Marios letzte Geschütze

Was bleibt von Mario Draghi übrig, wenn er am 31. Oktober sein Amt an Christine Lagarde abgeben wird?

Sean Gallup/Getty Images

Inzwischen ist es wohlfeil, auf die EZB zu schimpfen und ihre Politik zu kritisieren. Der Chef der Deutschen Bank tut es, die Sparkassenverbände tun es, die Wirtschaftsmedien tun es und auch die zahlreiche Wirtschaftsforschungsinstitute tun es. Alle kritisieren, dass die Kollateralschäden der Null- und Negativzinspolitik gravierend seien, je länger sie andauert. Gerade vor und nach den Sitzungen des EZB-Rates ist dies der Fall. Gestern hat der scheidende Präsident der Zentralbank, Mario Draghi, nach solch einer Sitzung angekündigt, den Einlagezins der Banken bei der EZB von -0,4 auf -0,5 Prozentpunkte abzusenken und das Anleihen-Aufkaufprogramm ab November wieder mit zusätzlich 20 Mrd. Euro pro Monat zu starten. Bis heute hat die EZB bereits Anleihen für 2.600 Milliarden Euro gekauft.

Panik und Arroganz der EZB – Eine logische Kombination
Deutsche Banken, aber insbesondere auch die Sparer, kostet die Politik Draghis Milliarden. Die Banken stecken in einer Zwickmühle: Sie stehen unter massivem Veränderungsdruck durch die Digitalisierung und das veränderte Kundenverhalten. Und gleichzeitig können sie mit den Einlagen ihrer Kunden kein Geld mehr verdienen, sondern müssen sogar dafür bezahlen, wenn sie diese über Nacht bei der Notenbank parken. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die ersten Banken auch bei uns in Schwierigkeiten geraten. Dann wird es auch die Einleger treffen.

Alles hat seinen Anfang. 2010 kündigte der damalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet an, im Gleichklang zur Installation des vorübergehenden Euro-Rettungsschirms EFSF, dem Vorläufer des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM, Anleihen der Krisenländer aufzukaufen. Dieser Dammbruch war der Beginn der Monetarisierung von Staatsschulden, die nunmehr bereits seit 9 Jahren fortgesetzt wird und deren Ende nicht in Sicht ist.

Sorge um das Finanzsystem
EZB: Zinssenkung ist gefährlich ansteckend wie Kranke in der Sauna
Rücktrittsforderungen an Trichet wurden damals als Majestätsbeleidigung verstanden. Der Sonnenkönig in Frankfurt durfte nicht kritisiert werden, da die EZB unabhängig sei. Doch die Politisierung der EZB hat spätestens im Mai 2010 begonnen. Seitdem sitzt der jeweilige EZB-Präsident bei politischen Entscheidungen immer mit am Tisch. Er ist sozusagen der oberste Finanzminister des Euro-Raums. Eigentlich sollte die damalige Krisenintervention nur vorübergehend sein. Die EZB-Ingenieure, die wortgewaltig die geldpolitischen Instrumente darlegten, vertraten die Auffassung, dass es kein Problem sei, die Intervention bei einer Normalisierung der Situation rund um die Euro-Schuldenkrise wieder zurückzufahren. So nach dem Motto: erst drehen wir den Hahn etwas auf und anschließend einfach wieder zu. Doch 9 Jahre später ist der Hahn immer noch auf und die Führung der EZB schraubt ihn munter immer weiter auf.

Inzwischen stellen sich die Marktteilnehmer auf das billige Geld ein. Sie wissen: im Zweifel interveniert die EZB. Sie rechnen daher mit dauerhaft niedrigen Zinsen und kalkulieren ihre Investitionen danach. Die EZB ist damit in der Falle. Dreht sie den Hahn wieder zu, dann implodiert das System. Die Zinsen können von den Zombieunternehmen, von den Zombiebanken und von den überschuldeten Staaten nicht mehr in dieser Höhe bedient werden. Die Notenbank ist gefangen in ihrer Null- und Negativzinspolitik. Sie muss immer weiter machen und den Hahn weiter öffnen. Das System braucht daher immer mehr und immer billigeres Geld. In diesem Hamsterrad befinden wir uns aktuell.

inner_post 3] Das Vermächtnis von Jean-Claude Trichet und jetzt vor allem von Mario Draghi ist daher verheerend. Die Fehler sind nicht zu entschuldigen, denn die Entwicklung war absehbar. Das süße Gift macht zu sehr abhängig, als dass man es wieder absetzen kann.

[Was bleibt von Mario Draghi übrig, wenn er am 31. Oktober sein Amt an Christine Lagarde abgeben wird? Zwei Dinge. Erstens: Mario Draghi hat das Geldwesen im Euroraum dauerhaft ruiniert, es wird keine „normalen Zinsen“ mehr geben. Zweitens: Mario Draghi hat den Glauben an eine unabhängige Geldpolitik der Zentralbank zerstört. Letzteres ist besonders schlimm. Denn Vertrauen in eine Währung zu schaffen, ist schwierig und nur langfristig aufzubauen. Der Verlust des Vertrauens ist aber über Nacht möglich. Gegen diese verantwortungslose Politik hilft nur die Durchsetzung eines marktwirtschaftlichen Geldsystems, das Recht und Freiheit schützt.


Der Beitrag ist zuerst bei Prometheus – Das Freiheitsinstitut erschienen

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Kommentare ( 46 )

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Wer kann mir erklären, was es konkret bedeutet, dass „überschüssiges Geld über Nacht bei der EZB geparkt wird“? Warum lassen die Banken es nicht bei sich? Und was heißt “ Nacht“?

„Gegen diese verantwortungslose Politik hilft nur die Durchsetzung eines marktwirtschaftlichen Geldsystems, das Recht und Freiheit schützt.“ – Gold. (physisches natürlich) Wie der ehm. US FED Chef Alan Grennspan in seinem Papier -Gold und wirtschaftliche Freiheit- 1966 treffend bemerkte.: „Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates erfordert es, dass es keine Möglichkeit für die Besitzer von Vermögenswerten, sich zu schützen. Das ist das schäbige Geheimnis des Wohlfahrtsstaates und Tiraden gegen Gold. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die Beschlagnahme von Vermögen. Gold steht dieser Art von heimtückischen Prozess entgegen. Es steht als Garant der Eigentumsrechte. Wenn man dies begreift, hat man keine Schwierigkeiten beim… Mehr

In den Geschichtsbüchern wird eines Tages stehen, dass die EZB unter Mario Draghi dem Irrglauben aufgesessen war, durch das Drucken von Geld den unvermeidlichen Zusammenbruch des fehlkonstruierten Euros vermeiden zu können.

Damit eine Erhöhung des Einlagezinses der Banken Wirkung zeigt, müssten sich die Einlagen der Banken stetig erhöhen, sonst wäre das kontraproduktiv, und die Seiteneffekte überwiegen.
Inzwischen wird man, selbst ich (mit „Kleinvieh“), von der Bank (Sparkasse) angesprochen, auf andere Anlageformen umzusteigen.
Bin ich schon, weiss sie aber nicht.

Innerhalb von nur 11 Jahren wurde Europa von Draghi in einen sozialistischen Schrottkasten verwandelt.

Deutschland hat alles zu bezahlen, wird weiter ausgeplündert und seine Zukunft zerstört.

Draghi hat Deutschland finanziell zerstört. Merkle hat grinsend mit Raute zugeschaut.

;-(

Merkel und ihre CDU/CSU und SPD haben ihn gewähren lassen. Schliesslich haben die Deutschen diese Politik noch gewählt, statt ihr Erspartes in Sicherheit zu bringen.

@ Konservativ_DasGuteBewahren, bitte machen Sie mir diese sozialisierte Uckermärkerin nicht zu Schwäbin!
.
Und was mit Draghi passiert (Überschrift) ist mir ******egal. Mich interessiert nur, wie Deutschland den Folgen seiner Geldpolitik entkommen könnte. Mit dem aktuellen Personal im „Hohen Haus“ und „Kabinett“ in der RHS glaube ich aber nicht, dass wir das unbeschadet überstehen werden.

Ist „wohlfei“ nun das neue Modewort? Lese ich zum vierten mal heute … ???

Nein, „wohlfeil“ ist im heutigen Sprachgebrauch selten geworden. Und was wollen Sie auch in einer Schulklasse mit 90% Anteilen aus dem Nahen Osten mit diesem alt hergebrachten Ausdruck „für günstig zu erwerben“, als Synonym auch für „geistlos“ oder „abgedroschen“ anfangen?
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Die Lehrkraft würde sicher gefragt werden: „Hey Alda, wa´sch des? Bisch du schwul oda was?
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Die heutigen aus den Schulen entlassenen Sprachgenies, auch der Nachwuchs der „schon länger hier Seienden“ haben es ersetzt durch: „Geiz isch geil“

FRANKFURT

Die Bank von Babylon macht hier die Menschen alle
gleicher. Sie vermehrt das Geld bei Tag
und Nacht. Und macht die
Reichen immer ärmer und die Armen immer reicher.

Verstehe ich nicht. Warum gebt ihr dem Plöger Minus-Vorzeichen. Also, ich gebe ein +.

me too.
„Die einen nach ihrer Leistungsfähigkeit, den anderen für ihre Bedürfnisse.“ (Ayn Rand, sinngemäss)

Das die EZB massenhaft Schrottanleihen aufkauft kann man eventuell mit dem Argument akzeptieren, das sie das mit ebenso wertlosem Geld tut.

Also warten wir gemeinsam, bis die anderen 87% der deutschen Wählerschaft informiert, klug und mutig geworden sind und das Gesindel, das Europa zerstört abwählt? Oder warten wir auf den finalen Zusammenbruch und erfreuen uns dann unter der Brücke daran doch die ganze Zeit Recht gehabt zu haben? Oder nehmen wir unser Schicksal in die Hand und tun etwas? Pfeifen Sie auf die Gesellschaft. Die wünscht es mehrheitlich missbraucht zu werden. Jeder Einzelne kann aber viel tun, um für sich und seine Familie die Folgen der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Kernschmelze abzufedern. Warum unterhalten wir uns so wenig darüber? Suhlen wir… Mehr

Ich sehe langfristig hier keine Zukunft mehr. Zum Glück bin ich im letzten Lebensdrittel. Aber Baugrundstück im NichtEuro-Ausland gekauft und Sprachelernen ist angesagt.
Polen ist das neue Amerika !

Ich stimme Ihnen zu, sehe aber leider, dass die ** aber ganz andere „Sorgen“ hat: Friday4Future z.B. und der BP sorgt sich, dass mehr als ** die Unberührbaren als „bürgerlich“ empfinden und steuert schon mal vorab gegen. Ich für meinen Teil habe die Vorsorge bereits fast abgeschlossen – fast, weil es ja ein laufender Prozess ist. Fakt ist aber auch, dass dieses kommende Beben ein weltweites Thema sein wird. Die Banken sind alle miteinander vernetzt und wenn bspw. die erste große italienische Bank umfällt, gibt es den weltweiten Dominoeffekt wie damals bei Lehman 2008. Nur dass es dieses Mal weitaus… Mehr

Talleyrand hat einmal gesagt: „Durch Mangel an Geld ist schon mehr Unglück verhindert worden als durch jede noch so gute Absicht.“ Wir erleben seit gut einem Jahrzehnt das Gegenteil. Man ist soweit das man nicht mehr umkehren kann erst ein Währungs- und auch Wirtschaftscrash wird zum Umdenken führen.