Die AfD-Delegation wirft Krah raus

Die AfD schließt ihren Spitzenkdandidaten Maximilian Krah aus der zukünftigen Delegation im EU-Parlament aus. Petr Bystron darf dagegen bleiben. Offenbar versucht die AfD so ein letztes Mal, den Anschluss an die europäischen Partner nicht zu verlieren. Es könnte jedoch zu spät sein.

picture alliance/dpa | Britta Pedersen

Der Spitzenkandidat der AfD im EU-Wahlkampf, Maximilian Krah, wird der AfD-Delegation im EU-Parlament nicht angehören. Das erklärte Krah selbst öffentlich. Die neugewählten AfD-Abgeordneten des EU-Parlaments hätten dazu einen Antrag verabschiedet. Er sei „nicht in die Gruppe reingewählt“ worden, sagte Krah. Er selbst halte den Schritt für falsch und für ein „verheerendes Signal“, wünsche seinen neu gewählten Abgeordnetenkollegen aber viel Erfolg bei ihrem Versuch, ohne ihn wieder in die ID-Fraktion einzutreten.

Anders als Krah zog der Listenzweite, Petr Bystron, in die AfD-Delegation ein. Auch er stand wegen mutmaßlicher russischer Verwicklungen unter Druck, allerdings nicht so sehr im Rampenlicht wie Krah, der spätestens seit seiner Parteinahme für Éric Zemmour anstelle Le Pens auch für den französischen ID-Partner Rassemblement National (RN) zum Problempolitiker avanciert war. Anführen soll die Delegation der Thüringer René Aust. Die AfD errang bei der EU-Wahl 15,9 Prozent und stellt 15 Abgeordnete.

Das Manöver kommt für einige Beobachter aus AfD-Kreisen nicht überraschend. Bereits in den vergangenen Wochen kursierten Gerüchte über ein solches Szenario. So soll die AfD ihren (ehemaligen) Partnern in der ID-Fraktion intern zugesagt haben, dass Krah nach der Wahl nicht Teil der Delegation sein würde. Dies soll noch im Zuge der Spionageaffäre um einen mittlerweile entlassenen Mitarbeiter Krahs geschehen sein.

Die SS-Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten führten jedoch zu einer Eskalation der Lage. Die anderen Rechtsparteien machen der AfD dabei nicht so sehr den Inhalt der Krah-Ausfälle zum Vorwurf, denn vielmehr, dass die AfD-Führung ihre Partei nicht genügend im Griff habe, um solche Vorfälle zu unterbinden und entsprechend zu handhaben, was sich negativ auf den Wahlkampf der anderen europäischen Verbündeten auswirke.

Krahs Entfernung aus der Fraktion wäre damit ein vorsichtiges Zeichen in Richtung der anderen europäischen Rechtsparteien, dass man zur Kurskorrektur fähig wäre. Rein rechtlich wäre es im Wahlkampf nicht möglich gewesen, die Kandidatenliste zu ändern oder Krah als Spitzenkandidaten zu entfernen. Ob die Wiederannäherung an die ehemaligen Verbündeten möglich ist, bleibt offen: zuletzt hatte Tino Chrupalla öffentlich scharf gegen die französischen und italienischen Alliierten geschossen und namentlich Giorgia Meloni kritisiert.

Meloni ist zwar im Gegensatz zu Marine Le Pen und Matteo Salvini nicht Teil der ID-Fraktion, sondern Chefin der EKR. Doch soll es verstärkte Bestrebungen zu einer großen gemeinsamen Rechtsfraktion geben, bei der Le Pen und Meloni eine maßgebliche Rolle einnehmen könnten. Die Attacke des AfD-Bundessprechers dürften sich dann als kontraproduktiv erweisen.

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Kommentare ( 52 )

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MarkusF
6 Tage her

Ohne Krah hätte die AfD deutlich besser abschneiden können. Es sind die gut informierten die sich inzwischen ganz bewußt von der AfD abwenden. Diejenigen die sich Höckes „Kyffhäuser Treffen“ im Lifestream ansehen und dann angewidert von der astreinen Reichsparteitagsästhtik abwenden. Die die sich auf Krahs Telegramm Kanal anhören und ansehen wie Krah darüber sinniert welche Völker nun besser zusammen passen und welche nicht, wie er astreine Diktaturen wie China oder Rußland gut findet. Oder wie Höcke den größten Unsinn über Wirtschaft daher faselt der in der Qualität nicht besser ist als das was der völlig inkompetente Habeck von sich gibt. Höcke… Mehr

Or
6 Tage her
Antworten an  MarkusF

Am Rande. Die „gut Informierten“ warten erstmal die Beweise ab, die diese bisher völlig haltlosen „China und Russland Beschuldigungen“ erhärten.

Und des Höckes „größter dahergeredete Unsinn“ bedarf es ein paar Beispiele.
Und bleiben wir beim ihm. Wenn er qualitativ so‘ne Pfeife ist, wie erreicht er dann in Thüringen seine Mehrheiten ?

Spyderco
5 Tage her
Antworten an  MarkusF

Also habe ich die Wahl zwischen Höcke,der nach Ihrer Meinung,,den größten Unsinn über Wirtschaft daher faselt“und der Einheitspartei aus Ampel und Union,die Wirtschaft und Infrastruktur, durch Massenmigration ,Klimareligion und Steuergeschenke an alle Welt ,bereits ruiniert?
Da fällt die Entscheidung leicht😊

Last edited 5 Tage her by Spyderco
Michael Theren
6 Tage her

Madame Le Pen hat sich in ihrer gesamten politischen Laufbahn in fast jeder Rede „deutschfeindlich“ geäußert, sinngemäß an allem was in Frankreich schief läuft sind die Deutschen Schuld, Frau Meloni ist da kaum „europäischer“, warum Herr Krah sich zu historischen Themen überhaupt äußert, bleibt ein Rätsel, deswegen aber eines der besten Köpfe der AfD kaltzustellen (man lese sein Buch) ist Selbstmord aus Angst vor dem Tod.
Konkret hat er eine Aussage gemacht, die der von Eisenhower, Adenauer und so ziemlich jedem CDU Politiker bis Kohl (zusammen mit Mitterrand auf dem bitburger Soldatenfriedhof) entspricht….

Or
6 Tage her
Antworten an  Michael Theren

Absolut d’accord.
Inhaltlich komplett Ihrer Meinung.
Nur der Zeitpunkt des Interviews … ?
Und überhaupt, die Frage selbst ?
Die hätte ein Krah einfach weglächeln, oder wie weiland der alte Gasgerd, mit irgend‘en Küchenrezept beantworten sollen.
Er wusste doch – ich sag nur des Gaulands „Fliegenschiss“ oder des Höckes „Denkmal der Schande“ – wie auch valide Aussagen böswillig verkürzt oder einfach falsch wiedergegeben werden können.

hert
6 Tage her

Das ist nach wie vor der durch die Re-Edukation infizierte Schuldkomplex mit omnipräsenter Negierung eigener Interessen und Rücksichtnahme auf unsere lieben Nachbarn, die ohnehin in erster Linie an ihr eigenes Land denken. Aber diese servile Haltung deutscher Politiker ist für Deutschland und seine berechtigten Interessen eher kontraproduktiv.
Und zur Wahrheit gehört auch, dass die Zusammenarbeit rechter Parteien im EU Parlament ohne die AfD an Durchsetzung verlieren würde. Denn Deutschland ist halt nicht Luxemburg!

Marcel Seiler
6 Tage her

Entsetzlich, wie Politik funktioniert: Wegen der wichtigen Frage, ob sich zwei AfD-Politiker aktuell von Russland und/oder China haben bestechen lassen, passiert nichts. Dies ist aber eine wichtige Frage! Wegen der reinen Gesinnungsfrage über die historische SS, die akut null Bedeutung hat, wird jemand moralisch zum Vogelfreien, selbst wenn er sie völlig korrekt beantwortet hat.

Viele hier sagen, Herr Krah hätte eben gezeigt, wie „politisch dumm“ er sei. Wo Wahrheit als Dummheit gilt: Wer will in einem Club Mitglied sein, der einem so eine Charakterdeformation abverlangt?

Protestwaehler
6 Tage her

Deswegen hat die AfD trotz 15,9% nur 15 Sitze im EU-Parlament, weil für Krah kein Nachrücker eingesetzt werden kann?

Or
6 Tage her

Ohne die dazu die genauen Hintergründe zu kennen, halte ich das für ein Fehler. Ein Max Krah war zwar unbequem, aber hochintelligent und hat in den letzten Monaten massiv am Profil gewonnen. Ihn auszuschließen, nur um einer Le Pen zu gefallen, die mit Deutschlandaversionen Innenpolitik macht, Anschluss an eine Meloni zu versuchen, die alles tut, um vom eigenen Versagen abzulenken …. ?
Sorry, aber wie töricht ist das denn.

thinkSelf
6 Tage her

„Offenbar versucht die AfD so ein letztes Mal, den Anschluss an die europäischen Partner nicht zu verlieren. “ Umgekehrt wird ein Schuh draus. Krah hat zwar durch sein idiotisches Verhalten einen so schön einfachen Grund für das Absprengen der AfD geliefert, aber man hat eh nur auf einen Grund gewartet. Notfalls hätte man einen konstruiert. Denn es kann schon deswegen keine Zusammenarbeit mit der AfD geben da Frankreich und Italien schlicht die deutsche Kohle brauchen. Die AfD wäre aber die Einzigen die ihnen das erschweren würde. Bei den französischen Eliten kommt dann noch hinzu das die noch immer versuchen die Auswirkungen… Mehr

HansKarl70
6 Tage her

So viele Kriegsverbrecher wurden 1945 „vergessen“ weil sie nützlich waren für die neuen „Herren“ und einem Krahl macht man wegen einer Lächerlichkeit die Hölle heiß. Ich bin sehr enttäuscht von Weidel und Kruppalla. Anscheinend sind sie auch nichts anderes als Politiker.

Last edited 6 Tage her by HansKarl70
St.Elmo
6 Tage her
Antworten an  HansKarl70

Fr. Weidel und Hr. Chruppalla hatten recht so zu reagieren, gerade Hr. Krah als AfD Politiker der unter ständigem Beschuß durch die Presse steht, müsste doch so intelligent sein, im Gespräch mit der Presse im Ausland, nicht eine akademische Diskussion über Täterschaft, Mittäterschaft und Mitläufertum in der SS anzufangen.

Helfried Petersen
6 Tage her

Was ich so in meinem Bekanntenkreis mitbekomme, da sind nicht vorrangig die Medienpropaganda, der links-woke Politik-Clinch sowie diese unsäglichen Regierungsdemos das Problem, warum man sich nicht überwinden mag, dort sein Kreuz zu machen, sondern der „Club“ in der Partei, der Leute wie Krah und Höcke hofiert und immer wieder Grenzen ausreizen muss, um sich selbst zu beweisen, wie cool und unabhängig man von der öffentlichen Meinung ist. Einige scheinen sich in dieser Rolle des „Outcast“ gut zu gefallen. Ohne diese intellektuelle Rechthaberei in der „Fraktion“ wäre schon lange eine breite Mehrheit konservativer Wähler bereit gewesen, sich dieser Partei anzuschließen. Und… Mehr

Spyderco
6 Tage her
Antworten an  Helfried Petersen

Warum Daumen runter?

Jeder muss für sich entscheiden,ob er mit den klaren Ansagen von Krah oder Höcke klar kommt oder lieber weiter mit dem weichgespülten Politikerdsprech,der von der Einheitspartei bekannt ist und den der eine oder andere AfD-Politiker übernimmt.

Everybodys darling is everybodys asshole

MarkusF
6 Tage her
Antworten an  Helfried Petersen

Genau so ist es. Es sind die gut informierten denen man mit Krah, Höcke und Chrupalla nicht zu kommen braucht.

A rose is a rose...
6 Tage her

Kein kluger Schachzug der AfD, finde ich. Eine Partei muss sich hinter seine Kandidaten stellen, ihnen den Rücken stärken und notfalls auch mal laut werden. So wurde aber nun bereits zum wiederholten Mal Schwäche gezeigt und vor der Kritik des Gegners klein beigegeben.
Denn in der Politik gibt es keine Freunde, höchstens Weggefährten. Und wer nicht ausgenutzt und verraten werden will, der muss sich behaupten und Respekt zu verschaffen wissen. Herr Krah wäre eine harte Nuss gewesen, ohne ihn wird es für Frau Meloni und Frau LePenn deutlich einfacher sein.