Unmittelbar vor der parlamentarischen Sommerpause macht Berlin Nägel mit Köpfen: Die Krise, in die uns die Politik geführt hat, soll durch einen massiven Transfer von den Bürgern zum Staatsapparat geheilt werden. Dies wird massive Verteilungskonflikte provozieren und die Armutsspirale beschleunigen.
picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Sollte es der Plan der Bundesregierung gewesen sein, einige rasche Steuererhöhungen durchzuwinken, während sich das Land in einem kollektiven WM-Taumel sediert hat, ist dieser mit dem frühzeitigen Aus der Nagelsmann-Loser Geschichte. Auch die Idee, man könne die nächste Welle an Firmenpleiten und Entlassungen, die auf die VW-Apokalypse folgt, vor den anstehenden Landtagswahlen im Osten des Landes medial in einer Art Euphoriesäure auflösen, ist gleichermaßen perdu.
Besonders bedenklich: Im Kernbereich der Chemie liegt die Kapazitätsauslastung auf einem historischen Tiefstand von mittlerweile unter 70 Prozent. Betriebe können bei so geringer Auslastung nicht mehr produktiv arbeiten; gleichzeitig zerfressen die überhohen Energiekosten und immer neue Regulierungen jede Hoffnung auf Besserung am Standort. Es spielt auch keine Rolle, mit welchen Wunderprognosen die Bundesregierung die Krise zu zerreden versucht. Die Diskrepanz zwischen politischer Selbstwahrnehmung und wirtschaftlicher Realität erreicht eine neue Eskalationsstufe.
In Regierungskreisen herrscht eine ganz eigene ökonomische Lehre. Dort glaubt man an Zentralplanung, an die Vorzüge eines riesigen bürokratischen Apparates und an die vermeintliche Weisheit parteipolitischer Gremien.
Union und SPD führen derzeit eine nahezu ritualisierte Debatte über Steuererhöhungen, die sie noch vor der parlamentarischen Sommerpause, die am 10. Juli beginnt, über die Bühne bringen wollen. Ganz gleich, ob es sich dabei um die Erhöhung der Grundsteuer, höhere Erbschaftsteuern auf übertragenes Firmenvermögen, ein partielles Aus des Ehegattensplittings oder die Einbeziehung der Selbstständigen in die Rentenversicherung handelt. Substanziell unterscheidet sich lediglich die AfD von diesem steuerpolitischen Einheitsbrei, den die Parteien des Brandmauer-Kartells präsentieren. Steuern werden in den kommenden Jahren angesichts der explodierenden Staatsausgaben nur eine Richtung kennen: gen Norden.
Man fragt sich angesichts der ökonomischen Verwerfungen: Wo bleibt eigentlich der Widerstand in der Bevölkerung, in den Wirtschaftseliten gegen die zunehmende fiskalische Räuberei? Warum gelingt es nicht, eine Kampagne gegen die CO2-Abzocke auf die Beine zu stellen? Es wird weiterhin nichts geschehen. Deutschland leistet sich mitten in der Deindustrialisierung immer neue Steuererhöhungen. Die Degrowth-Fanatiker wird es freuen, die Mittelschicht zerbröselt.
Berlin muss sich eine undurchdringliche Membran zugelegt haben. Wie sonst ist es zu verstehen, dass Katastrophenmeldungen wie die jüngste aus dem Maschinenbau vollständig am Berliner Politbetrieb abprallen? Der VDMA hat für das laufende Jahr erneut seine Prognose nach unten korrigiert, und dies, obwohl bereits das erste Quartal katastrophal verlaufen war. Es verhält sich ähnlich wie mit den Wachstumsprognosen der Bundesregierung: Verbände oder Wirtschaftsinstitute stellen ihre Fantasieprognose auf, bloß um sie in der Folgezeit treppenartig wieder zurücknehmen zu müssen. Die Realität zerstört die wundervolle Welt der Prognosen, während noch immer niemand wahrhaben will, dass Deutschland keine Konjunkturdelle, sondern einen Ausverkauf erlebt.
Kritik wäre dringend geboten, angesichts der Verwerfungen, die durch politische Ideologie provoziert werden. Die Mittelschicht wird zur Ader gelassen, die Substanz mehrerer Generationen zerstört, um Projekte wie den Ökosozialismus am Leben zu halten, die längst gescheitert sind. Wir stehen vor der klassischen Interventionsspirale, vor der libertäre Ökonomen wie Ludwig von Mises stets warnten. Flankiert wird der Dauerinterventionismus von einer entgrenzten Bürokratie, die sich zur Vorfeldorganisation des Parteienstaates entwickelt hat und zunehmend ein Eigenleben führt.
Die Klagen aus der Wirtschaft klingen allerorten ähnlich – ob beim Bau, bei den Automobilkonzernen oder im Transportgewerbe. Klimaregulierung, hohe Abgabenlasten und die enormen Energiekosten im Zuge der gescheiterten Energiewende zersägen die Geschäftsmodelle der Betriebe am Standort. Dennoch erwägt niemand ernsthaften Protest gegen das ökosozialistische Machtsystem.
Man lässt die Politik gewähren. Im Schaufenster des deutschen Wahnsinns, in der Hauptstadt Berlin, setzen inzwischen kaum noch verborgene Enteignungsfantasien im Immobilienbereich dem Ganzen die Krone auf. Wenn Parteien dort in einer Art politischem Pingpong über die faktische Aufweichung von Eigentumsrechten diskutieren, zeigt sich, wie weit die ethisch-paradigmatische Verschiebung bereits reicht. Wenn der Respekt vor dem Privateigentum als zivilisatorische Schranke weiter erodiert, wenn diese Grenze zur Disposition gestellt wird, dann werden alle Dämme brechen.
Dann fällt Deutschland in die Hände eines neuen Sozialismus, der sich nicht mehr auf Regulierung und fiskalpolitische Drangsalierung beschränken wird.
Ganz unrealistisch ist diese Entwicklung inzwischen nicht mehr.




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Ich weiß nicht, ob die Folgen schon so richtig im Geldbeutel der Schon-Länger-Hier-Wohnenden angekommen ist. Mieter hält man bei der Stange, weil immer der böse Eigentümer Schuld ist. Zudem wird zugesehen, dass immer weniger Kosten an den Mieter weitergegeben werden können. Und D hat halt viele Mieter. Mieter haben ungewöhnlich viele Rechte gegenüber dem Eigentümer. Im Zweifel kann der Mieter nicht wohnungslos werden. Ich bin mir sicher, wenn das für die breite Massen drohen würde, dann würde unserStaat Kündigungsschutz aufsetzen. Das soziale Netz scheint noch genügend Sicherheit zu bieten. Und wieviele, „ihr“ Vermögen verkaufen müssen, wird nicht untersucht. So muss… Mehr
„Warum gelingt es nicht, eine Kampagne gegen die CO2-Abzocke auf die Beine zu stellen?“ In den vergangenen Hitzetagen haben sie reihum ganztags gejammert und gestöhnt, wie man es früher nicht gemacht hat. Selbst bei Skeptikern ist das Klimanarrativ zu tief ins Hirn gefressen.
Weil die Leute sagen: Dumme Klimawandelleugner. Die Hitze zeigt doch, was abläuft. Selbst gehört. Jeder, der bestreitet, dass der Klimawandel am Menschen und seinem CO2 Ausstoß hängt, wird zum Klimawandelleugner. Da kann er Klimawandel noch so sehr als feststehende Größe akzeptieren.