Schwesigs Popularität sackt ab – die Politikerin heuert neue PR-Kräfte an

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin sucht Mitarbeiter, die sie in sozialen Medien ins richtige Licht rücken sollen. Dabei beschäftigt ihre Staatskanzlei schon einen großen Medien-Stab.

IMAGO / Political-Moments
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) von Mecklenburg-Vorpommern im Bundesrat am 10.06.2022

Manchmal reagieren Politiker tatsächlich schnell auf Krisen. Anfang Juni meldete das Umfrageinstitut infratest dimap der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig (SPD) die schlechtesten Popularitätswerte seit ihrem Amtsantritt. Nur noch 49 Prozent der Befragten zeigten sich demnach mit Schwesigs Arbeit zufrieden – und 46 Prozent der Bürger im Nordosten nicht. Im vergangenen Jahr lag ihr Zustimmungswert noch bei 71 Prozent. Nach dem jetzigen Stand hätte die mit der Linkspartei regierende Sozialdemokratin Mühe, die Wiederwahl zu schaffen.

Popularität kostete es sie offenbar vor allem, dass sie lange an der angeblichen „Umweltstiftung“ des Landes festhielt, die in Wirklichkeit am Rand des Geldwäsche-Tatbestandes den Bau der russischen Gasleitung Nord Stream 2 mit organisieren sollte. Immer neue Ungereimtheiten über die intransparente Stiftung kamen ans Licht – und jedes Mal räumte Schwesig nur ein, was sie nicht länger bestreiten konnte.

Gegen den rapiden Zustimmungsverlust im Land möchte die SPD-Politikerin jetzt tatkräftig vorgehen: Ihre Staatskanzlei schrieb Posten für drei Referenten aus, die in Zukunft Termine der Ministerpräsidentin „begleiten“ und die Profile ihrer Staatskanzlei in den sozialen Medien „weiterentwickeln“ sollen. Dabei setzt sie auf Profis: Das Einstiegsgehalt der neuen Mitarbeiter, die Schwesig vor allem in den sozialen Medien gut aussehen lassen sollen, liegt bei 4.000 Euro monatlich.

Sie gehören in Zukunft zum Referat „Neue Medien“ in der Staatskanzlei, die vor einiger Zeit noch mit drei Angestellten auskam. Mittlerweile stieg die Zahl der Beschäftigten dort auf aktuell sechs an. Der Fachbereich trägt heute einen deutlich längeren Namen als früher: „Digitale Kommunikationsstrategien der Landesregierung“. Doch auch dieser Bereich macht nur einen Teil des PR-Stabs aus, der Schwesigs Image polieren soll. Insgesamt beschäftigt die Pressestelle der Staatskanzlei 15 Mitarbeiter. Ziemlich großzügig für ein Bundesland, das weniger Einwohner zählt als Hamburg.

„Eine Landesregierung muss dort präsent sein, wo es auch die Bürgerinnen und Bürger sind“, verteidigte Regierungssprecher Andreas Timm die weitere Personalaufstockung. Die Staatskanzlei lässt auch gern durchblicken, dass Schwesig ganz selbständig auf Twitter unterwegs sei – ohne Referentenhilfe.

Genau dafür erntete sie allerdings ziemlich viel Spott. Kürzlich twitterte sie ein Foto von sich und ihrem Landwirtschaftsminister Till Backhaus, der ihr einen Erdbeerkuchen überreichte, und behauptete dazu, den habe der Ressortchef selbst gebacken. Allerdings konnte jeder dem süßen Geschenk allein schon wegen der Größe des Backblechs ansehen, dass es von einem professionellen Bäcker und nicht aus dem heimischen Ofen des Ministers stammte. Schwesig schob dann auf Twitter nach, es sei bei manchen wohl „der Eindruck entstanden“, Backhaus hätte den Kuchen selbst angefertigt. Das war allerdings kein Eindruck – sondern exakt das, was die Ministerpräsidentin getippt hatte.

Kürzlich machte sich der NZZ-Redakteur Alexander Kissler über das unbeholfene Twitter-Deutsch der Politikerin lustig, und riet ihr, sich in Zukunft von Profis helfen zu lassen.

Den Rat beherzigte sie jetzt. Mit zusätzlich mindestens 12.000 Euro monatlich ist der Steuerzahler dabei, wenn es in Zukunft noch mehr bunte Twitter- und Instagram-Geschichten der Nordost-Regierungschefin gibt.

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Kommentare ( 19 )

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Alf
12 Tage her

Gegen den rapiden Zustimmungsverlust im Land möchte die SPD-Politikerin jetzt tatkräftig vorgehen.
Zustimmungsverlust im Land?
TE sollte besser schreiben, warum Schweswig immer noch im Amt ist.
Und Scholz dazu schweigt.

Schweigender Gast
13 Tage her

Frau Schwesig wird also dafür gehasst, in die Nordstream-2-Sache verwickelt zu sein. Das heißt also, dass die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern gerne frieren und hungern für die Ukraine. Für ihre rigiden Corona-Maßnahmen wird Frau Schwesig bestimmt von den Bürgern aus Mecklenburg-Vorpommern geliebt, damit kann ein Popularitäts-Verlust also überhaupt nichts zu tun haben. Danke für das Framing.

Last edited 13 Tage her by Schweigender Gast
Regina Lange
13 Tage her

Wir haben ja alle erst vor kurzem gelernt: das WORDING muss stimmen, damit das STANDING stimmt. Was für eine verlotterte Kaste!

Iso
14 Tage her

Wo man diese „Zustimmungswerte“ hernimmt, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Ich vermute, dass die Zahlen von der schreibenden Zunft aus der Luft gegriffen sind, um schließlich jemanden ins Amt zu bringen, dort zu halten oder zu stürzen. Von daher habe ich meine Zweifel an den 71 % Zustimmung im letzten Jahr. Was hatte sie denn schon zu bieten, was die Konkurrenz von der CDU nicht schlechter machen könnte? Das Corona Regime war schon mal filmreif, Nordstream 2 die volle Katastrophe, die x-te Werftenpleite in der Millionen Fördermittel versenkt wurden und Intel hat man auch nicht überzeugen können seine Chip-Fabriken… Mehr

Karl Schmidt
14 Tage her

Staat und Partei ist hier erneut eins: Die Popularität eines Politikers ist keine Staatsaufgabe, sondern zielt auf die Wiederwahl, die in den Aufgabenbereich der Parteien gehört. Steuergelder werden hier wohl in der Sache für die SPD veruntreut. Die Verwechslung Staat = Politiker (im Amt) ist auch dem Bundesamt für Verfassungsschutz und seinen reichlich desorientierten Präsidenten, der sich schon mal thematisch und begrifflich in die DDR verirrt, unterlaufen. Diese Leute können den Staat nicht mehr von der eigenen Person, der Partei (und auch nicht von Privatsphäre der Bürger) abgrenzen. Es ist eines der wichtigsten Symptome der Sozialistenseuche.

Tesla
14 Tage her

Tja, wer nichts drauf hat, und nicht durch Arbeit und Leistung überzeugen kann, und noch nicht mal die Interessen der eigenen Wähler vertritt, der braucht eben eine starke Propagandaabteilung (PR), um aus schwarz weiß zu machen, und dabei so viele Wähler wie möglich zu manipulieren, um auch nach den nächsten Wahlen an der Macht bleiben zu können/dürfen. Schwesig könnte natürlich auch zurücktreten, aber wo soll denn so eine Karrieristin hin, wenn sie bei den nächsten Wahlen nicht genügend Stimmen zusammenbekommen sollte. Wer will sie haben? Wie Heide Simonis mal einst sagte „Was wird dann aus mir?“, ist das wohl die… Mehr

thinkSelf
14 Tage her

49% sind mit ihr zufrieden. Und da fragt sich jemand noch ernsthaft warum dieses Land in dem Zustand ist in dem es ist?

Wieder ein Beweis dafür das jedes Land wirklich die Regierung hat die es verdient.

Dunkelsachse
14 Tage her

Die Zeiten können sich ganz schnell ändern.

Gazprom fährt derzeit Nord Stream 1 runter.

Nach Aussagen von Gazprom-Chef Alexej Miller ist bei der Drosselung keine Lösung in Sicht. „Die Turbine liegt in der Fabrik, Siemens kann sie nicht abholen, und nicht alle anderen Turbinen passen“, sagte Miller in St. Petersburg. Die infolge von Russlands Krieg gegen die Ukraine stillgelegte Pipeline Nord Stream 2 sei theoretisch aber einsatzbereit.

Fieselsteinchen
14 Tage her

Ein Glück, dass es sowas wie den gemeinen Steuerzahler gibt, der die PR finanziert. Haut raus, das Geld!

josefine
13 Tage her
Antworten an  Fieselsteinchen

Ob denn sechs Berater auch ausreichen?
Na ja, sonst stellt Frau Schwesig noch mehr Berater ein, das Geld scheint ja vorhanden zu sein, um ihren ramponierten Ruf aufzupolieren.

Mikmi
13 Tage her
Antworten an  Fieselsteinchen

Für diese negativ-Presse haben andere gesorgt, mit viel mehr Geld. Ich finde, diese Frau macht einen guten Job, für`s Land und ihre Bewohner. Da stecken ganz andere Interessen hinter.

Schorschi
13 Tage her
Antworten an  Mikmi

Das mit dem „guten Job“ hat wohl spätestens jetzt ein Ende. Frau Schwesig möchte jetzt nicht mehr durch gute Arbeit und Ergebnisse auffallen, sondern überlässt das jetzt der, aufgestockt und mit Steuergeldern finanzierten, Marketingabteilung. Sollen die sich doch mal ein bisschen anstrengen. Es kann doch wohl kei er erwarten, dass sich so eine MP über eine komplette Legislaturperiode anstrengt.

Wilhelm Roepke
14 Tage her

Die Kritik ist berechtigt, aber wenn die Russen nicht die Ukraine angegriffen hätten, wäre sie jetzt die weitblickende Geostrategin mit Engagement für die Energieversorgung Deutschlands.