Aus Merkel spricht der Geist von Lauterbach

Die Bundeskanzlerin hält wieder virtuell vor den Abgeordneten der Union Hof, deutet kurz Hoffnung an, um gleich wieder die Gefahren von Corona-Varianten zu beschwören.

IMAGO / Jens Schicke
Angela Merkel

Fast schon traditionell hat sich die Bundestagsfraktion der Union wieder virtuell mit ihren Spitzenpolitikern vor den Laptops oder Smartphones versammelt. Anders als der Düsternis-Beauftragte für Corona von der SPD, Karl Lauterbach, verkündet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Abgeordneten zunächst: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Aber, und hier kommt der Geist Lauterbachs in Merkel sofort hervor: „Wir haben noch nicht das rettende Ufer erreicht.“ Jetzt sollte man erst „sehr überlegt Öffnungsschritte machen“.

So lange überlegen Sie in Spanien, Italien oder der Schweiz nicht, Frau Merkel, würde jetzt vermutlich der eine oder andere anwesende Unionsabgeordnete gerne hineinrufen. Doch das geht nicht bei digitalen Konferenzen, und sie würden es wohl auch gar nicht tun. Denn niemand hat die Absicht in der Union, seine Kanzlerin zu kritisieren.

Merkel spricht derweil davon, dass jeden Tag in mehr Landkreisen ihre politisch festgelegte Inzidenzzahl unter 100 sinke. Aber jetzt kommt wieder Lauterbachs Geist in Merkel: „Als gewissen Unruheherd haben wir die indische Variante, die sich schneller auszubreiten scheint als die britische.“ Die Zuhörer bemerken genau das Wörtchen „scheint“. Beweise haben Merkel und ihre Hofvirologen wie so oft nicht. Jedenfalls kommt nach der ursprünglichen chinesischen, die Merkel nie bei diesem Namen nennt, die britische und nun die indische.

Keine Impftermine? Immer wieder mal fragen!

Merkel hat dann ihren Abgeordneten noch mehr „Schein“ zu bieten: „Es scheint so, dass die Impfstoffe funktionieren.“ Gleich kommt schon wieder ein „aber“ von ihr oder dem Geist von Lauterbach: „Aber je aggressiver eine Mutation ist, desto mehr Prozent der Bevölkerung müssen wir impfen, um die Herdenimmunität zu erreichen.“ Also bei der „ursprünglichen Variante“ – Merkel will partout die chinesische Herkunft nicht erwähnen – wäre eine Impfquote von 70 Prozent in der Bevölkerung nötig gewesen, dann seien es bei der „britischen Variante“ vielleicht schon 80 Prozent und bei der „indischen noch mehr“. Irgendwann sei das „gar nicht mehr schaffbar“. Bis zum Herbst könne die gesamte Bevölkerung eben nicht geimpft werden. Bloß keine Hoffnung wecken, denkt sich manch Unions-Parlamentarier.

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Hinzu kommt: Frau Merkel, versuchen Sie einfach mal einen Impftermin auf den Internet-Seiten der Länderzentren zu bekommen. Da steht immer öfter: Es gebe derzeit keine Termine. Man solle immer wieder auf den Portalen nachschauen. DDR-Bürger kennen das noch von Mangelwaren: „Immer wieder mal nachfragen“, hieß die frustrierende Antwort im Laden. Passt irgendwie zu Angela Merkel aus der Uckermark.

Über das Impfchaos, das Merkel so nicht nennt, will die Kanzlerin am 27. Mai mit den Ministerpräsidenten in einer „Schalte“ sprechen. Da spielten die Lieferungen im Juni und im Sommer eine Rolle, genauso wie Kinder-Impfungen oder die von Schülern und Studenten sowie die Einbeziehung von Betriebsärzten. 

Die Politik Israels zu kritisieren, gestattet Merkel natürlich

Dann endlich kommt Merkel zu den schrecklichen Raketen-Angriffen der palästinensischen Hamas auf den jüdischen Staat Israel. Sie habe mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu telefoniert, und die Solidarität ausgedrückt. Deutschland würde zum „Selbstverteidigungsrecht Israels stehen“, aber es sei doch besser ein Waffenstillstand gewünscht. Dann habe sie noch mit dem „Vorsitzenden“, der eigentlich Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist, Herrn Schuster gesprochen. Diese antisemitischen Ausschreitungen von „palästinensischen, arabischstämmigen, aber auch türkischstämmigen Menschen“, wie sie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und Fraktionschef Ralph Brinkhaus angesprochen hätten, „sind absolut nicht hinzunehmen.“ Gegen die müsse man vorgehen. Merkel übernimmt so die Wortwahl anderer, wenn es um Problem-Migranten geht, und vermeidet damit die eigene.

Wenigstens stellte CDU-Chef Armin Laschet im Gegensatz zu seiner Kanzlerin im späteren Verlauf der virtuellen Sitzung klar: „Dass die Angriffe der Hamas gezielt mit tausenden Raketen auf Tel Aviv und Städte im südlichen Israel Terrorismus sind.“ Das habe nichts mit dem Nahostkonflikt zu tun. „Das ist Terror, der muss enden – Punkt.“ Die Fahne der palästinensischen Hamas müsse in Deutschland auf die Liste der verbotenen Symbole.

Merkel deeskaliert zuvor in ihrer Rede, ein Thema sei dabei eben das Gastrecht, andere hätten einen Aufenthaltsstatus oder gar die deutsche Staatsbürgerschaft. Man müsse eben mit den muslimischen oder türkischen Verbänden sprechen. Handeln ist bei Problemen mit Einwanderern bekanntlich nicht ihr Ding.

Merkel hätte lieber auch gleich mit den Intendanten der Fernseh- und Rundfunkanstalten sprechen sollen, wegen ihrer latent israelfeindlichen Berichterstattung über den Krieg und die unsäglichen und ungehinderten Anti-Juden-Proteste von Muslimen und Linken auf Deutschlands Straßen.

Merkel setzt auf „legale Migration“ – Asyleinwanderung

Stattdessen beschwört Merkel „die Bildungsaufgabe“ für Muslime, damit sie sich mit der deutschen Geschichte beschäftigen. Dann sagt Merkel noch einen wichtigen Satz, bemerken Teilnehmer: „Es ist natürlich gestattet, die Politik des Staates Israel zu kritisieren, aber wer israelische Fahnen verbrennt oder wer Synagogen angreift“, der zeige, dass es nicht um die Politik des Staates Israel gehe, „sondern um das Judentum als Ganzes.“ Da gebe es Nulltoleranz.

Nulltoleranz zeigt Merkels Staat hingegen schon, wenn weitgehend harmlose Demonstranten gegen ihre harte Corona-Politik demonstrieren. Da rückt die Polizei sofort im Großaufgebot und sogar Wasserwerfern an und hat keinen angeblichen Personalmangel wie bei offenem Judenhass im Ruhrgebiet. 

Mit der Türkei, Libyen, Tunesien und Marokko sei die Kanzlerin wegen anhaltendem und sich verstärkendem Migrationsdruck im Gespräch, berichten Teilnehmer der virtuellen Sitzung. Merkel hätte gesagt: Es werde alles getan, „um die Ankunftszahlen nicht so sehr hochschnellen zu lassen.“ Das Geschäft der Schlepper wolle sie nicht unterstützen, besser sei „legale Migration“. Also die Asyleinwanderung findet unter Merkel weiter statt – nur nicht mehr „so sehr hoch“.

Zum Schluss bedankt sich noch Merkel bei den Groko-Parteien von CDU, CSU und SPD für die Verschärfungen im Klimaschutzgesetz: „Wir haben als Bundesregierung sehr schnell gehandelt.“ Das sei nicht unumstritten, aber richtig. Schon nächsten Dienstag werde sie im Europarat wieder übers Klima verhandeln, welche Richtung die EU-Kommission verfolgen soll.

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Kommentare ( 67 )

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egal1966
29 Tage her

Wie stark sich die Naivitaet und Realitaetsferne in der Berliner Regierungsblase schon verfestigt hat, zeigt die Aussage von Merkel: „„die Bildungsaufgabe“ für Muslime, damit sie sich mit der deutschen Geschichte beschäftigen“. Mal Klartext Frau Merkel: die nach Deutschland gekommenden Migranten der vergangenen Jahrzehnte, speziell der letzten sieben Jahre, als aber auch die in Deutschland geborenen Muslime, interessieren sich zum überwiegenden Teil „Null“ für die zwölfjaehrige deutsche Geschichte zwischen 1933-1945, fast ebenso wenig wie für die in Deutschland geltenden Gesetze. Egal, ob nun mit deutscher „Staatsangehörigkeit“ oder eben ohne, egal ob nun in Deutschland geboren oder nicht, der den Menschen „einsozialisierte“… Mehr

Last edited 29 Tage her by egal1966
Riffelblech
29 Tage her

Wenn man das alles so liest meint man schon sich auf einem Markt zu befinden ,bei dem zu billigsten / höchsten Preisen alles raus muß.
Merkel hat niemals zu irgendwas eine Substanz geboten .Diese Person ist immer im „ ungefähren“ . So scheinen ,es könnte ,mal schauen ,so geht Politik aber nicht .
Wenn sich diese Person entscheidet steht sie immer in den Schuhen anderer . Nie eine eigene ,dezidierte Meinung .
Zum davonlaufen !

Petra Horn
26 Tage her
Antworten an  Riffelblech

Mit dieser Strategie und Taktik, immer im Ungefähren und damit auch Nichtangreifbar zu sein, hat sie es auf (bisher) 16 Jahre Kanzlerschaft geschafft.

mmn
29 Tage her

Je mehr man von dem mitbekommt, was diese Person (und ihre Unterstützer/innen) intern oder öffentlich sagen, um so mehr kommt es einem hoch. Unerträglich sind das Verdrängen oder Beschönigen der eigenen Fehler sowie generell die fast immer unangebrachte Selbstbeweihräucherung. Wie kann man solche Leute nur (wiederholt) wählen?

Peter Keis
29 Tage her

Nostradamus war ein französischer Arzt und Astrologe.Passt doch hervorragend zu Karl Lauterbach. Dieser kann ja auch immer ganz genau unsere Zukunft vorhersagen, wenn auch nur kurzfristig und meist ziemlich daneben. Wir sollten also dem Karl den zweiten Vornamen „Nostradamus“ verpassen! Was Corona angeht, da hatten wir ja schon sehr viele Varanten und Mutationen. Die chinesische, britische, südafrikanische, indische und was weiß ich noch für welche. Eine gefährlicher und ansteckender als die andere. Die allergefährlichste Mutation haben wir aber total vergessen – die „Uckermärkische“. Wütet schon seit sehr vielen Jahren unter uns, allerdings seltsamerweise nur in Deutschland. Sehr viele Mitbürger sind… Mehr

Soder
29 Tage her

Erinnern möchte ich an die CDU/CSU-Fraktionssitzung/Kongreß 8.5.2019; u.a. mit Drosten, Tedros, Joe Cerrell von der Bill & M.Gates Stiftung, Welcome Trust u.v.m.
„Globale Gesundheit stärken – UN-Nachhaltigkeitsziel umsetzen“
https://www.youtube.com/watch?v=0CNZ8ydxjUw
https://www.cducsu.de/veranstaltungen/globale-gesundheit-staerken-un-nachhaltigkeitsziel-umsetzen
8.Mai 2019
Kongreß der CDU/CSU-Bundestagsfraktion „Globale Gesundheit stärken UN-Nachhaltigkeitsziel umsetzen“ Dank des Zusammenwirkens von Forschung, Wirtschaft, deutschen und internationalen Organisationen sowie privaten Stiftungen hat sich die Gesundheitssituation in den Entwicklungsländern deutlich verbessert. #globalhealth #globalegesundheit

Georg J
29 Tage her
Antworten an  Soder

Vielen Dank für den Hinweis. Es ist mir schwer gefallen die 3 Minuten „heiße Luft“ von Gröhe, der Professorin und dem „Maskenfachmann“ Nüßlein anzuhören. Man kann feststellen: es ist ein Plot, der Schritt für Schritt abläuft. Spätestens seit Corona wissen wir: die Maßnahmen sind erheblich belastender für die Gesundheit als die Ursache. Eine kleine Gruppe von global vernetzten Selbstbedienern zwingt uns ihre Prozesse auf, und das Ganze am demokratischen Geschehen vorbei. Der Einfluß von Gates auf die deutsche Gesundheitspolitik ist offenkundig größer als der jedes Abgeordneten und Ministers.

Last edited 29 Tage her by Georg J
Montesquieu
29 Tage her

Das rettende Ufer, das man noch nicht sieht…das man noch nie sah…die unabsehbare Rettung vor etwas, das man bisher nur auf Festplatten dystopischer Nerds identifizieren kann ……die Brücke, von der man nicht weiß, wohin man sie bauen soll….wie sagte Colonel Walter E. Kurtz: „Das Grauen…das Grauen…“ Nebenbei: aktuell hat das „Independent pandemic panel“ der WHO festgestellt, dass COVID uns saisonal dauerhaft erhalten bleiben wird (suprise, suprise). Die empfohlene Konsequenz: Testen, testen, testen, isolieren, einhegen, einsperren, international kontrollieren, nachverfolgen, dauerhafte Distanzierungsmaßnahmen und repetitive Impfungen bis zum Lebensende (die Mutationen! das Grauen!).Im „Independent pandemic panel“ sitzen Experten aller Länder – außer aus… Mehr

Michael Palusch
29 Tage her

Verstehe ich nicht! Der sogenannte Impfstoff ist doch der gleiche wie vor einem halben Jahr, und wirkt (?) somit auch genau so. Weshalb ist aber um Herdenimmunität, ein gräßliches Wort in Bezug auf Menschen, zu erreichen, eine mit jeder „Mutante“ zuhnehmende Impfquote nötig? Herdenimmunität beruht doch darauf, dass dem Erreger durch Immunität die Wirte ausgehen und die Verbreitung dadurch unterbunden wird. Kommen jetzt also mit jeder „Mutante“ neue Wirte hinzu oder wirkt die Impfung nicht (mehr)? Aber welchen Sinn sollte es dann haben, den Rest der Population mit dem gleichen unveränderten „Impfstoff“, dessen Wirksamkeit abgenommen oder garnicht mehr vorhanden ist,… Mehr

Montesquieu
29 Tage her
Antworten an  Michael Palusch

Wir werden belogen und betrogen. Genauso, wie die eigenartige „Falldefinition“ ein eigentlich so nicht vorliegendes Infektionsgeschehen suggerierte, wird die Immunitätssituation auf die computermodellierte Deduktion molekulargenetischer Befunde reduziert. Der dominante Teil des Immunsystems bei der Bekämpfung viraler Infektionen, das zelluläre Immunsystem, wird (ich behaupte: vorsätzlich) in der öffentlichen Diskussion komplett ignoriert und ausgeblendet. Ebenso die regelhafte Abschwächung des viralen Schädigungspotentials im Rahmen einer Pandemie (behauptet wird sinn- und evidenzfrei von SARS-cov2 das Gegenteil!). Ziel ist der Daueralarm. Und – warum auch immer – die hochfrequente, kontinuierliche Impfung gegen einen Erreger, der schon bei der zweiten „Welle“ nicht mehr gefährlicher war als… Mehr

Michael Palusch
29 Tage her
Antworten an  Montesquieu

„Wir werden belogen und betrogen“
Ja, ja das ist schon klar. Warum nur diese offensichtlich unlogische Aussage? Soll jeder die Lüge sofort erkenne
n, nach dem Motto „Leute, überlegt doch mal!“ oder ist das die Arroganz der Macht, die glaubt, keine nachvollziehbaren Begründungen mehr liefern zu müssen? Das jedoch wäre dann die für jeden erkennbare offene Diktatur.

Karina Gleiss
29 Tage her

Es soll ja immer noch Menschen geben, die davon überzeugt sind, sie mache das alles nicht mit (böser) Absicht…

Karina Gleiss
29 Tage her

Wenn, besonders das psychische Wohlbefinden, schon angeschlagen ist, kann man „Das“ wirklich nicht noch zusätzlich gebrauchen. Da stimme ich Ihnen zu.

Michael Scholz
29 Tage her
Antworten an  Karina Gleiss

Danke für Ihr Verständnis:) !

Britsch
29 Tage her

Könnte es sein daß Merkel und Lauterbach diesbezüglich gleichen „Geistes“ sind?
Lauterbach in der Sache für Merkel eigentlich ein willkommenes Propaganda „Sprachrohr“ ist. Lauterbach von Merkel gern gesehen quasi in die Hände spielt?

Montesquieu
29 Tage her
Antworten an  Britsch

Lauterbach hat keinen eigenen Geist.