4,3 Millionen Euro: Kühlschränke für Kolumbien sind die neuen Radwege in Peru

Wer sich als deutscher Arbeitnehmer zurzeit keinen neuen Kühlschrank leisten kann, darf sich trösten: Mit seinem Steuergeld hat er den Kolumbianern für 4,3 Millionen Euro neue Kühlschränke gesponsert. Sie sind die neuen Radwege in Peru.

Symbolbild

Was oder wie viele braucht es, um einen neuen Kühlschrank zu kaufen? Eine motivierte Frau und ein Amazon-Account – so würden die meisten Ehemänner spontan antworten. Wer das Geld dafür hat, tut sich in der Regel nicht schwer damit, ein passendes Gerät zu finden. So möchte man meinen. Zwischen 2019 und 2023 haben die Regierungen Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD) insgesamt 434 Personen für die Aufgabe geschult, Kühlschränke für Kolumbien zu kaufen und zu pflegen. So geht es aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage hervor, die von den Abgeordneten Arne Raue, Rocco Kever und Denis Pauli (alle AfD) gestellt wurde.

Für 4,3 Millionen Euro haben die Regierungen Merkel und Scholz demnach über fünf Jahre verteilt Kühlschränke für Kolumbien kaufen lassen. Über die deutsche Gesellschaft GIZ ging das Geld an die kolumbianische Entwicklungsbank „Bancoldex“, die dann dafür sorgte, dass die deutschen Kühlschränke in die – aus ihrer Sicht – richtigen Hände gerieten. Wobei die Geräte vor Ort eingekauft wurden und die kolumbianischen Entsorgungsfirmen ebenfalls von dem Geschäft profitierten.

Warum spendieren die deutschen Steuerzahler Kolumbianern, die von der Entwicklungsbank ausgesucht wurden, einen neuen Kühlschrank? „Um die Klimaziele von Paris zu erreichen“, antwortet die Bundesregierung. Dafür bedarf es „nationaler, wie auch internationaler Anstrengung zur Vermeidung klimaschädlicher Emissionen“. Wobei die Deutschen zahlten und die Kolumbianer ihr Bier und ihr Schwenksteak kühlten, um die Erderwärmung zu mindern.

Hat das denn funktioniert? „Das Projekt ist aus Sicht der Bundesregierung als erfolgreich einzuschätzen“, urteilt die aktuelle christ- und sozialdemokratische Regierung über die Arbeit vorheriger christ- und sozialdemokratischer Regierungen. Kühlschränke in Kolumbien seien „nachhaltig und klimafreundlich“ transformiert worden. 24.600 alte Geräte seien ersetzt worden. Dank der Schulung seien sie fachkundig entsorgt worden.

Die Regierungen Merkel und Scholz sind mit der kolumbianischen Kühlung ein heißes Eisen angegangen: „Der Kühlsektor verursachte in Kolumbien im Jahr 2014 Emissionen in Höhe von rund 4,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. In der Zeit, in der deutsche Steuerzahler den Kolumbianern Kühlschränke spendierten, sei die Zahl der Äquivalente um 850.000 Tonnen zurückgegangen, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Aber auch, wenn die kolumbianischen Kühlschränke die Erderwärmung so massiv senken – in andere Länder habe keine deutsche Bundesregierung Geräte verschenkt. Zumindest noch nicht.

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Kommentare ( 5 )

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Simrim
18 Minuten her

Unser lieber Siegmund von der AfD hat übrigens aufgedeckt dass sämtliche Kredite im Verbindung mit den Radwegen in Peru erlassen wurden.

Kraichgau
37 Minuten her

und so dreht sich das (N)-GO Business um sich selbst und schafft für jeden Beteiligten Stellen und Auskommen…

jwe
51 Minuten her

Deutschland kann es nicht schlecht gehen. Oder aber: Hauptsache das Steuergeld kommt nicht den Deutschen zu Gute!

alter weisser Mann
57 Minuten her

Wer sich als deutscher Arbeitnehmer zurzeit keinen neuen Kühlschrank leisten kann, der hat ganz andere Dramaprobleme als die Entwicklungshilfe die Schland in alle Welt zahlte.
Er hat dann nämlich noch nichtmal die ca. 125 Euro, die ein einfacher, neuer Kühlschrank kostet. Es steht zu bezweifeln, dass er die hätte, wäre das Geld nach Kolumbien nicht geflossen, er würde keinen Cent besser verdienen oder mehr haben.

Mausi
1 Stunde her

Und wahrscheinlich waren es keine deutschen Fabrikate, denn das wäre sicherlich EU-unzulässige Subvention gewesen.
Sehr gute Einstellung, unsere Gelder dorthin zu geben. Streng nach Kapitalismusgesetzen: Wo rentiert sich das Geld am meisten. Macht nix, wenn bei uns Aufgaben die Gegenfinanzierung nicht bestehen, wenn die CO2-Ersparnis für diese Aufgaben in D so gering ist.

Last edited 1 Stunde her by Mausi