Samuel Schirmbeck über Islam und Linke

Samuel Schirmbeck hat Probleme mit einer Linken, die so tut, als wäre der Islam Teil einer Befreiungsbewegung gegen die (angebliche) politische und kulturelle Hegemonie des Westens.

By Dontworry [CC BY-SA 4.0 ], from Wikimedia Commons

Von Samuel Schirmbeck gibt es auf Der Standard.at einen Buchauszug, den gelesen haben sollte, wen der Themenkreis Islam und Linke interessiert. Wir zitieren einige Absätze und laden zum Selbstlesen und Selbsteinordnen ein. Es lohnt. (Hervorhebungen von TE).

Ich hatte nie etwas gegen den Islam, bis ich plötzlich merkte, dass der Islam etwas gegen mich und meine muslimischen Freunde hatte. Ich habe mit dem heutigen Islam nicht mehr Schwierigkeiten, als ich mit jedem reaktionären Deutschen, Franzosen oder Chinesen habe. Mit jedem Amerikaner, Türken, Buddhisten, Christen, Hindu, Nord- oder Schwarzafrikaner, Dunkelhäutigen oder Hellhäutigen, der gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist, gegen die Gewissensfreiheit, gegen die Gleichheit aller Menschen, ob „gläubig“ oder „ungläubig“, der gegen die Trennung von Religion und Staat ist, der gegen die Vermischung von Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung ist, der gegen Homosexuelle ist, gegen die sexuelle Selbstbestimmung der Frau, gegen die Gedankenfreiheit.

Leider ist der gegenwärtige Islam gegen all dieses. Anders als der einzelne reaktionäre Deutsche, Amerikaner, Chinese, dem ich aus dem Weg gehen kann, hat der Islam mehr Macht als diese alle zusammen. Er ist vielerorts Staatsmacht. Er ist Staatsreligion. Er beherrscht einen großen Teil der Welt. Er steckt in international vernetzten Terrororganisationen …

Ich habe keine Schwierigkeiten mit einer Linken, die links ist. Die „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ für alle gelten lässt. Die muslimische Aufklärer nicht als „Rassisten“ diffamiert, weil sie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auch für Muslime wollen. Was wäre die Welt ohne die Linke? Ohne jene Linke, die sich für die gesellschaftliche Emanzipation auf sozialem und kulturellem Gebiet eingesetzt hat seit den Zeiten Voltaires? Die den Kolonialismus bekämpft hat? Die die Befreiungsbewegungen inspiriert und unterstützt hat? Die den katholischen Fanatismus besiegt hat? Die die Kirche gezwungen hat, Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung anzuerkennen?

Ich habe nur Schwierigkeiten mit einer Linken, die alles dies aufgibt, sobald das Wort „Islam“ fällt. Die so tut, als wäre der Islam Teil einer Befreiungsbewegung gegen die (angebliche) politische und kulturelle Hegemonie des Westens. Die nicht zugibt, dass der Islam selbst zum grausamen Unterdrücker in weiten Teilen der einstigen „Dritten Welt“ geworden ist. Die einverstanden ist, dass der Islam dort alles Aufgeklärte und Demokratiefreundliche als „westlich“, „verwestlicht“, „unislamisch“ ablehnt und verfolgt. Die einen Islam unterstützt, der auch in Deutschland die Abschottung von allem „Westlichen“ fordert und die Frau für „unrein“ hält.«


Zum Autor von Standard.at übernommen:

Samuel Schirmbeck (Jg. 1941) ist Soziologe, Autor und Filmemacher. Er hat ab 1991 das ARD-Büro Nordafrika in Algier aufgebaut und berichtete als Korrespondent über Algerien. Dieser Text ist ein Auszug aus seinem neuen Buch „Gefährliche Toleranz – Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam“. Es erscheint am 21. September im Orel-Füssli-Verlag.

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Kommentare ( 69 )

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Na ja, er lässt auf die Seinen nichts kommen, gefangen in seinen Referenzrahmen bzw. seiner platonischen Höhle. Zwischen der atheistischen (denn das das ist des Pudels Kern) Linken und dem Islam gibt es wesentliche Parallelen: Beide verleumden die Vergangenheit als „dunkel“; beide eignen sich früheren zivilisatorischen Fortschritt schamlos an; beider Aufstieg begann mit Massenmord, am jüdischen Stamm Banu Quraiza und an den Katholiken der Vendée; beide fordern Unterwerfung, wer sich unterwirft, darf Karriere machen; beide sind sie inklusiv, jeder darf sich unterwerfen; beide sind sie tolerant, sofern es ihnen nützt, z.B. durch Steuern, siehe dschizya; beide machen sich das Recht… Mehr
Danke für das Einstellen der Textauszüge. Folgende Bemerkungen möchte ich mir erlauben: (1) Herr Schirmbeck zeigt (auch in vorangegangenen Veröffentlichungen) wie viele (ehemalige oder nicht ehemalige) Linke den Habitus der Idealisierung und Entrealisierung = moralischen Immunisierung der linken Fiktiologie. (2) Unsere Gesellschaft ist im Wesentlichen das Erbe der Aufklärung und der damit verbundenen Wissenschaften. Die „Linke“ gibt es erst seit dem „Kommunistischen Manifest“, dessen Lektüre ich empfehle, da es Selbstherrlichkeit, Totalanspruch, Sendungsbewusstsein, Heilsgewissheit und Bereitschaft zur Gewalt bestens illustriert. Linke pflegen nachträglich zu reklamieren, was nicht auf ihrem Boden gewachsen ist. Auch das steht in der religiösen Tradition, so finden… Mehr

Gegen Schirmbecks Artikel setze ich dies:
https://www.achgut.com/artikel/gestern_noch_staatsbuerger_heute_schon_dissident
Warum:
Weil auch in Schirmbecks Artikel die linke Strategie erkennbar wird die im AchGut Artikel ganz deutlich wird: Sämtliche Werte einer bürgerlichen Gesellschaft so lange nach links „verschieben“ bis sie A) so sehr in ihren Grundzügen deformiert sind, dass sie nicht mehr erkennbar sind, B) in dieser deformierten Form zum Herrschaftsinstrument des angestrebten Systems taugen. –
Fazit:
Die – angebliche – Toleranz linker Salonsozialisten
ist nur ein Gutgläubige „verwirrendes Instrument“, trügerischer „Hebel“,
das Hardcore Sozialisten auf ihrem Weg zur totalen Macht schamlos nutzen. –

Dann scheint es aber diese sogenannte gute Linke, wie Herr Schirmbeck sie schildert, gar nicht (mehr) zu geben. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Diktatur -egal in welchem Gewand- den anderen politischen Formen auf lange Sicht das Wasser abgräbt.

Wer fällt mir hier als Beispiel ein? Stalin. Die Eigentümlichkeiten der spanischen Sozialisten und Kommunisten ärgerten ihn, und so tat er sich mit den spanischen Nationalisten zusammen und eliminierte „seine Linke“, um eine neue Internationale zu schaffen, die Moskau als Zentrum anerkannte und nicht mit solch emotionalem Mist wie Gleichheit und Brüderlichkeit liebäugelte. Das empfahl er auch frustrierten deutschen Kommunisten, ihre Spitze zu entsorgen.

Wenn also heute die Linke den extremen Islamismus hofiert, dann handelt es sich nicht um die Linke, Sozialismus, Kommunismus, Marxismus, Leninismus, sondern um Stalinismus.

„Links sein bedeutet, die Freiheit zu lieben, mehr als alles andere“ … nein, leider nein. Das Gegenteil ist der Fall. „Freiheit“ ist ein bürgerlicher Begriff, und Freiheit ist nur in einem Staat der Bürger möglich. Die Idealform des bürgerlichen Staates ist die repräsentative Demokratie, in welcher – auf Zeit gewählten – Repräsentanten zugestanden wird, über die Geschicke zu entscheiden. Nachdem alles andere nicht gefruchtet hatte, ist nun der Islam für die Linke die willkommene Gelegenheit, den bürgerlichen Freiheitsbegriff abzuräumen; mit dem Ruf „Kampf gegen rechts!“ soll die Freiheit erledigt werden. Wer sich dem entgegen stellt, wird als „rassistisch“ markiert und… Mehr
Radieschen Kommunismus. Außen rot aber innen weiß. Viel weiter rechts als die Salafisten und islamischer Terror kann kaum extremer Rechtsradikalismus sein. Selbst der Staatsislamismus muss eigentlich als stark rechtslastig eingestuft werden. Allein am Beispiel Islam sieht man, wie unsinnig und fragwürdig die Einstufung von Menschen und Meinungen nach Links oder Rechts überhaupt ist. Unsere Abwehr muss auf alle extremen Gruppierungen gleichermaßen gerichtet sein, wenn schlimmes für die Menschheit verhindert werden soll. Alle Fanatiker, egal welcher Farbe oder Richtung haben immer schon, nur großes Unheil verursacht. Warum ihr angeblich Linken, glaubt gerade ihr die alleinigen Retter dieser Welt zu werden? Aber… Mehr
Ich kann mich nicht auf die Seite Samuel Schirmbecks stellen und habe mit Menschen seines Schlages kein Mitleid, im Gegenteil: Ich sage ihnen klar: Fluch der bösen Tat. Denn was sie, die Salonlinken, immer so wohlfeil übersehen: Es war und bleibt das Laisser-Faire des Linksliberalismus, sein langes „Anything goes“ oder „Alles ist gleich (gut)“, sein Glaube an offene Grenzen und grenzenlose Selbstverwirklichung, die einer Politik Bahn gebrochen hat, an deren Ende nun die nahezu unaufhaltsame Islamisierung Europas steht. Nein, es war und ist nicht erst seit 2015 so, als Merkel die deutschen Grenzen abschaffte, es begann auch nicht 09/11, sondern… Mehr

Die Linken sehen im Islam einen mächtigen (weil brutalen) Verbündeten, der die westlichen Demokratien und christliche Kirche auch zersetzen und mit einem neuen System ablösen will.

So sehen beide ineinander Verbündete, um die westliche Gesellschaft zerstören. Danach will dann wohl jeder dem anderen an die Gurgel gehen. Und die Salon-Linken glauben, dass sie dann Islamisten von Schlage El-Kaida und IS im Zaune halten oder zurück drängen können. Diese tödliche Fehleinschätzung sollte NIEMALS Realität werden…

Es ist jetzt schon bestimmt 20 Jahre her als nach einer Familienfeier kurz die Tagesschau zusammen angesehen wurde und dort ein Beitrag über Enthauptungen von Ehebrecherinnen in Saudi-Arabien kam. Diejenigen unserer Familie, die ich politisch eher rechts (damals noch CSU) verorten konnte waren empört und entsetzt ob dieses Zivilisationsbruchs, die Linkenanhänger und Grünen (besonders die Frauen) hatten Verständnis und meinten wir hätten kein Recht unsere kulturellen Vorstellungen anderen überzustülpen. Heute sind dieselben natürlich für bedingungslose Toleranz gegenüber Verschleierung, Sonderrechten der Muslime etc….. und sie sind nach wie vor links ! Das wird sich auch nicht ändern- es sei denn die… Mehr