Über 148.000 offene Haftbefehle – fast 90 Prozent haben keinen deutschen Pass

Seit Jahren steigt die Zahl der offenen Haftbefehle und mit ihnen der Anteil ausländischer Gesuchter. Grenzen kontrollieren, fordert die AfD, die Grünen wollen nach Schwerkriminellen fahnden. Die Polizei beklagt zu wenig Personal.

picture alliance / dpa | Matthias Balk

Die Zahl der offenen Haftbefehle steigt. Zum Stichtag 1. Juli 2026 wurden in Deutschland insgesamt 148.311 Personen gesucht, gegen die offene Haftbefehle vorlagen. Die Zahl geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. Davon besitzen lediglich 11,2 Prozent einen deutschen Pass. Die Aufschlüsselung nach Staatsangehörigkeit erfragten allerdings nicht die Grünen, sondern der AfD-Abgeordnete Sebastian Münzenmaier. Die Antwort des Bundesinnenministeriums liegt der Welt am Sonntag vor.

Nach den veröffentlichten Angaben besaßen nur 16.671 der Gesuchten ausschließlich die deutsche Staatsangehörigkeit. Weitere 2.225 hatten neben dem deutschen Pass eine weitere Staatsangehörigkeit. Der überwiegende Teil besaß demnach ausschließlich eine oder mehrere ausländische Staatsangehörigkeiten.

Ein Grund für den geringen Anteil deutscher Gesuchter in der Statistik liege darin, dass es leichter sei, diese innerhalb Deutschlands ausfindig zu machen, erläutert das Bundesinnenministerium. Bei ausländischen Tatverdächtigen könne es sein, dass sie inzwischen das Land wieder verlassen oder abgeschoben sein worden. So waren beispielsweise in der Summe aller neu erlassenen Haftbefehle 2024 38,7 Prozent auf deutsche Passinhaber ausgestellt. Bei der Abfrage an einem Stichtag werden auch ältere offene Haftbefehle inkludiert. Das ist ein Grund für die auf die Gesamtbevölkerung übertragene unverhältnismäßig hohe Abbildung von ausländischen Gesuchten.

Zahl der ausländischen Gesuchten verdoppelt

Seit 2020 hat sich der Anteil der ausländischen Gesuchten fast verdoppelt: Damals lag er bei 54,5 Prozent, 2026 liegt er bei 88,8 Prozent, davon besitzen 1,5 Prozent den deutschen und einen weiteren Pass. Die Zahl der offenen Haftbefehle ist um die Hälfte angestiegen: 2020 wurden 93.704 Haftbefehle am Stichtag registriert, 2026 sind es fast 150.000. Somit entwickeln sich die offenen Haftbefehle für deutsche Staatsangehörige rückläufig, generell steigt jedoch die Gesamtzahl der nicht vollstreckten Haftbefehle deutlich.

Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der nicht vollstreckten Haftbefehle leicht um 0,1 Prozent. Die Zahl der Gesuchten mit deutschem Pass sank um 1,8 Prozent.

Insgesamt machten deutsche Staatsangehörige mit 16.671 Personen die größte einzelne Nationalitätengruppe aus. Es folgen rumänische Staatsangehörige mit 16.123, polnische mit 12.721, georgische mit 6.869 und türkische mit 6.696 Personen. Die Angaben gehen aus der parlamentarischen Anfrage Münzenmaiers hervor.

Unterschiedliche Forderungen aus der Politik

Die Zahlen haben eine erneute Debatte über innere Sicherheit und Migration ausgelöst. Münzenmaier fordert im Namen der AfD einen grundlegenden Kurswechsel in der Migrationspolitik: Dazu zählt er dauerhafte Grenzkontrollen, die konsequente Abschiebung straffälliger Ausländer und die Vollstreckung von Haftstrafen in deren Herkunftsländern.

Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), sieht Handlungsbedarf: Jeder offene Haftbefehl stelle ein Sicherheitsrisiko dar. Er verweist zudem auf die Grenzkontrollen, bei denen nach seinen Angaben seit September 2024 mehr als 17.500 Menschen mit offenen Haftbefehlen aufgegriffen wurden. Der Grünen-Innenpolitiker Marcel Emmerich fordert dagegen Fahndungen nach gefährlichen Straftätern und Extremisten zu priorisieren, statt vor allem auf verschärfte Grenzkontrollen zu setzen.

Der innenpolitische Sprecher Sebastian Fiedler (SPD) ergänzt, dass viele Haftbefehle sich auf nicht bezahlte Geldstrafen begründen, als Ersatzfreiheitsstrafen.

Polizeigewerkschaft betont Personalmangel

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, sieht als wesentliches Problem den Personalmangel. Den Landespolizeien fehlten häufig die Kapazitäten, um systematisch nach allen gesuchten Personen zu fahnden. Festnahmen erfolgten daher oft eher zufällig, beispielsweise im Rahmen anderer Polizeikontrollen.

Was Teggatz nicht erwähnt: Straffällig gewordene Personen werden häufig wieder auf freien Fuß gesetzt, die Personalien liegen der Polizei vor.

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Kommentare ( 14 )

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14 Comments
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Jan Frisch
37 Minuten her

Zitat: „Bei ausländischen Tatverdächtigen könne es sein, dass sie inzwischen das Land wieder verlassen oder abgeschoben sein worden.“
Auf die Idee einfach mal beim Jobcenter anzufragen, ist scheinbar keiner dieser hochqualifizierten Kriminalisten je gekommen. Es ist und bleibt Verrat, was die BRD Handlanger da seit über 11 Jahren betreiben.

Siggi
41 Minuten her

Nur noch eine politische Scheinjustiz, am Rande des Kollaps. Das nennt man dann noch Rechtsstaat, und beruft sich darauf. Rechtsversagerstaat wäre sicherlich ehrlicher.

Jens Frisch
45 Minuten her

Die Justiz könnte dem Problem ganz schnell Herr werden, läge das im Interesse der Herrschenden.

Ho.mann
55 Minuten her

Einem Problem Herr zu werden, das man selbst täglich vergrößert, erfordert einen radikalen Perspektivenwechsel und konsequentes Handeln. Der Schlüssel liegt darin, den Kreislauf aus eigenem Verhalten und dessen negativen Folgen zu durchbrechen. Genau das wird aber bei uns (noch) nicht geschehen, weil eine politische Zielsetzung vorliegt, die agendagetrieben der Realität trotzt und eine planvolle Problembeseitigung noch immer verhindert.

Elmar
57 Minuten her

In Berlin ermittelt der Staatsschutz wegen einer beschädigen Parkbank und bei der Jagd auf Jugendliche im Park und auf Schlitten fahrende Kinder während dem Coronagedöns war von Personalmangel keine Spur zu erkennen. Die Polizei setzt falsche Prioritäten.

karlotto
1 Stunde her

Schnell nach Berlin , da gibts die Amnestie , aber natürlich nicht für deutsche.

Siggi
40 Minuten her
Antworten an  karlotto

Der Vorteil ist, dass dann bald wieder die Deutschen im Knast unter sich sind und wesentlich sicherer leben als die Draußen.

moselbaer
1 Stunde her

Überforderte Justiz??? Nein, es liegt nicht an den Möglichkeiten, sondern am ideologisch bedingt fehlenden Willen des Staates, seine Kernaufgabe der inneren Sicherheit wahrzunehmen!

roffmann
1 Stunde her

90% haben keinen deutschen PASS ? wieso denn das nicht ? Das muss doch schnellstens gändert werden ! Man weiß doch wer sie sind und kann inhen bei nächstem Behördenkontakt den Pass aushändigen , sofern sie den haben wollen. Wäre auch besser für die Statistik !

maps
1 Stunde her

Die „Justiz“ ist NICHT überfordert, das ist ein Märchen! Die „Justiz“ ist politisch besetzt und agiert genau so. Diese „Justiz“ verfolgt zig tausende Kritiker, sowohl Corona Kritiker als auch „rechte“ Kritiker. Und sie verfolgen angebliche „Reichtsbürger“ und Menschen wie Herrn Ballweg, ohne auch nur eine einzige Entschuldigung oder Wiedergutmachung. Es ist ein linker Mafia-Staat, der genau das tut, was er tun will. Auch beim Rundfunkbeitrag wird alles gedeckt. Man kann hingucken wo man will, es hat mit Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Unabhängigkeit rein gar nichts zu tun.

Deutsche
1 Stunde her

Deutschland das Rundum Vollversorgungs „Asyl“ der Welt.
Irgendwie scheinen unsere Herrschenden eine Vorliebe für Lügner, Betrüger, Gewalttäter und Vergewaltiger zu haben.
Das neue Volk eben, das auf unsere Kosten importiert wird.