Autor von Covid-Strategiepapier steht auf Gehaltsliste Chinas

Der Sprachwissenschaftler Otto Kölbl war federführend an der Erstellung eines Papiers für das Bundesinnenministerium beteiligt. Jetzt gibt er zu, für Peking gearbeitet zu haben – seine Arbeit für das Innenministerium habe das nicht beeinflusst, behauptet er.

IMAGO / U. J. Alexander
Einer der Autoren des Strategiepapiers des Bundesinnenministeriums (BMI) war Otto Kölbl

Vor Monaten sorgte ein Strategiepapier des Bundesinnenministeriums (BMI) aus dem Jahr 2020 für Aufruhr. Es war eine Kampfschrift für massive staatliche Eingriffe: Selbst von zentralen Quarantänecamps ist im Papier die Rede. Worst-case-Szenarien werden ausgebreitet, die man „der Bevölkerung vor Augen führen müsse“. So heißt es an einer Stelle beispielsweise: „Kinder werden sich leicht anstecken (…) Wenn sie dann ihre Eltern anstecken und einer davon qualvoll zu Hause stirbt, [werden] sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein“. Das Papier redete einer harten „ZeroCovid“-Politik das Wort – einer Politik, die sich in Schanghai und anderen chinesischen Städten gerade selbst entzaubert.

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Einer der Autoren dieses Papiers war Otto Kölbl. Kölbl ist eigentlich Linguist, also Sprachwissenschaftler an der Universität Lausanne – und wurde doch zu einem der Wortführer im Papier. So schrieb der für den Expertenrat zuständige Staatssekretär an den Dekan in Lausanne, Kölbl habe „wichtige Impulse“ geliefert. Wenige Wochen vor seiner Berufung in den Expertenrat des Innenministeriums schrieb der Linguist noch selbst Papiere – als „Privatmann“, wie er sagt –, in denen er auch als Advokat für drakonische Maßnahmen auftritt. Unter offizieller E-Mail-Adresse seiner Uni lancierte er das Papier an Regierungen im deutschsprachigen Raum, wovon die Universität Lausanne sich mit Nachdruck distanzierte.

Jetzt gibt Kölbl offen zu: Er ließ sich durch die chinesische KP bezahlen. Der Linguist, der vor seiner Zeit in Lausanne an der polytechnischen Universität im chinesischen Xi‘an war, unterstützte die Regierung in Peking wohl immer wieder gegen Geld. Er sei gegenüber der Partei zu Geheimhaltung verpflichtet, sagt er. Der Welt am Sonntag verrät er nur so viel: „Ich habe immer wieder mal kleinere Aufträge angenommen, wo es darum ging, die Sicht der chinesischen Regierung einem westlichen Publikum zu erklären.“ Der Linguist, der Forderungen einer harten „ZeroCovid“-Politik für das Innenministerium schrieb, tat also genau das schon lange vorher: autoritäre Politik im Stile Chinas für den Westen aufbereiten.

Seine Tätigkeit für China habe sein Wirken im BMI nie beeinflusst, versichert Kölbl – aber seine Übereinstimmung mit der chinesischen Politik ist offenkundig. Heute hätte selbst er als Linguist wohl Schwierigkeiten, die chinesische Politik im Westen „schmackhaft“ zu machen – die Bilder vom Lockdown in Schanghai sprechen deutlicher als jedes theoretische Papier.

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Kommentare ( 46 )

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Helfen.heilen.80
6 Monate her

Das liest sich, als sei er immer noch im Dienst? Was hält der Staatsschutz von so einem Zustand? In den USA wäre der Genosse schon von der NSA abgesammelt, und ausführlich nach seiner „Motivationsstruktur“ befragt worden.
Un-fass-bar…, das gibt’s doch nicht!

Last edited 6 Monate her by Helfen.heilen.80
Ralf Poehling
6 Monate her

Wessen Brot ich ess‘ dessen Lied ich sing‘.
Wie kann das eigentlich passieren, dass Gutachter für das deutsche Bundesinnenministerium von China aus bezahlt werden?
Da ist die Neutralität, oder vielmehr der Dienst im Interesse unseres(!) Landes doch von vornherein ausgeschlossen.

Alexis de Tocqueville
6 Monate her

„Heute hätte selbst er als Linguist wohl Schwierigkeiten, die chinesische Politik im Westen „schmackhaft“ zu machen“

Im Gegenteil. Heute könnte er der Faschobande ihre wildesten Träume live und in Farbe zeigen.

Thorsten Hempel
6 Monate her

Nichts für ungut, aber das mit Herrn Kölbl, was er macht und für wen, ist eigentlich seit zwei Jahren bekannt und hätte somit schon lange mit Nachdruck thematisiert werden können. Inzwischen ist das Kind längst in den Brunnen gefallen und bereits mehrfach ertrunken.

Soder
6 Monate her

Zur Ergänzung:
Das Szenenpapier (auch Strategie-Panikpapier genannt) vom BMI vom 28.4.2020
Interessant der Punkt 4a: Worst case verdeutlichen!
https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/szenarienpapier-covid-19.pdf?__blob=publicationFile&v=4
Interessant ist auch, daß es in Österreich auch ein solches „Strategiepapier“ gab.

Juergen P. Schneider
6 Monate her

Unsere links-grünen Gutmenschen besorgen ihre Zersetzungsarbeit an unserer Gesellschaft freiwillig und mit gutem Lohn auf Steuerzahlers Kosten. Die von Russland und China gewünschte Vernichtung unserer Lebensweise und Kultur sind erklärtes Ziel dieser trojanischen Pferde, die von der links-grünen politmedialen Einheitsfront in die Schaltstellen unseres Landes eingeschleust wurden. Dass da auch noch ein chinesischer Agent vom Innenministerium angeworben wurde, kann eigentlich niemanden verwundern.

Casta Diva
6 Monate her

Ich denke gerade an von vollvermummten chinesischen Beamten brutalst auf der Straße erschlagene Hunde, die verzweifelt ihren in Zwangs-Quarantäne verbrachten Besitzer nachliefen. An den Eltern entrissene Kinder undundund …! Der Zustand einer Gesellschaft wird daran sichtbar, wie man die schwächsten Geschöpfe behandelt. Satanisch!!! Oh Gott, oh Gott!!! Wo bist DU?

Klaus Kabel
6 Monate her

Der Chinese schläft nicht. Er sitzt in der deutschen Regierung. Die Väter der Grünen waren zum Großteil Maoisten, die sich aus dem KBW heraus formierten und deren Gedankengut prochinesisch ist.

Last edited 6 Monate her by Klaus Kabel
Mugge
6 Monate her

Charaktere wie Otto Köbl wird es immer geben. Schlimmer wiegt die Tatsache, wem deutsche Politiker immer häufiger die Türen öffnen, obwohl sie doch geschworen haben, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und seinen Nutzen zu mehren.

Last edited 6 Monate her by Mugge
Fieselsteinchen
6 Monate her

Die Geschichte mit Kölbl ist bitte nicht so neu. Sie ging bereits im letzten Jahr durch diverse Freie Medien und verschwand dann wieder. Kölbl wurde unter Seehofer, möglicherweise mit Merkels Segen eingesetzt. Seehofer hat zu dem Zeitpunkt doch nur noch seinen Sessel hin- und hergeschoben, in der Hoffnung, so schneller die Zeit totzuschlagen. Mich würde der Grund interessieren, warum die Story jetzt wieder auftaucht? Wurde die Suche nach dem Sündenbock eingeläutet? Dass Kölbl einräumt, von China Geld bekommen zu haben, ist doch bei seinem Wirken schon seit längerem ersichtlich. Und Kölbl für die Lockdown-Entscheidungen verantwortlich zu machen, ist lächerlich. So… Mehr