Top-Ökonom kritisiert wachsenden Subventionsstaat

Der Umbau der deutschen Industrie in eine zentral geplante Transformationswirtschaft verbrennt das Zukunftspotenzial unserer Gesellschaft. Der Freiburger Ökonom Lars Feld zählt zu den wenigen Wissenschaftlern, die den entgrenzten Subventionsrausch des Staates noch zu durchschauen vermögen.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Welche Rolle soll in unserer Ökonomie der Staat einnehmen? Ist es seine Aufgabe, neben der Garantie äußerer und innerer Sicherheit sowie der Rechtspflege überhaupt in der Ökonomie zu intervenieren? Mit Blick auf die gegebene Realität des wuchernden Staatsapparats müssen wir konstatieren: Seit 2015 hat er auf allen Ebenen versagt.

Das Problem dieses Versagens auf breiter Front ist nicht nur ein ökonomisches und fiskalisches Desaster. Der Unwille zur Reform treibt die Kosten des Umbauprojekts Deutschland in die Höhe. Der Subventionsapparat der grünen Ökonomie, des nun expandierenden Rüstungssektors und des deutschen Verwaltungsapparats sprengt jede Vorstellungskraft.

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Der Freiburger Ökonom Lars Feld warnte am Wochenende im Interview mit dem Tagesspiegel vor dieser Entwicklung. Feld rechnete vor, dass im laufenden Jahr etwa 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also 321 Milliarden Euro an Subventionen, Beihilfen und anderen Marktmanipulationen durch den Staat verteilt werden. Ein nicht endender Strom an Fördermitteln – böswillige Zungen würden sagen: Schmiergeld – ergießt sich über das Land. Viele reiben sich die Hände. Diejenigen, denen bewusst ist, dass sie für das Freibier aufkommen müssen, reagieren mit zunehmender Apathie.

Es ist ein Staat im Staate entstanden, ein gigantischer parasitärer Körper, der dem produktiven Teil der Gesellschaft die Mittel entzieht, um den wachsenden Teil der in Abhängigkeit gebrachten Subventionsjäger und Staatsangestellten ein sorgloses Einkommen zu garantieren. So schafft man sich politische Mehrheiten, stürzt aber gleichzeitig die Ökonomie in den Abgrund. 7.000 Euro pro Arbeitnehmer beträgt der Subventionsberg im Jahr, rechnet Feld vor, bei inzwischen 5,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst und einer Staatsquote von weit über 50 Prozent.

Der kafkaeske Staatsapparat hat längst ein Eigenleben entwickelt – er ist zu einer gefräßigen Maschine degeneriert, die das Wallensteinsche Motto auf den Punkt bringt: „Der Staat nährt den Staat“. Es wird keine Reformen mehr geben, bis dieses Gebilde nicht unter seinem eigenen Gewicht kollabiert. Zu viele Individuen, Firmen, Strukturen, NGOs, Medien besitzen einen vitalen Anreiz, diese Umverteilungsstruktur zu verteidigen. Feld hat recht, wenn er sagt: „Subventionen setzen falsche Signale und führen zu ökonomischer Erstarrung“.

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Es nimmt niemanden Wunder, dass es mit Deutschland ökonomisch und gesellschaftlich bergab geht, seit die Brandmauerparteien ihren Konsens in der wechselseitigen Adaption der ökosozialistischen Doktrin gefunden haben: Ganz gleich, ob es sich um die Politik der offenen Grenzen oder das wuchernde Wohlfahrtswesen handelt – unsere Gesellschaft nimmt stets größten Schaden, wenn Etatisten, Staatsgläubige und quasi-religiöse Eiferer das Regiment führen dürfen. In keinem anderen Politikfeld ist dies besser zu beobachten als im Bereich der grünen Transformations-Katastrophe.

Allein der sogenannte Klimatransformationsfonds (KTF) wird in diesem Jahr die langsam trocken laufenden Kanäle der grünen Günstlingswirtschaft mit über 37 Milliarden Euro fluten – abgepresstes Steuergeld, vermengt mit frischem Kredit, das nun der Privatwirtschaft für den ökonomischen Turnaround entrissen wurde.

Die erweiterte Rechnung wird zu einem späteren Zeitpunkt ein zweites Mal über die steigende Inflation zugestellt. Und der Staatsapparat wächst und wächst. Mit jeder Subvention und jedem Förderprogramm werden auch neue Verwaltungsstellen geschaffen. Deutschland verwalte nur noch seinen Niedergang, meinte am Montagmorgen der Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn dazu.

Diese Politik hat Folgen: Allein während der vergangenen drei Jahre war die deutsche Wirtschaft gezwungen, 325.000 künstliche Jobs zu kreieren, um den zusätzlichen Verwaltungsaufwand aus Brüssel und Berlin bedienen zu können. Was hier geschieht, hat nichts mit Verwaltung des Niedergangs zu tun – wir erleben die gezielt herbeigeführte Implosion industrieller Strukturen und die Verdrängung der Privatwirtschaft durch einen parasitären Großkörper.

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Es klingt grotesk, irrational und verbreitet den Ruch einer Verschwörungstheorie. Und dennoch müssen wir mit Blick auf die politische Praxis in der Europäischen Union konstatieren, dass die Kräfte überragen, die allen Ernstes an den Umbau unserer Gesellschaft in eine CO2-freie Utopie glauben. Die freiwerdenden Industriekapazitäten sollen – geht es nach dem Willen der Zentralplaner – mit den neuen hochsubventionierten Herstellern der grünen Günstlingswirtschaft, der Rüstungsindustrie und dem wachsenden Staatsapparat, der wie ein zweiter Arbeitsmarkt hinter dem regulären geschaltet wurde, wieder aufgefüllt werden.

Ein zivilisatorischer Amoklauf, eine grün-sozialistische Barbarei, die viel zu viele Fürsprecher hat, um ihr das Weltenrettergewand vom Leibe zu reißen. Denn noch immer ist die rezessive, schwer angeschlagene deutsche Privatwirtschaft in der Lage, die wuchernden parasitären Strukturen des neuen Sozialismus zu nähren. Es wäre spannend, Debatten zwischen Lars Feld, einem der wenigen ordoliberalen Ökonomen, mit seinen sozialistischen Kollegen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und dem Heer staatlich finanzierter Regierungspaladine zu erleben.

Die deutsche Realität macht es liberalen und libertären Ökonomen im Grunde leicht, argumentativ zu bestehen. Ein Staat, der ein billionenschweres Schuldenprogramm unter dem Euphemismus „Sondervermögen“ am offiziellen Haushalt vorbeischummeln muss, um mit diesem Kunstkredit die aufreißenden Lücken seines Sozialsystems und die Unterfinanzierung der niederbrechenden Ökoindustrie zu kompensieren, ist per se gescheitert und nimmt nicht mehr an einem sachlichen Diskurs teil. Er ist intellektuell, ideologisch und erst recht ökonomisch ein Popanz, der in seinem Abstiegskampf – und das ist der eigentliche ethische und tragische Skandal der deutschen Tragödie – zu viele mit sich in die Tiefe reißt.

In diese Struktur fügt sich auch die gigantische deutsche Subventionsmaschine ein. Allein ihre Zerschlagung würde Schockwellen durch unsere Gesellschaft senden. Selbst vorsichtige Korrekturen, wie sie Wirtschaftsministerin Reiche kürzlich andachte, führen zu massiven Abwehrreaktionen der Profiteure des Raubzugs.

Gesellschaftliche Veränderungsprozesse sind Generationenprojekte. Noch ist der Vorhang aus Propagandanebel, staatlicher Macht und Diskursdominanz stabil, und der Weg zurück zu einer Gesellschaft, in der bürgerliche Normen und individuelle Freiheit maßgeblich sind, scheint weit. Doch jedem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergang ruht stets bereit die Saat des Neuen inne. Blicken wir voraus.

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Kommentare ( 22 )

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22 Comments
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Schwabenwilli
49 Minuten her

„Top-Ökonom kritisiert wachsenden Subventionsstaat“

Nun ja, das Wort dafür heißt Sozialismus.

Logiker
57 Minuten her

Endlich ist die langersehnte Enzyklopädie „Die wirtschaftlichen Erfolge der Grünen – 1980-2024“ erschienen:

https://youtu.be/_6SqMfAUuvY

Ein Muss für jedes Bücheregal.

KoelnerJeck
1 Stunde her

Ludwig von Mises hätte für diese Form des „Wirtschaftens“ nur ein Wort übrig: Sozialismus. Bei noch strengerer Auslegung könnte man es auch als nationalen Sozialismus bezeichnen.

Adlershofer
1 Stunde her

Ich sachs mal so: Als die DDR zusasmmenbrach 1989 / 1990 mußten nicht nur die Stasi-Angehörigen, Parteifunktionäre und andere Systemträger relativ zügig schauen, wie sie sich und ihre Familien in Zukunft ernähren können. Kurzre Zeitvspäter betraf es alle Ossis. Und das haben sich diese Menschen gemerkt. Das wird sich bei dem sich jetzt abzeichnenden wirtschaftlichen Zusammenbruch in den gebrauchten Bundesländern auch ergeben-ersetze Stasi und Partei durch NGO`s und öff. Dienst sowie nicht mehr vorhandene Arbeitgeber, vor allem aus der Großindustrie (BASF, ZF, Automobilindustrie usw.). Insofern erklärt sich der Unterschied in den Wahlergebnissen / Umfragen im Osten zum Westen aus den… Mehr

Deutscher
46 Minuten her
Antworten an  Adlershofer

Im Osten sitzt die alte SED in vier von fünf Landesparlamenten und regiert schon auch mal. So viel zu den „gemachten Erfahrungen“.

wegmitdenaltparteien
30 Minuten her
Antworten an  Adlershofer

und genau deshalb braucht es die wiedereinführung von folter, sippenhaft und todestrafe.

ich sage das nicht für einen freund, sondern aus überzeugung und weil es sogar selbst in dieser parodie eines angeblichen staates durch die mir zugesprochene meinungsfreiheit per grundgesetz gestattet íst und aufgrund der illusion auch der nettiquette dies zensurblattes, das sich vorgeblich für die meinungsfreiheit ausgibt, entspricht.

Last edited 28 Minuten her by wegmitdenaltparteien
Jan Usko
1 Stunde her

… aber noch eine neue regierungsnahe NGO namens WInGzh (Wo ist noch Geld zu holen?) gründen, wie ich neulich gehört zu haben mir einbilde.
Milliarden an Subventionen wären ihr sicher!

Last edited 1 Stunde her by Jan Usko
Koepenicker
1 Stunde her

Hr. Feld ist ein kluger und extrem meinungsstarker Ökonom dem ich schon länger aufmerksam folge. Und ich wünschte mir wirklich ,viel mehr Menschen würden ihm zuhören.
Was Hr. Feld allerdings nie macht und das zeichnet ihn auch ganz sicher aus , er wirft nicht ständig mit Kulturkampfparolen wie „Ökosozialismus ,Günstlingswirtschaft“ oder sonstigem um sich.
Und daran erkennt man auch ganz schnell den Unterschied zu Autoren die wirtschaftliche Themen nicht als politische Propaganda missbrauchen.
Ein Glück haben wir noch Ökonomen vom Schlage eines Herrn Feld und nicht nur Propagandisten unterschiedlichster Couleur .

Klaus D
2 Stunden her

Der Freiburger Ökonom Lars Feld zählt zu den wenigen Wissenschaftlern, die den entgrenzten Subventionsrausch des Staates noch zu durchschauen vermögen….aber auch logisch denn er ist ja ganz nah dabei*!

*Feld schreibt Gutachten für die Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft[18] und hat den Vorsitz des wissenschaftlichen Beirats des Lobby- und BerufsverbandsWirtschaftsrat der CDU e. V. (wikipedia)

Medea
2 Stunden her

Ach, Herr Kolbe, die Situation in Deutschland ähnelt dem Bild des Wales bei Poel, nur schlimmer.
Deutschland wird bereits vor dem endgültigen Exitus ausgeweidet.

Bernd Simonis
2 Stunden her

Die sogenannte Energiewende rechnet sich nun Mal nicht von alleine. Ich hätte mir von einer Demokratie eine Generalabstimmung gewünscht: Wenn ihr Bürger „Klimaschutz“ wollt, dann muss geschehen A,B,C und vielleicht D. Und das alles kostet x Mrd Euro. Und das wird jeden von euch belasten in Höhe von z Euro. Wollt ihr das, ja oder nein. Stattdessen wird uns alles untergejubelt, niemand beziffert offen und ehrlich die Kosten.

Haba Orwell
1 Stunde her
Antworten an  Bernd Simonis

Bei Ehrlichkeit müsste man gleich zugeben, dass Klimagedöns bloß Schwindel und Betrug ist. So könnte man keine Kohle damit machen.
https://tkp.at/2026/04/20/co2-messungen-im-19-jahrhundert-was-chemiker-fanden-und-warum-es-die-klimaforschung-ignoriert/

Deutscher
42 Minuten her
Antworten an  Bernd Simonis

Wozu? Jeder Bürger hat bei jeder Wahl die Wahl. Wenn 80% der Wähler unbeirrt Klimawahnparteien wählen, finde ich das zwar doof, aber demokratisch ist dennoch.

siebenlauter
2 Stunden her

Mit dem 1.000-Milliarden Schuldenpaket hat ausgerechnet CDU-Merz den Weg in Sozialismus und Planwirtschaft unumkehrbar gemacht. Weite Teile der Bevölkerung werden verarmen, noch sehr viele unter das tatsächliche Existenzminimum rutschen und elendig verrecken. Alldieweil sichert dich der Staat die Loyalität seiner wachsenden Beamtenschaft durch Sonderboni und deutlich angehobene Alimentation. Die außerordentliche Raffinesse der Ausbeutung der Untertanen wird wohl das auch später noch erkennbate genuine Kennzeichen der heutigen Spätmoderne sein.