Holocaust-Überlebende plädiert für Menschlichkeit in Israel – und überall

Eine Israelin, ein Palästinenser, eine Holocaust-Überlebende - Anne Will hat spannende Gäste zu ihrer Talkshow eingeladen. Man könnte fast glauben, sie beleuchtet ein Thema von mehreren Perspektiven. Der Grüne Nouripour half dabei allerdings nicht.

Screenprint ARD / Anne Will

Nach drei Wochen ist Anne Will zurück. Mit einem interessanten Spektrum an Gästen, für das man Anne Will gar nicht kennt. In einem Interview kommt Margot Friedländer zu Wort. Sie ist Holocaust-Überlebende und -Zeitzeugin und nicht erstaunt über den Krieg in Israel: „Der Antisemitismus sitzt in den Menschen fest.“ Trotzdem hätte sie nicht erwartet, dass solch ein Krieg nochmal ausbricht. Sie wünschte sich, dass Menschen nicht hassen würden: Weder Juden, noch Moslems, noch Deutsche – „Wir sind alle Menschen“. Der Stand-Up-Comedian und Poetry-Slammer Abdul Chahin stimmt Friedländer zu: Judentum und Islam sind sich von den Prinzipien und Hintergründen eigentlich sehr nah, meint er. Daher versuche er, als Moslem, schon seit langem Brücken zwischen den beiden Religionen zu bauen: Die Kluft und Feindschaft zwischen ihnen ist laut Chahin „gigantisch“, aber die Vorurteile ließen sich leicht aushebeln: Viele, die voreingenommen sind, seien keine Extremisten. Friedländer und Chahin sind sich darin einig: „Es könnte so einfach sein, Mensch zu sein.“

Die von Hamas aber seien keine Menschen, sondern laut Chahin „Geister“: Die Hamas-Leuter seien für die Israelische Armee schwer zu finden, da sie sich in ihren Tunneln versteckten, wodurch verhältnismäßig wenig von ihnen stürben. Die Kollateralschäden hingegen seien sehr groß. Das schüre seiner Meinung nach Hass unter den Palästinensern, den Nährboden für eine neue Generation an Extremisten in der Zukunft, warnt er. Er verstehe den Instinkt Israels, sich zu verteidigen aber er würde sich mehr Diplomatie und eine Waffenruhe wünschen, um die „Gewaltspirale“ zu beruhigen.

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Da widerspricht ihm allerdings die deutsch-israelische Unternehmerin Jenny Havemann. Eine Waffenruhe habe es nach jedem der vielen vergangenen Kriege im Gaza-Streifen gegeben. Aber danach habe die Hamas immer wieder begonnen, Israel mit Raketen zu beschießen. Auch der Nahost- und Terrorismusforscher Guido Steinberg befürchtet, ein Waffenstillstand würde „eindeutig“ der Hamas dienen. Das einzige Argument, das für diesen Waffenstillstand spricht, ist seiner Ansicht nach, einige Geiseln zu befreien. Steinberg findet: Israel müsse den Druck auf die Hamas hochhalten – er sieht keine Alternative. Das würde aber immer schwieriger, weil die internationale Kritik an Israels Strategie immer „prinzipieller“ werde: Die Zeit laufe den Israelis davon, meint Steinberg.

Auch der ehemalige Ministerpräsident und Außenpolitiker Schwedens, Carl Bildt, denkt, dass die Hamas eine „längere Feuerpause“, die die USA von Israel fordert, für ihren Vorteil nutzen würden. Aber damit eben Geiseln freikommen, brauche es einen „Balance-Akt“.

Generell fehlt es laut Bildt in Nahost an „Balance“: Israel habe das Recht und die Pflicht sich zu verteidigen und der Hamas „wehzutun“ aber möglichst ohne dadurch neue Probleme für die Zukunft zu schaffen. Abgesehen von der „Taktik des Tages“ muss Israel sich seiner Meinung nach auch auf eine „langfristige Lösung“ konzentrieren. Ansonsten werde die Situation zwischen Gaza und Israel immer wieder eskalieren. Er hält eine Zwei-Staaten-Lösung für die einzig sinnvolle. Gegen diese Lösung gebe es aber große Opposition auf beiden Seiten.

„Langfristig“ kann Havemann noch gar nicht denken – auch wenn sie die Diplomatie nachvollziehen kann: „Israel kämpft um seine Existenz, um sein Leben“. Sie selbst lebt nördlich von Tel Aviv und erzählt, wie die Lebensumstände dort derzeit sind. Viele seien von dem Massaker und den Bildern traumatisiert. Die Ereignisse seien nicht mehr aus den Köpfen zu bekommen. Sie berichtet, wie im israelischen Radio ständig Interviews mit Überlebenden und Augenzeugen der Massaker zu hören sind, die von den Gräueltaten der Hamas berichten.

Angriff der Islamisten auf uns
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Deshalb ist Havemann enttäuscht, dass sich Deutschland bei der Abstimmung zur UN-Resolution enthalten hat: Bei all diesen Bildern und Geschichten, mit denen sich die Israelis konfrontiert sehen, „tut es weh“, dass Deutschland sich enthält. Aber laut Havemann fühlt sich Israel schon lange allein und daher ist es den meisten Israelis gleichgültig, ob sie international unterstützt werden – oder nicht: Sie würden ihr Land trotzdem verteidigen.

Eine Frage, ob diese Enthaltung von Annalena Baerbock (Grüne) bei der Abstimmung der Vereinten Nationen ein „Zeichen des Alleinlassens“ war, lässt den Grünen-Bundesvorsitzenden Omid Nouripour unsicher erscheinen: Er schweift in seinen Rechtfertigungen und Erklärungen so weit ab, dass die Gesprächsteilnehmer schon verständnislos ihre Stirn runzeln, bis Anne Will sein Geschwafel mit den Worten: „Verstehe ich nicht“ abbricht.

Das war aber nicht die einzige Schwurbelei von Nouripour an diesem Abend: Er meint erst, Krieg sei nicht hilfreich, um eine Terrororganisation zu zerstören. Dann widerspricht ihm Steinberg. Nouiripour berichtigt daraufhin schnell: „Man braucht natürlich die militärischen Mittel und die Härte“. Wie er das dann nennt, wenn nicht Krieg, sagt er nicht. Neben mehreren spannenden Gästen konnte es Will offenbar trotzdem nicht lassen, einen Grünen mit seinen irritierenden Bemerkungen in ihre Gesprächsrunde einzuladen.

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Kommentare ( 53 )

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53 Comments
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Der Person
8 Monate her

Die Borg und die Förderation sind sich von den Prinzipien und Hintergründen eigentlich sehr nah. Und wir sind alle Zweibeiner. Deswegen sollten wie die Borg in unser Territorium einladen und den Diskurs suchen. Dass ein Borg-Kubus die Bevölkerung des Planeten Eridium 3 komplett ausgelöscht bzw. assimiliert hat, das war nur ein Einzelfall. Und hat auch nichts mit den Borg zu tun. Die Borg gehören zur Föderation! Lassen wir uns in unserer Mitzweibeinigkeit nicht von borgfeindlichen Rechten iritieren. Verstand ist zwecklos!

Kalle Wirsch
8 Monate her

Liebe Fr. Will! Wie wärs denn mal mit Themen, die den Deutschen viel wichtiger sind? ZB: „Wie lange kann eine inkompetente Regierung noch so weiter herumwurschteln?“ – Oder: „Was unternimmt die Regierung gegen die Inflation?“ – Oder: „Wie bekommen wir die explodierenden Strompreise in den Griff?“ – Oder: „Was tun gegen ungebremste Zuwanderung?“ – Oder, oder, oder …

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  Kalle Wirsch

Der „Sinn“ solcher shows liegt darin, dass Zuseher nicht beginnen, über solches nachzudenken. Bradbury beschreibt das in Fahrenheit 451 ganz brilliant, indem er zeigt, wie der Mensch mit Pillen ruhig gestellt und mit „der family“ um einen herum über Wandbildschirme 24/7 den Verstand mit Dummzeug besetzt bekommt. Dafür stehen bei uns lange Will et al. Da wird nichts vorkommen, was das uns vorbereitete „Idyll“ stört. Noch anders. Es wird, wenn es stört, nicht mehr geladen. Auch diesmal war keiner von der AfD dabei um sein Stehen zu Israel bekunden zu können. Und hätte man Richard Sulik nach dem Auftritt am… Mehr

Klaus D
8 Monate her

Holocaust-Überlebende plädiert für Menschlichkeit in Israel – und überall……wie naiv! Die menschen sind die größten bestien die die natur je hervorgebracht hat und das wird sich auch nie ändern.

Soistes
8 Monate her
Antworten an  Klaus D

Blödsinn, die Menschen sind Säugetiere wie alle anderen auch. Die Natur ist nun mal kein Ponyhof. Googelns “ Schimpansen Krieg von Gombe “ dann wissen sie, was ich meine.

Last edited 8 Monate her by Soistes
Klaus D
8 Monate her
Antworten an  Soistes

Und was hat das jetzt damit zu tun das WIR menschen die größten bestien (säugetiere) sind die die natur je hervorgebracht hat?

Haeretiker
8 Monate her

Abdul Chahin „Daher versuche er [Abdul Chahin], als Moslem, schon seit langem Brücken zwischen den beiden Religionen zu bauen.“
Das ist schon der völlig falsche Ansatz. Religionen existieren durch ihre Unterschiede, da braucht es keine Brücken. Er sollte sich auf den morbiden Islam konzentrieren und dessen Blutrünstigkeit überwinden.
„Es könnte so einfach sein, Mensch zu sein.“
Genau, wenn er einen humanistischen Ansatz gefunden hat, dann soll er noch mal kommen.

Grenz Gaenger
8 Monate her

„Eine Israelin, ein Palästinenser, ….“

Damit ist sicher ein aus Palästina stammender/in Palästina lebender Araber gemeint, denn der Begriff „Palästinenser“ ist ein Kunstbegriff.

Es gibt kein „palästinensisches Volk“. Diesen Begriff hat Arafat in den Verhandlungen von Oslo noch durchgesetzt – eine Nationalität ist das nicht.

Last edited 8 Monate her by Grenz Gaenger
Kassandra
8 Monate her
Antworten an  Grenz Gaenger
giesemann
8 Monate her

In der Sendung wurde auch von ca. 30.ooo Palis aus Gaza gesprochen, die in Israel arbeiten und so Geld verdienen konnten. Sie haben offenbar wertvolle Spionagearbeit betrieben, gut für die Vorbereitung des Massakers. Vorbei. Gut, dann zahlen eben die Deutschen die entgangenen Löhne … . Nouripour meint zwar, die Hamas sei verantwortlich für den Schlamassel, aber solange das/unser Geld fließt, werden die nicht aufhören. Wir haben es in der Hand, verantwortlich. Wenn man jedoch Islam, die Söhne Allahs hofiert, dann kömmt sowas bei raus. Eigentlich leicht erkennbär. Demographie: https://de.wikipedia.org/wiki/Gazastreifen, Stichwort dort „Bevölkerung“. Verdoppelung alle 15 bis 18 Jahre. Dank „Kinderehen“.… Mehr

derostenistrot
8 Monate her

Thomas Mann in Doktor Faustus Kap. XXXIII: „…..Es ist furchtbar, in die Hände der Fremden zu fallen. diesen Satz und seine bittere Wahrheit durchdachte und durchlitt ich oft…“ Das war zwar 1919, aber das gilt heute auch noch.

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  derostenistrot

Martin Luther hat „Türkenbriefe“ hinterlassen. Alles gültig bis zum heutigen Tag.
Damals schon hat er die Deutschen als schlimme „Aussitzer“ erkannt und beschrieben. Kein Wunder, dass die „Protestanten“ ihren Kirchengründer in dem Zustand, in den sie die „Gemeinschaft der Christen“ brachten, ins Abseits gestellt sehen wollen.

Lars Baecker
8 Monate her

Herr Nouripour irritiert immer, egal wo oder zu welchem Thema er auftritt. Das ist ja nichts erwähnenswertes mehr. Bei Will ist sein Auftreten der Tatsache geschuldet, dass die Moderatorin immer ein grünes Männchen/Weibchen als seelische Schützenhilfe an ihrer Seite benötigt, auch wenn es Rohrkrepierer sind.

Jatoh
8 Monate her

Religion ist niemals Ursache, sondern immer Werkzeug.

honky tonk
8 Monate her
Antworten an  Jatoh

Falsch,Religion ist Ursache für das Verhalten der Naiven/Dummen und Werkzeug von Psychopathen.

Bubi1111
8 Monate her

„Die von Hamas aber seien keine Menschen, sondern laut Chahin „Geister“ und schwer zu finden…“ wären in den Tunnels… Dabei wurde und werden die Kinder und Jugendlichen zum Hass erzogen, empfinden sich sicher zum großen Teil als Kämpfer (Hamas-) durch die Unwra.. Die aktiven Hamaskämpfer werden sicher keine Uniformen tragen… Insofern ist die Unterscheidung zwischen Zivilbevölkerung und „Kämpfer“ unmöglich und die Kinderopfer werden zur Propaganda missbraucht…

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  Bubi1111

Kann bitte jemand zudem beschreiben, was die Uniformen, aber insbesondere die beschrifteten Stirnbänder der „Gotteskrieger“ zu bedeuten haben?

Last edited 8 Monate her by Kassandra