USA: 6,65 Millionen neue Arbeitslose in nur einer Woche

Der Rekord der Vorwoche wurde noch einmal um das Doppelte übertroffen. Die USA könnten demnächst Arbeitslosenzahlen wie in der großen Depression der 1930er Jahre erleben. Allerdings hat die Regierung inzwischen den Sozialstaat schlagartig ausgebaut.

imago images / Pacific Press Agency

In der Coronavirus-Krise steigen die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA auf historisch einmalige Höchstwerte. Allein in der vergangenen Woche (bis zum 28. März) haben sich 6,65 Millionen Menschen in den USA neu arbeitslos gemeldet. Das teilte das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mit.

Diese Zahl liegt weit über jedem historischen Vergleichswert. In der Woche zuvor hatten sich „nur“ 3,3 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Auch das war schon ein Mehrfaches des bisherigen Rekords von 1982 mit 695000. In den Wochen und Monaten vor der Corona-Krise lag die Zahl meist unter 100 000. 

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Man muss nicht Konjunkturforscher sein, um zu erkennen, dass diese dramatischen Zahlen einen ebenso dramatischen Konjunktureinbruch in der größten Volkswirtschaft der Welt bezeugen. Da es in den USA im Gegensatz zu Deutschland und anderen westlichen Ländern so gut wie keinen Kündigungsschutz für Arbeitnehmer und weniger staatliche Überbrückungsmaßnahmen wie das Kurzarbeitergeld in Deutschland gibt, schlagen Konjunktureinbrüche dort ungebremst auf den Arbeitsmarkt durch. Die neu eingeführte Möglichkeit für Arbeitgeber, ihre Beschäftigten für bis zu vier Monate zu beurlauben, während sie vom Staat bezahlt werden, schlugen offenbar noch nicht durch. 

Etwa zwei Drittel der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegen nun von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, zahllose Reisen wurden abgesagt. 

Wenn die Entwicklung in den kommenden Wochen so weitergeht, könnten bis Ende April bis zu 20 Millionen Menschen in den USA arbeitslos sein, das wäre eine Quote von rund 15 Prozent. “Wir sind dem Virus ausgeliefert“, sagte der frühere Chefökonom des Arbeitsministeriums William Rodgers der Zeitung Guardian. Er geht davon aus, dass die amerikaweite Arbeitslosenrate schon jetzt bei etwa 17 Prozent liegt – nach nur 3,5 Prozent im Februar. Für schwarze Amerikaner läge die Quote vermutlich bei rund 19 Prozent. In den Krisen zu Anfang der 1980er Jahre und nach 2008 überstieg sie nicht die Marke von 10 Prozent. Nur in den 1930er Jahren während der „großen Depression“ der Weltwirtschaftskrise lag sie rund zehn Jahre lang über 10 und in der Spitze bei fast 25 Prozent.  

Die Trump-Regierung hat allerdings die traditionell geringen Leistungen der amerikanischen Arbeitslosenversicherung massiv ausgebaut. Jeder Arbeitslose bekommt zusätzlich zur regulären Unterstützung wöchentlich noch 600 Dollar im Rahmen des Krisenpakets dazu. Zum Anstieg der Zahlen trägt auch bei, dass sich mittlerweile auch Freiberufler und Selbständige arbeitslos melden und Hilfe beanspruchen können.

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Kommentare ( 7 )

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thinkSelf
6 Monate her

Und das ist erst der Anfang. Die großen Unternehmen haben noch gar nicht angefangen ihre Leute rauszusetzen. Mit der Ankündigung von Boing jetzt 30.000 Stellen abzubauen beginnt das Spiel aber nun. Der Nachfrageausfall eines relevanten Teils der Bevölkerung wird auch die Leute treffen, die noch einen Job haben. Es gefährdet die zwar nicht in der Existenz, aber auch deren Einkünfte werden perspektivisch eher fallen. Außerdem ziehen, trotz Senkung des FED Zinsatzes, die realen Zinsen in den USA an. Für Kreditkarten sind inzwischen 17% fällig. Und fast alle Amerikaner sind massiv über diese verschuldet. Auch die Zinsen für Immobilienkredite beginnen zu… Mehr

Bummi
6 Monate her

Was das für Kriminalität und Selbstmordrate bedeutet kann sich jeder selbst ausmalen.

Onan der Barbar
6 Monate her
Antworten an  Bummi

Sättigungseffekte…
Der Guardian erfuhr vorletztes Jahr von einer mittlerweile rein schwarzen Gemeinde in Mississippi und schickte umgehend einen Reporter los, um aus dem weißenfreien Paradies zu berichten, doch der meldete bitter enttäuscht von über 60 Morden binnen eines Jahres in einer Kleinstadt von knapp 10,000 Einwohnern, Drogenumschlag als wichtigstem Wirtschaftszweig und einem ostrakisierten schwarzen Sheriff – wesentlich schlimmer kann’s auch mit Corona und Lockdown kaum mehr werden.

Waehler 21
6 Monate her

Habe ich das richtig gelesen? 600$ Wöchentlich und normales Arbeitslosengeld?
Bei einfacheren Hilfsjobs kommt nicht einmal soviel mit arbeiten heraus!

Schiffskoch
6 Monate her

Trump wollte es anders, ist dann leider eingeknickt und hat sich von den dümmlichen Corona – Panikern beeindrucken lassen. Traurig, aber das passiert eben wenn man dem „tiefen Staat“ , den Medien, die Macht überlässt…
Über die derzeit hohen Umfragewerte sollte er sich nicht freuen, denn die werden ins Bodenlose fallen, wenn die Leute zu spüren bekommen was seine Politik anrichten wird. Geschenke kann man verteilen wenn es wirtschaftlich gut läuft, ein Staat ohne Einnahmen geht pleite…

egal1966
6 Monate her
Antworten an  Schiffskoch

Nun, dieses Phaenomen werden wohl fast alle Regierungen dieser Welt zu spüren
bekommen, so dass wohl die USA da keine Ausnahme machen werden.
Sie sehen ja gerade jetzt genau das gleiche Bild in Deutschland, wo die Umfragewerte
der „Politikdarsteller“ der Regierung auch auf Spitzenwerte steigen.
Der einzige Unterschied zu den Amerikanern wird wohl eher sein, dass diese wirklich
dementsprechend ihr Wahlverhalten überdenken werden, waehrend der gemeine Deutsche in der Mehrzahl weiterhin seiner „Führerin“ in den sozialen Endsieg folgen wird…

Bummi
6 Monate her
Antworten an  Schiffskoch

Trump ist nicht verantwortlich sonder die Gouvaneure. Diese sind zuständig in den USA. Trump koordiniert nur die Bundeshilfen.