Öffentliche Schulden zum Jahresende 2023 gestiegen

Die Gesamtverschuldung stieg gegenüber Ende 2022 um 3,3 Prozent. Während die Länder einen Rückgang von 1,9 Prozent verzeichneten, stieg die Verschuldung auf kommunaler Ebene um 9,1 Prozent. Beim Bund war für den Anstieg um 4,7 Prozent vor allem der „Wirtschaftsstabilisierungsfonds Energie“ ursächlich.

IMAGO / Dirk Sattler
Die Schuldenuhr Deutschlands vom Bund der Steuerzahler e.V. in Berlin am 20. Januar 2024

Der öffentliche Gesamthaushalt ist beim nicht-öffentlichen Bereich zum Jahresende 2023 mit 2.445,4 Milliarden Euro verschuldet gewesen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch mitteilte, stieg die öffentliche Verschuldung damit gegenüber dem Jahresende 2022 um 3,3 Prozent oder 77,4 Milliarden Euro. Gegenüber dem dritten Quartal 2023 sank die Verschuldung um 0,3 Prozent oder 8,5 Milliarden Euro. Zum nicht-öffentlichen Bereich gehören Kreditinstitute sowie der sonstige inländische und ausländische Bereich, zum Beispiel private Unternehmen im In- und Ausland.

Bei den Ergebnissen ist zu beachten, dass ab dem zweiten Quartal 2023 die Schulden aller öffentlich bestimmten Verkehrsunternehmen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in die Berechnung des öffentlichen Schuldenstandes einbezogen werden. Ohne Einbeziehung der aufgenommenen ÖPNV-Unternehmen wäre der Schuldenstand zum Jahresende 2023 gegenüber dem Jahresende 2022 lediglich um 2,9 Prozent auf 2.436,4 Milliarden Euro gestiegen und läge damit um 9,0 Milliarden Euro niedriger.

Die Schulden des Bundes stiegen bis Ende 2023 gegenüber dem Jahresende 2022 um 4,7 Prozent beziehungsweise 76,0 Milliarden Euro, so das Bundesamt. Ursächlich hierfür war insbesondere der Anstieg der Verschuldung des „Wirtschaftsstabilisierungsfonds Energie“ um 41,5 Milliarden Euro beziehungsweise 137,4 Prozent auf 71,7 Milliarden Euro. Dieses Sondervermögen wurde zur Finanzierung von Maßnahmen zur Abfederung der Energiekrise im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im November 2022 gegründet und zum Jahresende 2023 aufgelöst.

Die Verschuldung des Sondervermögens „Wirtschaftsstabilisierungsfonds Corona“ sank demgegenüber um 15,5 Milliarden Euro auf 36,9 Milliarden Euro (-29,5 Prozent). Das im Juli 2022 errichtete „Sondervermögen Bundeswehr“ verzeichnete Ende 2023 eine Verschuldung von 5,8 Milliarden Euro, Ende 2022 hatte es noch keine Schulden aufgenommen. Da ÖPNV-Unternehmen der Bundesebene nur beim öffentlichen Bereich verschuldet sind, wirkte sich die Einführung des Deutschlandtickets nicht auf den Schuldenstand des Bundes aus.

Die Länder waren am Jahresende 2023 mit 595,4 Milliarden Euro verschuldet. Das waren 1,9 Prozent oder 11,5 Milliarden Euro weniger als Ende 2022. Gegenüber dem dritten Quartal 2023 verzeichneten die Länder einen Schuldenrückgang um 0,5 Prozent oder 3,0 Milliarden Euro. Ohne die Einbeziehung der Schulden der neu hinzugekommenen ÖPNV-Unternehmen wären die Schulden am Jahresende 2023 gegenüber dem Jahresende 2022 um 2,4 Prozent oder 14,3 Milliarden Euro auf 592,5 Milliarden Euro zurückgegangen.

Die stärksten prozentualen Schuldenrückgänge gegenüber dem Jahresende 2022 wurden für Mecklenburg-Vorpommern (-13,1 Prozent), Bayern (-8,7 Prozent) und Niedersachsen (-6,2 Prozent) ermittelt. Der Rückgang in Bayern resultiert vor allem aus einer fällig gewordenen Anleihe, die angesichts vorübergehend vorhandener Liquidität noch nicht in voller Höhe anschlussfinanziert werden musste, so die Statistiker. Auch in den beiden anderen Ländern ergaben sich die Rückgänge aus einer niedrigeren Emission von Wertpapieren aufgrund von nicht benötigter Liquidität. Am stärksten stiegen die Schulden gegenüber dem Jahresende 2022 prozentual in Brandenburg (+6,0 Prozent), Sachsen (+4,1 Prozent) und Hessen (+2,7 Prozent).

Bei den Gemeinden und Gemeindeverbände nahm die Verschuldung bis zum Jahresende 2023 zu. Sie stieg gegenüber dem Jahresende 2022 um 9,1 Prozent oder 12,9 Milliarden Euro auf 153,6 Milliarden Euro. Gegenüber dem dritten Quartal 2023 stiegen die kommunalen Schulden um 1,4 Prozent oder 2,1 Milliarden Euro. Ohne Berücksichtigung der Schulden der neu hinzugekommenen öffentlichen ÖPNV-Unternehmen wäre die Verschuldung zum Jahresende gegenüber dem Jahresende 2022 um 4,8 Prozent oder 6,8 Milliarden Euro auf 147,5 Milliarden Euro gestiegen.

Den höchsten prozentualen Schuldenanstieg wiesen die Gemeinden und Gemeindeverbände in Baden-Württemberg (+14,5 Prozent) auf, gefolgt von Sachsen (+14,4 Prozent) und Bayern (+13,8 Prozent). Ohne die Einbeziehung der neu in die Statistik aufgenommenen öffentlichen Verkehrsunternehmen im ÖPNV wäre die Verschuldung in Baden-Württemberg um 5,9 Prozent, in Sachsen um 4,3 Prozent und in Bayern um 12,0 Prozent gestiegen. Einen Rückgang der Verschuldung gab es in Brandenburg (-4,3 Prozent; ohne neu hinzugekommene ÖPNV-Unternehmen: -5,7 Prozent) und im Saarland (-4,3 Prozent; ohne neu hinzugekommene ÖPNV-Unternehmen im ÖPNV: -4,5 Prozent).

Die Verschuldung der Sozialversicherung stieg im 4. Quartal 2023 gegenüber dem Jahresende 2022 um 0,7 Millionen Euro (+3,2 Prozent) auf 22,3 Millionen Euro.

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Kommentare ( 11 )

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Timur Andre
23 Tage her

Alle FIAT Währungen sind vom USDollar abhängig (noch), da werden sie Weichen gestellt!
US debt clock online, 34 Billionen, alle 100 Tage 1 Billion mehr (1000 Milliarden), Verbindlichkeiten, die gesetzlich festgehalten sind (und dort ab 2028 ausgezahlt werden müssen) > 240 Billionen.
Wo das endet, kann sich jeder vorstellen.

Peter Gramm
23 Tage her

Alles kein Problem. Kann man doch mit Null multiplizieren und schon sind die Schulden weg. Dafür findet sich sicherlich eine Mehrheit in der Ampel:

Stefan Tanzer
23 Tage her

…Und diese 4,7% werden nun mit Auslauf aller Energiehilfen auf die Bevölkerung umgelegt und bedeuten dann 4,7% mehr Inflation.

Glücklicherweise hatte man ja vorher die Berechnung des Warenkorbs für die Inflation umgestellt, so dass diese – wie durch Zauberei – gesunken ist.

Was jedoch in Wahrheit los ist sieht jeder Bürger jeden Tag im Supermarkt live.

Imre
23 Tage her

Bin immer wieder erstaunt, wie sich selbst als „seriös“ verstehende Medien / Redaktionen bereitwillig und offensichtlich gern für die Belange der Regierung einspannen lassen. Sprich, der Verblödung der Staatsbürger über den tatsächlichen Schuldenstand. Keine Angst vor der später anstehenden Verursacherhaftung? Vor mehr als 1 Jahr stellte bereits Dorothea Siems von der Welt-Redaktion einen WESENTLICH höheren tatsächlichen Schuldenstand fest…. Gut, sie hatte nicht ausdrücklich die Schuldenhöhe als konkrete Zahl, sondern als Prozentsatz vom BIP des Vorjahres angegeben. Multipliziert miteinander ergaben – damals – diese Werte satte 14.7 Billionen (=14 700 Milliarden) Schulden für das “ beste Schland aller Zeiten“! Ist diese… Mehr

Klaus D
23 Tage her

Geht doch noch besser! Wir erlassen gleichzeitig anderen ihre schulden….. 20.02.2023 Finanzen — Antwort — hib 121/2023Schulden in Höhe von 15,752 Milliarden Euro erlassenBerlin: (hib/HLE) Die Bundesrepublik Deutschland hat seit dem Jahr 2000 ausländischen Staaten Schulden in Höhe von 15,752 Milliarden Euro erlassen. Die Schulden anderer Länder bei der Bundesrepublik Deutschland betragen rund 13 Milliarden Euro. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (20/5624) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (20/5439) hervor.Mit 4,7 Milliarden Euro wurden dem Irak die meisten Schulden erlassen. Außerdem wurden Nigeria 2,4 Milliarden, Kamerun 1,4 Milliarden und dem Kongo (früher Zaire) eine Milliarde Euro Schulden erlassen.… Mehr

Innere Unruhe
23 Tage her
Antworten an  Klaus D

Da fragt man sich, wie es in DE auch noch eine einzige Privatinsolvenz geben kann.
Bei Kleinanzeigen gibt es Insolvenzversteigerungen, aber dem Irak soll der nun insolvente Hauseigentümer Schulden erlassen….
Wie können so viele Menschen so sehr eigene Kinder hassen, dass sie diese Politik wählen?

BK
23 Tage her

Das ist für ein Land mit einer Schuldenbremse ziemlich übel und wie heute gemeldet wurde, plädieren Wirtschaftsverbände für eine behutsame Lockerung dieser disfunktionalen Bremse. Wie das wohl aussieht, wenn bei einer vermeintlichen Vollbremsung 70 Milliarden neu aufgenommen werden, kann man sich sicherlich denken. Ich habe mal gegoogelt, wie es unserem Erzfeind Russland geht. BIP 2.244 Mrd. $, Verschuldung 287 Mrd. $, also knapp 13 %. Kaum zu glauben. Dabei werden wir von demokratisch gewählten Berufspolitikern geführt, die viel länger im Bundestag sitzen, als Putin im Amt ist. Haben die jetzt den Beruf verfehlt und was machen unsere höchst bezahlten Spitzenbeamten… Mehr

StefanB
23 Tage her

3.871 Euro Neuschulden jede Sekunde. Damit könnte man im Monat (30 Tage) ca. 2,6 Millionen Menschen einfach ein entsprechendes Bruttoeinkommen ohne Gegenleistung überweisen. Ähm, Moment, das passiert ja und nennt sich Migrantengeld.

Last edited 23 Tage her by StefanB
Haba Orwell
23 Tage her

Zählt man die Eurobonds mit, welche die „EU“ gemeinschaftlich pumpt? Bald soll es davon für die Rüstungsindustrie weit mehr geben.

Innere Unruhe
23 Tage her

So?
Und wie verschuldet sind die Asyler?
Sie müssten eigentlich doppelt verschuldet sein- für das, was sie hier verbraucht haben und für die eigene Heimat.
Wie würde sich die Schuldenuhr verhalten, wenn der Asylerposten auf Null ginge?

Wilhelm Roepke
23 Tage her

Die Benennung der Verschuldug Deutschlands ohne die Targetsalden der Bundesbank ist ungefähr so sinnvoll, wie wenn ich bei einer Verkehrsalkoholkontrolle den Polizisten nur von meinen in den letzten Stunden konsumierten Bieren erzähle und nicht von meinen Schnäpsen…