Bahlsen-Chef warnt vor AfD und Remigration

Deutschlands Eliten sind angesichts der zahlreichen Krisen im Land verstummt. Dass Bahlsen-Chef Alexander Kühnen vor einem politischen Wechsel und der AfD warnt, passt ins Bild. Linke Ideologie, Subventionsmentalität und Wählerapathie haben sich in Deutschland miteinander vermählt.

picture alliance/dpa | Michael Matthey

Der deutsche Mittelstand gilt als bodenständig, konservativ und standorttreu. Ein unverrückbares Bekenntnis zu den eigenen Mitarbeitern ist ebenso stilprägend für das klassische mittelständische Unternehmertum wie seine Fähigkeit, ideologischen Schindluder der Politik durch eigene Kreativität und Tatkraft wieder auszugleichen. Wenigstens galt diese Formel noch bis vor wenigen Jahren – sie galt bis zu dem Zeitpunkt, als Deutschland durch die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel endgültig vom Pfad politischer Ratio abgebracht und auf die schiefe Ebene grün-sozialistischer Ideologie geführt wurde.

Seitdem zerfällt das Land – ökonomisch durch den Green Deal, kultur- und sicherheitspolitisch durch die Politik der offenen Grenzen. Man muss zugestehen: Die Saat der 68er sowie ihrer zahlreichen sozialistischen Nebenströmungen ist aufgegangen. Als Beobachter dieses Prozesses fragt man sich unwillkürlich: Wie konnte es geschehen, dass weder Eliten der Wirtschaft, des Kulturlebens oder der Wissenschaft die systematisch betriebene Erosion unseres gesellschaftlich-bürgerlichen Fundaments entscheidend aufhalten konnten?

Einen wichtigen Hinweis auf das seit Jahren gut dokumentierte veritable Elitenproblem unseres Landes gab der Geschäftsführer des Familienunternehmens Bahlsen, Alexander Kühnen, im Gespräch mit der Welt.

Eines vorweg: Kühnen nahm selbstverständlich nicht den immensen Bürokratenstaat oder die Steuerlasten zum Anlass einer überfälligen Manöverkritik. Auch die zerstörerische Energiepolitik oder gar die inzwischen als das vielleicht größte Täuschungsmanöver und Umverteilungsprogramm aller Zeiten entlarvte Klimapolitik waren bei der Welt ebenso wenig Thema wie die Frage nach dem Umgang mit geopolitischen Konflikten. Wie hält es Kühnen mit dem Ukrainekrieg oder der harten Linie Washingtons gegenüber der EU in Handelsfragen? Wären das nicht spannendere Themen gewesen, die in der deutschen Debatte grundsätzlich viel zu kurz kommen, als gratismutiges Moralpingpong über die AfD zu inszenieren?

Der Umgang mit der konservativen Opposition folgt dem Drehbuch einer typisch deutschen Zeitgeistdebatte: Zäh, unerquicklich, vorhersehbar. Kühnen versucht im Gespräch gleich auf mehreren Ebenen eine Realität zu zeichnen, die auffallend präzise der ideologischen Kampflinie der Brandmauerparteien entspricht. Deren unerbittliche Strategie im Kampf gegen die AfD dient allerdings dem Zweck, harte politische Konkurrenz auszuschalten, bevor sich diese im eigenen Beritt der Macht etablieren kann. Sollte Kühnen diese Ellbogenmentalität als Firmenchef vom internationalen Markt, auf dem bekanntlich ein rauer Wind weht, nicht vertraut sein? Politik ist am Ende doch auch nur Business: Marketing in eigener Sache, auf der Jagd nach Einfluss, Posten und Pensionen.

Doch Kühnen geht der von Politik und Medien über Jahre gestellten, moralinen AfD-Falle ebenso zielsicher auf den Leim, wie vor ihm schon Firmen wie Rügenwalder Mühle oder Edeka. Edeka hatte sich 2024 vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen öffentlich gegen die AfD positioniert. Unter dem Slogan: „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“ verband der Händler das Thema der gesellschaftlichen Vielfalt mit seinem farbenbunten Obst- und Gemüsesortiment. Was witzig sein sollte, wurde von vielen Bürgern als übergriffig und anmaßend empfunden – der Schuss ging nach hinten los, aus der erhofften warmen PR-Welle wurde eine eiskalte Dusche.

In Social-Media-Beiträgen legte der Konzern seinerzeit nach, unbelehrbar und stur: „Blau ist keine gute Wahl“ – und löste damit eine breite und sehr unvorteilhafte Debatte aus. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie weit Unternehmen mit politischen Botschaften tatsächlich gehen sollten und ob Boykottaufrufe aus den Reihen der Wirtschaft noch in einem angemessenen Verhältnis zu demokratischen Prinzipien stehen – da man sonst üblicherweise eher schweigt, wenn es um die sichtbaren Missstände der Politik und unserer Gesellschaft geht.

Missstände, wie sie beispielsweise die unkontrollierte Migration erzeugt, sind ein heißes Eisen in der deutschen Debatte. Beiträge zu einer ausgewogenen, vernünftigen Politik, die auch die kulturellen, ökonomischen und sicherheitspolitischen Interessen der Bundesrepublik berücksichtigen, bleiben Mangelware oder werden mit der medienpolitischen Axt aus der Debatte entfernt – der Diskursraum bleibt größtenteils monothematisch und ideologisch gefestigt auf Regierungslinie erhalten. Auch Kühnen weicht an dieser Stelle nicht vom Protokoll ab. Mit Blick auf die Forderung der AfD, Menschen, deren Asylgrund entfallen ist, wieder in ihre Heimat zurückzuführen, wird der Bahlsen-Chef deutlich: Er sei absolut gegen Remigration; diese Position der AfD sei für ihn völlig inakzeptabel. Zudem, so Kühnen, glaube er fest an die Demokratie und an seine Verantwortung, diese auch zu verteidigen.

Einmal davon abgesehen, dass Kühnen regelrecht „steinmeiert”, wenn „UnsereDemokratie” zur Zielscheibe der Kritik wird, lässt er jede inhaltlich Schärfe vermissen, wenn es um die Probleme der Armutsmigration aus überwiegend islamisch geprägten Ländern geht. Wie reformieren wir unsere Sozialversicherung, das Gesundheitswesen und die Schulen im Land, die nicht darauf ausgelegt sind, gleich millionenfach das Armutsschicksal dieser Welt zu lindern? Zudem bleibt Kühnen eine Antwort auf die Frage schuldig, wie denn genau ein Fachkräfteproblem mit anhaltender Armutszuwanderung gelöst werden soll, das Unternehmen in der Regel selbständig auf dem internationalen Arbeitsmarkt bewältigen. Auch die ständig wiederholte Warnung vor der AfD als eine Art Totengräber der Demokratie wirkt inzwischen ermüdend, abgenutzt und angesichts des Umgangs der etablierten Parteien mit ihrer Konkurrenzpartei geradezu lächerlich.

In Deutschland hat sich eine Art thematischer Korporatismus zwischen Wirtschaftseliten, führendem Mittelstand und politischer Leitideologie verfestigt. Ausbrüche aus dieser Phalanx werden, wie der Fall der Familienunternehmer zeigte, von Medien und politischem Druck rasch wieder eingeebnet. Der Versuch war kaum publik geworden, einen vorsichtigen Dialog mit der AfD zu eröffnen, da folgte bereits der öffentliche Rückpfiff mit dem medialen Dampfhammer. Kein Grashalm wächst zu hoch hinaus, ohne dass die Sense kommt – eine harte Lehrstunde für Verbandschefin Marie-Christine Ostermann, die sich seither bedeckt hält.

Kühnens Gespräch mit der Welt wirkt strategisch platziert und inhaltlich kuratiert. Will man der in den Umfragen schneller wachsenden Oppositionspartei etwas Wind aus den Segeln nehmen, indem Repräsentanten bekannter Markenhersteller ihre Autorität und Bekanntheit in die Waagschale legen und die AfD zu einem undemokratischen Popanz aufblasen? Aufgesetzte Empörung gegenüber dieser Partei wirkt ebenso deplatziert wie die vom selben Milieu gebetsmühlenartig vorgebrachten Klimawarnungen. Handelt es sich um hysterische Panik vor dem bevorstehenden Machtverlust? Da empfiehlt sich doch ein guter Tee mit ein wenig Gebäck zur allgemeinen Beruhigung in einer Selbsthilfegruppe gestresster Funktionäre und Wirtschaftsbosse!

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 38 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

38 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Audix
24 Minuten her

Bahlsen muss diesen Herrn wegen Geschäftsschädigenden Verhaltens achtkantig raus schmeißen

rainer erich
43 Minuten her

Soweit, so richtig. Was aber zielsicher zur Frage aller Fragen führt. Wie kann unter diesen Bedingungen resp bei diesem nahezu bemitleidenswerten Personal eine politische Wende gelingen ? Der persönlich gut ausgestattete Bahlsentyp wird rechtzeitig Land gewinnen, wo auch immer, aber aktuell scheinen seine Erzeugnisse noch von hinreichend vielen Indigenen gekauft zu werden. Das kann sich ändern. In anderen “ volkswirtschaftlich“ nicht ganz unwichtigen Branchen ist es soweit. Das muss den Herrn persönlich nicht belasten, denn er , ein Teil der ehrenwerten Elite, dürfte auch woanders privatisieren.

Lars Baecker
49 Minuten her

Zudem wird er sich auch billige Arbeitskräfte erhoffen, die vom Staat subventioniert werden. Und Bahlsen-Produkte werde ich ab sofort von meinem Speiseplan entfernen.

Axel Fachtan
15 Minuten her

Wenn ein Drittel der Deutschen nichts mehr von Bahlsen kauft, dann sinken die Umsätze um ein Drittel. Wenn dieses Drittel der Deutschen auch ihren Supermärkten sagt „Nehmt diesen Dreck aus den Regalen, verschenkt ihn an die Tafeln, und bestellt keinen neuen Dreck mehr“ dann muss der Einzelhandel das ernst nehmen. Wenn ein Drittel der Deutschen nur noch in Supermärkten einkaufen geht, die Bahlsen ausgelistet haben, dann verlieren die Ketten ein Drittel Umsatz die sich immer noch mit den Keksbevormundern „schmücken“. Nichts ist für die Ewigkeit. Sinkt die Auslastung der Maschinen um ein Drittel, dann lässt sich nicht mehr rentabel produzieren.… Mehr

Manfred_Hbg
18 Minuten her

Zitat: „Kühnens Gespräch mit der Welt wirkt strategisch platziert und inhaltlich kuratiert. Will man der in den Umfragen schneller wachsenden Oppositionspartei etwas Wind aus den Segeln nehmen, indem Repräsentanten bekannter Markenhersteller ihre Autorität und Bekanntheit in die Waagschale legen und die AfD zu einem undemokratischen Popanz aufblasen?“ > Darauf wird man wohl Wetten und Gift nehmen können: „der in den Umfragen schneller wachsenden Oppositionspartei etwas Wind aus den Segeln nehmen“ wollen. UMSO näher die AfD an die 50%-Marke rücken tut, UMSO öfter, lauter, schmieriger und verlogener werden die qualitätsmedialen und kartellpolitischen Vorwürfe und Angriffe auf die AfD zu hören sein… Mehr

Last edited 14 Minuten her by Manfred_Hbg
babylon
18 Minuten her

Zum „Keks-Kapitalisten“ Bahlsen und dessen Verstrickungen im NS ein erhellender Artikel bei wallasch.de https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/bahlsen-chef-gegen-afd-der-keks-kapitalist-mit-der-nazi-vergangenheit-als-moralischer-erzieher

Last edited 16 Minuten her by babylon
Seemann
21 Minuten her

Vielen Dank an Herrn Kühnen für die kostenlose AfD-Wahlwerbung.
Durch solche hirnrissigen Aussagen verliert Bahlsen unzählige Konsumenten, der Absatz der Produkte wird garantiert rückläufig sein. Man sollte einfach mal sein Hirn einschalten und sich fragen, wer das Land von einer selbstverschuldeten Krise in die nächste geführt hat. Die AfD war es jedenfalls nicht !

Klartexter
22 Minuten her

Aber ganz sicher kein Gebäck von Bahlsen. Wer moralingeschwängert Afrika Kekse abschafft dem gönne ich go woke, go broke im Sinne von Bud lite.

lavoyageuse
26 Minuten her

„Er sei absolut gegen Remigration“ ! In welcher Blase lebt dieser Mensch ? Ist der zu Fuß unterwegs in migrantisch dominierten Bezirken ? Der soll doch mal seine Frau oder – falls vorhanden – seine Töchter in solche Gegenden/Schulen schicken. Wie wär’s mit Bus/Zug-Fahrten, da kann schon mal ein Messer Mann sein Unwesen treiben. Hat der überhaupt verfolgt, wie das mit der deutschen Automobil Industrie vor sich gegangen ist ? Die haben der Ampel die Füsse geküßt, den Erfolg kennen wir – Autos auf Halde, Massenentlassungen. Deutsche Autos in der Welt: das war einmal. Bahlsen muss nicht sein, dank der… Mehr

Konradin
27 Minuten her

Ein weiteres Unternehmen auf meiner konsequenten und nachhaltigen Boykottliste. Der prominent verhaltensauffällig linksaktivistische Anti-AfD-Herrenreiter Rossmann, der halal-geile Katjes-Konzern, der Anti-AfD-Einzelhändler Edeka und nun der Bas-affine Bullshit-Bahlsen.
Ohnehin alles toxisch krankmachend überzuckert. Somit tut es der körperlichen und seelischen Gesundheit nur wunderbar gut, die Produkte dieser Unternehmen zu meiden und wenn immer möglich und angebracht ist, im meinem Umfeld darauf hinzuweisen es ebenso zu tun.
Dafür gib´s Müller-Milch en mas. Schoko, Banane oder Erdbeer? Oder Buttermilch pur? Egal. Dazu immer wieder gerne dies und das von Landliebe. Denn Liebe zum Land ist bei (Theo) Müller Programm.

Rechtsschaffend
31 Minuten her

Viele Wirtschaftsführer sehen sich (und ihre Sprösslinge) als „Weltbürger“ und haben zum Nationalstaat ein eher distanziertes Verhältnis. Sie verbringen oft auch viel Zeit während der Ausbildung in elitären Einrichtungen im Ausland und haben daher ein sehr positives Bild von internationaler Zusammenarbeit. Weniger Erfahrung haben sie hingegen mit einfachen Migranten und deutschen Normalos.

Bissiger Wolf
31 Minuten her

Aus Wikipädia: (sic!) —————————- Infolge der Rohstoffknappheit wegen des Zweiten Weltkrieges wurde das Sortiment auf elf Artikel reduziert. Als Bahlsen zum „kriegswichtigen Betrieb“ und damit zum Rüstungsbetrieb ernannt wurde, stellte es Notverpflegungen für deutsche Soldaten her und produzierte Knäckebrot sowie Zwieback. Ab 1940 mussten mindestens 200 Zwangsarbeiter aus sieben Ländern im Bahlsen-Werk arbeiten, vorwiegend Polinnen und Ukrainerinnen, die zwangsweise in Barackenlagern lebten.[26][27][28][29] Diese waren aufgrund der damaligen Vorschriften u. a. bei der Bezahlung benachteiligt, standen aber auch auf anderen Ebenen hinter der deutschen Belegschaft zurück. 60 Entschädigungsklagen ehemaliger Zwangsarbeiter gegen Bahlsen wurden im Jahr 2000 vom Landgericht Hannover wegen Verjährung… Mehr

Last edited 31 Minuten her by Bissiger Wolf
Olli Gator
32 Minuten her

Das kommt dabei raus, wenn man immer die harten Kekse essen muss. Im grünen, woken Sozialismus wird er keine Subventionen mehr bekommen.