Börsenwoche: Reden über den Bondsmarkt, Rekorde zum Wochenende

Die Börsen feiern weiter Rekorde, doch am Anleihemarkt blinken die Warnlampen: Staatsrenditen steigen weltweit auf Mehrjahreshochs, während schwächere US-Jobdaten die Hoffnung auf ausbleibende Zinserhöhungen nähren. Noch ignorieren Dax und Wall Street das steigende Risiko.

Die Renditen länger laufender Staatsanleihen haben in den vergangenen Wochen rund um die Welt neue Mehrjahreshöchststände erreicht. In den USA rentierten zehnjährige Treasuries mit mehr als 4,7 Prozent kürzlich so hoch wie letztmals 2023, bei dreissigjährigen US-Papieren waren es mit knapp 5,3 Prozent so viel wie seit 2007 nicht mehr. Auch zehnjährige deutsche oder japanische Staatsanleihen erklommen Mehrjahreshöchststände. Bisher zeigten sich die Aktienmärkte davon unbeeindruckt. Allerdings ist in der Regel kein gutes Zeichen, wenn unter Investoren und in den Finanzmedien über den Bondmarkt geredet wird.

Gleichwohl stützten die aktuellen Arbeitsmarktdaten am Freitag die Wall Street. So ist die Beschäftigung in den Vereinigten Staaten im Juli unerwartet gesunken. Zudem waren die Löhne weniger gestiegen als erwartet. Dies dürfte Sorgen mildern, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen bald anheben könnte. Noch am Donnerstag hatte die Spekulation auf möglicherweise bald steigende Zinsen an der Wall Street für einen Dämpfer nach der jüngsten Rekordjagd gesorgt. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die Inflation im Zuge des Iran-Kriegs ölpreisbedingt weiter anziehen könnte. Der Leitindex Dow Jones Industrial legte um knapp 0,3 Prozent auf 54.037 Punkte zu. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Plus von fast drei Prozent. Der marktbreite S&P 500 gewann am Freitag 0,6 Prozent auf 7.758 Zähler. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 1,2 Prozent auf 29.722 Punkte nach oben.

„Der US-Arbeitsmarktbericht für Juli war in nahezu allen Belangen enttäuschend“, schrieb Volkswirt Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg. „Angesichts dessen sehen wir uns in unserer Außenseitermeinung, dass die Fed im weiteren Jahresverlauf keine Leitzinserhöhungen vornehmen wird, bestärkt.“ Im Blick standen zudem die Entwicklungen im Nahen Osten. Der eskalierende Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz im Jemen droht eine Friedenslösung im Iran-Krieg zu erschweren. Dagegen geht US-Präsident Donald Trump nach eigenen Angaben weiter davon aus, dass der Iran-Krieg „ziemlich bald“ enden und eine Einigung zur Öffnung der Straße von Hormus bevorstehen könnte.

Dem Nasdaq 100 verhalfen deutliche Gewinne bei den Aktien von Microchip Technology, Airbnb und SpaceX auf die Sprünge. So schnellten die Anteilscheine von Airbnb an der Index-Spitze um 17,4 Prozent in die Höhe. Der Betreiber der Miet-Unterkünfte-Plattform hatte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr erneut angehoben. Die Papiere von Microchip Technology zogen um fast 14 Prozent an. Das Halbleiterunternehmen hatte für das erste Geschäftsquartal einen Gewinnsprung ausgewiesen und einen Ausblick gegeben, der gut ankam. Mit einem Plus von fast 16 Prozent blieben die Aktien von SpaceX auf Erholungskurs. Argus Research hatte die Aktien zum Kauf empfohlen. Die Analysten schrieben, sie seien von der „schnellen Amortisation“ der Investitionen des Unternehmens in die KI-Infrastruktur beeindruckt. Anleger von Cloudflare freuten sich über einen Kursgewinn von 5,6 Prozent. Das Cybersicherheits-Unternehmen hatte mit seinen Geschäftszahlen die Markterwartungen übertroffen und seine Gewinnprognose für das laufende Jahr angehoben.

Unter den im S&P 500 gelisteten Papieren fielen Resmed um mehr als fünf Prozent. Der Hersteller von Beatmungsgeräten war mit seiner bereinigte Bruttomarge und dem bereinigten Betriebsergebnis im vierten Geschäftsquartal hinter den Markterwartungen zurückgeblieben. Analysten wiesen zudem auf Schwächen im Amerika-Geschäft hin. Am Index-Ende sackten die Anteilscheine von Trade Desk um gut ein Fünftel ab. Das Werbetechnologieunternehmen hatte mit seiner Umsatzprognose für das dritte Quartal enttäuscht.

Zuvor war schon der Dax auf ein Rekordhoch gestiegen. Am Nachmittag hatten die bereits erwähnten Jobdaten aus den USA Schub gegeben, um die Bestmarke auf 26.445 Punkte zu steigern. Im späteren Verlauf ließ der Rückenwind etwas nach, der Dax ging mit plus 0,7 Prozent auf 26.319 Punkte aus dem Tag. Das Wochenplus liegt bei 2,7 Prozent. Der MDax verlor 0,1 Prozent auf 32.407 Zähler.

Die Jobdaten dämmten vorherige Spekulationen über baldige Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed ein. Laut ING Bank kommen „ernsthafte Zweifel“ daran auf, der Ökonom James Knightley glaubt eher an eine längere Zinspause. Er wies aber zugleich daraufhin, dass es mit einem weiteren Jobbericht, Inflationsdaten sowie dem Symposium in Jackson Hole noch viele neue Aspekte geben werde, bevor im September der nächste reguläre Zinsentscheid der Fed fällt.

Einen erneuten Erholungsschub gab es im Technologiebereich, dieses Mal aber gemeinsam bei Halbleiter- und Software-Aktien, deren Bewegung sich zwischen KI-Fantasie und -Sorgen zuletzt häufiger unterschieden hatte. Der schwergewichtige Softwareriese SAP beschleunigte seine jüngste Erholung mit einem Anstieg um 4,1 Prozent. Nach einem Jahr steht der Kurs der Walldorfer wieder über der 200-Tage-Linie.

Im Chipsektor profitierten die Infineon mit fast drei Prozent Plus von einer wieder verbesserten Branchenstimmung in New York, was vor allem mit guten Geschäftszahlen von Microchip Technology begründet wurde. Das US-Halbleiterunternehmen trieb seine Aktien auch mit einem Ausblick an, der über den Erwartungen lag. Im erweiterten Chip-Umfeld profitierten mit Aixtron und Suss Microtec auch zwei Branchenausrüster aus dem MDax von der besseren Stimmung. Wegen der starken Auftragslage hatte Suss am Freitag gleich zwei Kaufempfehlungen von den Experten der Deutschen Bank und des Analysehauses Warburg erhalten.

Für deutsche Werte hatte die Quartalszahlensaison am Freitag jedoch nur wenig Gutes zu bieten, im Dax gingen die Aktien der Berichtsunternehmen mit Verlusten aus dem Handel. Geringe Katastrophenschäden und gute Geschäfte bescherten der Allianz ein Rekordergebnis, doch Analysten hatten sich etwas mehr von dem Versicherer versprochen. Die Aktien beendeten den Handel 1,6 Prozent tiefer.

Der Kurs des Rückversicherers Munich Re sank um 1,4 Prozent, weil dieser den Preisabschwung im Geschäft mit Erstversicherern wie Allianz deutlich zu spüren bekommt. Wegen Abschlägen bei der jüngsten Vertragserneuerung kappte Vorstandschef Christoph Jurecka sein Umsatzziel für das laufende Jahr.

Noch schlechter sah es beim Dax-Schlusslicht Daimler Truck aus, dessen Kurs um 2,8 Prozent absackte. Der Nutzfahrzeughersteller machte beim Nettogewinn im zweiten Quartal deutliche Abstriche, unter anderem weil Zölle in Nordamerika am Gewinn zehrten. Analysten bemängelten maue Auftragseingänge. Die Papiere von Brenntag beschleunigten zwar zeitweise ihre Anfang Juli gestartete Kursrally, nachdem der Chemikalienhändler seine Gewinnprognose für 2026 erneut anhob. Auf dem höchsten Stand seit März 2025 setzten jedoch Gewinnmitnahmen ein, am Ende war der Kurs mit fast einem Prozent ins Minus gedreht. Besser war die Lage bei den Aktien von Scout24, die ihre am Vortag von Quartalszahlen ausgelösten Kursverluste mit einem Anstieg um 3,6 Prozent fast wieder wett machten. Die DZ Bank hatte die Papiere des Immobilienportal-Betreibers auf ihre „Equity Long Ideas“-Liste gesetzt.

Im MDax schlossen die Titel des Spezialchemiekonzerns Lanxess nach Zahlenvorlage 4,4 Prozent tiefer. Konzernchef Matthias Zachert hatte gesagt, dass kein nachhaltiger Aufschwung der Nachfrage in Sicht sei. Laut Peter Spengler von der DZ Bank ist das Umfeld geprägt von verhaltener Nachfrage, geopolitischer Unsicherheit und erhöhten Energiekosten.

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