Die außenpolitische Dauerkrise zwischen Budapest und Kiew verschärft sich zwei Monate vor den ungarischen Parlamentswahlen: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat bei einer Kundgebung in der westungarischen Stadt Szombathely das Nachbarland offen als „Feind Ungarns“ bezeichnet.
picture alliance / NurPhoto | Nicolas Economou
Viktor Orbán kritisierte bei der Veranstaltung vor Anhängern insbesondere Forderungen aus der Ukraine, die Europäische Union solle den Import günstiger russischer Energie vollständig stoppen. „Wer das sagt, ist ein Feind Ungarns, also ist die Ukraine unser Feind“, erklärte er. Ungarn sei weiterhin stark von russischem Gas abhängig, und ein abruptes Ende der Lieferungen würde Wirtschaft und Haushalte im Land belasten.
Die Aussagen Orbáns sind eine weitere Anklage gegen die in Brüssel verordnete europäische Energiepolitik: Seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine hat die EU ihre Importe russischer Energie stark reduziert. Zwischen 2021 und 2025 gingen die Einkäufe von Pipeline-Gas und Öl aus Russland deutlich zurück, dennoch gehört die EU weiterhin zu den wichtigsten Abnehmern von russischem Gas, insbesondere von Flüssiggas. Ungarn hat sich innerhalb der EU wiederholt gegen umfassendere Sanktionen gestellt und seine Vetomöglichkeiten genutzt, um einzelne Maßnahmen zu blockieren oder abzuschwächen. Auch die Slowakei vertritt eine ähnliche Position.
Erst vor Kurzem hatte der EU-Rat Pläne gebilligt, den Import von russischem Gas bis 2027 vollständig zu beenden. Ungarn und die Slowakei kündigten an, dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof vorzugehen. Orbán argumentiert seit Langem, dass eine zu schnelle Abkehr von russischer Energie Europa wirtschaftlich noch mehr schwäche und nationale Interessen gefährde.
Kein EU-Beitritt der Ukraine
In seiner Rede griff der ungarische Regierungschef auch die EU-Beitrittsambitionen der Ukraine an. Zwar müsse Ungarn als Nachbar mit Kiew zusammenarbeiten, doch eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union lehnt Orbán weiterhin entschieden ab. „Ungarn sollte weder militärische noch wirtschaftliche Kooperation mit der Ukraine wollen, weil sie uns in den Krieg hineinziehen“, sagte Orbán. Diese Haltung hatte er bereits mehrfach im Jahr 2025 geäußert, etwa bei EU-Gipfeln und in Interviews mit ungarischen Medien. Dort warnte er, ein EU-Beitritt der Ukraine würde die Union finanziell überfordern und die Sicherheitslage verschärfen.
Bereits im Frühjahr 2025 hatte Orbán erklärt, Ungarn werde keine weiteren EU-Hilfspakete für die Ukraine unterstützen, solange nationale Interessen nicht ausreichend berücksichtigt würden. Im Sommer desselben Jahres kritisierte er erneut die EU-Sanktionen gegen Russland und bezeichnete sie als „Fehlschlag“, der Europa mehr schade als Moskau. Zudem forderte er wiederholt Friedensverhandlungen und stellte die militärische Unterstützung für Kiew infrage. Diese Position brachte ihm in der EU Kritik ein, da er als einer der „russlandfreundlichsten“ Regierungschefs innerhalb der Union gilt.
Orbáns jüngste Äußerungen fallen zwei Monate vor den Parlamentswahlen im April: Seine Partei liegt laut Umfragen hinter dem Oppositionsführer Peter Magyar. Orbán wies entsprechende Zahlen als Propaganda zurück und präsentierte sich auch bei der aktuellen Kundgebung als Verteidiger ungarischer Interessen gegen äußeren Druck.
Zahlreiche Konflikte mit der Ukraine
Alleine in den vergangenen 12 Monaten kam es zu mehreren Konfliktsituationen zwischen der Ukraine und Ungarn:
Am 9. Mai 2025 eskalierten Vorwürfe gegenseitiger Spionage: Die Ukraine warf Ungarn vor, ein Spionagenetzwerk betrieben zu haben, und wies zwei ungarische Diplomaten aus. Ungarn reagierte umgehend mit der Ausweisung zweier ukrainischer Diplomaten und bezeichnete die Anschuldigungen als „ukrainische Propaganda“. Dieser Vorfall markierte einen neuen Tiefpunkt in den bilateralen Beziehungen.
Im Juli 2025 verhängte Ungarn ein Einreiseverbot für ukrainische Militäroffiziere. Grund war ein diplomatischer Streit um den Tod eines doppelten ungarisch-ukrainischen Bürgers, der unter umstrittenen Umständen in die ukrainische Armee mobilisiert worden war und gestorben war. Budapest sah darin eine Verletzung der Rechte seiner ethnischen Minderheit.
Ende August 2025 griff die Ukraine russische Energieinfrastruktur an, darunter die Druzhba-Ölpipeline, was den Ölfluss nach Ungarn vorübergehend unterbrach. Als Reaktion verhängte Ungarn ein Einreiseverbot gegen den ukrainischen Kommandeur der Drohnen-Einheiten, Robert Brovdi, der den Angriff koordiniert haben soll.
Am 26. September 2025 berichtete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass ungarische Drohnen den ukrainischen Luftraum verletzt hätten, um Industrieanlagen auszukundschaften. Orbán leugnete zunächst, spielte den Vorfall dann herunter und erklärte, die Ukraine sei „kein souveräner Staat“. Dieser Zwischenfall folgte auf die Festnahme zweier ungarischer Spione in der Ukraine im Mai und heizte die Spannungen weiter an.
Und am 26. Januar 2026 warf Orbán der Ukraine vor, sich in die bevorstehenden ungarischen Wahlen einzumischen. Er behauptete, Kiew führe eine koordinierte Kampagne gegen seine Regierung, und erklärte, die Ukraine habe „keine Souveränität“ mehr.
Bei seiner aktuellen Rede kündigte der ungarische Ministerpräsident auch an, in Kürze nach Washington zu reisen, um an einem Treffen des von US-Präsident Donald Trump initiierten „Board of Peace“ teilzunehmen.

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Abgesehen von Hrn. Orbans Meinung – Was wurde eigentlich aus den ursprünglichen Beitrittskriterien (Stabilitätspakt etc) um in der EU aufgenommen zu werden? Dementsprechend dürfte theoretisch auch die EU.einen Ukraine Beitritt nicht mal in Erwägung ziehen. Scheinbar hat die EU aus der PIGS Krise nichts gelernt oder verfolgt ohnehin andere Ziele.
Nun ja, so sehr ich Orban und die Ungarn ja eigentlich mag und so oft wie ich auch auf Orban’s Seite bin – und auch bei allem Verständnis was die nötigen Gas-Lieferungen für Ungarn angeht, dennoch habe ich auch für Orban in punkto Ukraine wachsendes Unverständnis. Ich meine, was erwartet Orban von der von Putin-Russland überfallene und teilbesetzten Ukraine? Dass sich die Ukrainer mit Land und Leute den Oberdemokraten, Friedensbringer und Nazi-Befreier Putin ausliefern und unterordnen? – – – – Und wenn die Ukraine dann mal in Russland eine Gas-Leitung lahm geschossen hat und deshalb in Ungarn für drei Tage… Mehr
Und ich würde gern Wissen, wie sich die Welt verhalten würde, wenn Österreich die Macht und Courage hätte, sich Südtirol zurück zu holen. Mehrheitlich fühlen sich die Südtiroler bis heute als Österreicher und wurden unter Zwang Italiener. Scheinbar haben alle vergessen, wie die Ukraine gegen die vorwiegend russischstämmige Bevölkerung, insbesondere in der Krim, vorging. Von Sprachverbot bis Verbot der russisch orthodoxen Religionsgemeinschaft. Selbst deutsche MSM berichteten darüber. Auch dass die Ukraine eines der korruptesten Länder war und, mittlerweile aktuell wieder aufgedeckt, noch immer ist. Vom Druck der Nato Richtiung RU gar nicht erst zu reden. Wird wohl auch Gründe gehabt… Mehr
Zitat 1: „Von Sprachverbot bis Verbot der russisch orthodoxen Religionsgemeinschaft.“ > Dass es in der Ukraine bezüglich der russischen Sprache ein Sprechverbot gegeben haben soll, sagt wer; etwa die prorussischen Medien? Oder die -von Moskau unterstützte- prorussische Bevölkerung? Dass mit diesen Sprechverbot ist doch Bullshit. Niemand von den Ukrainern hat verboten russisch sprechen zu können und ein jeder in der Ukraine konnte und kann bis heute russisch sprechen. Worum es hier bezüglich der russischen Sprache und dem Verbot tatsächlich ging, war, dass vor allem in der Ostukraine die prorussischen Bevölkerungsteile wollten, dass in den ukrain. Schulen die Amtssprache russisch und… Mehr
Gottseidank haben wir diesen konsequenten Orban an unserer Ostflanke, der immer begriffen hat, was nationale Interessen bedeuten. Das Regime in der Ukraine ist mir immer unsympathischer geworden.
für mich ist Orban ein Verräter der einen Nachbarn in Not versucht noch zu bestehlen anstatt ihm zu helfen.
Natürlich ist die Klimapolitik der EU Wahnsinn, deswegen braucht man sich noch lange nicht zum Stiefellecker des Diktators aus dem Kreml machen.
100% richtig ich bin selbst halber Ungare glauben Sie mir die meisten User haben keine Ahnung von Ungarn. Die meisten Menschen in Ungarn haben nicht vergessen welches Unrecht die Russen in Ungarn während des eisernen Vorhangs begangen haben. Leider ist es bei Tichy so dass Orban glorifiziert wird in dem Mainstreammedien hingegen nur verteufelt. Kann man über Orban nicht differenziert berichten ?
Schade das Sie Orban so gar nicht verstehen oder verstehen wollen! Warum sollte er zu Lasten seiner Landsleute ein korruptes System unterstützen?
Weil er definitiv kein Vorbild ist wenn es um das Thema Korruption
geht.
Welcher Nachbar ist denn in Not? Die Ukrainer erholen sich doch prächtig in Zakarpatia in Sichtweite der neuen ungarischen Grenze. Die Generatoren des THW habe ich auch noch nicht im TV gesehen. Wahrscheinlich wurden sie gleich weiterverschrubbt.
Was ist das Minsker Abkommen: Einfach erklärt | FOCUS.de
Und manche verraten ihr eigenes Volk.
Weil sie sich von Englischen, Blonden Politikern leiten lassen, deren historischer Russenhass dann ausdrücklich kein Problem mit Bandera-Anhängern hat. Auch aus materiellen Gründen haben diese
westlichen Politkoryphäen ein Interesse an einem lang andauernden Krieg.
Mal wieder ein ÖRR-Geschädigter, schlimm.
Orban hat uneingeschränkt Recht und ihrereiner liegt uneingeschränkt Daneben.
Seien Sie nicht enttäuscht über die vielen Minuspunkte. Sie leben in einem Land, in dem mindestens die Hälfte der Bevölkerung nicht versteht, warum ihr Land vor einem Angreifer geschützt werden muss. Warum man einem Banditen nicht helfen darf, anderen Menschen zu töten und plündern. Wenn einem als Kind Gut und Böse nicht klar erklärt wurden, kann einen das ein Leben lang begleiten. Schröder beispielsweise hat nie verstanden, dass man nach dem Amt des Reichskanzlers nicht zum Diener eines anderen Landes sein darf, egal zu welchem Preis. Heute spricht man bereits von einer Degeneration der europäischen Eliten, aber noch schweigt man… Mehr
Fällt Orban , fällt die letzte konservative Bastion in der EU! Diese ist dann komplett den Linken ausgeliefert ! Ein schlimmes Szenario Ansonsten hat Orban natürlich Recht, diese korrupte Ukraine gehört keinesfalls in die ohnehin dahinsiechende EU!
Was man halt so sagt, wenn man sich tief in den Gedärmen des Friedensengels im Kreml eingenistet hat, um weiterhin billiges Erdgas zu bekommen.
Das muss man um wirklich nicht kommentieren!
Noch so eine West-Klabusterbeere !!!
Geh doch wieder rüber zu Deinen russischen Freunden, wenn Du die so sehr vermisst.
Mit der Ukraine wird sich die EU überfressen, der Happen ist einfach zu groß.
Die offenen Fragen zu endgültigen Grenzziehungen in Osteuropa werden uns noch einige Jahrhunderte beglücken.
Deutschland ist mit Ungarn zwar Mitglied in der EU, jedoch seit spätestens der bolschewistischen Revolution ein enger Verbündeter der National-Ukrainer.
Die sogenannte Wahl des Selenskyi war bekanntermaßen undemokratisch.
Sicher. Ganz im Gegensatz zu den zweifelsfrei absolut demokratischen und vollkommen freien und unabhängigen Präsidentschaftswahlen in Russland.
Sie hätten es wohl lieber so gehabt wie die Volksabstimmung auf der Krim, nachdem unbekannte grüne Männchen ohne Hoheitsabzeichen, die auf keinen Fall aus Russland entsendet wurden, die Halbinsel „befreit“ hatten? Wo man auf einem Stimmzettel die Auswahl hatte, ob man für den Anschluss der Krim an Russland ist oder dafür, dass die schon immer zu Russland gehörende Krim mit Russland wiedervereinigt wird?