Wie hoch ist der Spitzensteuersatz?

Medien nennen die Dinge nicht mehr beim Namen, sondern passen sich an den von der Politik geprägten Orwell’schen Sprachgebrauch an. Jedes Mal, wenn zu lesen ist, der Spitzensteuersatz liege bei 42 Prozent, folgt wieder jemand der Sprachirreführung.

© imago

Früher einmal wurde mit dem Begriff „Spitzensteuersatz“ genau das bezeichnet, was der Wortbedeutung entspricht, nämlich der Höchststeuersatz in der Einkommensteuer. Es gibt nur eine Spitze – oberhalb der Spitze gibt es sprachlogisch nichts mehr, sonst wäre die Spitze keine Spitze. Dann begannen die Politiker mit der Sprachverwirrung.

Erster Teil der Sprachverwirrung:

Seit 1991 gibt es den sogenannten Solidaritätszuschlag, der ursprünglich als vorübergehende Abgabe zur Finanzierung der deutschen Einheit gedacht war. Inzwischen gibt es den Soli seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Und wenn wir ehrlich rechnen, müssen wir, wenn wir vom Spitzensteuersatz sprechen, natürlich den Soli dazurechnen – so lange, wie er erhoben wird. Also: Jede Angabe des „Spitzensteuersatzes“ ohne den Soli mit einzuberechnen, ist Augenwischerei. Dies gilt besonders für historische Vergleiche, wie sie von Politik und Medien gerne angestellt werden. Denn da werden z.B. Spitzensteuersätze aus den 80er Jahren, als es noch keinen Soli gab, mit dem heutigen Wert verglichen, der jedoch dann ohne Soli (und damit zu niedrig) angegeben wird.

Zweiter Teil der Sprachverwirrung:

Seit 2007 gibt es die sogenannte „Reichensteuer“. Anders als der Begriff es nahelegt, handelt es sich jedoch keineswegs um eine eigene Steuer, sondern lediglich um eine Erhöhung des Einkommensteuersatzes für höhere Einkommen. In Wahrheit handelte es sich also um nichts anderes als um eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Nur, dass es fortan zwei Begriffe gab: Mit „Spitzensteuersatz“ wurde nun der Steuersatz von 42% bezeichnet, mit „Reichensteuer“ jener von 45%. Letzterer galt ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro, wobei dieser Betrag in der Folgezeit nach oben angepasst wurde.

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Steuerpläne der SPD: Verharmlost und falsch gerechnet
Die Politik nannte fortan den neuen Spitzensteuersatz nicht mehr Spitzensteuersatz, sondern wählte ein anderes Wort („Reichensteuer“), weil sich damit leicht Vorurteile und Sozialneid mobilisieren lassen, so dass der neue, erhöhte Spitzensteuersatz nun schon sprachlich als Gebot der „sozialen Gerechtigkeit“ erschien. So wie der Begriff „Soli“ eine Steuererhöhung positiv „verkaufen“ sollte (Solidarität wird von den meisten Menschen positiv empfunden), so sollte der Begriff „Reichensteuer“ eine Steuererhöhung legitimieren, indem Sozialneid-Assoziationen bei Steuerzahlern erweckt werden, die nicht reich sind.

So wird der Spitzensteuersatz korrekt berechnet

Ich bleibe dabei: Der Spitzensteuersatz ist der Höchststeuersatz, den jemand in der Einkommensteuer zu entrichten hat. Und so wird er berechnet: 45% plus 2,475% (das sind 5,5% von 45%) = 47,48 Prozent (aufgerundet).

Orwell lässt grüßen

Lassen Sie sich also nicht täuschen, wenn Sie in der Zeitung lesen, der Spitzensteuersatz liege bei 42%. Wer das schreibt, ist dem bei Politikern beliebten Orwell’schen Neusprech aufgesessen, mit dem Sachverhalte sprachlich verschleiert und beschönigt werden sollen. In Wikipedia lesen wir:

„Neusprech (englisch Newspeak) heißt die sprachpolitisch umgestaltete Sprache in George Orwells dystopischem Roman 1984. Durch Sprachplanung sollen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt und damit die Freiheit des Denkens aufgehoben werden… Neusprech wird im übertragenen Sinne als Bezeichnung für Sprachformen oder sprachliche Mittel gebraucht, die durch Sprachmanipulation bewusst verändert werden, um Tatsachen zu verbergen und die Ziele oder Ideologien der Anwender zu verschleiern.“

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Kommentare ( 37 )

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um eine Korrelation ermitteln zu können, müssen die eingehenden Grössen messbar sein. Offensichtlich ist Glück nicht messbar, daraus folgt, dass man damit auch keine Korrelation berechnen kann. Im Übrigen muss man schon ein erhebliches Maß an Ignoranz mitbringen, um diesen aberwitzigen Glückindex als (Schein-) Argument für ein 3/4 sozialistisches Gesellschaftsmodell wie das Skandinavische vorzubringen. Die ‚Zielgrösse‘ Glück reflektiert in diesem Modell einfach die persönlichen Präferenzen der Wissenschaftler, die dieses Modell ersonnen haben; die Prädiktoren und deren Gewicht werden so gesetzt, dass jedes mal Skandinavien auf den obersten Plätzen landet. Sie sollten sich mal fragen, warum es in Skandinavien so restriktive… Mehr

Nehmen Sie TESLA.
Die komplizierte Lösung wäre gewesen, neue Accus zu entwickeln (so wie es BMW, VW, Mercedes vorhatten)

Das genial eifache war, auf scheinbar untaugliche PC-Accus zurückzugreifen und diese zusammenzuschalten.

Ich bin ein Leben lang darauf getrimmt worden, dass generell die einfachste Lösung die Beste ist (KISS). Selbst komplizierte Produkte wie ein Smartphone basieren auf hunderten „einfachen Lösungen“.

Für die Steuer gilt das Gleiche:
Unser Steuersystem mit all den Regeln und Ausnahmen für den Laien kaum durchschaubar und alles andere als gerecht.
Nicht umsonst stehen Werke wie „Die besten Steuertricks“ seit Jahrzehnten in den Bestsellerlisten.

Ein anderes Beispiel ist unser Asylsystem:
Mit extrem komplizierten Aufwand erfolgen über Monate Prüfungen.
Ergebnis:
1 % der Asylanträge werden positiv beschieden, aber 95 % der Antragsteller bleiben im Land.
In diesem Fall würde KISS durch Einhaltung der Gesetze (Dublin) und Transitzentren realisiert.

Um noch eine weitere Spitze zu erhalten, könnte man jetzt noch die Kirchensteuer mit dazu nehmen. Die wird ähnlich wie der Soli prozentual auf die Steuer aufgeschlagen. O. k., eigentlich ist Kirche Privatsache und jeder kann die Steuer durch Kirchenaustritt vermeiden. Aber viele zahlen sie immer noch. Interessanter als die diversen Spitzensteuersätze ist übrigens der Durchschnittssteuersatz. Wenn man sich mal die Mühe macht, Durchschnittssteuersatz und durchschnittliche indirekte Steuern zusammen zu zählen, so sieht man, dass man keineswegs reich sein muss, um auf eine Steuerbelastung von über 50% zu kommen. D. h., viele arbeiten jetzt schon über die Hälfte des Jahres… Mehr

Vielen Dank Herr Zitelmann für die Erläuterungen. Das macht Ihren letzten Artikel verständlicher und plausibler. Ich versuche solche Dinge schon immer genau zu lesen, aber selbst dabei kommt es mit diesem Neudeutschen Kauderwelsch immer wieder zu genau solchen Verwechslungen.
Da es sicher noch viel mehr solcher Verblendungsmaßnahmen seitens des Staates gibt, wäre eine flächendeckende Aufklärung wohl mal sehr sinnvoll, dann sprechen vielleicht auch alle mal wieder vom „gleichen“… Kein Wunder, dass es immer schwieriger wird jemanden diverse Dinge zu erklären.

Einem Volk, dass nicht merkt, das auf den Spitzensteuersatz noch der Soli drauf kommt, ist nicht zu helfen. Es hat die Politiker, die es verdient.

Warum soll man jemanden wählen, der mit Steuererhöhungen auch Stimmenfang geht – populistisch Reiche besteuern will und selbst eine Rüge aus Brüssel kassiert, weil er Steuergelder in Vetternmanier seinen Wohlwollenden zuschiebt? Mehr besteuern wegen höherer Zuwanderung, weil Millionen versorgt werden müssen, deren Familien und Kinder und später die Renten. Da diese „hilfesuchenden Fachkräfte“ niemals einen Rentenanspruch zur Selbstunterhaltung erwerden können. Und was komme – Milliarden an Unterhalt, Kindergeld, Elterngeld, Krankenkasse, Rentenkasse, Unterkunftskosten. Familienstruktur Ehegatten mit 5 bis 8 Kindern Mutter zuhause wird Vater immer aufstocken müssen Steuererhöhung, wegen Betruges, wegen Zweckentfremdeter Verwendung, Veruntreuung von Rücklagen zur Pensionssicherung. Fast 60 Jahre… Mehr
Orwell lässt nicht grüssen Orwell lag mit 1984 lediglich 33 Jahre daneben. Aber er hat’s vorhergesehen! Man muss nur sehen wollen, was da passiert. Die MSM und die ÖR wollen das qua Auftrag (Staatsfernsehen, bzw. Finanzierung durch den Staat, wie in NRW ausgekocht) natürlich nicht. Es ist leider so durchsichtig und so deprimierend, daß es niemand zur Kenntnis nehmen will. Sehe gerade nebenbei „Auserwählt und Ausgegrenzt“ auf DDR-1: wenn nur 5% des Inhalts stimmen, wäre das ein astreiner Skandal. Und unten wird der (orwellian) Hinweis auf „notwendige Erläuterungen“ auf einer „Faktencheckseite“ des WDR eingeblendet. DDR-1-like! Bin gespannt wie die (orwellian)… Mehr

Na ja, man müsste das eh anders rechnen, nämlich WIEVIEL bleibt prozentual bei allen Abgaben vom Einkommen zur freien Disposition übrig und da dürfte Satz zT über 60% liegen, je nach Lebensumständen …

Und dann bitte noch einen Vergleich mit dem was die ach-so-armen-und-ausgebeuteten-Südländer als disponibles Einkommen haben …

Da freut es einen doch besonders, dass unsere weise liebe Führung wohl vor Kurzem verlautbaren ließ, daß ein gemeinsamer europäischer Finanzminister, ein natürlich selbstverständlich auch noch mit einem eigenen Budget auszustattender, wohlwollend zu erwägen sei. Wie lange wohl noch, bis die erste EU-„Solidaritäts“steuer aus der Taufe gehoben wird? Vielleicht die Finanztransaktionssteuer? Oder eine Bargeldabhebesteuer? Eine CO2-Abatmungssteuer? Und wie wollen wir das Kind dann nennen? Orwellsche Vorschläge? – Glückseligkeits-EU-Zukunftsanleihe? – Kriminalitätsbegrenzungspauschalabgabe? – Fleißbürgersonderbeitrag? Vielleicht sollte ich demnächst versuchen in der Public Relations Abteilung von rolling bones anzuheuern? Oder doch besser und noch fachkundiger im BMVg? Der oberste Sowjet, pardon die EU-Comission,… Mehr

Ja, „Demokratieabgabe“ trifft es schon. Irgendeine Abzocknummer mit „plural“ besetzten Gremien, die die Dummen Deutschen zahlen, darauf läuft das immer hinaus ….

Wenn man die Mehrwertsteuer dazurechnet, die vom Netto-Einkommen(!) bezahlt wird, wird der Steuersatz noch höher.

Früher zahlte man an die Herrscher „den Zehnten“ = 10%.
Im Russland zahlen alle eine Flattax von 13% Einkommensteuer. In der DDR gab es einen Höchststeuersatz von 20% für abhängig Beschäftige. http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Steuern_und_Abgaben

Die Höhe unserer heutigen Steuern ist eine Unverschämtheit. Es reicht! Der Staat soll seine Ausgaben deutlich reduzieren.

Wäre prima, wenn jemand das Ausgabenspektrum des Staates einmal transparent machen könnte.

Hallo Herr Wolkenspalter, eine Korrektur/Hinweis zur DDR Steuer sei erlaubt. Ist leider in dem verlinkten Artikel nur ganz kurz erwähnt. „…für Arbeiter und Angestellte gab es unterschiedliche Steuersätze…“ sinngemäß Sprich für Arbeiter 5 % Steuern, für Angestellte (Studierte) nach DDR Jargon die Intelligenz 20 % Steuern. D. h. jemand (männlich) der Abitur hatte, drei Jahre bei der Armee war, 4,5 Jahre studierte inklusive 6 Wochen Pflichtlehrgang bei der NVA (Dipl.-Ing., Leutnant der Reserve) bekam dann mit 27 Jahren weniger Geld raus, als ein mit 18 Jahren ausgelernter Werker. Ganz kurios wurde die 5% und 20% Regelung, wenn ein Arbeiter auf… Mehr
„Früher zahlte man an die Herrscher „den Zehnten“ = 10%. Im Russland zahlen alle eine Flattax von 13% Einkommensteuer. In der DDR gab es einen Höchststeuersatz von 20% für abhängig Beschäftige.“ Ich fände es merkwürdig zu sagen, die DDR war eine Art Niedrigsteuerland und deshalb ein Paradies für die Menschen gewesen. Der Staat hat sich das Geld im wesentlichen an anderen Stellen in der Wirtschaft geholt und weniger über die Einkommenssteuer. Zum anderen, im Altertum besaßen die Herrscher einfach Grund und Boden, so dass sie nicht großartig die Leuten über Steuern ausbeuten mussten. Allein durch die Verpachtung von Land wurde… Mehr
Ich gehe nicht einig mit der Theorie, dass es einem nut gut geht, wenn der Staat möglichst viel Steuern kassiert. Denn das wollten Sie ja sagen. Außerdem kann man aufgrund des durch die Zeit sich ergebenden Fortschritts – Wissen baut selbsteskalierend auf vorhandenem Wissen auf – und seine materiellen Früchte nicht mit historischen Bedingungen vergleichen. Ich würde gerne heute 10% Steuern zahlen, weil ich der Meinung bin, dass der Staat fürs Wohlergehen gar nicht so viel tut, dass sich die hohen Steuern rechtfertigen lassen. Er investiert mit der Umverteilung sowie anderen Engagements und Transfers immer mehr in die Linderung von… Mehr

Eine Flattax würde aber die These unserer „geistigen Eliten“ widerlegen, dass es grundsätzlich keine einfachen Lösungen geben kann, obwohl z.B. die Telefongesellschaften mit dem Prinip „flatrate“ gute Erfahrungen machen.

P.S.:
Und wenn ich nach Ungarn schaue, dann glaube ich manchmal sogar, dass auch die anderen ubiquitär gebrauchten Sprüche „völlige Sicherheit kann es nicht geben“ und “ „an den Terror werden wir uns gewöhnen müssen“ nur Ablenkmanöver vom Staatsversagen darstellen.

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