Sechs EU-Staaten wagen sich an das verschleppte Projekt der europäischen Kapitalmarktunion heran. Ein integrierter europäischer Kapitalmarkt soll – so der politische Tenor – den Investitionsmotor Europas neu starten. Dass es in Wahrheit wohl um Vorbereitungen zu Kapitalverkehrskontrollen geht, wird verschwiegen.
picture alliance / photowerkstatt | Mike Schmidt
An der europäischen Kapitalmarktunion scheiden sich die Geister. Führende politische Kräfte innerhalb des Brüsseler Machtzentrums fordern seit langem die Zentralisierung von Finanzmarktaufsicht und Ratingverfahren sowie einheitliche Regeln für die Wertpapiermärkte und Transparenzvorschriften im Bankensystem. Gegner der Vertiefung des europäischen Finanzmarktes sehen darin eine weitere Ebene der Zentralisierung politischer Macht – erneut würde nationale Souveränität auf die EU-Ebene verschoben.
Der mit maximaler Härte geführte Übernahmekampf der Commerzbank durch die italienische UniCredit zeigt, wie sensibel das Thema der nationalen Kredit- und Kapitalmärkte auch im europäischen Kontext noch immer zu sehen ist. Im Krisenfalle setzen Teile der Politik nach wie vor auf die Option nationaler Bankenrettung und der Einflussnahme auf das eigene Kreditsystem.
Es ist genau dieser Streit, das Ringen um nationale Souveränität und die fortschreitende Zentralisierung der Kompetenzen in Brüssel, der den Prozess der europäischen Integration wie ein Hintergrundrauschen begleitet. Wir können beobachten, wie die Architektur der Brüsseler Macht konsolidiert wird: Mit der EU-Kommission als politischem Zentrum würden die beiden Säulen der Europäischen Zentralbank und der in Paris ansässigen Finanzmarktaufsicht European Securities and Markets Authority (ESMA) das tragende Fundament dieser neuen Struktur bilden.
In einem Brief an die EU-Kommission macht diese sogenannte E6-Gruppe Druck. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz wies in der Vergangenheit immer wieder auf die Notwendigkeit eines tiefen europäischen Kapitalmarkts hin. Seine Begründung lautet, die Privatwirtschaft müsse sich schneller und effizienter finanzieren können. Hier wird der Eindruck erweckt, die Finanzierung des Mittelstands, des Einzelhandels und der kleineren Betriebseinheiten im Allgemeinen fände wohl ausschließlich über die Börse als Kapitalbeschaffungsvehikel statt.
Mit der Kapitalmarktunion verfolgen die Euro-Granden ein Aktivierungsszenario für vermeintlich brachliegendes europäisches Kapital.
Friedrich Merz und EZB-Präsidentin Christine Lagarde haben bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die hohen Sparguthaben der europäischen Bürger stärker für Investitionen mobilisiert werden müssten. Nach ihrer Vorstellung liegen auf den Konten der Bürger gewaltige Kapitalreserven ungenutzt – eine Art politische Goldgräberstimmung scheint sich im Hintergrund zusammenzubrauen.
Tatsächlich jedoch sind diese Mittel längst Teil des Finanzsystems. Kundeneinlagen dienen den Banken als Refinanzierungsbasis, Liquiditätsreserve und Bilanzfundament für die Kreditvergabe. Sie bilden die wesentliche Grundlage für die Finanzierung von Unternehmen, Immobilien und Investitionen im Allgemeinen. Wenn Politiker den Eindruck erwecken, auf den Sparkonten liege ein gewaltiger, bislang ungenutzter Geldberg, den es lediglich politisch zu erschließen gelte, offenbart dies entweder einen Mangel an Verständnis moderner Geldschöpfungsprozesse und Bankbilanzen – oder den Wunsch, private Ersparnisse künftig stärker in staatlich gelenkte Investitionsprojekte zu steuern.
Es wäre geradezu eine Abkehr von der bisherigen Doktrin, stünden plötzlich die Interessen der Bürger, private Investitionen und die Schaffung eines wirklich freien europäischen Kapitalmarktes im Mittelpunkt politischen Handelns.
Ginge es tatsächlich darum, Investitionen zu fördern, würde man die Abgabenlast senken, die Klimaregulierungen zurückfahren und Investoren aus aller Welt mit einem verlässlichen marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen den roten Teppich ausrollen. Genau das geschieht jedoch nicht.
Was Brüssel stattdessen anstrebt, ist der Aufbau einer zentralisierten Finanzarchitektur. Mit der Kapitalmarktunion wird ein weiterer Baustein in das Mauerwerk einer umfassenden europäischen Kontrolle von Kapitalströmen eingefügt.
In Verbindung mit dem digitalen Euro erhielte diese Architektur eine zusätzliche operative Ebene. Zentralisierte Aufsichts- und Regulierungsstrukturen würden die Voraussetzungen schaffen, Kapitalströme im europäischen Finanzraum in bislang ungekanntem Umfang zu erfassen, nachzuverfolgen und gegebenenfalls zu beeinflussen. Die Kapitalmarktunion besitzt in ihrem Kern einen defensiven Charakter und fügt sich nahtlos ein in die zunehmende Politik der Einflussnahme bis hin zur Meinungsbildung der Bürger.





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Politisch ist es vor allem eine Entdemokratisierung. Die Behördenapparat der Sowjet-EU handelt ohne relevante Kontrolle der Bürger. Letztere haben keinen bemerkbaren Einfluss auf die Entscheidungen der Politkommissare. Natürlich wird in der Sache die Veruntreuung von Geldern, die Aneignung der Vermögen der Bürger betrieben: Niemand hält sie auf, weil die Apparatschiks unter sich sind und jeder eigene Interessen verfolgt, die aber nie die der Bürger der angeschlossenen Staaten sind. Es ist ein Gebilde, das keinen Austritt duldet, sodass der Begriff „Mitgliedsstaat“ völlig unangemessen ist, denn er beschreibt den tatsächlichen Zustand der EU nicht. So wäre es auch bei der Kapitalmarktmauer: Ihr… Mehr
Ich fürchte, dass eine zentralisierte Kapitalmarktkontrolle Investitionsströme aus dem EU-Raum hinaus lenken könnte. Wer will sein Vermögen in einem Rechtsraum halten, in dem Politiker jederzeit Zugriff darauf haben und in dem Politiker an der Macht sind, bei denen man sich einen solchen Zugriff jederzeit vorstellen kann?