Ohne die Unterstützung aus dem Länderfinanzausgleich wäre die Hauptstadt längst pleite. Doch Berlin denkt gar nicht daran, das zu ändern. Im Gegenteil: Unsere Großmaul-Metropole wirft das Geld anderer Leute zum Fenster raus.
Credit IMAGO / Frank Sorge
Die Kernschmelze eines Reaktors beginnt, wie der Name schon sagt, im Kern. Analog dazu beginnt die Kernschmelze unseres Landes in der Hauptstadt. Wir werden gleich erleben, wie das aussieht.
Im vergangenen Jahr hat Berlin aus dem sogenannten Länderfinanzausgleich etwa 4,2 Milliarden Euro abgesaugt. Das sind pro Kopf 1.075 Euro. Beide Werte liegen im Vergleich aller Bundesländer unangefochten an der Spitze.
Bei einem Gesamtvolumen des Landeshaushalts in Höhe von etwa 40 Milliarden Euro pro Jahr machen die Zahlungen aus dem Finanzausgleich also mehr als zehn Prozent aus. Oder anders:
Jeder zehnte Euro, den Berlin ausgibt, kommt gar nicht aus Berlin.
Das führt im Stadtstaat allerdings nicht dazu, dass man sich etwa bemühen würde, künftig selbstständig und unabhängig von der Alimentierung durch Steuerzahler in Bayern und Hessen durchs Leben zu gehen. Tatsächlich sieht es eher danach aus, als wolle man an der Spree den Zustand, vom Geld anderer Leute zu leben, gerne möglichst maximal verlängern.
Kröten statt Arbeitsplätze
In Lichtenfels sind sie ganz aus dem Häuschen vor Freude. Denn im Nordosten von Bayern – genauer: in Oberfranken – wird jetzt die erste Fabrik für Natrium-Batterien in ganz Europa gebaut.
Die sollte eigentlich im Berliner Stadtbezirk Marzahn entstehen. Projektentwickler Peter Urban hatte sogar schon einen fertigen Förderbescheid. Doch dann hat irgendwer auf dem Gelände eine Kröte entdeckt. Eine Erdkröte. Die ist streng geschützt.
Deshalb ließ das Bezirksamt Marzahn den Bau anhalten. Eine Investition im Volumen von rund 50 Millionen Euro und 380 Jobs hingen in der Luft – wegen einer Kröte, von der niemand weiß, wie viele Exemplare es auf dem Baugrund überhaupt und tatsächlich gibt.
Als die Sache vor Gericht hin- und herging, gab Urban seinen Förderbescheid kurzerhand zurück – und zog mit seinem gesamten Projekt nach Lichtenfels. Nun bekommt eben Bayern die Batteriefabrik, die eigentlich für Berlin gedacht war.
Die Arbeitslosenquote in Berlin liegt bei 10,3 Prozent. Es ist – nach Bremen – die zweithöchste aller Bundesländer.
Den Wald vor lauter Bäumen…
Statt Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft, also in der Wertschöpfung, schafft die Hauptstadt lieber Planstellen in der ohnehin schon rekordverdächtig aufgeblähten Verwaltung.
Das bringt zwar unterm Strich kein Steuergeld, sondern kostet nur welches – aber hey, was soll’s?
Anfang November beschloss das Abgeordnetenhaus – so heißt das Berliner Landesparlament – ein sogenanntes „Klimaanpassungsgesetz“. Es besagt, dass in der Stadt Hunderttausende neue Bäume gepflanzt werden.
Die Kosten dafür werden auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt und sollen aus dem Berliner Anteil am „Sondervermögen“ des Bundes finanziert werden. Zur Erinnerung: Das war für Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur gedacht.
Berlin, schon jetzt die europäische Großstadt mit dem höchsten Anteil an Wald- und Grünflächen, will damit lieber noch mehr Bäume pflanzen. Und dafür braucht man neue Beamte.
Viele neue Beamte.
Allein die Straßen- und Grünflächenämter der Stadtbezirke haben einen zusätzlichen Personalbedarf von insgesamt 480 Mitarbeitern angemeldet. Keineswegs sollen die neuen Fachkräfte nur Bäume pflanzen und gießen: Jeder Bezirk will auch gleich noch eine zusätzliche Stelle für Öffentlichkeitsarbeit schaffen.
Noch weiter geht der Staatssekretär in der Senatsumweltverwaltung, Andreas Kraus von der CSU (kein Schreibfehler). Der gebürtige Bayer träumt sogar von einem neuen „Landesamt für Klimaanpassung“.
Bezahlen müssten das, über den Finanzausgleich, vor allem die Menschen in Bayern und Hessen.
Verrechnet
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lassen kaum einen Fettnapf aus.
Im Winter fallen Busse und U-Bahnen aus, weil es zu kalt ist. Im Sommer fallen dieselben Gefährte aus, weil es zu heiß ist. Und zu keiner Jahreszeit fährt irgendetwas pünktlich.
Jetzt blamiert man sich wieder bis auf die Knochen.
Zwei Tage vor der ersten Fahrt der neuen Straßenbahn vom Typ „Urbanliner“ wurde die Premiere abgesagt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner von der CDU und zwei Senatoren mussten hochnotpeinlich wieder ausgeladen werden. Das war Mitte Februar, damals waren die Gründe unklar.
Jetzt weiß man mehr: Die Fachleute der BVG hatten sich bei ihren Kalkulationen für einen U-Bahntunnel unter dem Alexanderplatz, über den die neuen Bahnen rollen müssen, schlicht verrechnet.
Die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) merkte das sofort, als die BVG dort ihre Unterlagen vorlegte. Das war am 13. Februar 2026. Am 14. Februar sagte die BVG die Jungfernfahrt des „Urbanliner“ schmachvoll ab. Wann man die Gewichtsprobleme in den Griff bekommt, ist völlig offen.
Die BVG ist ein landeseigener Betrieb. Was machen die da eigentlich so beruflich?
Terror-Taube
Immerhin hat die Hauptstadt genug Geld für das Projekt „WildtierNah Berlin“, eine zentrale Anlaufstelle für Beratung über Wildtiere.
Unter den 600 Anfragen, die dort seit Projektstart im vergangenen November eingingen, sticht eine besonders hervor: Eine verängstigte Anruferin bat um Rat wegen einer „knallharten Taube“, die im Treppenhaus eines Wohngebäudes offenbar überaus aggressiv ihr Nest verteidigte.
Das bestand laut Anruferin aus Kabelbindern, Drähten und Schrott. Dazu bemerkte die Lokalzeitung „Tagesspiegel“ ausnahmsweise einmal zutreffend:
„Besser kann man sein Kind wohl kaum auf das Leben in Berlin vorbereiten.“

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