Dank Doppelpass: Erdogan greift in unseren Wahlkampf ein

Dass „ihre“ Türken in Deutschland eher Recip Erdogan als Cem Özdemir oder Martin Schulz folgen – das dürfte für SPD und Grüne ein schmerzlicher Lernprozess sein.

Türken mit zwei Pässen stimmten in Deutschland bisher überproportional für SPD und Grüne. Das sollen sie am 24. September nicht tun, appelliert der Sultan vom Bosporus an „alle meine Landsleute in Deutschland.“ Auch die Union soll keine deutsch-türkische Stimme bekommen. Denn diese Parteien, so Erdogan, betrieben Wahlkampf mit der  „Schädigung der Türkei“ und seien „alles Türkei-Feinde“.

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Ob Erdogans „Landsleute in Deutschland“ ihm folgen werden? Sein Aufruf richtet sich zweifellos in erster Linie an die große Zahl der Deutsch-Türken mit zwei Pässen. Wer sich klar zu Deutschland bekannt und auf den türkischen Pass verzichtet hat, dürfte auf Erdogan kaum hören. Bei dem Referendum zur Einschränkung der Demokratie haben viele Deutsch-Türken demonstriert, dass sie die Deutschen als Arbeitgeber und Transferleistungs-Finanziers schätzen, von den dekadenten westlichen Werten wie Rechtsstaat und Demokratie jedoch nicht viel halten. Den Schaden von Erdogans „Wahlempfehlung“ dürften weniger CDU/CSU als SPD und Grüne haben. Es träfe also genau die Parteien, denen der Doppelpass ein Herzensanliegen ist. Dass „ihre“ Türken in Deutschland eher Recip Erdogan als Cem Özdemir oder Martin Schulz folgen – das dürfte für SPD und Grüne ein schmerzlicher Lernprozess sein.

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Vor und nach Barcelona

Der pollytix-Wahltrend berechnet sich täglich aus dem gewichteten Mittel aller Bundestagswahlumfragen der letzten zwanzig Tage (www.pollytix.de/wahltrend). Diese Zahlen sind ziemlich stabil: Die CDU/CSU liegt mit 38,5 % vor der SPD mit 23,8 %. Im Kampf um Platz 3 führt Die Linke mit 9 % vor FDP und AfD mit jeweils 8,5 %. Die rote Laterne halten die Grünen: 7,4 %. Aber: Wie aktuell sind diese Zahlen noch – nach den schrecklichen Terroranschlägen von Barcelona und Cambrils?

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Sollte das Thema Islamistischer Terror, Flüchtlinge und illegale Migranten im Wahlkampf eine größere Rolle spielen, dann wird die CDU/CSU verstärkt auf das Thema Sicherheit setzen. Fragt sich nur, wie glaubwürdig die Union nach dem „Kontrollverlust“ von 2015/2016 noch ist. Berichte darüber, dass angeblich politisch Verfolgte und vermeintliche Kriegsflüchtlinge munter in der alten Heimat Urlaub machen, sprechen zudem allen Behauptungen Hohn, die Politik hätte aus den Fehlern von damals gelernt. Das könnte Wasser auf die Mühlen der AfD sein.

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Wahlkampf mit der Axt

Wie immer man zur AfD stehen mag: Sie ist eine zugelassene Partei und hat Anspruch darauf, im Wahlkampf Plakate aufzuhängen wie jede andere Partei auch. In Berlin hat die Partei ihr Großflächenplakat mit dem Spruch „Burkas? Wir steh’n auf Bikinis“ direkt vor der SPD-Zentrale aufgestellt. Es wurde ganz schnell und gründlich zerfetzt. Der Tagesspiegel konstatiert dazu in seiner Online-Morgenlage kühl: „Was die Antifa-Szene sexistisch oder islamophob findet, hat in Kreuzberg kaum Überlebenschancen.“ Viel deutlicher kann eine angeblich liberale Zeitung ihre klammheimliche Sympathie für linksradikale Polit-Hooligans kaum ausdrücken. Solange die sogenannten Antifaschisten nicht die Tagesspiegel-Werbung zertrümmern, heißt es wohl: „dit is Berlin“.

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Wahlkampfweisheit zum Tage: Demokratie ist, wenn auch die wählen dürfen, die gar nicht wissen, was Demokratie ist.

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Kommentare ( 12 )

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Und sollte schon gar nicht Bundeskanzler(in) werden!

„Unser“ Wahlkampf? Nein. Mein Wahlkampf ist es jedenfalls nicht. Und dass Erdogan sich in Deutschland immer wieder auf unverschämte Weise einmischt, ist ja nun wahrlich nichts Neues und ärgert mich seit eh und je. Ich habe mich längst für eine Partei entschieden und sie bereits (brief)gewählt. Alles, was es im Wahlkampf zu sagen gibt, wurde ja schon mehrfach gesagt. (Nur noch nicht von jedem.) Die Entscheidung ist doch ganz einfach: Entweder man wählt Merkel oder man wählt die AfD. Und selbst wenn man die AfD wählt, wählt man Merkel. Also weiß man doch ganz genau, wie man zu wählen hat… Mehr

„Die AfD möchte ich gar nicht stark im Parlament sehen“. Merkwürdige Einstellung ihrerseits, Sie sehen dan wohl lieber, dass die Jünger Erdogans dann die ADD wählen, damit der Islam endgültig das Steuer in die Hand bekommt. Man kann nur noch den Kopf schütteln.

https://ad-demokraten.de/

Die Jünger Erdogans werden dann wohl die ADD wählen, wir werden uns noch wundern.
https://ad-demokraten.de/

Ich befürchte ja. Also Alternative wählen. 🙂

Die AfD sollte stark im Parlament vertreten sein. Nur eine starke Opposition kann etwas bewegen. Ein paar Hansel kann man überhören. Weiterhin hätte die AfD als starke Opposition im BT auch die Möglichkeit, allen zu zeigen, ob sie wirklich eine Alternative ist und ob sie eine Partei ist, auf die man bauen könnte.

Aber auch bei den Medien. „The Merkelshow“ must go on.

Ich denke nicht, dass man einfach davon ausgehen kann, dass Türken mit nur deutschem Pass integriert wären und Deutschland als „first“ ansehen würden. Das mag auf einzelne sicherlich zutreffen, aber wir wissen es nicht. Übrigens, wir ernten jetzt, was Merkel und Co. gesät haben. Wer schwach ist, wird als nicht existent betrachtet. Schwache sind im besten Fall zu übergehen, wenn sie Glück haben. Merkel hat uns gegenüber Ankara erpressbar gemacht. Sie hat uns zum Waschlappensiedlungsgebiet degradiert. Natürlich wird das ein starker Herrscher – und das ist eben Erdogan – ausnutzen. Wer würde das nicht. Es ist menschlich, Schwäche auszunutzen. Ein… Mehr

Das sieht Herr Müller-Vogg sicher anders. Für ihn ist immer die AfD schuld.

Dank Doppelpass?Ich glaube nicht, dass sich Erdogan aufgrund dieser Gruppe, bzw. aufgrund der Existenz des Doppelpasses ermächtigt sieht, in den Wahlkampf eines fremden Landes einzugreifen.Die Kanzlerin selbst hat in einem beispiellosen Akt ihr eigenes Schicksal und das Deutschlands in die Hände des Bosporus Sultans gelegt. Sie hat sich erpressbar, manipulierbar und abhängig gemacht mit einem von einer Soros-NGO ausgearbeiteten hochgradig ethnomasochistischen Vertragswerk, das die Hoheit über unsere Grenzen und das Ausmaß der (nicht) legalen Einwanderung – gegen den Willen unserer EU-Nachbarn in die Hände eines Drittstaates legt, der noch nicht einmal der EU angehört und bekanntermaßen ganz eigene Interessen verfolgt.Frau… Mehr