Jeden Tag gehen zwei Pflegeheime in die Insolvenz

Der Arbeitgeberverband Pflege schlägt Alarm: Noch so ein Jahr und in der Altenpflege gehen die Lichter aus. Politische Versäumnisse führten zu schweren Folge für die Versorgung alter Menschen.

IMAGO
Der Arbeitgeberverband Pflege hat sich mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt: Der Branche drohe der Kollaps. „Noch so ein Jahr wie das letzte und in der Altenpflege gehen die Lichter aus“, sagt Verbands-Präsident Thomas Greiner. Die Krise sei gut dokumentiert: „Viele Pflegeplätze, die wir in den nächsten Jahrzehnten dringend für die Versorgung einer steigenden Zahl Pflegebedürftiger benötigen würden, sind bereits verloren.“

Der Politik und den Pflegekassen wirft Greiner vor, untätig zu bleiben. Die Vergütung für die Altenpflege trage nicht mehr die Kosten. Im vergangenen Jahr sind laut dem Verband 783 Heime der Altenpflege in die Insolvenz gegangen. Das sind nur vorläufige Zahlen. Den Dezember hat der Verband noch nicht abschließend ausgewertet. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Jeden Tag gehen in Deutschland im Schnitt mehr als zwei Heime in die Insolvenz.

Karl Lauterbachs Trümmerfeld
Pflegeheime werden von Insolvenzwelle überrollt – 19.000 Plätze betroffen
„Die Politik muss sich an eine Generalüberholung der Altenpflegevergütung heranwagen“, fordert Greiner. Ein Funken Wirtschaftskompetenz reiche aus, um zu wissen: Wenn die Hälfte der Einrichtungen rote Zahlen schreibt, hat die Altenpflege keine Zukunft. Zuständig für die Pflege ist Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Der hat im vergangenen Jahr eine „Pflegereform“ vorgelegt. Die Beiträge für die Pflegeversicherung hat Lauterbach drastisch erhöht, auch die Anteile, die der Staat für die Bewohner von Pflegeheimen übernimmt.

Im vergangenen Jahr haben die Bewohner von Heimen oder ihre Angehörigen im Schnitt monatlich 2610 Euro Eigenanteil gezahlt, teilt der Pflegeschutzbund Biva mit. In Baden-Württemberg mussten die Betroffenen 2990 Euro im Monat bezahlen, in Sachsen-Anhalt waren es „nur“ 2047 Euro. Die staatlichen Zuschüsse sind generell um fünf Prozent gestiegen. Fürs erste Jahr eines Bewohners im Heim übernehmen die Kassen nun 15 statt wie bisher 5 Prozent.

Setzt sich der Arbeitgeberverband durch, steigen die Kosten weiter. Neben einer auskömmlichen Kostenübernahme durch die Kassen fordert der Verband ein „Pflegeplatz-Monitoring“. Das heißt, die Kassen müssten untersuchen und veröffentlichen, wo es an wie vielen Pflegeplätzen mangelt. Zudem verlangt der Verband einen Rechtsanspruch auf einen Pflegeplatz für Pflegebedürftige, den diese oder ihre Verwandten einklagen können.

Doch an einer echten Reform der Pflegeversicherung ist Lauterbach bisher gescheitert. Betreibt er seine Politik so weiter wie bisher, muss er Mitte oder Ende des Jahres die Beiträge zur Pflegeversicherung wieder erhöhen. Es sei denn, er lässt die Heime weiterhin in Insolvenz und Pleite laufen. Dann sinken die Kosten – es gibt aber dann halt auch keine Pflege mehr.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 61 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

61 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Axel Fachtan
1 Monat her

Zu Beginn des Jahres 2023 gibt es in Deutschland 11.683 vollstationäre Pflegeheime mit insgesamt 918.084 Plätzen für die Altenpflege.
Jetzt mal ein bisschen Prozentrechnung 783 davon sind 2023 in Insolvenz gefallen.
6,7 Prozent Pleiten in einem Jahr. Bei stetiger Entwicklung gäbe es in 15 Jahren keine Pflegeheime mehr, die nicht pleite sind.
Problem ist ja aber u.a. der Fachkräftemangel. Ohne Altenpfleger keine Einnahmen. Aber die Kosten laufen weiter.
Wenn die Menschheit aber die Wahl hat, Bürgergeld oder Altenpflege, wofür wird sie sich entscheiden ?
Deutschland ein Pilotenspiel …

Fieselsteinchen
1 Monat her

“Politische Versäumnisse” seien die Grundlage für Insolvenzen der Altenheime? Nein, ich glaube das nicht mehr! Die Alten sind unnütz und kosten nur! Das ist die (abgewandelte) Kernaussage eines Yuval Harari im Zusammenspiel mit dem WEF! Weder ging es jemals um “Schutz von Vulnerablen” noch um irgendein Interesse an bettlägerigen dementen Alten. Sie binden Platz und Ressourcen. Wer hat nicht jüngst eine “Euthanasie” ab 70 gefordert? Nur ein Komiker? Wirklich? Oder will man langsam ausloten, wie weit man in der Zukunft gehen kann? Bis 70 arbeiten und dann Schicht im Schacht? In Canada wird Alten und Kranken schon mal Suizid nahegelegt,… Mehr

Regenpfeifer
1 Monat her

„Zuständig für die Pflege ist Gesundheitsminister Karl Lauterbach“ -Na dann: Gute Nacht, Deutschland!

Falk
1 Monat her

Warum denn die Pflegeversicherung reformieren? Das ist doch wieder das „Pferd von hinten aufzäumen“!! Über 2000euro, bis fast 3000euro Eigenanteil pro Person im Heim??? Wofür?? EIN Zimmer + Verpflegung kann doch nicht „die Welt“ kosten. 15 euro verpflegung/tag + 300euro/mtl Zimmer =um die 750 euro. Bleiben ca 1250-2250 Euro/mtl für alles andere. Und das sollte nur vom EIGENANTEIL übrig sein!! Nachbarin arbeitet in der Pflege. Wenn ich ihr zuhöre, komme ich aus dem kopfsch<tteln nicht mehr herraus. Alles und ich meine Alles ist durchreguliert. Kein Spielraum… Für nichts! Da wird Kuchen bestellt, fürs ganze Heim. Xx Euro ist das Budget,… Mehr

Richy
1 Monat her

Warum in Pflegeheime investieren? In den Alten- und Pflegeheimen sterben ja auch nur die länger hier Lebenden, wie Merkel Deutsche bezeichnet. Die werden ja nicht mehr gebraucht und verursachen ja nur noch Kosten. Dafür holt ja die KGE genügend junge, agile Fachkräfte aus Afrika und Asien hier her, die die Wirtschaft auf Vordermann bringen und für unseren Wohlstand sorgen. Und die Völkerrechtlerin hat ja auch noch genügend Milliarden übrig, um den Rest der Welt zu retten. Warum also ins eigene Land investieren?

Helfen.heilen.80
1 Monat her
Antworten an  Richy

Dito. Eine seltsame Asymmetrie: Kinderschutzgesetz, Kindergeld, Bürgergeld mit satten 12% „Inflationsausgleich“ etc. reichen für ein auskömmliches Leben, verglichen mit der zwangläufigen Notwenigkeit zu arbeiten in ärmeren Ländern. Die ökonomischen Sektoren, deren Personal und Finanzierungsmodelle primär mit der „Gastfreundschaft“ beauftragt sind, das Schul-, Lehrsystem, alle sozial-medizinischen Strukturen werden trotz rabiater Inflation und steigender Abgabenlast kaum an die Inflation angepasst. Offenbar hat „man“ vor dem Druckpotential der Lokführer mehr Respekt, wenn die ansehnliche Anpassungen verhandeln können. Dem Lehr- und Sozialmedizinischen Sekor winkt dagegen schon das Investitionskapital entgegen. Es gibt bereits Schulungen, wie man als Freiberufler sein Geschäft korrekt abgeben kann. Die Kommunen… Mehr

Derrick
1 Monat her

Pflegeeinrichtungen Pleite und bei der Migrantenversorgung werden Milliarden verdient, das ist Absurdistan wie es leibt und lebt. Falscher Schwerpunkt der Politik was das Geld verschleudert betrifft. Den obersten Bundesuhu von Absurdistan oder den Vergesslichen interessiert das alles nicht, denn die beschimpfen unsere Bauern als Räächts und sind damit voll ausgelastet. Lachen hält Gesund und mehr Zeit in Italien oder Nizza verbringen – von wegen der vielen Katastrophen in Absurdistan. Anders als der Kalle sind wir aber von September bis Mai im Süden unterwegs, weil schon vor 50 Jahren die Temperaturen im Sommer in Sizilien oder Perpignan nix für uns waren… Mehr

Last edited 1 Monat her by Derrick
Martin Beinhauer
1 Monat her

Vielleicht sollten die Angehörige wie in anderen Ländern üblich zu Hause pflegen und ihr eigenes Leben aufgeben. Ein Bekannter von mir ist jetzt wieder für 5.000,00 Euro im Monat im Fredericke Fliedner Heim in Dortmund für psychisch Kranke. Nur weil er nicht in der Lage ist seine Medikamente gegen paranoide Schizophrenie ordentlich einzunehmen , die ein Pflegedienst jede Woche zusammen stellte. 18 Monate Bodelschwingh–Haus Dortmund Prinz-Friedrich-Karl-Str. 5,44135 Dortmund pro Monat 5.000,00 Euro = 90.000,00 Euro + 24 Monate Friederike-Fliedner-Haus Kirchenstraße 25, 44147 Dortmund pro 5.000,00 Euro pro Monat = 120.000,00 Euro + Taschengeld in der Einrichtung + Krankenkassenbeiträge und Pflegeversicherungsbeiträge .… Mehr

Wolfgang Schuckmann
1 Monat her

Weshalb Pflegeheime pleite gehen? Weil der deutschen Politik andere Schwerpunkte beim Geld ausgeben wichtiger sind. Solange in diesem Land Geld aus den Kassen abgezweigt werden, das nicht für den eigentlichen Zweck bestimmt ist, steht dieses Kapital den rechtmäßigen Empfängern nicht zur Verfügung. Man regt sich nicht mehr über die Korruption in verschiedenen Ländern auf, die für den Beitritt zur EU fertig gemacht werden sollen, weil man weiß wie viel Dreck man selbst am Stecken hat. Und ehrlich, zu der von diesem Schritt vielleicht bald betroffenen Klienten könnte ich in absehbarer Zeit gehören. Aber soweit darf man es nicht kommen lassen,… Mehr

TruthHurts
1 Monat her

Stimmt. Muslime haben Deutschland ja schon mal aufgebaut. Hatte das nicht Göring-Eckhardt erzählt?

Teresa
1 Monat her

Die Pflegekräfte und Helfer sind zeitlich subventioniert ( Steuergeld ) durch befristete Arbeitsverträge oder sind Niedriglohnempfänger. Die Gewinne streicht sich das Unternehmen und die leitenden Manager ein.
Altersheime werden zu Asylheimen umgewandelt und die Asylindustrie boomt.
Ich finde man sollte sich mit der Asylindustrie genauer befassen.