Erstes neues kommerzielles Kern-Kraftwerk im US-Bundesstaat Wyoming genehmigt

TerraPower darf im US-Bundesstaat Wyoming sein erstes kommerzielles Kraftwerksprojekt umsetzen. Die Atomaufsichtsbehörde NRC erteilte die Baugenehmigung nach einem weniger als 18 Monate dauernden Prüfverfahren. Es ist die erste US-Genehmigung für den Bau eines kommerziellen Atomreaktors seit Jahrzehnten. Von Wolfgang Kempkens

Screenprint via YouTube / TerraPower

Die US-amerikanische Atomaufsichtsbehörde NRC hat den Bau des ersten Kernkraftwerks genehmigt, das sich perfekt in moderne Stromnetze integrieren lässt. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sehr viel Strom aus Solar- und Windkraftwerken eingespeist wird. Da diese stark wetterabhängig sind – ohne Wind beziehungsweise ohne Sonne kein Strom –,müssen in diesen Netzen Kraftwerke einspringen, die zuverlässig Strom erzeugen, um ausbleibenden grünen Strom zu ersetzen. Diese Aufgabe übernehmen in der Regel fossile Kraftwerke – kohlebefeuerte im schlechtesten und erdgasbefeuerte im besten Fall. Alle emittieren das Klimagas Kohlenstoffdioxid (CO2), das eigentlich niemand will. Doch noch führt mangels Alternativen kein Weg daran vorbei.

Das Kraftwerk, das jetzt in den USA gebaut wird, kann genau solche wetterbedingten Lücken stopfen, ohne CO2 zu emittieren, denn es wird mit riesigen Tanks ausgestattet, in denen Wärmeenergie in Form von flüssigem Salz gespeichert wird. Wenn es also an grünem Strom fehlt, wird diese Wärme genutzt, um zusätzlich Strom zu erzeugen.

„strategischer Fehler“ Atomausstieg
Kernenergie? Ja. – Planwirtschaft? Nein!
Das Kernkraftwerk hat TerraPower in Bellevue im US-Bundesstaat Washington gemeinsam mit GE Vernova Hitachi Nuclear Energy in Wilmington im Bundesstaat North Carolina entwickelt. Es hat eine elektrische Leistung von 345 Megawatt, die sich auf 500 Megawatt erhöht, wenn zusätzlich der Salzspeicher genutzt wird. Da er weit kleiner ist als gängige kommerzielle Anlagen, die auf mehr als 1500 Megawatt kommen können, zählt die Anlage, die in Kemmerer im Bundesstaat Wyoming realisiert wird, zu den Small Modular Reactors (SMR, kleine modulare Reaktoren). Noch eine Besonderheit: Als Kühlmittel, das die Wärme aus dem Reaktorkern abtransportiert, damit sie in einem Wasser-Dampf-Kreislauf zur Stromerzeugung genutzt werden kann, dient flüssiges Natrium.

Mit diesem Metall haben Reaktorbauer in Japan und Frankreich allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Die damit gekühlten Reaktoren sind alle wegen Leckagen stillgelegt worden. Unkontrolliert austretendes Natrium entzündet sich sofort und brennt wie eine Wunderkerze. Lediglich Russland beherrscht das tückische Material. Im Kernkraftwerk Belojarsk läuft eine solche Anlage mit einer Leistung von 800 Megawatt.

Die Ingenieure von TerraPower lassen sich von den Pannen in Frankreich und Japan nicht schrecken. Sie betonen lieber die Vorteile der Natrium-Technik. Reaktoren, die damit ausgestattet sind, haben einen drucklosen Reaktorkern, benötigen also weder dickwandige Druckbehälter noch druckfeste Rohre, die trotz aller Vorsorgemaßnahmen platzen können. Zudem teilen sie die Anlage in zwei Inseln auf, die räumlich voneinander getrennt sind. Insel eins beherbergt den Reaktor, Insel zwei den Wärmetauscher, dampfbetriebenen Turbogenerator und Salzspeichertanks.

Kritiker bemängeln, dass der Uranbrennstoff weitaus stärker „angereichert“ werden muss als der für andere Reaktoren. Der TerraPower-Reaktor läuft nur, wenn der spaltbare Anteil im Brennstoff 20 Prozent beträgt – nur das Uran-Isotop 235 ist als Brennstoff geeignet. Uran 238, das den Löwenanteil ausmacht, ist nicht spaltbar, wird allerdings im Reaktor in Plutonium umgewandelt. Die hohe Anreicherung mache den Bau von Atombomben leichter, sagen Kritiker. Doch die brauchen mindestens 90 Prozent spaltbares Material. Der Weg dahin ist noch ganz schön weit.

Das Kernkraftwerk im Kemmerer soll vier Milliarden Euro kosten. Als frühester Fertigstellungstermin gilt 2030. Der Internet-Gigant Meta mit Schwerpunkt soziale Netzwerke, Extended-Reality-Produkte und künstliche Intelligenz setzt auf das Gelingen des Projekts. Er will, um seinen rasch wachsenden Strombedarf umweltverträglich zu decken, bis zu acht dieser Anlagen bauen lassen.


Wolfgang Kempkens studierte an der Techni­schen Hochschule Aachen Elektrotechnik. Nach Stationen bei der „Aache­ner Volkszeitung“ und der „Wirtschaftswoche“ arbeitet er heute als freier Journalist. Seine Schwer­punkte sind Energie und Umwelt.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 5 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

5 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
bkkopp
47 Minuten her

In den US-Medien steht unisono dass für die geplanten Baukosten von $ 4 Mrd. ca. $ 2 Milliarden an Subventionen und Staatsfinanzierung beteiligt sind. Bei solchen Rahmenbedingungen kann ich auch ein kommerzielles AKW bauen lassen. Wenn es gut geht, dann bleibt der Gewinn bei den Gesellschaftern, wenn nicht, dann haftet die Staatsfinanzierung, und der Staatskredit wird zum verlorenen Zuschuß. Bei Interesse würden sich umfangreiche Details über das Projekt finden lassen – auf ersten Blick scheint dies genau dies zu sein was wir nicht wollen. Sozialistische Stromproduktion. Wenn in einer kleptokratischen Oligarchie die “ richtigen“ Partner begünstigt sind, dann wird es… Mehr

Klaus Uhltzscht
54 Minuten her

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Kernkraftwerk und einem kommerziellen Kernkraftwerk?

Dr.KoVo
1 Stunde her

Es wäre wünschenswert, würde der Autor sich etwas näher mit der Wirkung von Gasen in der Atmosphäre befassen und dann nicht von CO2 als „Klimagas“ schreiben. Offensichtlich Übernahme aus dem Mainstream. Wenn es mehr CO2 in der Atmosphäre geben würde, wäre es für für die Flora ein Segen. Bei der Temperatur spielt es keine Rolle. Man konnte es aber als Geschäftsmodell hervorragend installieren.

RMPetersen
1 Stunde her

Mit diesem Metall haben Reaktorbauer in Japan und Frankreich allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Die damit gekühlten Reaktoren sind alle wegen Leckagen stillgelegt worden.“
Fertigstellung 2030? Zu schön, um wahr zu sein.

Kaesebroetchen
1 Stunde her

In den USA geht es mal wieder, und völlig ohne pöses CO2! Deutschland verspargelt währenddessen seine letzten, noch verbliebenen Naturlandschaften mit diesen grauenhaften Vogel- und Kleintierschreddern.