SPD: Mit Heiko Maas alles richtig gemacht

Der Saarländer wird von rechts so intensiv gehasst, dass er den Sozialdemokraten Gold wert ist in Zeiten anhaltender politischer Profillosigkeit.

© Steffi Loos/Getty Images

Eine Welle der Empörung: Heiko Maas als neuer Außenminister, das darf doch nicht wahr sein. Die Liste der kommentierenden Lacher, der Häme, der Wutausbrüche und Schmähungen ist ellenlang; die Schaumwolke vor den Mündern blickdicht. Eine fatale Fehlentscheidung der Sozialdemokraten?

Mitnichten. Denn hier kommt eine uralte Weisheit zur Anwendung: Viel Feind, viel Ehr. Die SPD hat sich mit diesem „Justizminister-Dilettanten“ alles andere als einen „Offenbarungseid“ geleistet. Sogar ein Glücksfall für die Genossen.

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Das fängt ja gut an: Heiko Maas als Außenminister
Als Partei inhaltlich bis zur Unkenntlichkeit verbogen, musste jetzt etwas Grelles her, etwas Schrilles. Jemand, der das Potenzial hat, maximal zu polarisieren. Und wer wäre da die bessere Wahl als Heiko Maas? Was für ein Geschenk für die SPD. Psychologisch einwandfrei durchdacht: Es geht hier nicht um irgendwelche menschlichen oder fachlichen Qualitäten von Heiko Maas. Die Parteistrategen arbeiten hier sogar mit der Empörung des politischen Gegners gegen den neuen Außenminister: Endlich wieder dichter Rauch über den so lange vermissten politischen Schützengräben. Hier wurde ganz bewusst ein Feindbild angeboten.

Wer sich noch an die Jahre von Helmut Kohl vor und nach der Wahl zum Bundeskanzler erinnert, der weiß wie das funktioniert: Der Aufschrei war damals groß. Im ganzen Volk? Nein, denn mit jeder neuen Spitze aus den Reihen der versammelten Linken gegen den Oggersheimer richtete sich die Mannschaft des Kanzlers besser ein. Die Anhänger waren rundum zufrieden. Am Ende reichte es dann für eine sechzehnjährige Regentschaft.

Die Berliner Zeitung titelte einmal „Heiko Maas ist das Feindbild von Pegida und AfD“ und der Spiegel legte nach mit „Die Hassfigur der AfD“. All das ist wahr und wog deutlich schwerer für die Entscheidung, Maas zum Außenminister zu machen, als die charakterlichen wie fachlichen Defizite des Saarländers dagegen sprachen. Ja, sogar die Animositäten innerhalb der SPD gegen die neue Personalie wurden einkalkuliert und herzlich willkommen geheißen. So etwas, wie eine 100-Prozent-Zustimmung wie für Martin Schulz sollte nicht wieder passieren: zu kurze Halbwertzeit.

Für Konservative und Rechte gilt Maas als Überzeugungstäter. Für die Sozialdemokratie aus genannten Gründen jetzt als neuer Hoffungsträger. Die Entscheidung gegen Gabriel und für Maas war eine kluge: Der Mann aus Goslar war „nur“ beliebt in den Umfragen. Der Saarländer hingegen wird von rechts so intensiv gehasst, dass er den Sozialdemokraten Gold wert ist in Zeiten anhaltender politischer Profillosigkeit. Bezieht man das nun alles mit ein in ein Nachdenken über Maas, dann steht uns noch ein langer Gang bevor: Wer sich auf diese Weise noch an seinen Fehlern aufrichten kann, der hat nichts mehr zu befürchten.

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Kommentare ( 115 )

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Nun unser Trumpf. Der zweite Aufrechte betritt die Bühne und er bringt endlich den erhofften Gewinn mit einem tapferen „weiter so“.Da wollen wir auch ihm folgen.
Die Republik nimmt ihren Lauf und weder Ochs noch Esel halten ihn auf.Er kann ja so Kompetent sein und wenn ein paar Internetkommentare gesperrt werden zeigt sich das so richtig.Auch ist dann die Zentrale in Brüssel für unsere Außenpolitik zuständig und er kann Reisen und unser Geld verteilen.Hoffentlich geht ihm dieses nicht zu schnell aus,denn ich glaube dann kann er noch gemeiner werden.

Man kann dies aus parteitaktischer Sicht so sehen, .wenn man einer eigenständigen, an deutschen Interessen orientierten Außenpolitik keinen Wert mehr beimisst. Dem neuen Kabinett der Verlierer ist dies zuzutrauen. Über lassen wir die Außenpolitik der Zentrale in Brüssel.

Ich gehe fest davon aus, dass wir mit HM im Rücken als Außenminister, vom Ausland nichts mehr zu befürchten haben. Die werden sich in Zukunft davor hüten negative Äußerungen, Meinungen gegenüber von sich zu geben. HM weiß wie weit die Meinungsfreiheit gehen darf. Hoffentlich kennt der Präsident Trump die Äußerungen von Steinmeier und Maas und spricht sie mal gezielt darauf an.

-Gegenüber Deutschland –

Ich hasse diese Person keinesfalls. Ich VERACHTE Herrn Maas

Das Leben schreibt doch immer noch die besten Pointen, die man sich so nie ausdenken könnte: Als Außenminister sitzt diese ehemalige Justizministerattrappe, die Deutschland mit dem NetzwerkDG ein dermaßen übles Zensurgesetz verpasst hat, dass selbst die EU es rügt, demnächst Leuten wie Erdogan, Xi Ping und Ali Chamenei gegenüber und fordert von denen mehr Meinungsfreiheit für ihre Bürger in der Türkei, China und Iran ein.

Nein Herr Wallasch. Der Herr Maas ist zwar Feindbild aller Konserativen, aber an dieser Figur brauchen diese sich diesmal nicht abzuarbeiten. Das können sie genüsslich den Trumps, Putins und Kurzens überlassen, oder Orban, der polnischen Regierung oder der kommenden italienischen Staatsführung. Die filetieren ihn in zwei Sätzen, wobei der erste ein’guten Abend‘ sein wird.

Für mich greift hier klar das „Peter-Prinzip“ — Jeder wird so lange befördert, bis er das absolute Ausmaß seiner Unfähigkeit erreicht hat.
Läuft bei uns!

Herr Wallasch, sicher haben Sie Recht, wenn Sie Herrn Maas als Feindbild von AfD und Pegida adelen. Sie vergessen aber, dass Herr Maas, nachdem er das NetzDG erzwungen hat auch das Feindbild jedes aufrechten Demokraten ist.

Man wird sehen, ob es sich für die SPD auszahlt, dass sie einen ausgemachten Feind von Verfassung und Menschenrechten zum Außenminister erkoren hat. Es wird ein wieherndes Gelächter geben, wenn Herr Maas oder die Bundesregierung z.B. in einem Land wie China Meinungsfreiheit und Menschenrechte anmahnen sollten.

Sicher, Herr Maas ist mit vielen Feinden gesegnet. Diese findet man aber nicht ausschliesslich auf der rechten Seite des politischen Spektrums. Es gibt auch noch denkende Linke. Lesen Sie hierzu bitte die letzte Kolumne des bekanntesten deutschen digitalen Irrläufers, besser bekannt als Sascha Lobo bei SpOn.

Das SPD-Projekt „10 % – x“ wird mit diesem Außenminister sicher ein voller Erfolg.