Die Republik rutscht immer tiefer in Schulden, Pleiten und Jobangst – und der Staat reagiert, wie er immer reagiert: mit mehr Geld für sich selbst. Karlsruhe erklärt Beamtengehälter für „zu niedrig“, inklusive Nachzahlungen.
picture-alliance/ ZB | Patrick Pleul
Deutschland steckt in einer handfesten Abstiegskrise. Die öffentlichen Kassen sind längst keine Schatzkammern mehr, sondern Kreditlinien mit Flagge. Die Wirtschaft stottert, Betriebe ringen mit steigenden Kosten, Bürokratie und Nachfrageflaute. Und was macht der Staat? Er greift nicht zur Kettensäge, er greift zum Gehaltszettel – für sich selbst.
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Beamte verdienen in vielen Fällen „zu wenig“. Das müsse sich ändern, zeitnah. Wer in diesem Land noch glaubte, der Staat würde in der Krise wenigstens einmal den Reflex zeigen, zuerst bei sich selbst zu sparen, bekommt nun die Quittung: Der Apparat hält sich nicht zurück, er setzt noch einen drauf.
Brisant ist nicht nur die Erhöhung an sich. Es ist die neue Bemessungslogik, die Karlsruhe praktisch anordnet: Künftig soll die Besoldung mindestens 80 Prozent des Medianeinkommens betragen. Bislang genügte als Mindestmaß, 15 Prozent über dem Bürgergeld zu liegen. Das ist kein Detail, das ist eine automatische Selbstfesselung der Politik an ein immer teureres System – unabhängig davon, ob die Realwirtschaft überhaupt noch Luft zum Atmen hat.
Der Beamte soll „amtsgerecht“ leben, „ohne Existenzsorgen“, nicht „prekär“. Das klingt moralisch geschniegelt – ist aber in Wahrheit die staatliche Luxusgarantie. Denn „Existenzsorgen“ sind längst kein Beamtenproblem, sondern das Problem derer, die den Laden finanzieren: Unternehmer, Selbständige, Facharbeiter, Mittelstand. Doch deren „amtsgerechtes Leben“ wird durch kein Urteil gesichert, es wird jeden Monat auf dem Kontoauszug ausgewiesen – nach sämtlichen Abzügen von Steuern und Beiträgen.
Innenminister Dobrindt kündigt an, die neue Besoldung solle „innerhalb weniger Wochen“ stehen. Man merkt die Prioritäten: Wenn es um Entlastung der Bürger geht, heißt es immer, das sei „komplex“, müsse „geprüft“ werden, es gebe „keine schnellen Lösungen“. Wenn es um den Staatsapparat geht, geht es plötzlich zackig.
Schon jetzt steht eine Größenordnung im Raum: 1,2 Milliarden Euro Mehrkosten. Das Innenministerium will „keine konkreteren Aussagen“ treffen. Natürlich nicht. Erst wird gezahlt, dann erklärt. Erst setzt man Fakten, dann weicht man ins Nebulöse aus.
95 Prozent der in Berlin geprüften Besoldungsgruppen hätten zu wenig verdient, heißt es. In der niedrigsten Stufe A3 liegt das Bruttogehalt bereits bei 2707 Euro. Wenn die Unterkante nach oben geschoben wird, müssen die höheren Gruppen mitsteigen, weil Abstände einzuhalten sind. Mehrere Hundert Euro plus.
Und weil Deutschland jede Absurdität noch perfektioniert, kommt der Nachschlag rückwirkend: Der Beamtenbund bestätigt Nachzahlungen für sechs Jahre, ab 2020. Während außerhalb des Staatsapparats Betriebe um Liquidität kämpfen, soll innerhalb die Vergangenheit vergoldet werden. Staatliche Nachzahlungen auf Steuerzahlerkosten, als wäre die Lage ein Missverständnis, nicht eine Krise.
Die Dimension ist längst gewaltig. Schon heute: 23 Milliarden Euro für 350.000 Besoldungsempfänger. Dazu 18,5 Milliarden Euro Versorgungsausgaben für Pensionäre. Und obendrauf explodieren Zulagen und Zuschüsse: Berlin verzeichnete von 2016 bis 2024 ein Plus von 197 Prozent. Das ist keine Verwaltung, das ist ein sich selbst fütterndes System.
Die logische Folge ist ein Arbeitsmarkt, der stetig weiter kippt. Wenn der Staatsdienst immer besser bezahlt, immer besser abgesichert und immer weniger riskant ist, frisst er die Fachkräfte, die die Privatwirtschaft dringend braucht. Genau das sagt Sarna Röser: „Beamtengehälter immer weiter zu erhöhen, ist Wahnsinn.“ Und sie hat recht: Damit macht man Sicherheit attraktiver als Leistung. Die Zahlen passen dazu. Laut HDI-Umfrage würden sich 2025 mehr Menschen lieber im öffentlichen Dienst bewerben als in der freien Wirtschaft. Gleichzeitig sagt die DIHK, dass 36 Prozent der Unternehmen offene Stellen nicht mit passenden Fachkräften besetzen konnten. Der Staat zieht Personal aus der Wertschöpfung ab – und wundert sich anschließend über Wachstumsschwäche.
Auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft nennt das Berufsbeamtentum in dieser Form „überholt“ und fordert: Verbeamtung nur noch im sicherheitsrelevanten Kernbereich. Mehr Flexibilität, weniger Ungleichheit in der Altersversorgung. Das ist nicht Ideologie, das ist eine Notbremse.
Doch die Notbremse wird nicht gezogen. Denn Karlsruhe setzt den Rahmen, der Beamtenbund pocht auf Umsetzung, und die Politik wird liefern. Bis Ende März 2027 muss umgesetzt werden. Die Richtung steht: Der Staat macht sich teurer. Ausgerechnet dann, wenn er sich dringend zurücknehmen müsste.
So sieht die deutsche Krisenlogik aus: Wenn draußen die Substanz erodiert, baut drinnen der Apparat an seiner Komfortzone. Der Staat rettet nicht das Land – er rettet sich selbst. Und am Ende ist das die eigentliche Umverteilung: weg von Leistung, hin zur Verwaltung.

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So moderat ist die Besoldung nicht mehr.
Meine Meinung ist etwas anders: Nicht Beamte rein in die staatliche Zwangs-Altersversorgung, sondern alle nur noch freiwillig in einer staatlichen Altersversorgung. Denn, heute sichtbar: auch der Staat ist keine Garantie für seriöses Handeln. Rechnen Sie es sich nach, wie hoch die aktuellen Renten wären, wenn der Staat nicht einen wesentlichen Teil der Altersrücklagen zweckentfremden würde. Die Renten wären doppelt oder dreimal so hoch! Dass es Zwangsrücklagen für das Alter gibt, mag akzeptiert werden. Nur hat sich deren Verwaltung durch den Staat, als falsch und veruntreuend erwiesen. Kein Wunder, die Altersrücklagen haben einen Horizont von Dekaden, die derzeitigen Verwalter sehen oft… Mehr
Ich habe nichts dagegen, wenn Postboten und andere einfachen Beamten etwas mehr bekommen. Bei Politik-Erfüllern wie beim Verfassungsschutz oder BVerfG sieht es anders aus.
Leute, wacht mal aus eurem Tiefschlaf auf! Das Ganze entspricht doch der Agenda Merz, Grüne, Rote. Man schafft sich über die Schiene „Beamtenverfettung“ einen staatstreuen Human-Apparat, der alle Gesetzlosigkeiten durchwinkt, angefangen bei illegalen Hausdurchsuchungen nicht dem System angepasster Bürger, bis hin zur gewollten Deindustrialisierung durch den CO2-Schwindel, was nichts anderes ist, als die Luft zum Atmen zu besteuern, zum Zwecke der Transformation in eine sozialistische Diktatur! Das alles hat System. Und es kann mir keiner sagen, dass Bundesverfassungsgericht schütze noch die Verfassung und damit die Bürgerrechte, sondern es macht sich eher zum Büttel der linksdiktatorischen politischen Klasse! Deutschland fehlt der… Mehr
Mehr Geld ist eigentlich nicht erforderlich, zumindest nicht in höheren Besoldungsgruppen. Der Nachwuchs sollte durch attraktive Arbeitsbedingungen gewonnen werden.
Und die wären?
Der deutsche Beamte, Prätorianer des Untergangs, ganz vorne immer dabei, ohne jeden Widerspruch handelnd, trotz Remonstration.
Alles richtig und doch noch eine kleine Ergänzung meinerseits. Mit diesem Urteil und der entsprechenden zügigen Umsetzung kauft man sich die Loyalität dieser Staatsdiener und deren weiter bedingungslosen Unterstützung zur Durchsetzung jeglicher Art von Maßnahmen.
Die Erhöhung ist richtig! Der Staat ist sowieso faktisch schon Pleite. Durch diese Erhöhung wird die reale Pleite beschleunigt und damit der Zeitpunkt von dem an hier endlich aufgeräumt wird näher gerückt. Desto mehr die Beamten es jetzt auf den letzten Metern noch in jede Richtung übertreiben, desto deutlicher fällt die anschließende Korrektur dieses Kropfes ins Gewicht.
Mehr Geld für Beamte….der artikel klingt ja irgendwie nach diesem sozialneid. Wer sich mal schlau macht was für nachteile man als beamter hat* wird sich 1000 mal überlegen den job zu machen – bei einem job gehts ja nicht nur ums geld zumal beamte nicht wirklich die sind die richtig viel verdienen. die den Laden finanzieren: Unternehmer, Selbständige, Facharbeiter, Mittelstand….das ist sehr pauschal da es hier große unterschiede gibt. Und warum hat man den ungelernten arbeiter weggelassen? Viele die so jobs machen leisten oft viel mehr obwohl sie wenig bekommen – zb leiharbeiter die in 3 schichten und wochenenden arbeiten… Mehr
Schönes Wahlgeschenk, das wohl „bei der Stange“ halten soll?