Umweltaktivisten bekämpfen Flüchtlingsheim: In Berlin Pankow sollte ein Flüchtlingsheim für 400 Menschen in zwei grünen Innenhöfen entstehen. Doch plötzlich sind Bäume, Artenschutz und Rechtsweg heilig. Bewohner linksgrüner Wohlfühlgegenden entdecken den Naturschutz genau dann, wenn es vor der eigenen Tür ernst wird.
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In Pankow wird seit Jahren um eine Flüchtlingsunterkunft gestritten, Ecke Ossietzkystraße und Am Schlosspark. Es geht offiziell um Bäume, Innenhöfe, Grünflächen, Spielflächen. Vordergründung. Es geht aber tatsächlich darum, dass ein Projekt, das man politisch gern überall fordert, im eigenen Kiez plötzlich als Zumutung gilt.
Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gesobau hat nun vor Gericht die nächste Niederlage kassiert. Das Verwaltungsgericht Berlin wies ihren Eilantrag gegen eine Untersagungsverfügung des Bezirksamts Pankow zurück. Die Gesobau wollte Baumfällungen freibekommen, um bauen zu können. Der Druck ist hoch, denn laut BUND endet die Fäll Saison in wenigen Wochen. Vor Beginn der Vegetationsperiode, heißt es, seien Fällungen ausgeschlossen.
Der BUND Berlin feiert das Urteil mit einer Wortwahl, die man sonst eher bei Straßenblockaden hört. Gesobau versuche seit Jahren, mit „rechtlich nicht tragfähiger Rambo Mentalität“ lauter „überdimensionierte Baupläne“ in den grünen Innenhöfen durchzuziehen, sagte Geschäftsführerin Gabi Jung. Das klingt nach David gegen Goliath. Es klingt auch nach dem vertrauten Berliner Muster: Staatsunternehmen und Senat wollen, Bezirk und Verbände bremsen, am Ende frisst die Stadt sich selbst auf.
Solidarität endet am Sandkasten
Konkret geht es um ein Heim für 400 Geflüchtete, geplant in zwei begrünten Innenhöfen. Anwohner fürchten den Verlust von Grün und Spielflächen. Genau dort liegt der Kern: Wer in Berlin in einem grünen Innenhof lebt, verteidigt ihn wie Eigentum, auch wenn die Miete über ein landeseigenes Unternehmen läuft. Solidarität endet gern am Sandkasten.
Besonders pikant ist der Weg, über den die Gesobau den Bau durchsetzen will. Nachdem frühere Pläne für regulären Wohnungsbau gescheitert waren, beruft man sich nun auf das Sonderbaurecht für Flüchtlingsunterkünfte. Das wirkt wie eine juristische Abkürzung: Was als Wohnung nicht geht, soll als Heim durchgehen. Der politische Zweck soll das Planungsrecht ersetzen. Sonderrechte für Flüchtlinge kann man also auch für Bauvorhaben gebrauchen.
Einen Kompromiss gab es offenbar sogar. Ein von Anwohnern und Lokalpolitik erarbeiteter Vorschlag sah den Bau von rund 70 Wohnungen vor. Senat und Gesobau lehnten ihn ab. Damit war die Botschaft klar: Nicht die Lösung zählt, sondern das Projekt. Und wer den Kiez befrieden will, stört nur.
Anwohnerinitiativen und Naturschutzverbände werfen der Gesobau vor, Alternativen bewusst zu ignorieren und Artenschutzauflagen zu umgehen. Das Bezirksamt unterstützte das Vorhaben zunächst widerwillig, stellt sich inzwischen offen auf die Seite der Bewohner. Berlin, die Stadt der großen moralischen Sätze, endet wieder beim kleinsten gemeinsamen Nenner: bloß keine neuen Konflikte im eigenen Bezirk.
Dazu kommt der Ärger über das Drumherum, das seit Jahren steht, ohne dass gebaut wird: Sperrzäune, Videoüberwachung, hohe Kosten. Das ist Berliner Gegenwart in Reinform. Der Staat baut nicht, aber er sichert ab. Er verwaltet den Stillstand mit Kamera und Zaun.
Die Bürgerinitiative Grüner Kiez Pankow lässt am Ton keinen Zweifel. „Das Maß ist voll“, sagt Britta Krehl. Senat und Gesobau wollten „auf Kosten und mit dem Geld der Mieterinnen und Mieter“ ihre Politik durchdrücken. Statt Druck auf Ämter und Geldverschwendung brauche es tragfähige Lösungen. Der Satz ist bemerkenswert, weil er ausgerechnet dort fällt, wo Berlin sonst besonders gern erklärt, was „muss“.
Zuletzt untersagte das Bezirksamt die Beseitigung von Sträuchern und Bäumen ohne artenschutzrechtliche Ausnahme. BUND Berlin, BLN und NaturFreunde Berlin forderten vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen. Diese seien nicht vollständig erbracht worden. Das Verfahren wird so zur Kette aus Auflagen, Gegenauflagen, Fristen, Ausnahmen. Am Ende gewinnt meist nicht die Vernunft, sondern der Stillstand. Sonst plädieren diese Verbände immer für noch mehr Migration., Aber eben nur woanders.
Bund und Naturfreunde gegen Flüchtlinge
Und über allem steht die doppelte Berliner Wahrheit: Flüchtlingsunterkünfte sind politisch immer dringend, nur bitte nicht dort, wo die grüne Idylle, der Innenhof und die eigene Komfortzone beginnen. Wenn es eng wird, entdeckt der linke Kiez immer wieder schnell die Grenzen der Aufnahmeforderung, die sowieso lieber immer ganz weit weg in andere Stadtteilen anderen Menschen, die man eh verachtet, aufs Auge drücken will. Dann heißt es nicht mehr Welcome.
„Wir haben Platz“ sieht immer dann ganz schnell anders aus, wenn diese Forderer feststellen, dass sie vor der eigenen Haustüre doch keinen Platz haben. In Wiesbaden reichte schon die Aussicht auf eine Unterkunft in einer wohlhabenderen Gegend, und der Widerstand war da: Bürger kämpfen gegen die Pläne, im ehemaligen Didier-Gebäude in der Lessingstraße Geflüchtete unterzubringen, bis hin zum Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht. Das tägliche „Miteinander“ soll dann plötzlich „woanders stattfinden“.
Das Muster wiederholt sich in Serie, sobald es die „besseren“ Lagen trifft. In Hamburg heißen die Schauplätze Harvestehude, Blankenese, Flottbek. Wenn Unterkünfte geplant werden, formiert sich „schnell und zuverlässig“ Widerstand, inklusive Klagedrohungen, Blockaden und Naturschutzargumenten. Bäume sind dann auf einmal unantastbar, selbstverständlich nur aus Liebe zur Natur.
Und während Kommunen Überforderung melden und zu horrenden Summen Unterkünfte anmieten, Hotels belegen oder Schulgelände nutzen, liefert die Wohlfühlzone ihre Ausnahmen gleich mit. In Blankenese stand eine komplette Unterkunft samt Ausstattung und Platz für 192 Personen plötzlich zum Verkauf, obwohl die Stadt angeblich kaum noch weiß, wohin. Juristisches Tauziehen, Einigungen, Abbaufristen: Am Ende klappt es eben nicht in Blankenese, sondern irgendwo anders.
Selbst die Ausreden klingen austauschbar. In Flottbek heißt es, es gebe keinen Discounter, keine Spiel und Begegnungsflächen, also sei der Standort „nicht optimal“. Man sei ja hilfsbereit, aber bitte „optimal“ und bitte nicht dort, wo es weh tut. Refugees welcome, aber eben nicht bei uns. Und natürlich ist man voller Mitgefühl, aber nur mit Supermarkt, bitteschön.
Und wer meint, das sei nur ein Hamburger oder Wiesbadener Reflex, bekommt München als Beispiel. In Solln gab es massiven Widerstand gegen eine geplante Unterkunft auf einem Naherholungsgebiet. In Bogenhausen wird offen über „gleichmäßige Verteilung“ gesprochen, sprich: der Osten sei zu voll, anderswo sehe man „gar nichts“. „Wir haben Platz“ bleibt ein Slogan, bis jemand den Platz konkret verorten will.


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Mir ist ein ähnlich gelagerter Fall bekannt, bei dem auf einem unbebauten Feld getrennt durch eine Straße von Häusern solventer Mitbürger, viele mit Tagesfreizeit, eine entsprechende Unterkunft errichtet werden sollte.
Worauf viele der besagten Mitbürger ihr Herz für den Naturschutz entdeckt haben; noch mehr als selbstverständlich schon vorher; und zu engagierten Fürsprechern einer Feldhamsterpopulation geworden sind, die auf dem genannten Feld zu Hause ist.
So langsam merken die: Man muss die Natur schützen – vor zu vielen Menschen.
Das mit dem fehlendem Discounter habe ich auch erlebt. Als in einem „besseren“ Neubaugebiet auch eine Migrantenunterkunft gebaut werden sollte, wurde damit argumentiert, dass der Weg zum nächsten Supermarkt von hier aus zu weit sei. Zuvor wurde dem EInwand, die jungen Männer würden sich hier unter den überwiegend jungen Familien nicht wohlfühlen damit begegnet, dass nur Familien überwiegend ausaus Syrien einzeihen würden . Per Fahrrad einkaufen (die Dinger stehen immer massenweise vor den Unterkünften) geht natürlich auch nicht. Letzten Endes hat der Besitzer einer abgehalfterten Pension in der Ortsmitte den Reibach gemacht, die wurde auf Steuerkosten renoviert und für Jahre… Mehr
So ist es doch immer! Es macht ja auch viel mehr Spaß, zum Teil „schwierige“ Individuen aus aller Herren Länder, ohne sein Einverständnis zum entfernten Nachbarn zwei Stadtteile weiter einzuladen, der ohnehin schon unter prekären Verhältnissen lebt.
Und sich in Ruhe am gestiegenen Wert der eigenen Immobilie zu erfreuen, und mit seinesgleichen auf dem Gartenfest, die moralische Rendite der eigenen Menschenfreundlichkeit einzufahren, und gemeinsam die Nase zu rümpfen über die „Ausländerfeinde“.
Ich bin sicher, man findet die Lösung. So wie bei Kernspaltung – man hat die AKWs gesprengt und fragt jetzt nach den Nuklearwaffen. Der meiste Gutmensch sieht dabei keinen Widerspruch – Verblödung oder Verblendung? Beides vlt?
Man könnte für die innerstädtischen Grünflächen eine Migrantenunterkunft entwickeln, die die Form eines Windrades hat. Es muß ja kein Strom rauskommen. Es muß nur eine monatliche Windstrom-Einspeisevergütung an das Bauwerk fließen, dann gilt es rechtlich als Windrad.
Und den Migranten könnte man erzählen, die drei Dinger da oben an dem Turm wären ein Mercedesstern.
„Berlin Pankow … Bewohner linksgrüner Wohlfühlgegenden …“
Dort wohnen eher nicht die Woken wie in Mitte oder Kreuzberg, sondern überwiegend ganz normale Mieter, vielfach schon seit Ostzeiten.
„Bund Berlin, BLN und NaturFreunde Berlin forderten vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen …“ „Sonst plädieren diese Verbände immer für noch mehr Migration.“
Genau diese Verbände dürften es nicht gewesen sein.
Kaviar für die einen, Kartoffeln für die anderen.
So sind die Linken und so waren sie schon immer!
Meine lieben grünen Schwachmaten in Pankow. Ihr wolltet die ganzen Bereicherer. Ihr wollt Euch damit Euren Heiligenschein verdienen, der euch doch so wichtig ist. Ihr seit zum großen Teil unqualifiziert, arrogant, selbstverliebt und mit einer widerliche Doppelmoral gesegnet. Eine Sekte eben. Natürlich sollen die Migranten direkt bei Euch vor der Tür leben. Lernen durch Schmerzen nennt man das. Vielleicht macht dann eine der drei Gehirnzellen in Euren Köpfen doch noch mal „Klick“ und ihr überdenkt das noch mal. Passt auf Eure Familien auf. Insbesondere auf die weiblichen Angehörigen und Kinder. Man hat mir mal gesagt, dass die „Neubürger“ eine etwas… Mehr
Das warme Gefühl Morgens um 9:30 in Pankow beim ersten Prosecco auf der richtigen Seite zu stehen, zu den Guten zu gehören und vom ÖR gelobt zu werden kommt in der Realität mit einer Last!
Die niemand bereit ist zu tragen.
Normale Menschen wissen, daß eine Migrantenunterkunft (die Begriffe Flüchtling und Heim sind gelogen) wirklich nicht in eine Stadt in die Grünflächen und die Nähe von Spielplätzen gehört.
Daß die Schon-länger-dort-Lebenden ihren Abwehrkampf mit dem Argument Tier- und Pflanzenschutz führen, ist verständlich. Denn der Menschenschutz ist in der BRD bereits abgeräumt.
Das Leben wird täglich neu ausgehandelt. Und im nun offensichtlichen Verteilungskampf werden alle noch verbliebenen Werkzeuge (Waffen darf man nicht schreiben) ausprobiert. Die Kreativität, die Deutsche früher sinnstiftend und friedlich an ihrem Arbeitsplatz einsetzten, müssen sie nun robust für Schutz und Grundversorgung von Haus und Familie einsetzen.
Ich halte es für befremdlich, in der Wahlkabine Parteien der offenen Grenzen zu wählen, im eigenen Hinterhof aber für Pflanzenschutz zu sein.
Jeder sollte diese Situation für sich maximal ausnutzen.
Verkaufen Sie Solarpanels, aber auch Pfefferspray, und besorgen Sie sich eine Teilzeitstelle in der Anti-Abschiebe-Rechtsberatung!
Da draußen warten unzählige gutgläubige Kunden und Sondervermögen.
Und wenn alles Geld weg ist, kommt immer noch Insolvenzgeld.
Ihr Ansatz gefällt mir.
Rheinmetall + NGO-Aktien (schade, dass sei keine AG) sind, das wäre eine Gewinngarantie – egal ob Putin agreift oder der Nahe Osten seine Männer nach Deutschland schickt – in beiden Fällen würde man einen Gewinn machen.
Es Kaserne zu nennen würde in einem Eroberungsfeldzug im Jihad auch nicht als falsch interpretiert gelten können – oder?
Dann würde ich die Unterkunft in Form eines Trojanischen Pferdes bauen. Dann merkt es keiner, daß da Gotteskrieger drin sitzen.