WHO: Wie China die Strippen zieht

Angesichts des amerikanischen Rückzugs vom multilateralen Handelssystem sieht China seine Chance gekommen, seine Schachfiguren und Kandidaten auf strategisch wichtigen Posten unterzubringen, um seine eigenen Normen durchzusetzen.

imago Images/Xinhua

Der kalte Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und China habe eine neue Etappe erreicht, wie die französische Tageszeitung Le Figaro schreibt. Neuer Kriegsschauplatz ist dabei die Weltgesundheitsorganisation. Donald Trump, dessen Land der größte Beitragszahler dieser Organisation der Vereinten Nationen ist, drohte mit einem Rückzug aus der WHO, um damit gegen die prochinesische Tendenz ihres Generaldirektors, des Äthiopiers Tedros Adhanom Ghebreyesus, zu protestieren. Der amerikanische Präsident und die republikanischen Senatoren werfen der WHO vor, „die Bedeutung der Epidemie unterschätzt und sich zum ‚Komplizen‘ der ‚offensichtlichen Vertuschung‘ von COVID-19 gemacht zu haben.

Unter dem Druck Chinas hat die WHO Ende Januar keinen internationalen Notstand erklärt und die amerikanische Administration kritisiert, als sie die Grenzen des Landes für Reisende aus China schloss“. Damit habe die WHO „ohne jegliche Distanz die Elemente der Sprache der kommunistischen Partei Chinas aufgegriffen“. Ja, sogar noch schlimmer: Ihr Generaldirektor habe den chinesischen Behörden seit Anfang der Krise unaufhörlich für ihre „Transparenz“ beglückwünscht! Wenn das Ganze nicht so ernst wäre, könnte man über die „Apparatschik-Formulierungen“ des Generaldirektors der WHO lachen, „wenn man weiß, wie sehr die chinesischen Behörden gelogen haben, indem sie die Epidemie verschwiegen und anschließend die Anzahl der Toten herunterspielten“.

„China ist gerade dabei, die Macht bei der UNO zu übernehmen“, warnt ein französischer Diplomat, der sich lange in New York aufhielt.

Der chinesische Einfluss nimmt zu

Denn der chinesische Einfluss sei in bestimmten Abteilungen der Vereinten Nationen, darunter die WHO, „so offensichtlich geworden, dass viele nicht nur in der amerikanischen Administration, sondern auch in Europa, meinen, dies anprangern zu müssen“. Seit dem Beginn der 2010er-Jahre habe die chinesische Macht versucht, eine wichtige Position auf der internationalen Bühne zu besetzen, „und die Machtübernahme in den großen Organisationen ist dafür eine gute Möglichkeit“. So habe China seine Schachfiguren an wichtigen internationalen Schaltstellen, wie etwa der WHO, positioniert: „Wie ein Krake schleicht sie sich mit ihren Tentakeln in die freien Stellen der Organisation ein und schiebt ihre Kandidaten auf strategische Posten“. So kontrolliere China direkt oder indirekt die Welternährungsorganisation FAO, die Organisation für industrielle Entwicklung, die Internationale Fernmeldeunion sowie die WHO, die nach ihrer Leitung durch eine Chinesin heute von dem „äthiopischen Freund Pekings“ angeführt wird. Bis vor kurzem hatte China die Kontrolle auch über Interpol. China erhöhe seine Beiträge und versuche, seinen Einfluss auf bestimmte Texte geltend zu machen. „China ist gerade dabei, die Macht bei der UNO zu übernehmen“, warnt ein französischer Diplomat, der sich lange in New York aufhielt. Ein anderer französischer Diplomat stellt fest: „Das Ziel Chinas ist es, den Vereinten Nationen ein Neusprech aufzudrücken und die Texte rückgängig zu machen, die die Menschenrechte verteidigen, von denen die Chinesen behaupten, dass sie aus abendländischen Werten hervorgegangen sind, die wir ihnen aufgedrängt hätten“.

Tedros Adhanom Ghebreyesus – laut Figaro ein ehemaliges Mitglied der kommunistischen Partei Äthiopiens – habe bisher jegliche Kritik in Bezug auf China vermieden. „Seitdem ist die WHO Schritt für Schritt allen chinesischen Erklärungen gefolgt und hat diese wie ein Papagei nachgesprochen. Ebenso hat sie es abgelehnt, Taiwan einen Beobachterposten zurückzugeben“, bemerkt Valérie Niquet, die für eine französische Denkfabrik gerade eine Studie zu dem Thema verfasst.

China will seine Reputation reinwaschen

Seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie führt Peking „eine große Soft Power-Offensive, die sich vor allem auf die humanitäre Diplomatie stützt“, wobei sich die Führung natürlich Ziele aussuche, die ihren Interessen diene: Wenn China Ärzte und Beatmungsgeräte nach Italien schicke, „schmust es mit dem wichtigsten Land, das in Europa sein Projekt der ‚neuen Seidenstraßen‘ unterstützt. Wenn es Atemschutzmasken in die Niederlande sendet, hilft es damit einem Land, das im Juni entscheiden muss, ob es sich dem G5 von Huawei öffnet oder nicht“. China versuche zudem, sein „System eines Vorbildes der Tugend und der Leistungsfähigkeit auf internationaler Ebene zu errichten. Schließlich ist das Land bestrebt, sein Erscheinungsbild zu verändern und seine Reputation reinzuwaschen“, die mehrere Wochen lang durch seine Intransparenz in der Coronakrise arg gelitten hatte, was dem Virus ermöglichte, sich weltweit auszubreiten.

Hillel Neuer, Geschäftsführer der NGO „UN Watch“ warnt denn auch: „Es ist unmoralisch, dass die UNO der repressiven Regierung Chinas ermöglicht, eine Schlüsselrolle bei der Auswahl von Entscheidungsträgern zu spielen, die die internationalen Normen der Menschenrechte gestalten und weltweite Verstöße dagegen melden“.

Valérie Niquet kommentiert: „Das Image Chinas ist zutiefst beschädigt. Ich glaube nicht, dass es ihm gelingen wird, von der Überlegenheit seines Modells zu überzeugen. Man hat China einen Platz zugewiesen, den das Regime nicht verdient, denn man denkt, dass es sich ändern könnte, wohingegen sein Ziel darin besteht, sich an der Macht zu halten. China befolgt keine einzige Regel, es hält nicht die Spielregeln ein“.


Dieser Beitrag ist zuerst bei Die Tagespost erschienen.

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Kommentare ( 29 )

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Thorsten
4 Jahre her

China zeigt eben dass es gewillt ist, die neuen globalen Machtverhältnisse auch in internationalen Organisatioen durchzusetzen und nutzt die Schwäche des Westens geschickt aus.

Deutschland wird seine „Selbstverzwergung“ irgendwann richtig spüren und die „Grande Nation“ wird ebenso wie „Groß“-Britannien aufhören müssen in Erinnerungen zu schwelgen. Das sie im 2.ten Weltkrieg nur als Trittbrettfahrer als Siegermächte durchs Ziel gingen, das haben sie immer noch nicht realisiert.

Winni
4 Jahre her

Die UN ist ein Spiegel der Realität auf diesem Planeten. Die Mehrheit der Staaten ist eben nicht demokratisch verfasst. Korruption ist allgegenwärtig auf dieser Welt. Glaubt jemand ernsthaft, daß ausgerechnet die Vertreter der korruptesten und undemokratischsten Länder anders seien als diejenigen, die sie dorthin entsandt haben? Vielleicht die Linken in Medien und Politik dieses Land, sonst keiner. Peter Scholl-Latour hielt von der UN und ihren Organisationen was? Gar nichts, aber was wußte der schon im Gegensatz zu Heiko, Mutti, Annalena, Katrin etc.

benali
4 Jahre her

@ StefanB

Bill Gates hat am 10.03.2020 mit der WHO telefoniert und $ 50 Mio. überwiesen. Auf wundersame Weise hat sich die WHO dann am 11.03.2020 ihren von China beeinflussten Widerstand gegen die Erklärung einer Pandemie aufgegeben.

Die WHO hat die Pandemie gegen Bezahlung erklärt. Korruption in der WHO ist das Schmiermittel, wie in der gesamten UN-Organisation…

Thorsten
4 Jahre her
Antworten an  benali

Vielleicht braucht die WHO auch Gelder um zu reagieren. Ähnlich ist es ja beim deutschen Rechtsstaat, wenn er Geld von einem ansonsten ehrlichen Steuerzahler bekommen kann, ist er schnell zur Stelle …

Karl Heinz Muttersohn
4 Jahre her

Es ist Unsinn von einem „Versagen“ der WHO zu sprechen. Die WHO hat genau das getan wofür sie da ist: Propaganda für die kommunistische Partei Chinas zu machen.

Magdalena
4 Jahre her

Ghebreyesus scheint wie mancher andere an der Spitze großer Organisationen ein paar Leichen im Keller zu haben. Interessanter Artikel dazu in der Schweizer Weltwoche vom 9. April von Urs Gehringer: „Schiefe Laufbahn“. So soll er z. B. Mitglied der TPLF, Tigray People’s Liberation Front, gewesen sein, einer kommunistischen Partei, die in den 90er Jahren von den USA als terroristische Organisation eingestuft worden war. Als Gesundheitsminister soll er u.a. drei Cholera Epidemien in Äthiopien vertuscht haben.

CIVIS
4 Jahre her

Trump macht genau das, was er als Amerikaner versprochen hat und was Amerika von ihm erwartet: er streicht Amerikas Beitrag zur WHO !

Deutschland und Europa machen auch das, was man allgemein von ihnen erwartet: sie erhöhen ihre Beiträge zur WHO, sie katzbuckeln vor der WHO und der UNO und machen sich damit insgesamt noch abhängiger vom großen Player China.

Und das Maas-Männchen und seine Herrin schauen mit wachsender Begeisterung zu, wie Deutschland und Europa (nach Corona) in die nächste Abhängigkeit hinein schliddert !

schwarzseher
4 Jahre her

Ohne die Kenntnis der hier beschriebenen Interna habe ich schon wiederholt geschrieben, daß ich Organisationen wie UNO, WHO, EU und andere für korrupte, unfähige, selbstherrliche und postenschachernde Institutionen halte, die, statt sich ihren Aufgaben zu widmen, nach immer mehr Geld gieren und dafür Migrationsströme, Klimahysterien und anderes inszenieren. Und was China betrifft, sind dort Hygiene und Lebensmittelbehandlung eine Katastrophe. Schon lange vor Carona habe ich in Reiseberichten gesehen, wie dort auf Märkten, vor Imbißbuden und Restaurants Tiere geschlachtet, ausgenommen und verarbeitet wurden, daß einem schon beim geruchsfreien Anschauen im Fernsehen der Appetit vergangen ist. Alle Vorgänge fanden zum Beispiel in… Mehr

Thorsten
4 Jahre her
Antworten an  schwarzseher

Sie verkennen dies als chinesische „Folklore“ anzuerkennen, die auf eine 5000-jährige Geschichte zurückschaut …

usalloch
4 Jahre her

Die treue Gefolgschaft Maos, hat in ihren hohen politischen Ämtern, immer noch eine freigeschaltetes Telefon für ein grundsätzliches Gespräch, über die neue Weltordnung. Da lacht und erblüht erneut das grüne sozialistische Herz.

usalloch
4 Jahre her

Genauso wie sich die EU Mitglieder eines Tages auseinander dividieren werden, wird auch die UNO den Weg allen Fleisches gehen. Wenn die USA feststellen nicht mehr den Takt vorgeben zu können, werden Sie sich zurück ziehen. Sie werden dann mal wieder aus gesicherter Position zusehen , wie sich die kleinen und mittleren Staaten an die Gurgel gehen, um dann, wenn deren Kräfte verschlissen sind, einzugreifen. Wir werden es dann mit zwei , dieses Mal wirklich gleich starken Weltmächten zu tun haben.

Thorsten
4 Jahre her
Antworten an  usalloch

Unterschätzen Sie nicht Chinas Abhängigkeit vom US-Verbraucher, der den ganzen Plunder kaufen muss, damit in China die Schlote rauchen.

Auch kann sich China nicht allein ernähren. Das birgt bei der Menschenmenge immens explosives Potential. Da fände sich sicherlich ein Radaubruder und Kriegstreiber …

h.milde
4 Jahre her

Das gelernte Komunisten die Weltgeschicke anscheinend so sehr vermehrt beeinflussen, dürfte ja dem maoverehrenden Kinderbuchautor und seiner AgitProp-Erbtante auf dem Thron gefallen.

Thorsten
4 Jahre her
Antworten an  h.milde

Bis sie eines Tages wie Vasallen zum Kotau nach Peking gerufen werden. :-O