Friedrich Merz, der stabilste Wackelpudding der EU

Zuhause läuft es nicht eben rund für den Bundeskanzler. Zur Ablenkung flüchtet er sich auf die internationale Bühne. Doch auch dort fällt er inzwischen nur noch mit Geldgeschenken auf – und mit Sätzen zum Fremdschämen.

IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Es werden Legenden verbreitet in Kiew. Eine flüstern die Büchsenspanner von Friedrich Merz hinter vorgehaltener Hand: Die Reise des deutschen Bundeskanzlers nach Kiew sei ein „Überraschungsbesuch“. Die Botschaft: Der Mann ist spontan und flexibel und trotzt allen Drohungen aus Moskau.

Friedrich, unser Held.

Die Geschichte ist allerdings keine gut gemachte Legende, sondern eher ein schlecht gemachtes Soufflé: Sie fällt binnen kürzester Zeit in sich zusammen.

Geplanter Blitzbesuch

Der Kanzler wird nicht nur von seiner Wirtschaftsministerin Katherina Reiche in die Ukraine begleitet, sondern auch von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation. Insgesamt 15 Abkommen und Vereinbarungen sollen während des Besuchs unterzeichnet werden.

Dafür braucht es Vorarbeit. Niemand organisiert so etwas zwischen Zähneputzen und Frühstück. Dass die Reise unangekündigt war, heißt nur: Die Öffentlichkeit kannte den Termin nicht. Wer daraus „spontan“ macht, verkauft Geheimhaltung als Abenteuerlust.

Das merkt auch der Kanzler selbst recht schnell – und kassiert die Legende, die zu verbreiten seine eigenen Leute sich so viel Mühe gegeben hatten. Wie nebenbei erklärt Merz plötzlich, er habe die Reise „seit langer Zeit geplant“.

Nein, Öffentlichkeitsarbeit für so einen Chef macht keinen Spaß.

Der todesverachtende Kanzler

Die nächste Legende ist nicht besser. Moskau hatte den Kanzler öffentlich vor einem Besuch in Kiew gewarnt. Es habe eine reale Gefahr für den Kanzler bestanden, raunen die Büchsenspanner von Ohr zu Ohr, wie beim Spiel „Stille Post“.

Teurer Partner
Was Deutschland für die Ukraine leistet: 102 Milliarden Euro bisher
Während des Besuchs trifft ein russischer Angriff eine Brücke; zwei Menschen werden verletzt. Das scheint die Legende zu stützen. Allerdings nur, wenn man das Denken einstellt, sobald man die „Tagesschau“ anstellt.

Natürlich ist Kiew gefährlich. Aber niemand – außer vielleicht der Iran und Nordkorea – macht Militäraktionen aus Jux und Dollerei. Dahinter steckt immer ein taktisches Ziel, und das dient einem strategischen Ziel. Welches Interesse könnte Russland haben, den deutschen Bundeskanzler und deutsche Unternehmer zu töten? Das verspricht keinerlei militärischen oder auch nur politischen Gewinn, dafür aber gewaltige diplomatische und militärische Kosten. Ein eskalierender Konflikt mit Deutschland wäre unverhoffter Kitt für die bröckelnde Geschlossenheit der NATO. Ein ermordeter Kanzler würde auch nicht zu einem Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine führen, sondern einen Märtyrer schaffen.

Für wie blöde sollen wir den Putin eigentlich halten?

Wieder ist es Merz selbst, dem irgendwann die Absurdität dieser Erzählung schwant. Und wieder fällt er seinem eigenen PR-Stab in den Rücken: Seine Delegation habe keinen Bunker aufsuchen müssen, sagt er unvermittelt. Botschaft: alles halb so wild.

Zwei peinliche Erzählungen zieht der Kanzler also höchstpersönlich zurück. Das hält ihn aber nicht davon ab, sich trotzdem bis zum Hals in die Grütze zu reiten.

Die tragende Wand der EU

„Ganz Europa hängt an der Stabilität in Deutschland.“

So spricht Friedrich Merz im Interview der ARD. Sie haben sich nicht verlesen, lieber Leser, und wir haben uns nicht verhört. Das sagt der Mann wirklich. Falls die Bundesregierung ihre Aufgaben nicht mehr erledigen könne, habe das „unermessliche Folgen für ganz Europa“. Sagt Friedrich Merz. Daraus leitet er den Auftrag ab, die Koalition aus Union und SPD zusammenzuhalten.

Sonderzug in Kiew eingetroffen
Merz und Reiche trotz Warnungen in der Ukraine
Es ist die Merz-Version von „Ich oder das Chaos“. Das sagte einst Frankreichs Präsident Charles de Gaulle. Deutschlands Kanzler variiert das Thema. Bei Friedrich Merz heißt es jetzt: ich oder der europäische Weltuntergang.

Allerdings sind, bei allem Respekt, doch berechtigte Zweifel angebracht, ob der Fortbestand der deutschen Regierung wirklich die zentrale europäische Überlebensfrage darstellt. Viel plausibler erscheint eine ganz andere Sicht auf die Dinge: Die EU wird einen Kanzlerwechsel in Deutschland überleben. Auch der deutsche Staat wird nicht verschwinden, wenn sein derzeitiger Regierungschef verschwindet. Verschwinden werden nur der Kanzler, seine Minister und seine anderen Regierungsmitglieder.

Es mag Menschen geben, denen dieser Schaden als gar nicht so unermesslich erscheint.

Doch in seiner gewohnt schrägen Art hat Merz durchaus einen relevanten Punkt erwischt: Tatsächlich hängt die EU an Deutschland – nur ganz anders, als der CDU-Chef das meint. Niemand in der EU hofft darauf, dass unsere amtierende Regierung möglichst lange weitermacht. Im ersten Halbjahr 2026 verbuchen die öffentlichen Haushalte fast 99 Milliarden Euro Defizit, nach gut 58 Milliarden im Vorjahr. Bei den Kommunen fehlen allein 20 Milliarden; ihre Sachinvestitionen sinken um 4,5 Prozent.

Merz steht für Deutschlands Schwäche, und Deutschlands Schwäche ist für die EU ein Riesenproblem. Bei uns entsteht fast ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung der EU – bisher. Wir sind der Motor. Wenn der Motor stottert, kann die EU schon bald nicht mehr weiterfahren.

Friedrich Merz verwechselt die Bedeutung Deutschlands mit der Bedeutung seiner Person.

Ukraine um jeden Preis

Mit traumwandlerischer Sicherheit macht dieser Bundeskanzler Politik gegen das eigene Volk.

Er verkündet, die deutsche Bevölkerung stehe hinter der Ukraine. Doch der „Deutschlandtrend“ der ARD im September weiß: Inzwischen 42 Prozent finden, dass die deutschen Waffenhilfen für Kiew zu weit gehen. Das ist der höchste gemessene Wert seit Beginn des russischen Angriffskriegs.

Auch die Sonderbehandlung von Ukrainern in Deutschland stößt immer mehr Deutschen sauer auf. Schon im Oktober 2025 lehnten in einer INSA-Umfrage satte 66 Prozent aller Befragten Bürgergeld für alle ukrainischen Kriegsflüchtlinge ab.

Doch da bleibt Merz stur. Er gibt eine bereits im Haushalt vorgesehene Milliarde Euro Militärhilfe frei. Er sagt weitere 350 Millionen zusätzlich für den ukrainischen Energiesektor zu. Immer großzügiger schickt er Geld nach Kiew, obwohl die Deutschen immer skeptischer werden.

Diese Skepsis hat gute Gründe:

  • Der ukrainische Staatskonzern Energoatom wird von einem riesigen Korruptionsskandal erschüttert. Auftragnehmer sollen zehn bis 15 Prozent Schmiergeld gezahlt haben; rund 100 Millionen Dollar liefen offenbar durch eine Geldwäschekette.
  • Schon im vergangenen Mai wurde wegen millionenschwerer Geldwäsche über Luxusimmobilien ermittelt. Die Verdächtigen: ein früherer Leiter des Präsidialamts und ein ehemaliger Vize-Ministerpräsident.
  • Für den reibungslosen Abschluss einer Waffenlieferung haben Grenzschutzbeamte offenbar eine Million Dollar von einem Drohnenhersteller verlangt. Ermittelt wird außerdem wegen illegaler Krypto-Geschäfte eines Beamten zum Kauf eines Mercedes.

Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj fällt durch eine immer dubiosere Machtpolitik auf. Unvergessen seine Gesetzinitiative, mit der er 2025 die Unabhängigkeit der wichtigsten Antikorruptionsbehörden aushebeln wollte. Erst nach Massenprotesten und massivem internationalen Druck ruderte er zurück.

Kanzler Gernegroß

Nur noch einer von zehn Deutschen ist mit Friedrich Merz zufrieden. Was macht der Mann in so einer Lage? Er inszeniert sich als europäischer Schutzpatron. Wer seinen Rücktritt verlangt, gefährdet den Kontinent. Mindestens. Wahrscheinlich sogar die ganze Welt.

Diese Reise nach Kiew war in Wahrheit eine Flucht aus der Verantwortung. Innenpolitisches Versagen wird mit außenpolitischer Aufgeblasenheit überklebt. Aber keine ukrainische Flagge ist groß genug, als dass dauerhaft die deutschen Probleme dahinter verschwinden könnten.

Die Ukraine soll das politische Ende des Friedrich Merz aufhalten. Tatsächlich wird sie es wohl eher beschleunigen.

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Kommentare ( 47 )

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47 Comments
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PapaAN
3 Stunden her

„Ganz Europa hängt an der Stabilität in Deutschland.“
Da hat sich Pinicchio Fritze falsch ausgedrückt.
Die EU braucht die Kohle Deutschlands, weil sie ansonsten in sich zusammenbrechen wird. Und exakt das Gleiche ist mit der Kokaine.

Thomas
21 Stunden her

Nach der Merz Logik müsste Merz bis zu seinem Lebensende Kanzler bleiben denn nach Merz kommen Chaos und die Russen.

HS_1938
22 Stunden her

„Inzwischen 42 Prozent finden, dass die deutschen Waffenhilfen für Kiew zu weit gehen.“ Der Autor scheint auch zu dieser Minderheit zu gehören, so blind wie er auf einem Auge ist. Was passiert eigentlich wenn die Ukraine untergeht? Bezahlen dann die Russen die Schäden an zerstörten und enteigneten Aktiva in Ru und UA, soweit diese Deutschen und anderen Europäern gehört haben ? Wohl kaum. Wie viele Mrd Euro sind das eigentlich, die da im Moment im Feuer stehen? Interessiert den Autor nicht! Wieso auch, ist ja nicht sein Geld, da hört der Patriotismus natürlich auf. Was lernen die moskovitischen Vandalen wohl,… Mehr

Heptamer
9 Stunden her
Antworten an  HS_1938

Deutschland zahlt immer. Ob 100 Milliarden oder eine Billion ist der Regierung egal. Whatever it takes!

Europafriend
1 Tag her

„Kanzler Gernegroß“Der kleine Muck war cleverer !

HS_1938
21 Stunden her
Antworten an  Europafriend

Keine Wunder, wenn man mit Phantasie Produkten verglichen wird, schneidet man immer schlecht ab.

imapact
1 Tag her

Vielleicht bekommen die in Deutschland sich aufhaltenden Ukrainer mal so eben das Wahlrecht… und schon hätte Merz 1, 2 Millionen Wähler mehr.

Kassandra
19 Stunden her
Antworten an  imapact

Nach 5 Jahren Aufenthalt – oder?
Und hier geborene Kinder gleich.

Dundee
1 Tag her

Wieviele Milliarden von unserem Geld hatte er dabei, für seinen Kumpel?
Wieviel davon zahlt sein Kumpel ihm „zurück“, aufs Caimaninselkonto?

Eine Milliarde sind tausend Millionen. Wenn mir jemand 500 Millionen auf ein Überseekonto zahlt, dann bringe ich dem auch tausend Millionen am Tag der deutschen Einheit nach Kiew. Besonders, wenn es nicht mein eigenes Geld ist, mit dem ich rumschmeiße.

DDRforever
20 Stunden her
Antworten an  Dundee

Mensch, ein BRD Bürger der erkannt hat worum es wirklich geht. Respekt, sie müssen offensichtlich sowohl ARD und ZDF als auch den Spiegel meiden.

Klaus Kabel
1 Tag her

Da mich niemand gefragt hat bezüglich der Ukraine, dann auf diesem Weg: 1. ich finde die Waffenhilfe geht zu weit, sie gehört eingestellt. 2. Ich lehne es ab, dass Ukrainer mit deutschen Steuergeldern allimentiert werden und mit Flixbussen auf Urlaub in die Ukraine fahren und ich lehne es ab, dass Merz der korrupten Ukraine Millionen an deutsche Steuergeldern hinten rein schiebt, als gäbe es kein Morgen. Die ukrainischen Oligarchen leben im Luxus, transferieren Millionen ins Ausland. Zumindest kann der Deutsche sicher sein, seine Steuergelder werden gut angelegt.

Nibelung
1 Tag her

Vermutlich der Handlanger des Teufels in der Wall-Street und die ausbezahlte Dividende wird jetzt nachgefordert, wenn es um`s persönliche Überleben geht, wo man nicht sein sagen kann, weil sonst jede eigene Zukunft verbaut ist und Deutschland interessiert kein Mensch, was man langsam mal zur Kenntnis nehmen sollte, solange man noch einige Latten am Zaun hat und er der verlängerte Arm der US-Demokraten ist, mit Anhang aller lüsterner Gestalten, was man sich so darunter in vielen Varianten vorstellen kann. Schon allein seine einsame Reise ohne weitere Unterstützung, bzw. Teilnahme der anderen Recken belegt doch die vertrakte Lage, in der er sich… Mehr

Kraichgau
1 Tag her

Der wartet auf den selbst inszenierten „Krisenfall“,um anschliessend „durchregieren“ zu können und die Opposition kalt zu stellen….
ob er das noch hinkriegt? die Altparteien wären garantiert dabei

Last edited 1 Tag her by Kraichgau
Sohn
1 Tag her

Kann natürlich sein, daß Merz jetzt endgültig dem Größenwahn verfallen ist. Andererseits ist es durchaus möglich, daß BlackRock nun richtig Druck macht, weil es Dank Pinocchios grandioser Ungeschicklichkeit seine Felle davonschwimmen sieht.