„Es ist eine schiere Katastrophe“

„Ich habe inzwischen mein 18. Treffen mit unserem Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck hinter mir. Und ich kann Ihnen sagen, es ist eine schiere Katastrophe.“ – „Wir sind ökonomisch gesehen auf dem Weg zum Entwicklungsland.“ – „Wir haben die Autoindustrie kaputt gemacht.“ So der Chef der Deutschen Börse.

picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski

Dass die Ampel-Regierung noch im Amt ist, verdankt sie der Tatsache, dass die Deutschen kaum ausländische Medien lesen, hören oder sehen, dass sie vollständig den überwiegend grünaffinen Medien ausgeliefert sind, die ihnen erstens ein Bild der Welt vorgaukeln, wie sie nicht ist, sondern nur, wie sie vor allem die Grünen sehen, und zweitens ihnen nicht erzählen, wie die Welt Deutschland inzwischen sieht, nämlich kopfschüttelnd, fassungslos. Ein grünes Hippieland. Selbst das Handelsblatt macht Werbung für Habecks Wahlkampf, indem es versucht, die Nord-Stream-2-Ente zum Fliegen zu bekommen.

Diese Aufgabe, die Sicht des Auslands auf Deutschland darzustellen und zusammenzufassen, übernahm nun Dr. Theodor Weimer am 17. April auf einer Veranstaltung des Wirtschaftsbeirats Bayern zum Thema „Deutschland verbrennt seine alten Industrien“.

Habecks lautloser Angriff:
Die Zerstörung der Sozialen Marktwirtschaft
Theodor Weimer ist der Chef der deutschen Börse, der Mr. Dax, also jemand, der sich auskennt, der mit den Vorständen der Dax-Firmen im Gespräch ist, aber auch mit ausländischen Investoren. In seinem Vortrag macht Weimer nichts anderes, als dass er die Sicht des Auslands auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung wiedergibt, häufig sagt er, dass er jetzt O-Ton spräche.

So schlecht wie jetzt war das Ansehen Deutschlands, resümiert Weimer, bei ausländischen Investoren noch nie. „Ich sage Ihnen das, was die guten Investoren mir sagen, die schütteln den Kopf: ‚Wo sind die deutschen Tugenden geblieben, wir wissen nicht mehr, wie wir Euch in Deutschland lesen sollen.‘“ Sie sind hochverunsichert. Niemand im Ausland versteht Habecks Wirtschaftspolitik. Theodor Weimer berichtet: „Ich hatte inzwischen mein 18. Treffen mit unserem Vizekanzler und Wirtschaftsminister Habeck hinter mir und ich kann Ihnen sagen, es ist eine schiere Katastrophe.“

Wenn es in Deutschland so weitergeht, werden die Investoren einen großen Bogen um Deutschland machen und Deutschland übrigens auch verlassen. In Deutschland wird nur noch „opportunistisch“ investiert, das heißt, weil noch viel Geld da ist, wird Geld zu Geld gepackt. Es ist, was auch von TE immer wieder kritisiert wird, eine Subventionswirtschaft im Entstehen. Investiert wird nur dort, wo es Subventionen gibt.

Investoren verlangen, so der Chef der Deutschen Börse, inzwischen eine Risikoprämie, wenn sie investieren, früher gab es dagegen einen Risikodiscount, weil Deutschland stabil in der Wirtschaftsleistung und im Rechtssystem war. Fazit des Börsenchefs: Deutschland ist, was die Aktivitäten ausländischer Investoren betrifft, zum Ramschladen geworden. Und er erklärt, dass der hohe Dax nicht Ergebnis der Wirtschaftsleistung sei, nicht von starken Fundamentaldaten getrieben werde, sondern es ist einfach noch genügend Geld da. In der EU führt Deutschland weder politisch noch wirtschaftlich. In den Ländern der EU macht das Wort vom German Vote die Runde, das heißt: Deutschland gestaltet nicht mehr, Deutschland verhindert nur noch. German Vote ist die Bezeichnung für Deutschland als den großen Verhinderer.

Wirtschaftlich saust Deutschland nach unten. Selbst in Asien, wo Gesichtswahrung angesagt ist, wird man ungewöhnlich deutlich, kommt die Sprache auf Deutschland. In Singapur werde er gefragt, „was habt ihr denn da als Regierung … ihr seid auf dem Weg, zu einer richtigen alten Ökonomie zu werden, ihr seid das Japan Europas, ihr glaubt ja selbst nicht mehr an das Wachstum.“ Man muss hinzufügen, dass es noch schlimmer ist, denn wirtschaftliches Wachstum ist hierzulande eigentlich gesellschaftlich verpönt.

Und dann sagt Theodor Weimer eindringliche, wichtige Sätze: „Man kann wachsen, aber wir sind in einer neuen Welt angekommen.“ In den letzten 30 Jahren generierte der Welthandel, die Globalisierung das Wachstum, doch das habe sich geändert, denn in den nächsten 20 Jahren würde das Wachstum durch die Technologie getrieben. Diese Entwicklung hätten wir vollkommen verschlafen. Die Autoindustrie wird politisch zerstört, dabei sei sie das wirtschaftliche Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

TE-Gespräch
Das E-Auto stürzt ab – Interview mit Fritz Indra
Wie auch TE immer wieder klargestellt hat, ist die verordnete E-Mobilität ein Irrweg, der Weg in die Zerstörung des Wirtschaftsstandorts. Fundamental wichtig, essentiell wichtig, ist das Aus für das Verbrenner-Aus, also das, was verschämt Technologieoffenheit heißt. Die Autoindustrie würde durch die hohen Energiepreise zerstört, durch die hohen Energiepreise wurden „die Autopisten“ „in die falsche Ecke, aus der sie nicht mehr herauskommen“ gezwungen.

Richtig ist es auch, wenn Theodor Weimer die verfehlte Migrationspolitik kritisiert: „Du holst dir, wenn du Facharbeitermangel hast, Leute rein, die deine Sprache sprechen und die Sozialprodukt generieren – aber nicht die, die zu 50 Prozent das Bürgergeld abkassieren und das irgendwo hinschicken.“

Dass deutsche Firmen immer weniger in Deutschland produzieren, sei nicht das große Problem, das Problem bestünde darin, dass deutsche Firmen immer weniger Gewinn in Deutschland machten.

Für Deutschland, will es nicht weiter absteigen und will es wieder vorn mitspielen, ist eines unerlässlich, man muss den Weg der „public Economy“, also der Staatswirtschaft verlassen, und eine „private Economy“, also eine freie Marktwirtschaft werden.

Und dann richtet Theodor Weimer einen bewegenden Appell an die Unternehmer: „Wir müssen eine private Economy werden, wo die Unternehmer wieder sagen, wir machen nicht mehr mit. Der Staat wird es nicht richten, ausländische Investoren ziehen sich zurück.“ Die deutschen Unternehmer sollten nicht länger wie das Kaninchen auf die Schlange nach Berlin starren, bis es gefressen wird, sondern die deutschen Unternehmer sollten wieder selbständig und unbeeindruckt von der Regierung entscheiden. Weimer forderte auch, dass wieder ordoliberale Maßstäbe, ein klarer Ordnungsrahmen gelten muss.

Und er führte als Beispiel insofern die USA an, wo ihm die Unternehmer sagen, dass es ihnen egal sei, welcher alte Mann Präsident sei, denn „wir als Unternehmer führen das Land“. Er forderte eigentlich nichts Geringeres, als dass die deutschen Unternehmer und Manager ihrer Verantwortung für das Land und langfristig für ihre Unternehmen gerecht werden.

Allerdings: Viel Hoffnung besteht nicht, dass sich die deutschen Unternehmer und Manager dazu verstehen könnten und sich von Habecks dirigistischer Wirtschaftspolitik, von Habecks public Economy emanzipierten – doch es ist der einzige Weg zu Wachstum und Wohlstand. Die Regierung ist auf dem falschen Weg, auf dem Weg nach unten.

Anzeige

Hinweis der Redaktion: Liebe Leser, leider haben wir momentan technische Probleme bei den Kommentaren. Unser Team arbeitet daran, dass Sie bald wieder wie gewohnt Kommentare schreiben können. 

Unterstützung
oder

Kommentare ( 72 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

72 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
fatherted
7 Tage her

Der Herr Börsen-Chef geht bald in den Ruhestand. Jetzt traut er sich mal den Mund aufzumachen….sowas kann ich nur als lächerlich bezeichnen. Solche Leute, die nun mit Gratis-Mut die Regierungs-Politik kritisieren….aber ihre Pfründe gesichert haben.

Unglaeubiger
7 Tage her

Zum großen Teil ist die Industrie schon selber schuld. So lange sie Subventionen in den Allerwertesten geblasen bekommen hat, hielt sie still, griff das Geld ab und hoffte, worauf? Genau so dumpfbräsig wie die Menschlein in diesem Land, mit ein paar hingeschmissenen Brösel gab man sich zufrieden, hielten still und hofften, worauf? Nun, da die Brösel immer weniger werden, verläßt die Industrie halt die gemolkene Kuh. Ein rechtzeitiges Nein, Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel Steuern zurückhalten,ein Kampf um den Standort war wohl unter ihrer Würde.Idiotie mit Ideologie Hand in Hand gehend ergibt – Verheerung. Aber, solange die Kohle stimmte, juckte Keinen… Mehr

Kuno.2
8 Tage her

Den weltbörsen geht es aktuell nur deshalb noch so gut, weil der Krieg in der Ukraine noch nicht eingepreist wurde. Die Leute können sich eine Eskalation mit Schlägen auf französisches, polnisches oder deutsches Territorium noch nicht vorstellen.

Raul Gutmann
8 Tage her

Die Bundesregierung mag großen Anteil an der beschriebenen Missere haben, doch sie kann sich auf viele gesellschaftliche Gruppen mehrheitlich verlassen: Die Alten/Rentner haben vor dem Jugendwahn kapituliert und zucken apathisch die Schultern im Sinne von „für mich wird’s noch reichen“. Die Sozialhilfeempfänger haben sich zwischen großzügiger Alimentierung und Ausschluß vom ersten Arbeitsmarkt bequem eingerichtet. Eine große Wählermehrheit glaubt, Strom komme aus der Steckdose, der Staat habe stets Geld, industrielle Produktion sei des Teufels und die Hauptgefahr stehe Rechts und bedrohe friedliebende LGBTQ-Menschen. Und zur Ablenkung des „Souveräns“ heißt es ubiquitär, in erster Linie verhinderten vor allem Putin, Orbán und Erdoğan… Mehr

R.Baehr
8 Tage her

Man kann als Normalbürger nur noch fassungslos sein: 18 !!!!!! Treffen hat dieser feine Herr benötigt um zu erkennen was für ein Totalversager und Ahnungsloser dieser Hr. Habeck ist. Mir reichte schon der 1. Auftritt von dem im ÖRR um zu sehen was für ein Blender und Klimademagoge der ist. Und so ein Hochkaräter ist Chef der Deutschen Börse, was für Gestalten sind da nur in Führungspositionen gekommen und noch schlimmer, wer hat das erst alles ermöglicht? Die Jungen hier im Land werden sich noch anschauen, was ihre Altvorderen alles ermöglicht haben um diese freiheitliche Gesellschaft in eine Gesinnungsdikatur zu… Mehr

Last edited 8 Tage her by R.Baehr
AlexR
8 Tage her

Wer, verdammt nochmal, ist WIR? An dieser ganzen Misère seit Merkel waren WIR aber gar nicht beteiligt, das waren die Politiker ganz alleine. Leider haben WIR das alles hingenommen und diese Megäre aus der Uckermark nicht aus dem Amt gejagt. Was auch mit der Hampel schon lange erfolgen sollte.

Astrid
7 Tage her
Antworten an  AlexR

Bitte die Medien nicht vergessen, ohne die wäre all das mit Merkel, Corona und Ukraine nicht möglich gewesen. Die Bevölkerung ist leider in vielerlei Hinsicht zu dumm, um das Spiel zu durchschauen und noch viel zu satt. Die Menschen müssen erst am Abgrund stehen sonst glauben sie es nicht und erst dann sind sie bereit für eine Veränderung, gell!

Sozia
8 Tage her

Schlimm ist nicht nur die Zerstörung ansässiger Unternehmen, sondern auch, dass keinerlei Aussicht besteht, dass ähnliche Strukturen wieder neu geschaffen werden. Ein großer Teil heutiger „Startups“ ist kaum gerüstet, die ersten Jahre zu überleben, dafür braucht man ein tatsächlich gutes Produkt und die Möglichkeit, auch Durststrecken wirtschaftlich zu überleben und viele setzen auf „irgendwas mit Umwelt“ und auf verschwenderische Werbung und überleben nicht lange. Wie sollen solche Luftunternehmen, die vielleicht noch auf Staatsförderung setzen, jahrzehntelange Traditionsunternehmen mit großem Umsatz ersetzen? Es geht nicht, es sind einfach nur Luftschlösser, tatsächlich steht am Ende das große Nichts. Und ich verstehe nicht, ich… Mehr

BoomSlang
9 Tage her

Was hat der Herr Weimer das letzte Jahrzehnt gewählt und unterstützt und was gedenkt er künftig zu wählen und zu unterstützen? Genau, die immer gleichen Verantwortlichen aus den Reihen der CDU und Ampelparteien!

Diese Leute brauchen rein gar nichts zu erzählen, sie sind Teil des Problems!

JM
9 Tage her

Die Lage muss wirklich katastrophal sein, wenn selbst der Deutsche Börse-Chef sowas öffentlich zum Besten gibt.

Die einzige Politik die mich in diesem Land noch interessiert sind Steuersenkungen. Je weniger Staatsknete die Habecks hier zum Spielen kriegen, desto weniger Unsinn können sie damit anstellen.

hkiom
9 Tage her

Der Mann delegitimiert mit seinen Aussagen den Staat, ich hoffe, er bekommt eine Gefaehrderansprache und wird umgehend vom Verfassungsschutz beobachtet.