Windkraft: Jahresrekord und zu wenig Strom

Die immer neuen Rekorde der Erneuerbaren Energien in Deutschland kaschieren die Wirklichkeit: Für jeden Tag mit starkem Wind und guter Sonne gibt es auch einen anderen, an dem Kohle verbrannt werden muss.

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Die Erneuerbaren Energien feiern häufig neue Rekorde immer höherer Leistungen. Aber wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Am 8. August, um 10:15 Uhr gelang der Windkraft in Deutschland ein Jahresrekord: Die Leistung sämtlicher Windkraftanlagen in Deutschland betrug 0,141 Gigawatt (GW). Ist das jetzt viel oder wenig? Immerhin, Giga, dass kommt nach Mega.

Umgerechnet entspricht dies der Energie, die 9.400.000 Schreibtischlampen des Autors dieser Zeilen, in diesem Moment verbrauchen (dabei handelt es sich um eine handelsübliche 15 Watt Energiesparlampe). Bei rund 41,5 Millionen Haushalten in Deutschland, ohne Büros, könnte also etwas mehr als jeder vierte Haushalt eine solche Lampe betreiben. Klar, keinen Kühlschrank, keine Klimaanlage, keine Stereoanlage, keinen Computer, keinen Herd. Aber Windstrom kann halt knapp sein.

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Da mag die Bezeichnung „Jahresrekord der Windkraft“ unpassend wirken, es ist allerdings tatsächlich ein Negativrekord. Denn die aktuell in Deutschland installierte Netto-Leistung aller Windräder beträgt 61,79 Gigawatt. Das sind 61,79 Milliarden Watt – oder eben 4.119.333.333,3 – viermilliardeneinhundertneunzehnmillionendreihundertdreiunddreißigtausenddreihundertdreiunddreißigkommadrei –  Schreibtischlampen. Dann wären es schon 99 Lampen pro Haushalt. Dabei bleibt aber wieder kein Strom für Industrie, Verkehr, Gewerbe oder Haushaltsgeräte übrig.

Das ist das Problem mit der Windkraft: Das Auseinanderklaffen von installierter und tatsächlicher Leistung. Denn am Morgen des 8. August lieferten die Windkraftwerke Deutschlands nur 0,23 Prozent ihrer – theoretischen – Leistung. Der besagte Tag im August ist dabei ein besonders extremes Beispiel, aber das Problem der Differenz der Nennleistung und der realisierten Leistung bleibt bestehen. Zum ersten Januar 2019 zum Beispiel betrug die installierte Nettoleistung aller Windkraftwerke – also die zu jedem Zeitpunkt theoretisch mögliche Leistung – 58,85 GW. Das entspricht einer jährlichen Stromproduktion von 515.879,1 Gigawattstunden (GWh) oder 515,9 Terawattstunden (TWh) – das sind 34,4 Billionen Schreibtischlampenbrennstunden. Vorausgesetzt natürlich, es weht zu allen Zeiten ein idealer Wind.

Tatsächlich wurden aber 2019 nur 125,97 TWh Windstrom produziert – gerade mal 8,4 Billionen Schreibtischlampenbrennstunden. Insgesamt wurden 2019 nur 24,4 Prozent der theoretischen Leistung der Windkraftanlagen realisiert. (Dabei ist das noch eine wohlwollende Schätzung, denn bis zum 31.12.19 wurde die installierte Nettoleistung der Windkraft nochmal um 2,02 GW – 134,7 Millionen Schreibtischlampen – ausgebaut).

Und dabei handelt es sich um ein Jahresmittel, bei dem „gute“ Windtage „schlechte“ Windtage, wie eben den 8. August, ausgleichen können. Doch was tun, wenn mal einer dieser Tage ist, an denen der Wind nicht weht? Kein Problem, es gibt ja Solarenergie – zumindest war das am 8. August so.

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Gut, denkt sich der Journalist, der Licht für seine Schreibtischlampe braucht, dann betreibe ich sie eben mit Solarstrom! Der Kreislauf des Lichts: Von der Sonne fällt der Lichtstrahl auf die Solarzelle, wird in Strom umgewandelt, wandert über die Leitung in seine Lampe und fällt dann wieder als Licht auf meinen Schreibtisch. Und tatsächlich betrug die kollektive Leistung der Solarproduzenten am Morgen des 8. August um viertel nach zehn Uhr 25,85 GW – genug für 1,7 Milliarden Schreibtischlampen! Es war also doch jedem Haushalt etwas Licht – waren genau genommen 41 Schreibtischlampen – gegönnt. Vorausgesetzt die Industrie, das Gewerbe und der Verkehr befinden sich im Lockdown, denn normalerweise verbrauchen die Haushalte nur 24,6 Prozent des Stroms. Dann reicht die Sonnenenergie nur noch für 10,2 Lampen pro Haushalt. Oder aber jeder Haushalt darf gleichzeitig zwei Schreibtischlampen (zusammen 30W), einen W-Lan Router (10W), einen Laptop (60W) und einen Ventilator (50W) betreiben. Wer braucht schon Kühlschränke?

Doch die gleiche Problematik wie mit den Windkraftwerken ergibt sich auch mit den Solaranlagen. Am 1. Januar 2019 standen 45,23 GW an Solarkraftwerks Netto-Leistung zur Verfügung, was theoretisch im Jahr eine Energie von 396.486,18 GWh (396,5 TWh) beziehungsweise 26,4 Billionen Schreibtischlampenbrennstunden zur Verfügung stellt. Tatsächlich wurden 2019 47.520 GWh (47,52 TWh) Solarstrom produziert – das sind mickrige 3,2 Billionen Stunden, die eine Schreibtischlampe brennen kann! Oder anders ausgedrückt: Die tatsächliche Stromproduktion der Solaranlagen betrug gerade mal 12 Prozent der theoretischen. (Übrigens: Der Meteoriteneinschlag, der die Dinosaurier vernichtete, ist erst 0,58 Billionen Stunden her). Nach Negativrekorden für die Energiegewinnung durch Solarzellen braucht man nicht fragen: denn nach Sonnenuntergang ist sie immer null. Dass man gerade, wenn es draußen dunkel ist, eine Schreibtischlampe brauchen könnte, ist natürlich ungeschickt. Doch auch zu anderen Zeiten sinkt die Solarstromproduktion: zum Beispiel im Winter, wenn das Wetter sowieso schlecht und die Sonne in Deutschland eher schwächlich ist.

Wenn der Wind nicht weht
Anders ist es zum Beispiel bei der Braunkohle. Die theoretische Energieproduktion betrug 182,9 TWh, die realisierte 101,9 TWh. Also immerhin 55,7 Prozent – obwohl Kohlekraftwerke genutzt werden, um das Stromnetz stabil zu halten: also hochfahren, wenn die Erneuerbaren mal nicht genug liefern, und runter fahren wenn viel Erneuerbarer-Energien-Strom eingespeist wird.

Atomkraftwerke schaffen es hingegen, 85 Prozent ihrer theoretischen Netto-Leistung zu erreichen – und das, obwohl im Laufe des Jahres 2019 Kraftwerks-Leistung in Höhe von 1,41 GW (immerhin 94 Millionen Schreibtischlampen) vom Netz genommen wurde. Die hohe Auslastung von Kernkraftwerken erklärt sich damit, dass Kernkraft die geringsten Gestehungskosten verursacht und daher so lange wie möglich unter Betrieb gehalten wird.

Gaskraftwerke, denen auch in der Energiestrategie der Bundesregierung besondere Bedeutung als Grundlastträger zukommt, bringen nur 20 Prozent ihrer theoretischen Leistung. Sie sind in einer erneuerbaren Energiewirtschaft extrem wichtig als Teil einer Langzeitspeicherinfrastruktur: wenn Wind und Sonne zu viel Strom bringen, wird der Überschuss in Wasserstoff, beziehungsweise Methangas umgewandelt („Power-to-Gas“) und dann, wenn mal eine Flaute herrscht oder die Sonne nicht so will wie die Planer, zur Stromerzeugung verheizt. Da ist es natürlich peinlich, dass Power-to-Gas Anlagen bisher nur als Pilotprojekte existieren und der Ausbau der Gas Netto-Leistung stagniert.

Quelle: FraunhoferISE

Das Problem sind die schwankenden Strommengen, die die nur kurzfristig prognostizierbaren Solar- und Windkraftwerke zur Verfügung stellen. Wenn die Stromproduktion hinter den Erwartungen zurück bleibt, muss Energie aus anderen Ländern importiert werden. Wenn die Sonne stärker ist als erwartet, oder der Wind ideal bläst, dann wird Strom exportiert – wenn nötig sogar zu Negativpreisen. Netzsicherheit geht vor. Reicht auch das nicht aus, werden Kraftwerke abgeschaltet; wenn dies bei Windparks und anderen Kraftwerken, die unter das Erneuerbare-Energien-Gesetz fallen geschieht, dann werden auch noch Entschädigungszahlungen fällig. 2018 wurden zum Beispiel 5,4 TWh Strom abgeregelt, wofür 635,4 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen fällig wurden, die fast vollständig an Betreiber von Windkraftanlagen gingen.

Die große Katastrophe tritt ein, wenn aus dem Ausland Strom gebraucht wird, aber die dortigen Produzenten keine Kapazitäten zur Verfügung haben. Es droht der Kollaps. Bisher werden für solche Fälle Reserve- und Sicherheitskraftwerke vorbehalten – doch diese werden meistens mit Kohle betrieben und aus der Kohle will Deutschland ja aussteigen. Abhilfe sollen sogenannte „smartmeter“, intelligente Stromzähler, und Abschalteinrichtungen schaffen. Diese sollen von der Bundesnetzagentur per Fernsteuerung gesteuert werden – zum Beispiel, um Großverbraucher von Elektrizität vom Netz nehmen zu können, wenn zu wenig Strom verfügbar ist. Auch hier werden wieder vertraglich geregelte Entschädigungszahlungen fällig. Damit, so die Hoffnung, lassen sich flächendeckende Blackouts vermeiden. In Ausnahmefällen kann dies eine Notlösung sein, aber auf Dauer muss die Industrie konstant produzieren können. Hoffnung, das scheint das operative Wort in der deutschen Energiepolitik zu sein. In der Realität könnten ein paar Schreibtischlampen ausgehen. Aber es gibt ja noch Kerzen.

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Kommentare ( 99 )

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99 Comments
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mlw_reloaded
3 Monate her

Witzigerweise macht Deutschland einen Reibach mit grenzübergreifendem Stromhandel. Netto-Export-Gewinn steigt seit Jahren stark an und beträgt aktuell rund 2 Milliarden Euro jährlich. Also von wegen teuer verklappen. Wer streicht diese Einnahmen ein? Die Zahlen sind aus dem BNA Monitoringbericht. Übersehe ich etwas?

Zebra
3 Monate her

Diejenigen, die die „Windkraft“ immer weiter ausbauen wie vom Wahnsinn getrieben, haben nicht nur Bretter vorm Kopf, nein mittlerweile sind es Rotorblätter von 150m Länge. – Sie weigern sich auch, neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse des DUAL-FLUID-REAKTORS zur Kenntnis zu nehmen … einfach infantil.

alacran
3 Monate her

Da zum Zeitpunkt dieses Negativ-Rekordes die Solar-Einspeisung auf ~26 GW stieg, konventionelle Kraftwerke 31,8 GW lieferten und nur langsam heruntergefahren werden konnten, die Last aber nur 59,8 GW betrug, wurden fast 5 GW, wie üblich, teuer entsorgt (exportiert!)
Um 19h reichten dann konventionelle 39 GW zur Lastabdeckung noch nicht aus und ~2.5GW mussten teuer importiert werden. (Quelle: Agorameter)
„Though this be madness, yet there is method in’t!“
Meine nächste Anschaffung ist ein Dieselgenerator für die Minimalversorgung mit Strom im nächten (richtigen) Winter!

Zebra
3 Monate her
Antworten an  alacran

Ich bin mit meinem Dieselgenerator mit einer Nennleistung von 6.000Watt sehr zufrieden.

WGroeer
3 Monate her

Die perfekte autarke Energieversorgung gibt es in Feldheim (Treuenbrietzen). Zusammen mit den 0,141 GW bei Windstille sollte die bayerische Grinsekatze ihren Wunschabstand unter der Berücksichtigung der Bevölkerungsdichte für Gesamt-Deutschland einmal ausrechnen. Hilfestellung durch Frau Baerbock und Herrn Habeck ist ausdrücklich zugelassen.
Eine optische Inspiration, noch ohne den Faktor 3 für den Windkraftausbau, gibt es aus Friedland Mecklenburg.
https://www.youtube.com/watch?v=tAnLfQfc1ko&pbjreload=101

H. Meier
3 Monate her

Das Wechselstromnetz existiert durch folgende Funktionen, eine Wechsel-Frequenz mit exakt 50 Hertz und gleichzeitig einer Balance der elektrischen Leistung zwischen dem Stromverbrauch und der Stromlieferung in das Netz, wie hier veranschaulicht https://www.netzfrequenzmessung.de/
Diese Balance zwischen dem aktuellen Stromverbrauch und denen die zuverlässig liefern können, um die Frequenz stabil zu halten, zeigt den absurden Blödsinn der hinterhältigen Akteure die mit Merkel, bösartige Sabotage-Politik betreiben.

MartinLa
3 Monate her

Die Gesetzeslage zur Abregelung von EE-Anlagen ist mir nicht klar. Geht das nur bei nachgewiesener Gefährdung der Netzstabilität? Oder auch zur Stabilisierung der Preise? Und wie werden die Ausgleichszahlungen für abgeregelte Verbraucher ermittelt? Kann der Netzbetreiber die Anlagen selber abregeln? Abgesehen von derartigen Fragen ist das ganze ohnehin Irrsinn. Durch die Unverlässlichkeit der sogenannten Erneuerbaren müssen doppelte Kapazitäten betrieben werden. Die vermeintlichen CO2 Einsparungen betreffen auch nur die Stromerzeugung, die nur rund ein Drittel der CO2-Emissionen ausmacht.

Indigoartshop
3 Monate her

Wir hatten am 12 August abends mit Freunden in Berlin telefoniert. Auf einmal war die Leitung tot, nichts mehr. Man gebe ein: Stromnetz Berlin Störungsinformationen/twitter. Täglich (T Ä G L I C H) fällt in Berlin irgendwo der Strom aus. Das muß nicht in jedem Fall an der Versorgung mit „Erneuerbaren“ liegen, es kommen vielfach begleitende Umstände hinzu wie marode Haussicherungen oder quotenbedingte Kompetenzen der – ich zitiere: „Danke an die Kolleg*innen. Der Stromausfall in Berlin-Friedrichtshain ist behoben“. Die Chefin der BVG – eine Diplom-Psychologin – bekommt für ihre „Leistungen“ 500.000 € aufs Konto. Es stimmt übrigens nicht, sie führt… Mehr

Andreas Sewald
3 Monate her

Lassen wir mal außer Acht, was unsere Bundesregierung ja auch macht, dass Windkraftanlagen und Photovoltaik ohne gigantische, noch nicht verfügbare oder bei weitem unzureichende Stromspeicherung nicht grundlastfähig sind, da der Wind nicht stetig in gleicher Intensität weht und die Sonne überwiegend nicht klar am Himmel steht. Nehmen wir mal theoretisch an, wir ersetzen die min. 70% Stromenergie, die zurzeit aus nicht regenerativer Produktion kommt, ausschließlich mit Windkraftanlagen. Zumindest wird nach heutiger technischer Sicht ein großer Teil der zukünftigen Energie aus der Windkraft kommen wie das BUA dem Autor Anfang 2019 schriftlich bestätigte. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Leistung von 2 Millionen… Mehr

WGroeer
3 Monate her
Antworten an  Andreas Sewald

Schmunzel.
Terrawatt ist Energie(Leistung), die aus der Erde kommt und anscheinend nicht nur im Koalitionsvertrag von Sachsen enthalten.

Zebra
3 Monate her
Antworten an  Andreas Sewald

Vor allem: Wer möchte in so einem Scheißindustriegebiet überhaupt noch wohnen? Dann muß ich wohl doch noch auswandern … auch mit 72!

moorwald
3 Monate her

Je mehr Windräder, desto besser. Das ist ja das Gute an diesem Wahnsinnstrip, daß er unweigerlich vor der Wand endet. Leider zu immnsen Kosten.

Wir hoffen auf einen harten, dunklen Winter mit wenig Wind. Dann beschert uns die Natur einen lockdown, gegen den „Corona“ nur ein neckisches Spielchen war.

Auswanderer
3 Monate her

Das grosse Problem unserer Politik ist, dass dort sehr viele Ahnungslose sind, die noch nicht mal Detailaufgaben verstehen. Und wie sollen die dann komplexe Dinge wie die Energiewirtschaft verstehen? Es gibt genug Quellen um sich zu informieren, aber ich habe den Eindruck, dass da viele in Wind und Sonne investiert haben und natürlich jetzt nicht zurück können oder auch wollen. Genauso die gleichen „Erscheinungen“ wie mit der Energiewirtschaft kann man auch bei der Diskussion mit dem E-PKW sehen. Damit man weiter fahren kann muss man einen 2,5-Tonner fahren! Da wird auf lange Sicht der Diesel für die Langstrecke ökonomischer und… Mehr