Das macht Hoffnung: Merkel will wirklich nicht mehr antreten

Mancher Unions-Bundestagsabgeordnete mag es noch nicht glauben: Angela Merkel erklärt zu Beginn der ersten Fraktionssitzung im neuen Jahr, sie wolle tatsächlich nicht noch einmal bei der Bundestagswahl antreten. Danach setzt sie weiter auf Furcht und Härte in der Corona-Krise.

picture alliance/dpa/dpa-pool | Michael Kappeler

Zuerst wünscht Angela Merkel allen virtuell versammelten CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten „ein frohes, gesundes neues Jahr“. Dann lässt sie alle kurz aufhorchen, die immer noch glauben, sie wolle als Kanzlerin nach der Bundestagswahl im Herbst doch noch weiter machen.

2021 sei ja ein Jahr „von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Regierungspartei“, meint Merkel. Gleich darauf schickt sie ihre typisch hölzern formulierte Botschaft hinterher: „Auch wenn ich nicht mehr antrete, möchte ich meinen Beitrag dazu leisten“, dass das Jahr „möglichst erfolgreich stattfindet.“ Schließlich werde die See ja rauer, „das konnten wir auch schon zu Jahresbeginn innerhalb der Regierung beobachten.“

Nach weiteren Erklärungen zu den Brexit-Verhandlungen kommt Merkel wieder zu ihrem Schreckensthema Corona. „Leider ist das Test- und Melderegime über die tatsächliche Zahl der Infektionen über die Feiertage so“, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) vor Anfang nächster Woche „keinen klaren Überblick“ in der Corona-Lage habe, „wo wir wirklich stehen“.

Der Normal-Bürger würde sich jetzt fragen, was haben RKI und Merkel-Regierung nach einem Jahr im Umgang mit der Corona-Krise eigentlich gelernt? Offensichtlich sehr wenig.

Merkel bemüht stattdessen wieder ihre Inzidenzzahlen, so 130 bis 140 Infektionsfälle in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner „kann uns überhaupt nicht zufriedenstellen“. Deswegen Härte: „Die Fortführung der Maßnahmen ist leider notwendig.“ Soso.

Merkel ist wieder beunruhigt – diesmal durch neues Virus

Hinzu kommt jetzt noch eine Kanzler-Portion Angst und Furcht. Es gebe „eine sehr beunruhigende Entwicklung“, nämlich das Auftauchen „des britischen Virus“. In Irland hätte sich dadurch die Inzidenz verzehnfacht. Das neue Virus würde in kurzer Zeit „die Führerschaft gegenüber dem alten Virus“ übernehmen, und man müsse nun „mit ganz anderer Aggressivität rechnen“. Immerhin seien die Impfungen auch gegen das neue Virus wirksam, aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit sei eben sehr viel höher.
Merkel kündigt deswegen vor ihren Unions-Abgeordneten an: „Wir müssen die Ausbreitung dieses Virus verhindern.“ Und wie immer in solchen Lagen müsse Deutschland zur Eindämmung mit den Fallzahlen herunter, um die Kontaktnachverfolgung zu ermöglichen.

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Wie aber soll das in einer Grippe- und Erkältungssaison überhaupt möglich sein? Dafür solle jetzt noch eine Sequenzierung von Corona-Tests erfolgen. Positive Ergebnisse werden damit auf mögliche Mutationen überprüft. Sequenzierung bedeutet also, das Erb-Material des Erregers bis ins kleinste Detail zu untersuchen. Merkel fordert dazu im Erkältungswinter volle Inzidenzhärte: „Wir müssen unter 50 kommen, um das mutierte Virus nachweisen zu können.“ Ansonsten drohe eine unkontrollierbare Entwicklung. Deshalb seien Kontaktbeschränkungen über Home Office, Vermeidung privater Treffen oder im Schulbereich notwendig.

Merkel verteidigt trotz berechtigter Kritik am deutschen Impfchaos starsinnig „den europäischen Ansatz“ bei der Beschaffung und Verteilung der Medizin. Die Kanzlerin behauptet, Deutschland hätte „mehr als genug Impfstoff“, das lasse sich jetzt schon absehen. Schon drei Tage nach der Zulassung des Stoffes konnten Impfungen stattfinden. Merkel muss jedoch zugeben, kritisch seien ausreichende Impfungen im 1. und 2. Quartal, erst ab 3. Quartal würde es besser. Die Kanzlerin setzt hier wohl auf Gedächtnisverlust.

Deswegen noch einmal zur Erinnerung: In Deutschland wurde ein Anti-Corona-Impfstoff entwickelt. Die Beschaffung und Verteilung durch Merkels Kanzler-Weisung dem EU-Bürokratismus in Brüssel zu überlassen, obwohl sich die Gesundheitsminister Deutschlands, Frankreichs, Italiens und der Niederlande auf ein gemeinsames Impfstoffmandat schon verständig hatten. Dabei hinkt Deutschland bei den Impfungen weltweit hinterher.

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Kommentare ( 152 )

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EndemitdemWahnsinn
3 Monate her

Ob sie nochmal antritt oder nicht ist mir eigentlich völlig egal und macht erst mal auch keinen Unterschied, denn die potentiellen Nachfolger würden auch keine Verbesserung bringen. Wenn ich dabei an Söder denke, graut es mir eher noch mehr als vor Merkel. Mittlerweile ist ja nicht mehr nur die Person Merkel das große Problem, sondern insgesamt die Unionsparteien bzw. der gesamte linksschwarzrotgrüne Einheitsblock. Diesen ganzen Wahnsinn könnten letztendlich nur die Wähler stoppen, indem sie CDU/CSU nicht mehr wählen und stattdessen die echte Alternative.

karel
2 Monate her
Antworten an  EndemitdemWahnsinn

Glauben Sie nicht, was so in den Zeitungen steht. Alle Probleme, die wir hatten und heute haben, tragen 3 Buchstaben… SPD. Nur steht das nicht so in den Zeitungen. Gender, Bildungsnotstand, Familien- und Technikfeindlichkeit, das EU-Politik-Desaster, verrottete Infrastrukturen, marode Bundesbahn, marode Bundeswehr… alles marode SPD-Hinterlassenschaften. Als Brandt 1969 übernahm, hatte Deutschland Vollbeschäftigung und volle Kassen. Sogar bei der Rente… für 2 Jahre. Als Kohl übernahm, hatten wir 2 MIo Arbeitslose, leere Kassen, auch leere Rentenkassen, der Öffentliche Dienst beschäftigte statt 2 Mio. nun 4 MIo,, deren Beschäftigte erhielten dank des ÖTV-Chef Klunker 2-stellige Tariferhöhungen.. Wofür? und die Schulden explodierten… wie… Mehr

Kanahlen
3 Monate her

Sie wirds wie Putin machen!

chino15
3 Monate her
Antworten an  Kanahlen

Ich würde gern tauschen. In Russland haben Geschäfte, Restaurants, Museen, Theater usw. geöffnet – bei (offiziell) besseren „Infektionszahlen“ und weniger Todesfällen als hierzulande, trotz deutlich schlechterem Gesundheitssystem (das würde ich lieber nicht tauschen). Und in Sachen Meinungsfreiheit u.ä. gibt’s schon lange keine großen Unterschiede mehr.

Rob Roy
3 Monate her

Das müsste man überall verkünden, dass Merkel nicht mehr antritt. Das Gedächtnis der Wähler ist doch schlecht. Wenn sie sich im April, Mai oder Juni umentscheidet, weil ihre Partei sie „überzeugt hat, doch noch einmal die Bürde des Amtes zum Wohl der Menschen“ zu übernehmen, wird sie ihr Geschwätz von gestern nicht mehr interessieren. Aber auch wenn sie wirklich nicht antritt, will sie ihr Ziel die Amtsdauer ihres Vorgängers und Mentors Kohl überdauern. Das ist ihr Ziel. Dazu müsste sie nach der Bundestagswahl am 26. September zumindest noch bis 18. Dezember geschäftsführend im Amt bleiben, also gut drei Monate nach… Mehr

chino15
3 Monate her
Antworten an  Rob Roy

Im Prinzip sehe ich es ähnlich. Aber vielleicht begreift sie doch allmählich, dass man in den nächsten 4 Jahren irgendwie beginnen muss, das Chaos, das sie hinterlassen hat, aufzuräumen? Und das wird nicht lustig.

moorwald
3 Monate her
Antworten an  Rob Roy

Die CDU wird sie loswerden wollen. Anders geht es ja auch nicht.
Und sie wirkt alt und verbraucht.

moorwald
3 Monate her

Ihr Zerstörungwerk konnte Merkel mit leeren Sprüchen begleiten. Nun steht eine Regeneration an – und da wären dann konstruktive Ideen gefragt. Aber dafür ist sie nicht „zuständig“. Denn eines ist klar: die Bundesrepublik Deutschland ist in Auflösung begriffen. Zur langfristig angelegten Demontage der wirtschaftlichen Grundlagen kommt nun „Corona“. Deutschland war doch vor allem eine Wirtschaftsnation. Materielles Wohlergehen kann manches andere zumindest zeitweise ersetzen: Nationalgefühl, Traditionen, Geschichtsbewußtsein… „Ubi bene ibi patria“ ist nicht so abwegig. Solange es breiten Schichten gutgeht, ist die Zustimmung zu den herrschenden Machtverhältnissen fast selbstverständlich. Natürlich gibt es immer Verteilungskämpfe. Wirtschaftliche Prosperität plus extrem ausgebauter Sozialstaat haben… Mehr

balmung
3 Monate her

Der Autor gibt seinem Artikel die Überschrift: „Das macht Hoffnung: Merkel will wirklich nicht mehr antreten“ und begründet dies mit dem Zitat Merkels:  „Auch wenn ich nicht mehr antrete, möchte ich meinen Beitrag dazu leisten…“
Dabei übersieht er, daß Merkel es offen läßt, ob sie das Wort „Wenn“ temporal oder konditional meint.
Sie legt sich also nicht fest, „ob“ oder „wann“ sie nicht mehr antritt.
Ihre rhetorische Armseligkeit steht im reziproken Verhältnis zu ihrer verschleiernden Verschlagenheit.
Allein das zappeln lassen bietet ihr kleinlichen Genuss, zeigt ihre charakterliche Dürftigkeit.

Riffelblech
3 Monate her

Die allergrößte Hoffnung : hoffentlich überlegt sie ,die Frau Merkel , es nicht noch mal anders ! Bis dahin bleibt ihr allerdings noch ausreichend Möglichkeit weiterhin massiv zu schaden und zu bremsen . Die Wirtschaft kaputt zu „ regieren“ ,das „ schaffen wir „ . Alle bisherigen Coronaeindämmungsmaßnahmen haben einen keinen eindämmenden Effekt . Jetzt fehlt nur noch ,das die Kanzlerin ,weil „ besorgt“ ( bin ich auch ,aber ihretwegen ) ,die Deutschen zur Abwehr des Virus einen Monat das Sprechen ,Lachen,Singen verbietet . Gates hat ja schon herausgefunden,das diese Dinge die Virusausbreitung beschleunigen. Wetten das auch eine solche Entscheidung… Mehr

Helene Walther
3 Monate her

Nein, sie tritt nicht nochmal an, sie bleibt Bundeskanzlerin! Wahl wird sicher um 2 Jahre wegen Corona verschoben. Das geht ja bis zu 48 Monate, auch wenn es grundgesetzwidrig wäre, hätte aber keine juristischen Folgen!
Also Hoffnung macht mir das nicht! Ich weiß, Verschwörungstheorie.

Last edited 3 Monate her by Helene Walther
AlexR
3 Monate her
Antworten an  Helene Walther

Genauso wird es werden. Sie wird es als alternativlos und systemrelevant deklarieren, alle Klatschhasen klatschen, die Steigbügelhalter halten und die A.schkriecher flatulieren zustimmend.

frechdachs
3 Monate her

So so, die graue Frau hat also verkündet tatsächlich nicht nochmal als Kanzlerin anzutreten. Legen wir nun begründet weiterhin Arroganz, Sturheit, Ignoranz, Machtversessenheit, Käuflichkeit, Skrupellosigkeit und Doppelmoral als Basis ihres bisherigen Verhaltens zu Grunde, kann man davon ausgehen, dass diese nun doppelt betonte Aussage falsch ist. Erstens ist eine doppelte Verneinung, zwar ein verschwurbeltes, aber ein JA. Zweitens kommt zum Ausdruck, dass sie mehr weiß und so davon ausgeht, dass es diesen Posten nicht mehr gibt und sie mit einer anderen bedeutenden Verwendung rechnet.

FZW
3 Monate her

Wenn man es in einer Demokratie (naja?) als „Hoffnung“ bezeichnen muss, wenn die amtierende Regierungschefin nicht mehr antritt, wirft das leider kein allzu gutes Bild auf das Wahlvolk und den Zustand des Staates.

Weiss
3 Monate her
Antworten an  FZW

Das Problem für Deutschland im Jahre 2021 besteht vor allem darin, dass wie 1933 ein großer Teil der Funktionseliten längst die Demokratie aufgegeben haben.

Es soll ein Great Reset und eine große Transformation auf deutschem Boden stattfinden.

Der Machtergreifung und der Überführung Deutschlands in eine rotfaschistische Diktatur steht also nichts mehr im Wege. Daran würde auch ein Abgang Merkels nichts ändern, da die Personen auf der Bühne endlos austauschbar sind.

Den größten Vorwurf mache ich dem Staatsbeamtentum, der deutschen Justiz und den Verfassungsrichtern, die erneut vor der Geschichte auf ganzer Linie versagt haben.

Maria Jolantos
3 Monate her

Wieso sollte das Hoffnung machen? Die CDU/CSU trägt diese Frau seit 30 Jahren als Ministerin, Generalsekretärin, Vorsitzende und Kanzlerin. Und genauso lange „formt“ Merkel mit Billigung der Partei das Parteipersonal (v.d.Leyen, Kramp-Karrenbauer, Altmaier, …) Dafür kann es nur einen Grund geben – diese Partei ist hoffnungslos und restlos vermerkelt.