Prominente CDU-Politikerin Sylvia Pantel tritt aus der CDU aus

Die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und Geschäftsführerin der „Stiftung für Familienwerte“ tritt aus der CDU aus. Der Eintritt in die Werteunion könnte der nächste Schritt sein.

IMAGO

Vor gerade einer Woche wurde die CDU-Politikerin Sylvia Pantel nach 20 Jahren als Vorsitzende ihres Ortsverbands Düsseldorf-Rath verabschiedet – jetzt hat sie sich von der Partei verabschiedet. Den letzten Anstoß dafür bildete für Pantel die Enthaltung der CDU-geführten Länder im Bundesrat bei der entscheidenden Abstimmung zur Legalisierung von Cannabis: Nur weil die CDU-Ministerpräsidenten sich enthielten, wird die Legalisierung der Droge jetzt möglich. Dazu komme die Spitzenkandidatur von Ursula von der Leyen für das EU-Parlament – deren „rücksichtsloser Ökodirigismus“ führe zu miserablen Wirtschaftsdaten und einer breiten Verarmung von Menschen mit niedrigem Verdienst, sagt Pantel, die mehrfach auch für TE Gastautorin war.

Addition negativer Entwicklungen in der CDU

In einem Brief an den „sehr geehrten Herrn Merz“ begründet sie ihren Austritt weiter: „Die Addition der inhaltlichen negativen Entwicklungen über die letzten 15 Jahre meiner Mitgliedschaft haben mir eine negative Bilanz aufgezeigt, die mich zu dem Entschluss gebracht hat, meinen Austritt aus der CDU zu erklären.“ Dazu zähle die „ihren Namen schon länger nicht mehr verdienende Familienpolitik, die kaum noch Wahlfreiheit für die Familien zulässt und Erziehungs- und Sorgearbeit geringschätzt.

Unter der Regierungsverantwortung der CDU ist die innere und äußere Sicherheit unseres Landes in einem kaum verantwortbaren Maße vernachlässigt worden. Beginnend mit der Aussetzung der Wehrpflicht bis zu ‚No Go Areas‘ in vielen Großstädten. Kein Einwanderungsland der Welt verzichtet auf Grenzkontrollen und gibt Neuankömmlingen mit ungeklärtem Lebenslauf ein Bürgergeld und ähnliche Leistungen. Die grenzenlose Öffnung des Landes wirkt sich fatal aus; es gibt kein wirkliches Umdenken und auch keine Konsequenz bei den Abschiebungen von Zuwanderern, die kein Bleiberecht und auch keine Aussicht darauf haben – auch nicht in den Bundesländern, bei denen die CDU in der Verantwortung steht.“

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag war Pantel Geschäftsführerin der „Stiftung für Familienwerte“ und baut zudem die Plattform „Lust auf Familie“ auf. Sie ist Mitglied im „Berliner Kreis“, einem Zusammenschluss von konservativen Abgeordneten.

Kritik am Umgang mit Hans-Georg Maaßen

In ihrem Abschiedsbrief beklagt sie auch den Umgang mit Hans-Georg Maaßen, der einem Parteiausschluss durch Gründung der neuen Partei Werteunion zuvorkam. Dazu schreibt sie: „Konservative Positionen werden derzeit generell unter dem Verdacht einer AfD-Nähe abgehandelt und mit ausgrenzender, geringschätziger Bewertung abgekanzelt. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung ist der Umgang mit Hans-Georg Maaßen, den ich als Vorsitzende des ‚Berliner Kreises‘ kennen und schätzen gelernt habe. Obwohl die Partei die gerichtliche Auseinandersetzung gegen ihn verloren hatte, hat sie keine Ruhe gegeben, ihn mit einem grundlosen Ausschlussverfahren immer weiter zu diskreditieren und das Ausschlussverfahren gegen ihn in einer Revision weiter zu betreiben. Sie hat ihn sogar während der Phase der Berufung seiner Parteirechte beraubt. Dies setzt für mich den finalen Schlusspunkt unter meinen Jahrzehntelangen engagierten Einsatz für eine politische Arbeit in der CDU.“

Dabei hat Pantel bislang Friedrich Merz engagiert unterstützt und für seine Kandidatur als Parteivorsitzenden gekämpft. Zuletzt geriet sie in der rheinischen CDU allerdings in die Defensive: Der dortige Landesvorsitzende und Ministerpräsident Hendrik Wüst will Merz die Kanzler-Kandidatur abjagen. Im NRW-Landesverband tobt seit Monaten ein Grabenkrieg zwischen den Merkel-Anhängern um Wüst und den eher auf Veränderung des bisherigen CDU-Kurses drängenden Merz-Anhängern. Wie immer in Parteien wird dies mit Denunziationen und Verleumdungen geführt.

Zukunft Werteunion

Mit dem Austritt ist Pantel zunächst parteilos. Der Eintritt in die Werteunion dürfte allerdings nur eine Frage von wenigen Wochen sein. Der Übertritt von Pantel könnte für Hans-Georg Maaßen ein wichtiges Signal sein, dass die Partei die neue Heimat enttäuschter CDU-Politiker werden könnte. Gerade vor den Landtagswahlen in Thüringen braucht Maaßens Werteunion solchen Zuspruch und prominente Mitglieder. Pantel verfügt über ein großes Netzwerk und genießt sehr hohes Ansehen in konservativen, kirchennahen Kreisen. Sollten Pantel und weitere Mitglieder des Berliner Kreises den Weg zur Werteunion finden, würde das der zuletzt stockenden Kampagne der Partei neuen Schwung verleihen. Pantel könnte einen NRW-Landesverband der Werteunion aufbauen.

„Die gravierenden, inhaltlichen Verschiebungen im Profil der Union, als auch das menschlich oft mehr als enttäuschende, respektlose Miteinander haben mich darin bestärkt, dass ich die CDU auch durch meine bloße Mitgliedschaft nicht mehr unterstützen möchte,“ begründet Pantel ihren Abschied aus der CDU.

Es fällt auf, dass unter den CDU-Mitgliedern, die über einen Wechsel zur Werteunion nachdenken, viele ursprüngliche Merz-Unterstützer zu finden sind, die von dessen jüngsten Annäherungen an die Grünen enttäuscht sind. Sie fürchten eine „Ukraine-Koalition“, in der sich CDU und Grüne auf eine massive Unterstützung der Ukraine bei gleichzeitiger Fortsetzung der grünen „Transformation“ Deutschlands in ein wirtschaftlich entkerntes und gesellschaftspolitisch ergrüntes Land einigen könnten.

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Kommentare ( 99 )

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Dr. L.K.
7 Tage her

Bisher dachte ich, die neue WerteUnion sei “meine“ Partei, gegen grüne Transformation, Geist Adenauers. Nun irritiert mich aber die Haltung zur Ukraine. Frau Pantel, wie auch schon Herr Maaßen und Herr Weiler, sprechen sich gegen militärische Unterstützung aus. Das ist überhaupt nicht der “Geist Adenauers“, der die Westintegration befördert hat. Statt dessen ist es AfD-Sprech (“USA habe den Krieg provoziert und nicht Putin“ = Putinfreunde). Ein Status-Quo-Frieden stärkt Putin, macht ihm Mut in Zukunft das Baltikum anzugreifen (Zugang zu seiner Ostseeflotte), und treibt sofort Millionen ukrainische Flüchtlinge nach Deutschland. Wenn wir hingegen jetzt gemeinsam mit der NATO durch schlagkräftige Waffen… Mehr

Wilhelm Roepke
12 Tage her

Sollte Frau Pantel wirklich in die Werteunion wechseln, macht sie einen großen Fehler, denn dort ist die Premiumpartnerschaft zur CDU Chefsache. Entweder AFD oder APO; etwas anderes gibt es für Leute wie sie im Parteienspektrum nicht mehr.

tichoz
16 Tage her

2013 war der passende Zeitpunkt von der CDU zur AfD zu wechseln. Die jetzigen CDUler, die die CDU verlassen, tun das halbherzig und ohne grundlegende Informationen über die Zukunft Deutschlands. Die AfDler sind die einzigen Konservativen und kämpfen mutig für das Recht.

Vati5672
16 Tage her
Antworten an  tichoz

Hallo & guten Morgen, das richtige Wort für die AfD ist „normal“. Weil: Normale Länder haben eine Obergrenze bei Flucht & Asyl. Normale Länder versorgen keine Menschen ohne Pass die aus 7000 km entfernten Ländern kommen. Normale Ländern fordern für Ausländer – MIN – DEST – ENS das gleiche was sie den eigenen Staatsbürgern abfordern. Z. B. eine Bedürftigkeitsprüfung wenn Leistungen des Staates ( des Steuerzahlers!) beantragt werden. Ukrainer brauchen keine Vermögensangaben machen, Deutsche MÜSSEN es! Warum Westukrainer problemlos Leistungen in D. erhalten konnte (wollte) mir noch niemand erklären. Normale Länder schauen auf Ihre Interessen! Das ist im Russland –… Mehr

Prof_V_Meyer
6 Tage her
Antworten an  tichoz

Es gab zwischenzeitlich (2021) die Hoffnung auf Merz, der von über 60 % der CDU-Mitglieder gewählt wurde. Die WerteUnion hatte sogar den Antrag zur Selbstauflösung auf der Tagesordnung, sollte Merz gewählt werden. So groß war die Hoffnung.
Die Enttäuschung kam erst jetzt, wobei der eine früher, der andere später die Hoffnung aufgab.

tichoz
16 Tage her

Mein Vater war, nachdem er aus der Gefangenshaft nach Hause gekehrt war, Gründungsmitglied der CDU. Er unterstütze immer CDU-Mitglieder mit wichtigen Posten, deren Einstellung er kannte, bei jeder Versammlung. Nur die Zahl dieser CDU-Mitglieder wurde mit den Jahren immer weniger. So sah er keinen Sinn mehr, CDU-Versammlungen zu besuchen. 1973 besuchte er mal wieder eine Ortsversammlung. Am Tag darauf verlautbarte er mir, „Soviel Dummheit auf einem Haufen habe ich noch nie erlebt“. Er riet mir und meinen 4 Geschwistern ab, Mitglied bei der CDU zu werden. Ich habe mich aber immer mit den Parteien beschäftigt. 2010 fühlte ich mich in… Mehr

Vati5672
16 Tage her

Hallo,

der Herr (Merz) badet gerne lau.
So lange die CDU den Merkel Geist nicht exorziert und eine Koalition mit
den Grünen nicht ablehnt fasse ich die nicht mal mit einer langen Kneifzange an.

ps. Die Werte Union hat einen deutlichen Fehlstart hingelegt.
Man, vor allem Herr Maßen, sollte sich besser absprechen.

Armin Reichert
16 Tage her

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Klaus D
16 Tage her

Mal so rein fiktiv gedacht die CDU würde auf AfD machen – 1 würde das der AfD fast alle wähler kosten 2 würden der CDU viele wähler davonlaufen. Ich schätze die CDU hätte dann maximal 25% würde also ein einfluss massiv verlieren.

Sperrdifferential
16 Tage her
Antworten an  Klaus D

Punkt 1 ist sehr unwahrscheinlich: Kaum ein AfD-Wähler würde der CDU diesen Wandel abkaufen.
Punkt 2 ist realistisch: Die jetzigen CDU-Wähler würden dann wahrscheinlich das grüne Original wählen. Das wäre aber egal, da die Grünen der Premium-Partner der Rest-CDU wären und die Rest-CDU der Premium-Partner der WerteUnion ist.

Last edited 16 Tage her by Sperrdifferential
Klaus D
15 Tage her
Antworten an  Sperrdifferential

zu punkt 1…na ja auch der AfD kann man nicht vertrauen siehe subventionsabbau und bauern…und es ist schonkomisch seit Merz CDU auf kleine paschas macht die AfD wähler verliert (laut umfragen) und die CDU dazu gewonne hat…man sollte nicht vergessen das sehr viele die AfD wählen reine protestwähler sind!….zu punkt 2…dem stimme ich zu denn die grünen sind nicht nur grün sondern auch konservativ siehe zb agenda2010 ua

Spyderco
16 Tage her
Antworten an  Klaus D

Gleich ,auf was die CDU,,macht“.
Ich kenne nicht einen AfD-Wähler,der jemals wieder den Verursachern von Massenmigration und Energiewahnsinn, sowie Befürwortern der Klimareligion und des LGBTXYZ-Kults ,seine Stimme geben würde.
Die Union hat mehrfach bewiesen, daß sie Teil der linksgrünen Einheitspartei ist.

Last edited 16 Tage her by Spyderco
Klaus D
15 Tage her
Antworten an  Spyderco

konservativ-grün…..wo haben wir denn noch echte linke politik? und siehe anderes wo grüne konservative politik machen hier kann man als beispiel die agenda2010 nehmen die extrem konservativ war bzw in teilen noch ist

Hannibal ante portas
16 Tage her

Diese Frau hat 16 lange Jahre der wohl mit Abstand wirkmächtigsten Grünen überhaupt gedient! Ich, an Ihrer Stelle, würde alle Spiegel in meinem Haushalt abhängen. Da ist jeglicher politischer Kompass verloren gegangen. Politische Enthaltsamkeit wäre in diesem Falle der absolut mindeste Gefallen, den sie den von ihr vertretenen Wählern noch machen kann.

Hans E.
16 Tage her

Frau Pantel ist ja leider auch kein „Zugpferd“. Das soll ihre Leistungen und Kompetenzen nicht schmälern, führt aber eben auch nicht viele Wähler zur Werteunion. Deren Probleme hat Maaßen unklugerweise („Premiumpartner“) und Zusammensetzung des Vorstandes selbst verursacht.
Ohne die Krall’schen libertären Impulse ist es doch eher 80er Jahre CDU.
Mal sehen: Die BSW hat nach verkorkstem Start jetzt in den Umfragen gepunktet. Heißt: Die Werteunion benötigt eine liberal-konservative Sahra, natürlich auch als männliche Ausgabe möglich. Aber wer sollte das sein?

Prof_V_Meyer
6 Tage her
Antworten an  Hans E.

Ulrich Vosgerau.

Logiker
16 Tage her

Auch dieses Beispiel zeigt, dass alle westdeutsch, besser: NRW-dominierten Parteien die gleichen Probleme haben.
Die haben sich einfach überlebt und sind inzwischen genau so wertvoll für Deutschland wie der Schützenverein von Wanne-Eickel.