Blackout-Risiko – Schweizer Regierung will Fahrverbote für E-Autos ermöglichen

Die Schweizer Regierung will angesichts des Risikos großer Stromausfälle drastische Spar-Maßnahmen möglich machen. Dazu zählen auch Fahrverbote für Elektroautos.

IMAGO / Geisser
Ladestation für E-Fahrzeuge in der Schweiz
Das Verbot der Nutzung elektrischer Laubbläser dürfte wohl noch am ehesten von den meisten Schweizern als hinnehmbar betrachtet werden, vielleicht auch noch die Abschaltung von „Warmwasser in öffentlichen Toilettenanlagen“. Doch der Verzicht aufs eigene Auto vielleicht schon weniger.

Es ist bislang nur ein Entwurf einer Verordnung des Schweizer Bundesrates (also der nationalen Regierung). Aber viele der möglichen Verbote in dieser „Verordnung über Beschränkungen und Verbote der Verwendung elektrischer Energie“ für den Fall, dass der Strom in der Schweiz knapp wird, haben es in sich. Und sie machen deutlich, wie sehr elektrizitätsabhängig der gesamte Alltag ist. Im Rahmen von vier „Eskalationsschritten“ soll beispielsweise die Betriebstemperatur von Waschmaschinen oder Kühlschränken schon im ersten Schritt begrenzt und der Betrieb von Saunen und Dampfbädern im privaten Bereich ganz untersagt werden.

Stark eingeschränkt kann nach den Plänen der Regierung in Bern aber auch der Autoverkehr werden. Das Tempolimit von 120 km/h auf Schweizer Autobahnen soll auf 100 km/h herabgesetzt werden können. Vor allem aber: Für E-Autos soll bei Strommangellage ein eingeschränktes Fahrverbot gelten: „Die private Nutzung von Elektroautos ist nur für zwingend notwendige Fahrten gestattet (z.B. Berufsausübung, Einkäufe, Arztbesuche, Besuch von religiösen Veranstaltungen, Wahrnehmung von Gerichtsterminen)“, heißt es in dem Entwurf. Ein solches Fahrverbot soll erst ab dem dritten von vier Eskalationsschritten gelten.

In der Schweiz wird wie in Deutschland der Verkauf von E-Autos politisch forciert. Medienberichten zufolge gibt es in der Schweiz rund 110.000 Fahrer von E-Autos. Dementsprechend heikel könnte die Signalwirkung der Verordnung sein: Zusätzlich zur Sorge um die geringere Reichweite käme für potenzielle E-Auto-Käufer nun also noch die Sorge hinzu, den Wagen im Winter womöglich gar nicht nutzen zu dürfen.

Dass die Importeursvereinigung „Auto Schweiz“ ihren Widerstand angekündigt hat, überrascht nicht. Der Strombedarf der E-Autos in der Schweiz habe 2021 nur 0,4 Prozent am Gesamtbedarf betragen, behauptet der Geschäftsführer Andreas Burgener gegenüber der Boulevardzeitung „Blick“. Die Verordnung ist noch nicht beschlossen, durchläuft im Dezember das Abstimmungsverfahren.

Eine Anfrage von Focus-Online bei den deutschen Ministerien für Wirtschaft (Robert Habeck) und Verkehr (Volker Wissing), ob ähnliche Fahrverbote auch in Deutschland möglich wären, wurde von diesen bislang laut Focus-Online nicht beantwortet.

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Kommentare ( 47 )

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Or
2 Monate her

Ja wie vernünftig ist es, daß unsere weiseste Bundesregierung aller Zeiten, auch noch Wärmepumpen forciert, auf dass im Winter, wenn Strom knapp ist, auch noch Millionen Großverbraucher ans Netz gehen.

Robert Tiel
2 Monate her

Das e.Auto ist der Einstieg in die Kontrolle der Bevölkerung durch Einschränkung der individuellen Mobilität.
(Für all die, die schon eines haben oder noch wollen.)

wat nu
2 Monate her

„zwingend notwendige Fahrten gestattet (z.B. Berufsausübung, Einkäufe, Arztbesuche, Besuch von religiösen Veranstaltungen, Wahrnehmung von Gerichtsterminen)“,
Mal die Frage in die Runde: wozu benutzen Sie denn Ihr Auto als genau für diese als notwendig beschriebenen Fahrten?
Um im Kreis zu fahren oder wozu?
Also verpufft das Verbot schon darum, weil sich ja jeder sicher ist, es sei seine Fahrt eben notwendig.

Rainer Schweitzer
2 Monate her

Was die Schweiz bei Strommangel mit den E-Autos tun will, ist doch eigentlich nahelieged und vernünftig.
Angesichts des deutschen Strommangels, der sich auf absehbare Zeit nicht ändern kann, finde ich die staatliche Förderung von E-Autos schlicht absurd und verantwortungslos. Ihre Nutzung birgt das Potential, die Gemeinschaft zu schädigen.

Last edited 2 Monate her by Rainer Schweitzer
egal1966
1 Monat her
Antworten an  Rainer Schweitzer

Nun, wäre es denn nicht sinnvoller, wenn man etwas gegen das eigentliche Problem, nämlich den Strommangel, macht, anstatt nun die Auswirkungen dieser auch in der Schweiz verfehlten Energiepolitik durch „Einschränkungen“ und „Verbote“ zu begegnen?
Es ist immer wieder das gleiche….

89-erlebt
2 Monate her

Endlich unternimmt ein Land etwas gegen die Blut-Rohstoff Karren. Kinderarbeit im Kongo, Chinesische Sklaven für Seltene Erden, Wasser Raub in Südamerika und Urwald Rodung für Kupfer in Brasilien. Elektro hier ist Tod und Elend da. Die heuchlerischen Kliiima Moralisten sollten den Dreck ihrer Ideologie vor die eigene Türe gekippt bekommen. Danke 🇨🇭

P.Schoeffel
2 Monate her

Die Eidgenossen schließen sich also der Politik der Bananen Republik Deutschland an und verordnen Verbrauchseinschränkungen. Noch dazu mit jeder Menge Symbolismus statt Wirkung: Reduktion der Video-Auflösung beim Streamen (riesiger Effekt!), Begrenzug der Temperatur beim Wäschewaschen (wie wollen die denn das Überwachen?). Das ist ungefähr so dämlich wie die entsprechenden Ideen bei uns (Reklamebeleuchtung nachts abschalten..).
Rechnen können die alle nicht.
Warum nur kommen auch die Schweizer nicht auf die Idee, das Problem zu lösen: Durch mehr Kraftwerksleistung etwa?

Phil
2 Monate her

Keine Energiewende ohne Speicher, da ist es Väterchen Staat auch völlig Wurst, ob die fahrende Batterie jemandem gehört, oder ob er diese benötigen würde. Mit dem Zugriff auf das Eigentum der Bürger im Zeichen von Energiewende und Klimaschutz, erlebt die Planwirtschaft soeben ihre Renaissance in einem selbst nach westlichen Massstäben, urliberalen Land wie der Schweiz. Welches Grauen sich in anderen Ländern im Zuge der vermeintlichen „Energiewende“ noch Bahn brechen wird, wag ich mir kaum auszumalen. Die meisten Menschen haben keine Ahnung von Watt, Ampere, Volt und wie man was rechnet, oder was es bedeutet. Sie kennen auch nicht den Unterschied… Mehr

h.milde
2 Monate her

Die Eidgenossen machen es nmM. völlig richtig. Demnächst werden wohl nicht nur die bestehenden KKW weiterlaufen dürfen/müssen, sondern wohl auch noch ein paar dazukommen, vllt. auch schon Dual-Fluid-Reaktoren oa., um sich nicht mehr abhängig machen zu lassen vom volatiblen Stromnetz des verGRÜNTEN Großen Kanton & €U. Und während es dann in D€uchtand „still & dunkel“ wird, aber bestimmt nicht friedlich, genießen die Eidgenossen nach nach einem schönen Ski-Tag, und anschließendem Saunagang, ihr Raclette & Fendant.

Alfonso
2 Monate her

Die Schweiz hat einen 4-Stufenplan für die Abschaltung bestimmter Stromverbraucher bei einem Blackout.

Interessant ist, dass erst im letzten vierten Schritt zum Beispiel Skilifte und Schneekanonen abgestellt werden.

Die Lobby der Winterurlaubsindustrie hat offensichtlich eine gute Verbindung zu den politischen Entscheidern, die diesen Stufenplan aufgestellt haben. Vielleicht überschneiden sich hier auch geschäftliche Interessen?
The winter tourism business must go on.

Die Verwendung von e-Autos wird bereits schon in der Stufe 3 eingeschränkt.

Last edited 2 Monate her by Alfonso
Gerner
2 Monate her

Ich stelle mir gerade vor, was Antifa-Truppen bei uns machen, wenn ihre „Auftraggeber“ also die Grünen und Sozis, feststellen das die „reichen E-Autobesitzer“ der Gründ für den einen oder anderen „kleinen Blackout“ (also Abschaltungen) sind… Kurz Lithium und Graphit brennen lange und sehr heiß.

Im Schutze eines „Black-Outs“ dürfte einem so manches „Licht“ in Form brenneder Autos aufgehen und so mancher E-Autobesitzer wäre gut beraten in den Großstädten sein Auto in „Sicherheit“ zu bringen (und zu Fuß zurück zu gehen… ein paar 10 Km Fußmarsch sollen ja gesund sein).