Corona: Volkswagen macht Werke dicht

Alexander Wallasch aus Braunschweig.

© Getty Images

Nachdem das öffentliche Leben gestern von Bund und Ländern nach und nach faktisch stillgelegt wurde und die bestätigten Infektionen in rasenden Schritten Richtung Fünfstelligkeit gehen, meldete der Volkswagen-Betriebsrat am Dienstagmorgen, dass an den allermeisten Standorten die Bänder still stehen sollen. Der bemüht undramatisch klingende Wortlaut des Betriebsrates spricht davon, die Produktion „vorübergehend auszusetzen“. Am Freitag sollen die letzten Schichten laufen.

Der Volkswagen Vorstandsvorsitzende bestätigte kurz darauf die Ankündigung des Betriebsrates auf der Jahrespressekonferenz von Volkswagen, die erstmals nicht physisch vor Pressevertretern stattfand, sondern ausschließlich digital. Nachfragen der Presse werden per Telefon beantwortet. Eine Aufzeichnung der Jahrespressekonferenz finden Sie hier.

Mal abgesehen von den hunderttausenden Mitarbeitern, die jetzt ohne Gegenleistung durch Produktionserzeugnisse weiterbezahlt werden müssen, darf der hohe symbolische Moment dieser Schließungen nicht unterschätzt werden. Denn wenn an den Standorten von Volkswagen die Arbeit ruht, dann steht hier die ganze Region still. Niedersachsens Herz schlägt, solange bei Volkswagen die Bänder rollen und die zahlreichen Zulieferfirmen produzieren. Denn auch die stehen natürlich still, wenn bei Volkswagen kein Band mehr Nachschub will.

Oder weniger emotional, weil von der Internetseite des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums abgelesen: „Die Automobilindustrie ist die wichtigste Industriebranche in Niedersachsen.“ Die Welt befand diese Formulierung schon 2017 als noch „reichlich zurückhaltend formuliert“ und schrieb damals, was bitte heute uneingeschränkt gilt: „Ohne Volkswagen ist Niedersachsen nichts.“.

Mit Blick auf Corona maximal makaber klingt, was die Zeitung damals mit lockerer Feder aufschrieb: „Wenn der Wolfsburger Konzern einen Husten hat, droht Niedersachsen eine Lungenentzündung – ganz zu schweigen, was passiert, wenn den Autohersteller eine heftige Bronchitis erfasst …“

Informationsstau: Auch wer aus der Region kommt und vielleicht die passenden Nummern hat, kommt trotzdem nicht durch. Nicht beim Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh und auch nicht bei seinen Stellvertretern: dauerhaft besetzt. Da muss man die Telefonliste schon weit herunterscrollen, um wenigstens auf die Liste der Rückrufbitten gesetzt zu werden.

Die Braunschweiger Zeitung, traditionell mit besseren Informationskanälen zum Konzern ausgestattet, berichtet heute morgen über eine weitere kuriose Motivation für die Entscheidung, die Werke zu schließen, wenn die Arbeitnehmervertreter der Zeitung gegenüber mitgeteilt hätten, es dürfe innerhalb des Unternehmens nicht zu einer Zweiklassen-Gesellschaft kommen.

„Bürokräfte werde Homeoffice ermöglicht, die Beschäftigten in der Produktion würden aber weiterhin auf engem Raum zusammenarbeiten. Das nehme der Betriebsrat nicht hin.“

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Kommentare ( 65 )

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Contra Merkl
7 Monate her

BMW ist auch dabei. Die produzieren sehr nah an den Verkaufszahlen, die momentan stagnieren, also wird die Produktion erstmal eingestellt.
Bei Daimler ist auch Pause.

Beobachterin
7 Monate her

Stand heute: 18.03.2020
Volkswagen / WOB verhängt ab sofort einen Ausgabenstopp.
Laufende Verträge mit externen Dienstleistern werden soweit möglich noch „remote“ abgewickelt. Anschlussverträge werden ausgesetzt oder auf unbestimmte Zeit verschoben.
Nachdem wir seit letzter Woche im Home Office für Volkswagen arbeiten, erreichte uns diese Nachricht heute um 08:00 Uhr. Das Projektmanagement Office für eines der Großprojekte des Konzerns wird runtergefahren. Wir schalten jetzt auf „Notbetrieb“ –

Maria Jolantos
7 Monate her

„… hunderttausenden Mitarbeitern, die jetzt ohne Gegenleistung durch Produktionserzeugnisse weiterbezahlt werden …“
Da dies in großem Stil und nicht nur bei VW oder nur in Deutschland geschieht, heißt dies doch, es wird viel Geld geschaffen (aus den Notkrediten), aber keine Waren. Und dies wiederum müsste doch ziemlich zu einer hohen Inflation führen. Oder sehe ich das falsch?

Lena M.
7 Monate her
Antworten an  Maria Jolantos

… VW wird sich einen großen Teil der Kosten aus der Arbeitslosenversicherung (Kurzarbeitergeld) zurück holen; die Zuliefererbetriebe, soweit in Deutschland ansässig, ebenso…

Entenhuegel
7 Monate her
Antworten an  Maria Jolantos

Sie sehen das völlig richtig: Fiat Money geht in die (nächste) Eskalationsstufe.

Da ruft dann die Corona-Krise munter das Gespenst des Währungs-Crash hervor…

Contra Merkl
7 Monate her

Opel stellt die Produktion auch ein, kam grade in den Nachrichten. Wie meinte Peter Feldmann zur IAA, wer braucht schon Autos !
Bald können wir uns in Heimarbeit gegenseitig die Haare schneiden, steuerfrei. Geld kommt vom Amt frisch gedruckt, kann Christine schon mal Papier und Farbe ordern, nicht das wieder Engpass ist wie bei Masken und Desinfektionsmitteln.

Protestwaehler
7 Monate her

Hat Hannover nicht die Tage erst einen Grünen Bürbermeister gewählt…
jetzt bekommen die Leute hoffentlich einen Vorgeschmack auf die Zustände die hier Tagesordnung werden wenn die kommende Regierung Schwarz-Grün heißt.
Aber lernen die Menschen daraus?
Natürlich nicht, weil ihnen der Staatsfunk erklärt, alles ganz viel toll.
Sorry, aber so’ne Bevölkerung verdient’s doch nicht besser.

Sani58
7 Monate her
Antworten an  Protestwaehler

Der Staatsfunk erklärt, Corona ist Schuld. Fast könnte man meinen, die freuen sich und breiten genüsslich die Panik aus, weil sie sich „Jemanden“ gefunden zu haben wähnen, den man für die Entwicklung, die nun etwas schneller geht, aber sowieso und unter Grün+Irgendwas erst recht, so kommen würde, die Schuld geben können – und nicht ihrer eigenen Agenda.
Das mit dem Vorgeschmack sehe ich genau so.

Regina Lange
7 Monate her
Antworten an  Sani58

Die freuen sich wirklich! Zusammen mit den Gretels, Reschs, Luisas und den gesamten Klimanarren der Welt! Corona hält die Luft sauber und rafft vor allen Dingen ältere Menschen dahin! Tote Umweltsäue sind gute Umweltsäue! Da freut sich der Klimaaktivist und seine ideologischenVerbreitungsorgane!

AlNamrood
7 Monate her
Antworten an  Protestwaehler

Corona ist die perfekte Entschuldigung für noch mehr Substanzabbau und Deindustrialisierung. Merkel kann ihr Glück vermutlich kaum fassen.

Contra Merkl
7 Monate her

Jetzt jedenfalls kauft auch keiner ein Auto.
Rathäuser soll man nicht mehr betreten, nur noch telefonisch. Zulassungsstellen werden auch in Kürze geschlossen werden.
Was willste mit einem neuen Auto, wenn man es nicht zulassen kann ?
Die Händler haben doch noch genug auf dem Hof rumstehen, da macht die Produktionspause auf Corona schieben doch nur Sinn. In China ist der Absatz um 75 % eingebrochen.

Maria Jolantos
7 Monate her
Antworten an  Contra Merkl

„Was willste mit einem neuen Auto, wenn man es nicht zulassen kann“ Fahren, weil keiner kontrolliert? 😉

Bummi
7 Monate her

Die sind geistesgestört in Berlin. Anstatt die wirklich gefährdeten Menschen zu schützen wird das ganze Land ruiniert. Das RKI schwaffelt in Berlin derzeit von 2 Jahren mit diesem Zustand. Mio. werden arbeitslos werden, Asien wird das nicht passieren. Wir schaffen suns selber ab. Wie sollen 50 bis 60 Mio. Menschen in Deutschland infiziert werden um das Virus zu stoppen? In Asien laufen die Menschen mit Masken herum. Was sind hier nur für Knallkörper unterwegs. Planlos, konzeptlos wie schon seit Jahren.

AlNamrood
7 Monate her
Antworten an  Bummi

In Asien passiert das gerade auch, nur China ZWINGT die Leute zu arbeiten.

AnSi
7 Monate her

Diese Schließung ist m.E. auch eine Folge der Politik der letzten Jahre. Die Verbrenner wurden nachhaltig (ich finde dieses Wort in diesem Zusammenhang besonders gelungen) kaputt geredet. Was glaubten denn die Betriebsräte der Automobiler gegen wen es sonst ging? VW wollte eine 2. E-Linie neben dem „Up“ bauen und kaut seit 2 Jahren auf den Plänen herum. Die Linie läuft noch immer nicht, die Verbrenner haben jedoch schon ein End~ bzw. Verfallsdatum. Wer kauft jetzt noch so ein „altes“ Auto? Dazu kommt, dass viele Teile nicht mehr in D gefertigt werden. Lieferschwierigkeiten in beinahe allen Bereichen des Fahrzeugs sind die… Mehr

Sani58
7 Monate her
Antworten an  AnSi

„Wer kauft jetzt noch so ein „altes“ Auto? “
Viele. Aber eins aus z.B. englischer Produktion (Mazda/ Honda) oder Japanischer oder Koreanischer. Die beliefern uns weiter mit modernen Dieseln, werden auch für Ersatzteile sorgen…. obwohl: bei meinen letzten Toyota hatte ich bis zum Verkauf mit 140 000km keine gebraucht und bei meinem jetzigen Honda bei den bisherigen 80 000 auch keine. Der fährt übrigens mit 5-6l/100km und das macht bei den Preisen gerade wieder richtig Laune.

Christian S.
7 Monate her
Antworten an  AnSi

Die Homeoffice-Beglückten können in der Zwischenzeit ja mal versuchen die Software für die auf Halde stehenden id3 fertig zu kriegen… falls das überhaupt gewollt ist die zu verkaufen, nun kann man dem Virus die Schuld geben…

Enrico
7 Monate her

VW und Niedersachsen, leider nicht mehr erdverwachsen. Das Corona Virus wird von interessierter Seite mit einem warmen Händedruck empfangen und als „schwarzer Schwan“ missbraucht werden (für Interessierte: es gibt ein gleichnamiges lesenswertes Buch). Als eine von vielen Folgeerscheinungen. Neben den vitalen Auswirkungen.
Schuldenbremse war gestern, Inflation und Minuszinsen werden alternativlos weiter wuchern, Überflutung der Finanzmärkte mit Milliarden billigen Geldes (EZB, FED) werden mit der Corona Pandemie begründet werden, rigide Einführungen alternativloser Notstandsverordnungen werden sich selbst überholen. Eine vollständige Aufzählung was den Bürger noch so alles erwartet würde weitere schlechte Laune generieren. Bonne Chance!

Contra Merkl
7 Monate her

Die wochenlange Untätigkeit und unkontrolliertes Einreisen aus Risikogebieten kostet jetzt halt richtig Geld.
Hoffentlich sind danach alle Kassen restlos leer, damit dieses Spendierhosengehabe der Politik dann mal ausfällt.
Auch die Lücke die der Brexit in der EU Kasse hinterlässt, wird dann nicht von Deutschland übernommen, weil kein Geld mehr da sein wird. Da muss dann der Haushalt entsprechend kleiner ausfallen, bevor Deutschland sich da noch mehr als Zahlmeister einspannen lässt. Das wird man dann auch nicht wieder los, wie die ganzen Flüchtlinge, die nur temporär hier Zuflucht finden sollten.

Christian S.
7 Monate her
Antworten an  Contra Merkl

Dafür gibt’s doch jede Menge Ersatzarbeitsplätze in der Landwirtschaft… da die fleißigen Erntehelfer aus Osteuropa nicht über die Grenze kommen… wie wäre es mit allen die gerade Zeit haben… Bezahlung: in Naturalien, damit dieses verwöhnte, links-grün-rotrot-CDSU wählenden Volk mal weiß woher die Lebensmittel kommen: nämlich nicht aus dem Supermarkt…