Verzweifelter Protest gegen Gentrifizierung oder linksradikaler Terror?

In einem Leipziger Stadtteil versuchen Linksextremisten, mit Gewalt eine Art polizeifreie Zone zu erkämpfen. Für gutbetuchte Wohnungssuchende und damit die Immobilienwirtschaft scheint das die Gegend gerade attraktiv zu machen.

Jens Schlueter/Getty Images
Leipzig-Connewitz

Seit Tagen werden wieder linke bzw. linksradikale Krawalle im Leipziger Stadtteil Connewitz vermeldet. Was ist da los, wenn u.a. die Bild  von einem  „Bekennerschreiben“ einer „Kiezmiliz“ erzählt, die Connewitz zu einer Art No-Go-Area für die Polizei erklärt, oder wenn es da auf einem linksradikalen Portal heißt: „Bullenschweine raus aus Connewitz.“ 

Was in Leipzig passiert, erinnert an Zustände wie in der Hamburger Hafenstraße der 1980er Jahre. Der vornehmlich von Linken bewohnte alternative Stadtteil sorgt immer wieder für Schlagzeilen, so auch, als 2016 Rechtsradikale hier ganze Straßenzüge verwüsteten. Die taz schrieb von „Straßenkämpfen“ und von Nazis auch von Auswärts, die mit Äxten Läden an der Wolfgang-Heinze-Straße, der Hauptstraße von Connewitz, auseinandernahmen.

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In der Nacht zum vergangenen Samstag richteten sich Gewaltausbrüche eines Teiles der Bewohner des Stadtteils gegen die Polizei, gegen Sicherheitskräfte und Feuerwehrpersonal. Begonnen hatte alles mit dem Brand einer Baustelle an der Ecke Stockkartstraße/Bornaische Straße, die angezündet, gelöscht und dann gleich wieder angezündet wurde. Als die Feuerwehr unter Polizeischutz ein zweites Mal anrückte, mussten sich die Feuerwehrleute unverrichteter Dinge zurückziehen, weil Vermummte sie so massiv attackiert haben sollen, dass ein Einsatz schlicht nicht möglich war. Feuerwerkskörper, Steine und Flaschen wurden geworfen. Die Polizei trug notgedrungen Schutzschilde vor sich her, dennoch wurden Beamte verletzt. Mittlerweile ermittelt hier der Staatschutz.

Als am 10. Oktober schon einmal knapp einhundert Vermummte durch Leipzig zogen und randalierten, bis ein Schaden in Millionenhöhe entstanden war, sprach der sozialdemokratische Oberbürgermeister von einem „Terroranschlag“. 

Am 27. Oktober brannten dann mehrere Müllcontainer an verschiedenen Orten des Stadtteils. Der Eindruck entstand hier, dass die anrückende Feuerwehr so bewusst herbeigerufen wurde samt Polizeischutz, um die Konfrontation mit diesen Kräften zu suchen. 

Der „Polizeiticker“ der Volkszeitung berichtete am Dienstag 11:26 Uhr von einem Bekennerschreiben auf einem linksradikalen Blog, in dem gefordert wird, die Polizeipräsenz im Viertel herunterzufahren. Die CDU-Ratsfraktion hingegen hatte der Stadtspitze schon vergangene Woche vorgeworfen, zu nachsichtig mit Linksradikalen in Leipzig zu sein. 

Die Linksradikalen selbst begründen ihre Randale u.a. damit, dass der neue Polizeipräsident Torsten Schulze deutlich „konfrontativer“ agieren würde, als noch sein Vorgänger: „Wir hoffen, dass die Bullen irgendwann verstehen, dass sie in Connewitz unerwünscht sind und es auch in Zukunft keine gute Idee ist, die BewohnerInnen des Viertels durch ihre Präsenz zu belästigen.“

In der polizeilichen Pressemeldung vom 26. 10 heißt es: 

„Die Beamten nahmen einen 32-Jährigen fest, der der aus der Menge heraus mit Flaschen geworfen hatte. Weiterhin wurden Personen festgenommen wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigungen und dem unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln. Im Laufe der frühen Morgenstunden wurden alle Personen wieder entlassen. (…) Ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruch wurde eingeleitet. In der Folge wird das Polizeiliche Terrorismus-und Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes Sachsen die weiteren Ermittlungen übernehmen.“

Der MDR hat sich ganz aktuell des Problemviertels einmal angenommen und sieht als eine Ursache eine Art Gentrifizierungsproblem. Klar, solche Modernisierungs- und Neubaumaßnahmen in alternativen Stadtvierteln kennt man bereits aus Großstädten wie Hamburg und Berlin, wo zunächst über Jahre eine alternative Kunst- und Kulturszene geduldet wird, sich entwickelt kann, den Stadtteil aufwertet, deutlich an Attraktivität gewinnt und so den Boden bereitet für Immobilienspekulationen, die wiederum die linke Kulturszene und linksradikale Vermummte auf den Plan bringen. 

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Der Übergang scheint in Leipzig fließend zu sein. Aber es bleibt nicht bei Protesten und einzelnen Übergriffen, wenn wegen der Vorfälle vom Wochenende inzwischen das Terrorismus- und Abwehrzentrum des LKA in Sachsen ermittelt. Selbstredend wird auch wieder Polizeigewalt angeprangert – ob es sie nun tatsächlich gibt oder nicht, es scheint zum Ritual dazuzugehören: aus linksradikalen Kreisen ist zu lesen, dass die Beamten immer häufiger „direkt und ohne Verwarnung unter dem Einsatz körperlicher Gewalt“ gegen linke Aktionen vorgingen, so jedenfalls der MDR in seiner Reportage. 

Die linke Landtagsabgeordnete Juliane Nagel weiß von Polizeigewalt, so habe es in Plagewitz eine Demonstration gegeben, auf der Teilnehmer riefen, alle Polizisten seien Bastards („All Cops are Bastards“) und wo die Polizei diese Rufe angeblich unrechtmäßig hätte unterbinden wollen. Schließlich sei diese Aussage doch laut der Linkspolitikerin von einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes abgedeckt als Meinungsfreiheit. 

Die Anwohner des Viertels protestieren also teilweise auch gewalttätig gegen Beamte gegen eine Gentrifizierung ihres Viertels, weil Spekulanten ihr Wohnviertel „für Touristen und hinzuziehende Besserverdienende noch attraktiver“ machen wollen, was den Randalieren offensichtlich nicht passt. 

Und statt Sozialwohnungen würden auf Grünflächen „fast ausschließlich teure Eigentumswohnungen und bewohnbare Kapitalanlagen“ gebaut. Diese Baumaßnahmen allerdings entsprächen nicht Plänen zu so genannten „Milieuschutzgebieten“. Die allerdings hat die Stadtverwaltung bisher noch gar nicht anerkannt. 

Aus Sicht der Connewitzer hat sich die Stadt nicht mit Ruhm bekleckert, wenn jetzt Baulücken in Connewitz geschlossen werden, ohne dass zumindest die Möglichkeit bestünde, Sozialwohnungen für Neubauten vorzuschreiben. Auch hätte es die Stadt versäumt, Grundstücke aufzukaufen, im Gegenteil, so berichtet weiter der MDR, wären sogar städtische Liegenschaften verkauft worden. 

Aber noch können die Connewitzer hoffen: der Amtsleiter des Amtes für Wohnungsbau und Stadterneuerung lässt gerade prüfen, für welche Leipziger Viertel es eine Milieuschutz-Verordnung geben wird. Dabei ist bisher nicht einmal bekannt geworden, ob Leipzig-Connewitz überhaupt dabei sein wird – und die Randale der letzten Tage, die Übergriffe gegen Beamte, die hier durchaus eine Tradition haben, dürften dafür wenig hilfreich sein. 

Um die Sache abschließend noch besser einordnen zu können, soll an einen Gast in der gestrigen Hart-aber-fair-Sendung auf ARD erinnert werden, wo Frank Plasberg die Leipzigerin Clara Ehrenwert eingeladen hatte, die ihre Stadt im Vergleich mit Dresden einmal aus linker Sicht präsentierte, als sie sagte: 

„Leipzig ist sicher ein Sonderfall in den fünf neuen Ländern. Leipzig ist schon immer eine sehr offene Stadt gewesen. Und das hat wirklich eine Jahrhunderte alte Geschichte, liegt an der Messe usw. und unterscheidet sich auch total von Dresden (…), hat eine ganz andere Mentalität, ganz andere Kulturgeschichte und ist auch jetzt sozusagen die urbane coole Metropole.“  

Tatsächlich finden gutbetuchte und gelangweilte Bürger solche Viertel oft cool und lässig – so cool, dass Immobilienunternehmen hier tätig werden wollen, um diesen Gutsituierten teuren Wohnraum auf der linken Spielwiese zu verkaufen. 

Was allerdings cool daran sein soll, Polizisten zu verletzten, Krankenwagen und Feuerwehr massiv zu behindern und eine Art rechtsfreien Raum zu schaffen analog zu solchen, wie es sie im Clanmilieu und rechtsradikalen Milieus schon gibt, sollten einmal die an solchen Luxuswohnungen in innerstädtischen Brennpunkten Interessierten genauer erklären. 

Ist es der linksradikale Thrill, der so aufregend ist? Die Melodie der Pflastersteine gegen die Bleche der Polizeiautos, das Prasseln der brennenden Baustellen und der raue All-Cops-are-Bastards-Chor? Eine Revolutionssehnsucht des gelangweilten Establishments willfährig bedient von Linksradikalen in Leipzig-Connewitz? 

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Kommentare ( 53 )

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manfred_h
1 Jahr her

Zitat: „aus linksradikalen Kreisen ist zu lesen, dass die Beamten immer häufiger „direkt und ohne Verwarnung unter dem Einsatz körperlicher Gewalt“ gegen linke Aktionen vorgingen, so jedenfalls der MDR in seiner Reportage.“ > Aber klar doch; Zukünftig bekommen die linken Wohlstandskiddys und Nixnutze von der Polizeiführung erst einmal ein Blumenstrauß und eine Schachtel Herrenpralinen mit der schriftlichen Anfrage und Bitte überreicht, „ob es denn den linken Krawallos genehm wäre, wenn die Polizei nun Aufgrund mehrerer Straftaten punktlich in 30 Min. einschreiten würde?“. Und der Staatsfunk-Ableger MDR naturlich wieder vorne weg dabei…..! Man kann mittlerweile nicht mal mehr mit den Kopf… Mehr

ichhabefertig
1 Jahr her

Soweit ich weiß ist der Leipziger Bürgermeister familiär mit dem linksradikalen ** verbandelt.
Deshalb können die machen was sie wollen
Der Steuerzahler bezahlt ja alles, den Unterhalt dieser Arbeitsscheuen, den Schaden, die Polizei und das Gehalt der verantwortlichen Politiker. 87 % der Wähler findens gut so.

Bummi
1 Jahr her

In dem Viertel ist nichts cool was diese Penner dort anrichten. Überall verdreckte, beschmierte Fassaden. In einigen Strassen offener Unrat, brennende Auto und dazu jede Menge versüffte Gestalten. Ständig irgendwelche Randale von den Antifa Chaoten. Angriffe auf Polizeistationen, Überfälle etc. Und die Stadt schaut zu. Unterstützt wird das von den Linken die in dem Stadtteil mit Frau Nagel ein Direktmandat für den Landtag gewonnen hat. Die hässlichen Baulücken werden jetzt endlich geschlossen und marode Häuser saniert. Je mehr saniert wird, desto mehr dieser Penner verschwinden endlich aus Connewitz.

Hannibal Murkle
1 Jahr her

Die „Welt“ berichtet über eine Anklage gegen fünf Kraftwerkbesetzer – bereits der Überschrift nach haben sie keine Berufe bzw. geregelte Einkommen, sondern befassen sich in Vollzeit dem radikalen Aktivismus:

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus202730122/Radikale-Klimaschuetzer-Kein-Beruf-kein-Einkommen-Vollzeit-Aktivist.html

Von Anklagen wegen Blockaden in Zürich weiß ich auch aus den Schweizer Medien – es geht, wenn man nur will.

Eberhard
1 Jahr her

Das rechte Chemnitz und das linke Leipzig. Beides in Sachsen. In beiden Städten wollen Menschen angeblich das bestehende Bild bestimmter Stadtteile erhalten. Wo liegen die Unterschiede? Die einen wollen vorhandene Heimat mit angeblich Rechts weiter erhalten. Die anderen Multi -Kulti mit angeblich Links einführen, aber die globalen Investoren als Nutzer ausschließen. Doch die Vorgänge werden von der Politik und den Medien nicht nach den Tatsachen der versuchten Umsetzung, sondern mit Entschuldigungen suchen für linke Radikale und Verurteilung einer ganzen Stadt wegen rechter Übergriffe. So aber geht weder Wahrheit, noch Gerechtigkeit.

reiner
1 Jahr her

da kommt ja die gesetzesnovelle gegen rechts von wendehorst genau zum richtigen zeitpunkt.

W aus der Diaspora
1 Jahr her

Die Polizei sollte einfach ganz offiziell verlauten lassen, dass sie sich nun nicht mehr um den Stadtteil kümmert. Danach dann bitte einige „rumänische“ „WG-Nicht-Mitbewohner“ dort ansiedeln :-))

Soeren Haeberle
1 Jahr her

… alternative Kunst- und KulturSzene ….?
Nun ja, das sind die NoGo-Areas der Albaner- , Tschetschenen -, Nigerianer – und Araber-Clans ebenfalls. Mit eigenem Kulturkodex, Scharia-Polizei, Friedensrichter, Messer-Kultur, Schächtungskultur, …. voll bunt und kulturell, eben … wer diese „Aufwertung“ anders sieht, hat eben ein „Kompatibilitätsproblem“ seiner althergebrachten 😉 „Leitkultur“.

Jan
1 Jahr her

„(…) ist auch jetzt sozusagen die urbane coole Metropole.“ Leipzig ist an einigen Ecken leider mittlerweile genaus so ein Shithole wie die westdeutschen Metropolen. Das linke Connewitz ist nur die halbe Wahrheit. Seit den 1990ern haben sich in Leipzig mehrere Araber-Clans angesiedelt (Eisenbahnstraße, Grünau). Vielleicht kann man darüber mal einen Bericht machen, wieso sich diese Entwicklungen jetzt auch im Osten vollziehen konnten. Verrückt: der Osten war nach 1990 Wegzuggebiet. Wieso haben da so viele Muslime ansiedeln könnne, dass man dort jetzt Moscheen bauen muss oder sich mit Clan-Kriminalität konfrontiert sieht. Auf jeden Fall zeigt sich: Da wo Links-Grün herrscht, fühlt… Mehr

Thomas Hellerberger
1 Jahr her
Antworten an  Jan

In Leipzig greift das gleiche stille Bündnis (nennen wir es vielleicht besser Komplizenschaft) zwischen Migranten und grünlinken Deutschen wie wir es seit 60 Jahren im Westen erleben: Beide haben als gemeinsames Feindbild den kulturbewußten, wertkonservativen autochthonen Deutschen. Die Motivlage, warum man ihn verdrängen oder abschaffen will, ist unterschiedlich, am Ende sogar divergent, aber dieses Ende braucht, bis es wirksam wird, und auf dem Weg dahin greift das Gemeinschaft stiftende des gemeinsamen Feindes. Insoweit fördern, schützen und unterstützen die grünlinken Kräfte die Ansiedlung von Muslimen und Armutszuwanderern. Sie wissen, daß der gemeine Deutsche zu pazifisiert und anständig ist, sich gegen diese… Mehr

Paul Pimmel - der Herr des Kosmos
1 Jahr her

Vielleicht sollte man wirklich a la „Brick Mansions“ umzäunte Arenen für das Milieu einräumen, mit großen Hinweisschildern über den Eingängen, dass dahinter rechts- und dienstleistungsfreier Raum liegt – keine Polizei, keine Feuerwehr, keine Medizin, keine Sozialhilfe, gar nichts. Dann können die Leute, die sich davon angezogen fühlen, in solche Slums ziehen und dort nach Herzenslust die Sau herauslassen, ohne andere zu behelligen.

wat nu
1 Jahr her

Keine schlecht Idee, seinerzeit wussten sich die Dänen auch nicht anders zu helfen: Die Freistadt Christiania ist eine alternative Wohnsiedlung in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, die seit 1971 besteht. Aus Sicht der dänischen Behörden handelt es sich um eine staatlich geduldete autonome Gemeinde. Wikipedia . . und aus der Frankfurter Allgemeinen im Mai 2018: Geduldet wird deren Treiben von der Polizei nämlich schon seit einiger Zeit nur noch in Maßen. Allein in diesem Jahr hat es acht Razzien auf der „Pusher Street“ gegeben, dabei wurden umgerechnet 400 000 Euro, 200 Kilo Hasch und eine Handgranate beschlagnahmt. Hin und wieder flogen Steine.… Mehr