72.746 Fahrzeuge verkaufte etwa BYD alleine im Vorjahr in Deutschland: Sie sammeln andauernd Daten. Moderne Elektroautos sind längst auch rollende Hochleistungscomputer, permanent online, vollgestopft mit Kameras, Sensoren und Software. Doch genau das bereitet Sicherheitsbehörden zunehmend Sorgen, wenn die Fahrzeuge aus China stammen.
picture alliance/dpa | Jens Kalaene
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt aktuell vor möglichen Sicherheitsrisiken durch vernetzte chinesische Elektroautos. Über die ständige Internetverbindung der Fahrzeuge könnten Unbefugte von außen zugreifen – nicht nur auf harmlose Fahrzeugdaten, sondern möglicherweise auf hochsensible Informationen. Im Extremfall, so die Warnung, könnte sogar die Kontrolle über das Auto selbst erlangt werden, berichtet das Handelsblatt.
Nach Einschätzung der Behörde sind potenziell zahlreiche Daten betroffen: präzise Bewegungsprofile, technische Betriebsdaten wie Geschwindigkeit oder Batteriezustand, aber auch Informationen aus dem Fahrzeuginnenraum. Moderne Fahrzeuge verfügen über Kameras, Mikrofone und Assistenzsysteme, die weit mehr erfassen als vielen Fahrern bewusst ist. Was heute für Komfort und Sicherheit gedacht ist, kann morgen zum Risiko werden.
Besonders kritisch sehen die Sicherheitsbehörden jedoch nicht nur den möglichen Hackerangriff von außen, sondern die Frage, was mit den gesammelten Daten im Hintergrund geschieht. In Staaten wie China sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, mit staatlichen Stellen und Nachrichtendiensten zu kooperieren. Das bedeutet: Hersteller könnten gezwungen sein, Fahrzeugdaten an staatliche Behörden weiterzugeben. Auch dann, wenn die Autos in Europa unterwegs sind.
Alle Daten, wer sich wann wo bewegt
Diese Daten wären nicht nur für klassische Spionage interessant. Experten warnen, dass sie zum Training von KI-Systemen, für Gesichtserkennung oder zur Analyse von Verkehrs- und Infrastrukturmustern genutzt werden könnten. Gerade Sensor- und Umfelddaten liefern ein detailliertes Bild darüber, wer sich wann wo bewegt – und welche sicherheitsrelevanten Einrichtungen in der Nähe liegen.
In der Bundesregierung wächst die Sorge über den steigenden Marktanteil chinesischer Hersteller auf deutschen Straßen: Politiker verweisen darauf, dass nicht nur private Autofahrer betroffen sein könnten, sondern auch staatliche Stellen. Fahrzeuge, die bei Polizei, Verwaltung oder sogar der Bundeswehr eingesetzt werden, unterliegen besonders hohen Sicherheitsanforderungen. Hier könnten Datenabflüsse gravierende Folgen haben.
Diskutiert werden deshalb Nutzungseinschränkungen für sensible Bereiche oder bestimmte Personengruppen. Im äußersten Fall, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, könnte sogar ein Zulassungsverbot für einzelne Modelle oder Hersteller im Raum stehen – zumindest dann, wenn schwerwiegende Vorfälle nachgewiesen würden. Noch ist es nicht so weit, doch das Thema gewinnt an Brisanz.
Zugleich betonen die Behörden, dass Fernzugriffs- und Datensicherheitsrisiken grundsätzlich alle vernetzten Fahrzeuge betreffen, unabhängig vom Herkunftsland. Der Unterschied liege jedoch dort, wo staatlicher Einfluss auf Unternehmen besonders groß sei und unabhängige Kontrollen fehlten. Genau hier sehen Sicherheitsbehörden bei chinesischen Herstellern ein erhöhtes Risiko. SPD-Verkehrsexpertin Isabel Cademartori wird dazu im Handelsblatt zitiert: „Bei der Bewertung muss besonders darauf geschaut werden, ob im Hintergrund ein Staat mit klaren geopolitischen Eigeninteressen agiert und persönliche sowie Geodaten gezielt sammelt.“
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik weist darauf hin, dass nahezu alle modernen Neufahrzeuge in Deutschland technisch dazu in der Lage sind, während der Fahrt umfangreiche Daten zu erfassen und an die Server der Hersteller zu übertragen. Dazu gehören Standortdaten, Kamerabilder und Sensordaten aus der Fahrzeugumgebung. Für Verbraucher ist oft kaum nachvollziehbar, welche Daten konkret gesammelt werden – und was später damit passiert, insbesondere wenn die Verarbeitung im Ausland erfolgt.
Offiziell betont der Verfassungsschutz, dass derzeit keine konkreten Beweise für aktive Spionage über chinesische Elektroautos vorliegen. Doch die Lage wird genau beobachtet. Angesichts der geopolitischen Spannungen und der technologischen Ambitionen Chinas sehen die Behörden Handlungsbedarf.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Um mal den ausgeleierten Spruch zu bemühen: Ihr glaubt also, daß Zitronenfalter Zitronen falten? Daß amerikanische E-Kisten von Tesla bis Lucid und Ford das nicht tun. Und erst recht nicht deutsche von Daimler bis BMW und VW? Oder französische von Renault bis Opel? Seit Jahren wird doch an dieser Überwachung gearbeitet einschließlich Verkehrserziehungsprogramm. Der nächste Schritt ist autonomes fahren inkl. Test des Chauffeurs vor Fahrtantritt. Dazu die Einspeisung deiner Batteriereserve ins Netz. Du wolltest dein Auto aufladen, damit du früh losfahren kannst? Nö, den Strom brauchten wir. Ich behalte erst mal noch meinen Diesel.
EU und unsere Regierung wollen doch genau das selbe, der Verfassungschutz beobachtet das also….und kopiert und wendet es genauso an wie die Chinesen. Am liebsten hätten es unsere Po litiker doch so, das die Daten nicht erst an China oder die Staaten gehen, sondern direkt an die deutschen/eu behörden weitergeleitet werden. Kann ja nicht sein, dass andere Mächte besser über die deutsche Bevölkerung informiert sind als die “ unsereDemokratie“ elite
Werter Autor – seien Sie realistisch und mutig und ersetzen Sie China durch Bundesrepublik. Dann passt’s und man könnte Ihren Artikel weiterlesen und vielleicht positive Lehren oder wenigstens solche Erkenntnisse daraus ziehen. Aber so – Abbruch mittendrin, so etwas muß man sich wahrlich nicht antun. „Sicherheitsbehörden wie Bundesamt für Verfassungsschutz“ – da kann man nur lauthals lachen, bevor einem die Tränen kommen.
Im Zweifel wäre es mir lieber, die Chinesen greifen meine Daten ab, als dass es irgendwelche deutschen Stellen tun. Außerdem fahre ich ein Auto, das so alt ist, dass es technisch nicht in der Lage ist mit seinem Hersteller oder sonstwem zu telefonieren. Und das bleibt so, bis es auseinander fällt.
Mein Smartphone von Samsung sammelt auch Daten und kann diese weltweit oder nach Pullach versenden.
Im letzten Jahr verfügte Volkswagen, dass auf dem Firmenparkplatz kein Tesla stehen durfte. Das hatte ausschließlich mit den vier Kameras zu tun mit denen heutzutage jedes modernere Auto ausgestattet ist.
Bloß gut, dass die gewonnenen Daten der Fahrzeuge des Herstellers Tesla vor einem Geheimdienstzugriff in den USA völlig sicher sind. Aber nicht nur die, auch die Daten der deutschen Hersteller. Denn diese werden mit spionagefesten amerikanischen Betriebssystemen / Programmen zusammengestellt, auf Servern in den Staaten abgelegt oder in Datennetze amerikanischer Cloudanbieter transferiert. Was soll da passieren? Sicherer geht’s doch nun wirklich nicht. Die Daten sind dort genau so sicher wie unsere Goldreserven in den USA. Die sind da nämlich so sicher verwahrt, dass sogar eine Inaugenscheinnahme / Inventur seit vielen Jahren unmöglich ist. Denn schließlich könnten dabei ja Erkenntnisse und… Mehr
Mit einem Spion von Volkswagen und Co in der Garage, wäre mir sicher viel wohler. Ich hoffe nur der ruft nicht die Stasi bzw. Verfassungsschutz, wenn ich mich mit der Politik in Germanistan nicht ganz einverstanden erkläre. Den komischen Beleidugungsparagraphen gibt es doch noch, oder? Daß die – im besten Deutschland aller Zeiten – eine Backdoor in die Software implementieren müssten, wäre für mich nicht unbedingt mehr verwunderlich. Davon hätte die erste DDR nur träumen können…