb von 2 Jahren.
Es wird keinen Öffentlichkeitswirksamen Blackout geben es wird wie bei allem wo Klima und CO2 draufsteht einfach nur völlig unnötig blödsinnig Teuer werden.

elly
1 Monat her

In China rationiert mehr als die Hälfte aller Provinzen derzeit den Zugang zu Strom. Die Energiekrise betrifft Millionen Menschen, die mitunter stundenlang im Dunkeln sitzen oder ihre Handys nicht laden können. In einigen Städten steckten Menschen in Aufzügen fest, Ampeln fielen aus.“ https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-10/energiekrise-china-stromengpass-auswirkungen-lieferketten-stoerung-chipkrise?cid=58974203
ein Blick in die Zukunft . Begreift nur das Sprachrohr der Grünen und NGOs nicht.

Thorsten
1 Monat her
Antworten an  elly

China boykottiert Australische Kohle, weil die sich zanken.