„Sondervermögen“ oder der große Bluff

Mit den neuen Rekordschulden haben Friedrich Merz und Lars Klingbeil fast nur Haushaltslöcher gestopft und nichts investiert. Union und SPD sind politische Pleitiers und Komplizen bei einer gigantischen Irreführung der Bürger.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber

Tue Gutes und rede darüber. So sagt der Volksmund. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und Sozialdemokraten folgt einem anderen Motto:

Tue Schlechtes – und tue so, als sei es gut.

Das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung gehört zu den angesehensten wissenschaftlichen Einrichtungen weltweit. Sein Wort hat Gewicht. Die neueste Studie der Münchner Top-Ökonomen ist wie ein Schlag ins Gesicht aller Steuerzahler. Denn sie zeigt:

Die neuen Rekord-Schulden aus dem sogenannten „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK) bezahlen Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU und sein Finanzminister Lars Klingbeil von der SPD so gut wie gar keine Investitionen in die Zukunft. Stattdessen werden damit auf Pump alle Lieblingsprojekte finanziert, die sich das Land eigentlich gar nicht leisten kann.

Rosstäuscher der Finanzpolitik

Die Publikumsveralberung fing ja schon beim Namen an.

Denn das „Sondervermögen“ ist das blanke Gegenteil eines Vermögens. Es handelt sich nicht um ein Sparguthaben, sondern schlicht um neue Schulden. Unfassbar viele neue Schulden: zusätzlich 500 Milliarden Euro. Um diese neuen Kredite aufnehmen zu können, ließ CDU-Chef Merz gegen alle Wahlversprechen – und zusammen mit den Grünen – das Grundgesetz ändern.

Heute, zwölf Monate später, weist das ifo-Institut nach, dass genau das passiert ist, wovor Kritiker von Anfang an gewarnt hatten: Wohl etwa 95 Prozent dieser Mittel werden zweckentfremdet. Was als großer Wurf für Infrastruktur und Klimaneutralität verkauft wurde, entpuppt sich als haushaltspolitisches Hütchenspiel – zu Lasten der Bürger, vor allem der jüngeren. Denn die werden die Rechnung für den ganzen Mist bezahlen müssen.

Hoch und heilig hatten Merz und Klingbeil versprochen, dass das Geld nur für zusätzliche Investitionen ausgegeben würde: neue Straßen, neue Brücken, digitale Infrastruktur – echte Zukunftsprojekte also. In Wahrheit werden jetzt Unsummen, die man sich geliehen hat, wie Chips im Casino verteilt.

Die Methode ist so simpel wie dreist: Für eine Brücke standen Investitionen im regulären Haushalt. Dort streicht man diese Mittel weg. Die Brücke bezahlt man stattdessen aus dem „Sondervermögen“. Das Geld, was dadurch im regulären Haushalt freigeworden ist, gibt man für irgendwelche Lieblingsprojekte aus. Für NGO-Förderung oder Meldestellen oder auch erhöhte Abgeordneten-Diäten.

Es gibt also neue Schulden, aber keine neuen Investitionen.

Beispiele zum Haare raufen

Im Jahr 2024 sind noch 1,2 Milliarden Euro aus dem normalen Haushalt in den Breitbandausbau investiert worden. Im Jahr 2025 dann: null. Kein Schreibfehler. Gar nichts mehr.

Gleichzeitig werden plötzlich 1,4 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Breitbandausbau ausgegeben. Die sowieso geplanten Ausgaben werden also einfach statt aus dem Haushalt nun aus dem SVIK bezahlt. Es gibt so gut wie keine neuen Investitionen – aber viel mehr Schulden.

Das gleiche Spiel bei der Bahn: Im Jahr 2024 standen dafür noch 7,5 Milliarden Euro im Haushalt. Im Jahr 2025 dann: null. Dafür tauchen sie nun im Sondervermögen auf (mit 7,6 Milliarden Euro).

Nächstes Beispiel: die Investitionen der Autobahn GmbH des Bundes. Sie gingen im Kernhaushalt von 6,6 Milliarden Euro auf 2,5 Milliarden Euro zurück. Dafür flossen 2,4 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen.

Das sind nur drei Beispiele von sehr vielen, die die ifo-Leute gefunden haben. Das Muster ist immer dasselbe: Man bezahlt ohnehin geplante Investitionen einfach nicht mehr aus dem Haushalt, sondern aus dem SVIK. Mit den jeweils frei gewordenen Mitteln im Haushalt kann man dann alle möglichen Sachen bezahlen, die aber eben genau keine Investitionen sind – höhere Sozialausgaben zum Beispiel.

So können Merz und Klingbeil jeweils ihre Klientel weiter mit Geld versorgen. Zahlen müssen das die künftigen Generationen. Denn es werden jetzt horrende Schulden gemacht, ohne dass später irgendjemand etwas davon hätte.

Kurzfristiger Konsum statt strategischer Investition

Eine Brücke ist eine Investition in die Zukunft. Die Subvention für eine Meldestelle „gegen Hass und Hetze“ ist es nicht.

Schulden sind eine Wette auf die Zukunft. Sie sind dann sinnvoll, wenn sie Werte schaffen – Infrastruktur, Innovation, Wachstum. Werden sie jedoch für laufenden Konsum verwendet, hinterlassen sie nichts außer Zinslasten.

Die Studie des ifo-Instituts formuliert es zurückhaltend: Es wurden Schulden aufgenommen, um Haushaltslücken zu schließen. Übersetzt heißt das: Man lebt über seine Verhältnisse – und nennt es Investition.

Friedrich Merz, einst angetreten als Mahner für solide Finanzen, steht nun für eines der größten Schuldenprogramme der Nachkriegsgeschichte. Lars Klingbeil verwaltet dieses Programm mit der Gelassenheit eines Finanzministers, der sich auf immer neue Spielräume verlassen kann.

Das Ergebnis ist eine Politik, die den Unterschied zwischen Investition und Konsum ignoriert.

All das war absolut absehbar. Unzählige Experten haben davor gewarnt. Wenn jetzt ausgerechnet Angela Merkels ehemaliger Wirtschaftsminister Peter Altmaier völlig überrascht tut („Das wäre so wild, dass ich es mir nicht vorstellen kann.“), dann fragt man sich schon, für wie blöd er sein Publikum hält:

Der Befund ist gleichermaßen klar wie bitter: Das Sondervermögen hat bislang kaum dazu beigetragen, die Infrastruktur nachhaltig zu verbessern oder die Wirtschaft anzukurbeln. Stattdessen dient es als finanzpolitisches Schmiermittel – um bestehende Probleme zu überdecken, statt sie zu lösen.

Friedrich Merz hat das Schuldenpaket einst mit einem „über Jahrzehnte angestauten Erneuerungsbedarf“ gerechtfertigt. Lars Klingbeil versprach einen Wachstumsschub. Geblieben ist davon nichts außer einem gigantischen Schattenhaushalt, in dem verschoben wird, aber nicht gestaltet.

500 Milliarden Euro – und das Land steht da wie ein Häuslebauer, der einen Kredit für das Eigenheim aufnimmt und am Ende feststellt: Das Fundament ist immer noch marode, aber das Konto ist leer.

Oder anders: Das Licht am Ende des Tunnels muss wegen Budgetkürzungen abgeschaltet werden.

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Kommentare ( 22 )

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Will Hunting
12 Minuten her

Hatte ich bereits vorhergesagt. Kredite müssen beantragt werden und zeitnah investiert werden. Eine jahrelange Vorhaltung von Krediten, bis zu derem Verbrauch, ist ruinös.
Schneeballsystem, Hütchenspieler.
Das wählen die Deutschen!

hansgunther
18 Minuten her

Es geht Aufwärts, ein mal am Tag, aber dann richtig! Frohe Ostern oder so!
„Berlin – Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) macht Druck beim neuen Gesetz zur Regelung der Tankpreiserhöhung. Sie strebt an, das Gesetz bis „Ende März, Anfang April“ abgeschlossen zu haben. Das wäre eventuell noch vor Ostern (3. bis 6. April).“
Quelle: Bild

Last edited 17 Minuten her by hansgunther
rainer erich
18 Minuten her

Vermutlich täusche ich mich, aber ich habe beim Namen „Fuest“ irgendetwas System – resp Regimefreundliches in Erinnerung. Es ist auch noch nicht allzulange her, dass er, durchaus im Unterschied zu seinem keineswegs revolutionärem Vorgänger, mit Botmässigkeit aufgefallen ist. Die logische Frage, die sich ihm nachb dieser Überraschung ? stellen müsste, ist klar. Wird er sie (zutreffend ) beantworten ? Man darf zweifeln. Auch er ist ein Systemling und wird auf gute Beziehungen achten, nicht zur AfD.

Siggi
18 Minuten her

Und nun muss die Frage nach unserem ?? Gold in den USA kommen. Wer weiß, ob die das nicht schon längst verkauft haben, oder wir überhaupt noch Zugriff darauf haben. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Ombudsmann Wohlgemut
19 Minuten her

Und Deshalb brauchen wir Haftung für Politiker, die so etwas mit Vorsatz tun.
Bevor nicht grundlegende Richtlinien und Strafen für das Pack eingeführt werden, wird das Vertrauen in die Politik stetig weiter sinken.
Ich frage mich, wie viele Leute denn wirklich noch an das Geschwätz der Politiker glauben, denn die Medien zeigen in der Regel eh nur „zufällig vorbeilaufende“ Parteimitglieder oder gekaufte Aktivisten, wodurch das Bild von Rückhalt in der Bevölkerung erzeugt werden soll, der nicht existiert.

Siggi
20 Minuten her

Ich würde gerne schwarz auf weiß und explizit sehen, wofür das Geld verschwendet wurde. Wie viel ist in die Migration gegangen, wie viel in den Machterhalt, wie viel in die Altparteien, NGOs usw., auf Euro und Cent genau. Mehr Kanonenfutter kann es so kurz vor der Wahl nicht geben. Bei der AFD ist Freude gerechtfertigt, hat sie doch ständig auf die Probleme hingewiesen, die ebenso ständig und stoisch von den Tätern, Mittätern und Erfüllungsgehilfen geleugnet wurden. Ich hoffe darauf, dass sich das deutlich in der Wahl am Sontag widerspiegelt. Das ist die Gelegenheit, den Altpartien die Verachtung zu zeigen, die… Mehr

sailoralex
22 Minuten her

Ich bin einfach nur fassungslos. Geahnt hat man es schon früher, nun weiss man es, die Bürger wurden schlicht ausgetrickst…

prague
25 Minuten her

Ich frage mich, warum lassen sich die Deutschen von ihren Regierungen so auspressen. Das Geld wird für alles andere ausgegeben, nur nicht für Deutschland und man nimmt noch Schulden auf und mit den Gelder machen sie das gleiche. Denken diese Wähler von diesen Parteien nicht an ihre Kinder und Enkelkinder? Sind sie schon so verblödert oder Gehirngewaschen? Denk niemand an die Zukunft? Ich kann es einfach nicht verstehen. Es geht doch nicht, dass die Regierung mit dem Geld nur das machen, was die wollen, giebt es keine Kontrolle?

alter weisser Mann
31 Minuten her

Ich bin völlig außerstande überrascht zu tun. Genau dieser Betrug und Verschiebebahnhof wurden bei den Sonderschulden von vorn herein erwartet.

Thomas Blobel
32 Minuten her

Wir Bürger sind Täter!
Eigentlich eine gute Nachricht von Klingbeil/Merz und Konsorten; sie haben immerhin nicht komplett gelogen, sondern nur 95%.