Gaza statt Klima. Judenhass, Antikapitalismus und Antikolonialismus als neuer Klassenkampf. Die extreme Linke entdeckt Stalinismus, Dritte-Welt-Ideologie und verbündet sich mit Islamisten im Kampf gegen die westliche Kultur.
IMAGO / ABACAPRESS
Der 7. Oktober 2023, an dem die Terrororganisation Hamas mehr als 1.200 Israelis tötete und mehr als 200 Geiseln in den Gazastreifen verschleppte, um sie dort barbarisch zu erniedrigen, zu foltern und zu ermorden, war für die westliche Linke ein Tag der Befreiung. Sie musste kein Mitleid mehr mit Juden heucheln und hat an diesem Tag ihr neues revolutionäres Leitmotiv gefunden: den Kampf gegen Israel. Gaza wird so zum universellen Symbol für Unterdrückung, Kolonialismus und Widerstand. Doch hinter der Mobilisierung steht weit mehr als der Nahostkonflikt. Es geht um die Identität einer kommunistischen und totalitären Linken, die ihre revolutionäre Bestimmung verloren hatte und diese nun in der Ferne wiederzufinden glaubt.
Was mit dem alten Klassenkampf nicht mehr funktionierte, geht jetzt mit der Ideologie des Dritte-Welt-Ideologismus. Er teilt die Welt in Unterdrücker und Unterdrückte, Kolonisatoren und Kolonisierte. Gaza eignet sich als universelles Symbol, weil sich dort alle Motive dieser Weltanschauung bündeln lassen: Opferstatus, behauptetes koloniales Unrecht, angeblich rassistische Hierarchien und globaler Widerstand. Möglich wurde dies auch durch eine beispiellose Verdummung und Indoktrination westlicher, wohlstandsverwahrloster Kinder, die im Zustand vollkommenster Unschuld auch noch die dümmsten und schlichtesten Geschichtsverdrehungen nachbeten.
Das erklärt auch, weshalb Greta Thunberg nahtlos von der Klimabewegung zum Gaza-Aktivismus wechseln konnte. Die Klimapolitik bot zwar moralische Dringlichkeit, aber keinen unmittelbar greifbaren revolutionären Gegenspieler. Gaza bietet beides: den vermeintlich eindeutigen Unterdrücker und das ebenso eindeutige Opfer. Beides kann außerdem für eine Generation, die das Lesen längst verlernt hat, auch bestens in Bildern veranschaulicht werden.
Die traditionelle Sozialdemokratie mit ihrer institutionellen Arbeit, ihren wirtschaftspolitischen Programmen – so unsinnig und pseudoklassenkämpferisch sie auch sein wollen – und ihren konkreten Verpflichtungen kann mit dieser unmittelbar moralischen Gewissheit in keiner Weise konkurrieren. Klassenpolitik verlangt Kontinuität, Kompromisse und Disziplin. Die Identifikation mit angeblichen Opfern auf der ganzen Welt vermittelt dagegen sofort das erhebende Gefühl, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.
Die revolutionäre Hoffnung verlagerte sich deshalb auf andere gesellschaftliche Gruppen und Kämpfe außerhalb des Westens. Antikoloniale Bewegungen, Studenten und ethnische Minderheiten wurden zu neuen Trägern einer weltgeschichtlichen Mission. Der Hass auf Juden ist dabei ein ganz wichtiges Element.
Diese Entwicklung hat historische Vorläufer. Revolutionäre wie Ho Chi Minh, Messali Hadj und Nguyen An Ninh radikalisierten sich nicht in Hanoi, Algier oder Saigon, sondern in Paris. Dort begegneten sie einem revolutionären Milieu, das antikoloniale Befreiungsbewegungen als Fortsetzung europäischer ideologischer Kämpfe verstand. Die Kommunistische Partei Frankreichs und Organisationen in ihrem Umfeld machten den Antiimperialismus zur Projektionsfläche westlicher revolutionärer Sehnsüchte.
Für islamistische Gruppen, die ihre Kontinuität aus der Ideologie des Nationalsozialismus nicht nur nicht verleugnen, sondern ihren Hass auf Juden mittlerweile genauso offen ausleben wie ihre geistigen Vorbilder, ist diese kommunistische linke Sehnsucht der ideale Anschlusspunkt. Diese stramm ideologisch und militärisch organisierten, aus den verschiedenen Ländern des Nahen Ostens mit fast unbegrenzten finanziellen Mitteln ausgestatteten Gruppen erkannten schnell die Möglichkeiten, die ihnen die Zusammenarbeit mit und die Übernahme dieser linken Gruppen boten.
Westliche Politiker des Mainstreams und ihre Wähler sowie Vertreter von staatsnahen Medien stehen in ihrer Naivität und ihrer Feigheit jetzt staunend vor Ereignissen, die ihre bisherigen falschen Erklärungen einer durch Migration und eine andere Religion bereicherten Welt Lügen strafen. Einsicht ist hier nicht zu erwarten. Und so werden sie ihre katastrophale Politik noch bis zu ihrem letzten politischen Atemzug verteidigen. Allerdings wird dieser letzte Moment vermutlich nicht friedlich sein. Bedauerlicherweise gilt das aber auch für alle anderen.





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Man sollte schon zwischen Juden und Zionisten differenzieren – es gibt viele Juden, die Zionismus bekämpfen. Zum Beispiel: >>>Yakov Rabkin: Über den jüdischen Widerstand gegen den Zionismus<<<
Man kann nicht alles mit simpelsten Schemen und Schubladen erklären.
Die Linken haben schon zur Zeit der RAF mit Islamisten zusammengearbeitet. In Deutschland könnten Wähler von der Linken zum BSW wandern, das im Dezember Siegmund unterstützen sollte.
https://cna343.wordpress.com