ZDF-Intendant Norbert Himmler schweigt eisern zu Böhmermann

ZDF-Intendant Norbert Himmler hat seine Jahresbilanz gezogen. Um es abzukürzen: alles super, alles gut im Zweiten. Nur um ein Thema drückt sich der Boss vom Lerchenberg – um seinen Fäkal-Artisten Jan Böhmermann.

IMAGO / Sven Simon

Obwohl er einen der größten Medienkonzerne weltweit leitet, kommt jeder Ärztepräsident öfter in Medien vor als Norbert Himmler. Mal beantwortet der eine kritische Frage nicht, dann wehrt er sich gegen die Fusion des ZDF mit der ARD. Was nachvollziehbar ist, schließlich würde der Intendant dann wieder zum Abteilungsleiter degradiert. Ansonsten lehnt Himmler noch kritische Fragen ab und gibt dafür selbst Jubel-Pressemitteilungen raus, deren Worte so schön umständlich und selbstverliebt sind, dass sie 1988 in Ost-Berlin als Parole an einer Wand hätten hängen können:

„Das Publikum schätzt unsere Angebote auf allen Ausspielwegen. Das bestärkt uns darin, mit allem Engagement unser Ziel weiter zu verfolgen: Ein ZDF für alle Menschen in Deutschland. Mit einem Programm, das mit anspruchsvoller Unterhaltung ebenso punktet wie mit unabhängiger Information.“ Berührend. Gänsehaut. Erich Krenz hätte es nicht besser formulieren können.

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Es folgt eine Auswahl erlesener Zahlen so zwischen 63 und 99 Prozent: Die „ZDF-Senderfamilie“ erreiche monatlich 64,14 Millionen Menschen. 17 Prozentpunkte weniger als 99 Prozent im Monat. Allein die Streaming-Dienste erreichten 11,06 Millionen Menschen. Knapp halb so viele bedeuten für das Abendprogramm des ZDF schon einen Erfolg. Das schreibt Himmler indes nicht. Aber wer schon keine kritischen Fragen beantwortet, von dem braucht auch keiner Selbstkritik zu erwarten.

Dann zählt Himmler vieles auf, was ihm wichtig ist – und natürlich total erfolgreich: ZDFneo, der Heimatsender der Schwarzwaldklinik-Wiederholungen, oder die ZDF-Mediathek. Die soll übrigens nicht mit der ARD-Mediathek zusammengelegt werden. Nachvollziehbar. Denn dann wäre wieder eine Abteilungsleiter-Stelle weg – und darum geht es schließlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Dessen Nachrichten genießen hohes Vertrauen, formuliert Norbert „Generalsekretär“ Himmler: „Bei der Frage nach der Glaubwürdigkeit der Fernsehnachrichten rangiert das ZDF laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen von November 2022 gemeinsam mit der ARD unangefochten an der Spitze. Entsprechend hoch ist die Akzeptanz beim Publikum.“ Wozu Himmler schweigt: Die Umfrage fand im Auftrag des ZDF statt. Nichts soll den Glanz trüben, der auf den Herren vom Lerchenberg niederkommt.

Einordnung statt Nachricht
Der neue ZDF-Intendant Himmler will lieber einordnen als berichten
Das Programm habe „Ausrufezeichen“ gesetzt, meint Himmler: Ein „Event-Dreiteiler“, ein preisgekrönter Film, ein Drama und mit der zweiten Neuausgabe „Wetten, dass ..?“ „die erfolgreichste Show des Jahres“ mit 10,44 Millionen Zuschauern. „Wer Ausrufezeichen setzt, vertraut seinen Worten nicht.“ Das sagte Wolf Schneider. Eine Legende des kritischen Journalismus in Deutschland. Der hat aber unter Himmler keinen Platz. Sonst würde er von sich aus einräumen, dass die zweite Ausgabe von Wetten, dass..? vier Millionen weniger Zuschauer hatte als die erste.

Fußball erwähnt Himmler auch noch, die Weltmeisterschaft, tolle Zahlen. Jetzt nicht im Vergleich zu den Zahlen früherer Weltmeisterschaften. Aber die verschweigt der Intendant daher lieber gleich. Kritik und so… Auch lässt Himmler weg, wie viel an Gebühren das ZDF der Fifa für dieses Vergnügen bezahlt hat. Genau jener Fifa, die seine Leute dann während des Turniers als so wenig vertrauenswürdig dargestellt haben, dass seriöse Menschen keine Geschäfte mit ihr machen würden. Das ZDF hat sein Geld indes gerne der Fifa gegeben. Gut, es ist das Geld der Gebührenzahler. Aber den Unterschied macht auf dem Lerchenberg schon längst keiner mehr.

Fußball, Filme, Shows, Nachrichten – alles kommt in Himmlers Jahresrückblick vor. Nur einer nicht. Das prominenteste Gesicht des ZDF. Der Mann, der mit „Sche…aufen“ und „Ziege…cker“ das zweitklassige Sprachniveau des Lerchenbergs vorgibt. Jan „Wenn es zu viel Ärger gibt, war’s halt Satire“, ihr „Sche…aufen“ Böhmermann. Dem woken Vordenker der Cancel Culture, der das TV-Verbot von Virologen fordert – die dann wenige Monate später zum Berater der Bundesregierung werden.

Kein Interesse an Selbstkritik
ZDF schottet sich unter Intendant Norbert Himmler gegen Kritik ab
Das ZDF bedeute Vielfalt. Sagt Böhmermanns Chef. Nur ein öffentlich-rechtlicher Sender allein würde die nicht garantieren, begründet Himmler, warum sein Intendanten-Sessel nicht einer Fusion mit der ARD geopfert werden dürfe. Und es stimmt ja: Die ARD berichtet einseitig grün-links – wie das ZDF auch. Aber das bietet obendrein Böhmermanns Fäkalattacken. Das ist in der Praxis die Vielfalt, die Himmler verspricht. Sprachlich kommt sie meist recht braun daher.

Himmler verteidigt Böhmermann. Nicht, indem er sich vor ihn stellt. In all seinen Selbst-Beweihräucherungen erwähnt der Intendant seine Chef-Fäkalienschleuder nicht einmal. Dafür ist Himmler zu sehr TV-Apparatschik: mausgrau bleiben, immer lächeln und bloß nicht auffallen, außer an der richtigen Stelle gegenüber dem richtigen Entscheidungsträger. Mit wohl studierter Selbstbeweihräucherung. Die Konsequenz ist, dass Jan Böhmermann weiter die öffentlich-rechtliche Bühne betreten darf, um deren Finanziers zu beleidigen. Himmler wird ihn nicht stoppen.

Mit Durchgreifen ist es wie mit dem Beantworten kritischer Fragen: Es fördert die Karriere nicht. Dann lieber noch ein Paar „Rosamunde Pilcher“ in Auftrag geben, das vorm Fernseher verbliebene Publikum vor bunter Kulisse weitersiechen lassen und dank deren Treue die nächste Jubelmeldung in Auftrag geben. Ohne zu erwähnen, dass nicht mal jeder Zehnte jünger als 50 Jahre ist, der sich diesen Müll anschaut. Das wäre Kritik. Und die kommt einem Norbert Himmler nicht unter.

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Kommentare ( 28 )

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Unglaeubiger
11 Monate her

Nun, um das so heißgeliete Wort zu gebrauchen: das Programm der öffentlich Rechtlichen ist schon lange nur mehr Sche..!

B.E.
11 Monate her

Was erwarten Sie von den Zwangsgebührensendern ?
Zu den Zwangsgebühren: Kämpfe seit Jahren, muß für eine Adresse, an der ich nachweislich keinen Wohnsitz hatte, Gebühren bezahlen.
Laufende Zahlungen – zweckgebunden – wurden mit angeblichen Rückständen verrechnet, Verstoß nach BGB !!!
Letzter Stand: Klage vor dem VGH Wiesbaden
Gegner nicht erschienen, normal Versäumnisurteil zu meinen Gunsten!
Der Gipfel, Klageabweisung durch den Einzelrichter, ohne Einspruchsmöglichkeit!
Nach StGB und BGB u.a. Betrug !
Auch die StA Köln erklärt sich als nicht zuständig.
… und das im besten D aller Zeiten, nicht mehr mit mir, verziehe nächste Woche ins Ausland !!!

verblichene Rose
11 Monate her

Glauben Sie wirklich, dass ich mir die Wurst von der Stulle klauen lasse? Nun, ich muss sagen, dass mir ausser aller Entgleisungen unserer „Politiker“ tatsächlich noch nichts passiert ist, was mich von m e i n e r Agenda abhält. Es ist richtig, dass ich (wie Sie) immer mehr bezahlen muss und ich so manche Sprachen nicht mehr hören kann, da sie mich so wütend machen, dass Leute anschreien könnte, wenn man sich dann irgendwann auf Englisch, oder Hand und Fuß geeinigt hat. Ich habe da übrigens so ein Punktesystem. Die mit den meisten Punkten schneiden bei mir sehr schlecht… Mehr

verblichene Rose
11 Monate her

Man müsste diesem Mann auf laut gestellte Hörgeräte verpassen, ihm mit Streichhölzern die Augen öffnen und vor einem Fernsehgerät festschnallen. Und dann müsste er Zwölf Stunden Rosamunde Pilcher sehen und hören. Oder die gesamte Staffel Schwarzwaldklinik. Ob das zu böse ist? Nun, darüber liesse sich trefflich streiten, denn der ÖRR mutet dem Gebührenzahler ja ähnliches zu, da sich deren Programm längst vom eigentlichen „Auftrag“ Millionen Kilometer weit entfernt hat. Das, was dort steht, im Rundfunkstaatsvertrag, hat nämlich so gar nichts mehr mit seiner eigentlichen Existenz zu tun. Es gibt nämlich bereits Spartensender, die die Wiederholungen wiederholen und die gleichen Mediatheken… Mehr

Lesterkwelle
11 Monate her

Der Rundfunk IST viel zu wichtig, als das man ihn den Privaten ueberlassen koennte. Das hatte schon Joseph Goebbels erkannt. Gleichschaltung aller Medien, billige Volksempfaenger, Verbot, andere Sender zu empfangen, Personalauswahl durch die Politik, und schon glaubt das Volk an die Bedrohung durch „Erderhitzung“, Coronaviren, reichsbuergerliche Umstuerzler. Oder wie Kanzler Schroeder formulierte „,, Regieren mit Bild, BamS & Glotze“, wobei die BamS wohl eher unbedeutend sein duerfte.

Nibelung
11 Monate her

Der linke Zeitgeist konnte erst richtig Fuß fassen seit es der Kommunistin Merkel gelungen ist, die Schwarzen zu konfirmieren, aus welchen Gründen auch immer und allein bei diesem Gedanken kann einen das Grauen überfallen, wenn man weiß, welche Kenntnisse die Stasi über deutsche Politiker hatte und das könnte mit der Stoff zur Transformation gewesen sein. Die Roten und Grünen hatten damit keine Probleme, weil sie ja schon immer affin gegenüber den Ostkommunisten waren und deshalb auch keine Gefahr drohte, denn normal ist es nicht, wenn eine kam, sah und siegte und das ohne jeden Nachweis der Befähigung und solche Zufälle… Mehr

Regina Lange
11 Monate her

Wenn ich soviel zwangseinkassierte Kohle für meine Ideologie verprassen könnte wie dieser Mensch, würde ich, wie er, auch der Selbstherrlichkeit, der Selbstgefälligkeit und der Selbstgerechtigkeit anheimfallen! Wenn das Geld fließt, egal was man auch immer „liefert“, verdirbt das den Charakter!

Kassandra
11 Monate her
Antworten an  Regina Lange

Reichelt wird es ab Anfang 2023 vormachen, wie man sich aus dem Zwangssystem befreit.
Vorbereitend kann man die Einzugsermächtigung im www unter „Rundfunkbeitrag“ jetzt sofort!!!! zurück ziehen, damit wenigstens der Zugriff gieriger Finger aufs eigene Konto genommen wird. Wenn man die eigene mail nicht angibt, werden die Ihnen schreiben!

Michael M.
11 Monate her

Zitat: „Das Publikum schätzt unsere Angebote auf allen Ausspielwegen. Das bestärkt uns darin, mit allem Engagement unser Ziel weiter zu verfolgen: Ein ZDF für alle Menschen in Deutschland. Mit einem Programm, das mit anspruchsvoller Unterhaltung ebenso punktet wie mit unabhängiger Information.“
Halleluja, ich wusste gar nicht, dass das Cannabis-Legalisierungs-Gesetz schon durch ist ?.
Variante 2 wäre der Typ glaubt/meint das wirklich, dann hat er mein uneingeschränktes Mitleid, denn für dieses Problem erscheint mir eine Heilung eher unwahrscheinlich zu sein.

Montesquieu
11 Monate her

Dieser Phänotyp „Vertriebler“ an den bequemeren steuerfinanzierten Futternäpfen verfügt halt nur über den einfachen Sprechgenerator.
Eine Reformation des Staatsfunks ist unmöglich.
Borkenkäfer bescheiden sich auch nicht. Wir haben Stand heute übrigens 5 000 000 Beschäftigte im Öffentlichen Dienst.

wenmic
11 Monate her

Einfach den Zwang Gebühren zu zahlen abschaffen, wenn die Leute wirklich so begeistert vom Programm im TV sind bezahlen sie sicherlich freiwillig, ähnlich wie bei Netflix, oder ist das etwa nicht ganz so wie der behauptet?

Alrik
11 Monate her
Antworten an  wenmic

Die Zahlung ist bereits jetzt schon freiwillig. Man kann die Zahlung jahrelang verzögern indem man die Zahlung einstellt, gegen die Rundfunkbeitragsbescheide Widerspruch einlegen und gegen den Abgelehnten Widerspruch vor dem Verwaltungsgericht klagt.
Man gewinnt zwar nicht, aber belastet die Verwaltungsgerichte die sowieso schon mit Asylverfahren und Einsprüchen gegen die Coronaverordnungen überlastet sind.