Düsseldorf – Orakel für Berlin

Ist die demoskopische Trefferquote heute in Düsseldorf wie in Kiel, gibt es in beiden Ländern die realistische Alternative zwischen einer Koalition der Wahlverlierer oder Landesregierungen mit Ministerpräsidenten der CDU statt der SPD wie bisher.

© Maja Hitij/Getty Images

Der Blick auf Schleswig-Holstein vor einer Woche zur Erinnerung. Die Forschungsgruppe Wahlen hatte für das ZDF drei Tage vor dem Wahlsonntag ermittelt:

Das war recht nahe an den tatsächlichen Ergebnissen, anders als in einer Reihe von anderen Wahlterminen davor.

Für Nordrhein-Westfalen gab die Forschungsgruppe gleichzeitig diese Zahlen bekannt:

Stellt sich die Trefferquote heute im bevölkerungsreichsten Bundesland als gleich heraus wie in Kiel, gibt es in beiden Ländern die realistische Alternative zwischen einer Koalition der Wahlverlierer oder zwei Landesregierungen mit Ministerpräsidenten der SPD weniger als bisher.

Insofern geht es heute bei den Landtagswahlen um mehr als den Landtag in Düsseldorf.

Das aktuellste Ergebnis der Sonntagsfrage für den Bund von Emnid hat diese Zahlen: CDU 37, SPD 27, Die Linke 10, Grüne 8, AfD 8, FDP 6. Trifft das in etwa, rechne ich mal zusammen:

  • CDU 37 + Grüne 8 = 45
  • SPD 27 + Die Linke 10 + Grüne 8 = 45

Geht es in Düsseldorf so aus, wie es heute am Wahlsonntag mittags aussieht, verstärkt das, was die Zahlen für Berlin jetzt zeigen. Da sich zwischen den „Lagern“ nichts mehr tun wird, sondern nur innerhalb, dürfte alles von der Wahlbeteiligung und Mobilisierung von bisher zur Nichtwahl Geneigten abhängen. Wegen des Bildes innerhalb der „Lager“, wird die CDU mit weiteren verbalen Annäherungen an ihre alten Positionen, die heute die AfD vertritt, versuchen, Stimmen von dort zu holen. Heute abend wissen wir, wie weit das in NRW funktioniert hat oder nicht.

Für die Politik in den zwei Ländern hätten Regierungswechsel in Kiel und Düsseldorf  nach meiner Einschätzung keine nennenswerten Folgen in der Sache – jedenfalls nicht in den nächsten zwei Jahren. Für das politische Klima in der Bundesrepublik aber sehr wohl. Es würde den Prozess beschleunigen, den ich in einem anderen Beitrag so formuliert habe, und der im ganzen politischen Westen im Gange ist:

Insgesamt kommt die tektonische Verschiebung der politisch gesäßgeografischen Kontinentalplatte nach „Links“ in den letzten 50 Jahren nun zum Erliegen und setzt zur Verschiebung in die Gegenrichtung an.

Fußnote: In Österreich verstärkt sich die Wahrscheinlichkeit von vorzeitigen Nationalratswahlen in diesem Herbst statt nächstes Jahr. Mit dem Rückzug des bisherigen ÖVP-Spitzenmannes Reinhold Mitterlehner, der Politikbegabung Sebastian Kurz als wahrscheinlichem Nachfolger, dem Zauderer, SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern und dem FPÖ-Vormann Heinz-Christian Strache begibt sich das Land in einen spannenden Wahlkampf – dazu hier ein getrennter Beitrag die Tage.

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Kommentare

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  • Schwabenwilli

    Dumm nur das die Grünen und Linken mit drin sind, so lässt sich mit Sicherheit keine Vernünftige Politik machen.

    Laschet wir mit dieser Konstellation Scheitern. NRW erst mal abhaken.

    Wie Lindner sich wieder reingeschumelt hat, mein Gott Walter.

    Wenn die AFD es endlich mal fertig bekommen würde ihre inneren Querelen zu bereinigen, 15% sind da locker drin.

    Eigentlich dürfte die SPD nach dieser Supergau Politik von Kraft und Mittätern keine 5% bekommen, wenn nur Deutsche ohne Doppelpass und anywhere Status, siehe dazu: https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/der-sonntagsleser/fas-wenn-die-leute-nicht-so-wollen-wie-ihre-vorbeter/ wählen hätten dürfen, aber hätte, hätte Fahradkette so schaut es nämlich aus. Ich möchte gar nicht wissen wie die SPD in wenigen Jahren aussehen wird wenn sie als virale Wirtszelle nicht mehr taugt und die Viren ihre eigene Partei gründen, die SPD ist jetzt schon tot, sie weiß es nur noch nicht.

  • AngelinaClooney

    Mich würder noch interessieren Herr Goergen, ob diese Bewegung nach „rechts“ anhalten wird, oder ob die jüngeren Wähler (Stichwort gendergerechte und multikultigerechte Universitäten) versuchen werden das Pendel wieder nach „links“ zu drücken („No Nation – No boarders“).

    Ich denke, wir haben noch einen langen Weg vor uns. Bei einem Etat von 100 Mio Euro (!) für den „Kampf gegen Rechts“ und einer zunehmenden muslimischen Bevölkerung (eine Migrantenpartei gibt es bereits in NRW – die ADD Allianz Deutscher Demokraten), die ihre religiös-geprägten Ansprüche weiter geltend machen wird, ist die Messe sicher noch nicht fertig gelesen.

  • Fiete Fahnderbildt

    Moin moin,

    Laut Umfragedurchsetzungsgesetz (Paetow-Gesetzblatt 4.8-08/15 ff.) veröffentlicht im Bundesgeneral-Sonntagsumfragen-Anzeiger und den angeschlossenen ö.r. Staatsfunkanstalten, wird es wohl so kommen müssen.

    Aus Habsburg-Nord an die Adresse von Herrn Kurz bei den Nationalratswahlen „Mast- und Schotbruch“, und sollte „Uns-Mutti“ pampig werden, einfach 2-3 Tage vorübergehend die Balkanroute öffnen, dann spurt sie wieder!

    Was Erdokhan teuer ist, kann „Felix-Austria“ ruhig “billig“ sein!

  • OMG

    „realistische Alternative zwischen einer Koalition der Wahlverlierer oder“

    Ich bin wirklich nicht oft sprachlos, aber dazu fällt mir wirklich nichts ein, das ich auch nur entfernt für realistisch halten würde.

    Auch nicht gesäßgeografisch…

    Eins hätte ich aber noch, zum Slogan der CDU:

    „Ich fühl mich hier nicht mehr sicher. Warum tun die nichts?“

    Ist doch klar. Wer einen Staat auslöschen will, schafft zuerst die öffentliche Ordnung und Sicherheit ab. Die meisten lassen sich das gefallen, und die wenigen, die sich wehren, kann man dann einsperren.

    So wird das in Deutschland gemacht. Schon immer.

    Die CDU wird in NRW wieder damit durchkommen, und deutlich über 30 % der Stimmen abgreifen. Nach der Bundestagswahl brechen dann alle Dämme. Dann hat die Regierung vier Jahre Zeit, unumkehrbare Zustände zu schaffen, und das wird geschehen.

    Wir wählen unseren eigenen Untergang.

  • Rabulistiker

    Ein Wahlergebnis, welches die FDP zweistellig darstellt und über der AFD ansiedelt, betrachte ich nach den Eindrücken der letzten zwei Jahre in meinem Umfeld, als definitiv gefälscht.

    Ist für mich dann auch nicht mehr als demokratischer Vorwand diskussionsfähig.

    • Franz Bettinger

      Das Thema Wahlfälschungen, und wie diese zu verhindern seien, müsste auf TE einmal intensiv debattiert werden. Der einfachste Weg, Wahlen entscheidend zu fälschen, dürfte der sein, die Wahlbeteiligung als zu hoch anzugeben. Dies scheint im Saarland der Fall gewesen zu sein.

      • Eliot Herbinger

        Wie funktioniert denn das? Wie kann man ALLEIN (so verstehe ich Ihre Aussage: „der einfachste Weg“) durch eine falsche Angabe zur Wahlbeteiligung das Ergebnis einer Wahl fälschen?

  • AlfredE

    Mit ein bischen Vernunft käme man rechts auf 51%.

  • Harry James mit Armbrust

    Was ich fürchterlich finde, ist, dass immer die Grünen mit in der Regierung sitzen.
    Wieviel sinnvoller wäre doch eine Koalition von CDU, AfD und FDP und die Grünen auf die Oppositionsbank zu verscheuchen. dort können sie nicht ganz soviel Unheil anrichten.

  • Falk Kuebler

    „Insgesamt kommt die tektonische Verschiebung der politisch gesäßgeografischen Kontinentalplatte nach ‚Links‘ in den letzten 50 Jahren nun zum Erliegen und setzt zur Verschiebung in die Gegenrichtung an“

    Oh, wie tut das gut, lieber Herr Goergen… Seit Sie das zum ersten Mal gesagt hatten und ich gespürt habe, wie sehr das Balsam auf meine wunde Seele ist, harre ich nach jeder Wiederholung.

    Wieder und wieder möchte ich es hören… 😉

    Ceterum censeo AfD esse eligendam…

  • Daniela Gmeiner

    Lieber Herr Goergen,
    Umfragen sind für mich Teil der Systempropaganda. Aber ich gebe Ihnen Recht,
    dass, das Anwachsen der Stimmen für linke Parteien gestoppt ist.
    Ich tippe, dass die „Linke“ in NRW unter 5 % liegen wird.
    Wenn der Wähler in NRW auf dem Weg in das Wahllokal, sein desaströses
    Umfeld beachtet, dann dürfte es für die Grünen eng werden.
    Die Gunst der Stunde könnte Herrn Laschet allerdings ein Amt bescheren, welches ein paar Nummern zu groß für ihn sein könnte.