Evonik-Chef Kullmann zieht Kritik am CO₂-Handel zurück

Evonik-Chef Christian Kullmann nimmt seine scharfe Kritik am CO₂-Zertifikatehandel zurück. Offenbar hat die EU-Kommission der Chemiebranche ein Subventionssedativum verschrieben. Im Ergebnis bleibt die CO₂-Politik der EU sakrosankt.

picture alliance / SVEN SIMON | Malte Ossowski/SVEN SIMON

Fünf Monate sind im Mediengeschäft eine Ewigkeit. Und es scheint tatsächlich eine Ewigkeit vergangen zu sein, seit Christian Kullmann, seines Zeichens CEO des deutschen Chemiekonzerns Evonik, Ende Oktober mit der europäischen Klimapolitik hart ins Gericht ging.

Kullmann gab seinerzeit der Süddeutschen Zeitung ein Interview, in dem er, wenn nicht gar das Aus, so doch zumindest eine deutliche Abschwächung des EU-weiten CO₂-Zertifikatehandels angesichts der dramatischen Lage der Wirtschaft forderte.

Einsamer Rufer in der Wüste
Evonik-CEO Kullmann fordert Ende des CO2-Kults
Kullmann wies zu Recht auf das Problem hin, dass es wohl weltweit kein schärferes CO₂-Regime gäbe als in der EU. Und da das Klima bekanntlich keine Grenzen kennt, halte er es auch für völlig falsch, heimische Spitzentechnologie auf diese Weise zu benachteiligen. Dabei verwies Kullmann explizit auf den kostspieligen CO₂-Zertifikatehandel. Sagenhafte 21,4 Milliarden Euro entzog der Staat der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr im Namen des Klimakultes über dieses noch recht junge Vehikel.

Fünf Monate nach diesen überraschenden Aussagen, mit denen Kullmann für einen Augenblick das hartnäckige Schweigegelübde der deutschen Industriebosse brach, stellt sich in der Tat die Frage, ob es an irgendeinem Ort auf dieser Welt noch vergleichbare Projekte gibt wie das des europäischen CO₂-Regimes. Mit dem Ausstieg der USA aus der manischen Energieverknappung, dem endlosen Krieg gegen die konventionelle Energieerzeugung sowie der Regulierung der eigenen Industrieproduktion steht die EU in ihrem fanatischen Feldzug gegen ökonomische Vernunft allein auf weiter Flur. Niemand will mehr in die Melodie der europäischen Klima-Apokalyptiker einstimmen.

Dieser europäische Isolationismus könnte anderswo als späte Gegenkolonisation wahrgenommen werden – ein Kapitalrückfluss reuiger Europäer, die bereit sind, Verzicht zu üben, um anderen Regionen auf die Beine zu helfen.

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Überall auf der Welt freut man sich über diesen selbstlos naiven Degrowth-Suizid der Europäer, der ihnen gratis und ohne allzu viel politische Vorarbeit nicht nur sogenannte Klimaunterstützung aus europäischen Hilfsfonds sichert. Vor allen Dingen die akzelerierten Industrieinvestitionen europäischer Unternehmen, serviert auf dem Silbertablett der Ökosozialisten, sind gern gesehene Helfer beim Aufbau prosperierender Zivilgesellschaften. Eine zivilisatorische Zutat, auf die man in unseren Breitengraden wohl verzichten zu können glaubt.

In China hat man gelernt, sich still zu verhalten, wenn der geopolitische Gegner Fehler an Fehler reiht, wie es im Falle der europäischen Klimapolitik geschieht. Energieintensive Firmen wie Evonik werden durch die CO₂-Bepreisung mit einem künstlichen Wettbewerbsnachteil sanktioniert – einmal in feste politische und administrative Strukturen gegossen, handelt es sich hierbei um ein wahres Konjunkturprogramm für ausländische Industriestandorte.

Zur gleichen Zeit entwickelt China, ähnlich wie die unter Präsident Donald Trump deregulierten USA, einen wahren Staubsaugereffekt auf dem Kapitalmarkt. Die Welt profitiert von deutscher Ingenieurskunst und europäischem Kapital.

Chemiewirtschaft in der Krise

Dramatisch lässt sich dieser Prozess besonders in der Chemiewirtschaft beobachten. Der energieintensive Sektor hat neben der Automobilindustrie einen der härtesten Wirkungstreffer der europäischen Klimapolitik erlitten. Kullmanns Warnung vor der Zerstörung ökonomischer Grundlagen war mehr als berechtigt, kam aber viel zu spät und blieb zunächst ein einsamer Rufer in der Wüste.

Seit 2018 haben die Betriebe der deutschen Chemiewirtschaft etwa ein Viertel ihrer Produktionskapazitäten eingebüßt. Der Sektor operiert mit einer durchschnittlichen Kapazitätsauslastung von nur noch etwa 70 Prozent, was den Zustand einer sektoralen Depression beschreibt, die wir hier seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland nicht mehr erlebt haben.

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Doch je übler die wirtschaftliche Lage, desto fester steht die deutsche Politik im Glauben an ihre grüne Transformation. Das Schweigen der Wirtschaft ist mithilfe der gigantischen Subventionsmaschine ebenso abgesichert wie die naive kultische Gefolgschaft des affinen Mediensektors, der seine schrille Begleitmusik zum allgemeinen Niedergang spielt.

Medientaktisch geschickt hat man sich in Brüssel auf Drängen der europäischen Industrie darauf verständigt, ein wenig Druck vom CO₂-Kostenkessel zu nehmen. Die EU-Kommission wird wohl für einige Zeit das Volumen der zirkulierenden Zertifikate im Rahmen der Marktreserve einfrieren, um auf diese Weise den Preis zu stabilisieren.

Für Evonik-Chef Kullmann ist das Ergebnis, das Brüssel präsentiert, offenkundig akzeptabel. Und auch seine scharfe Kritik am CO₂-Mechanismus ist auf wundersame Weise im Medienäther verschwunden. Der Sinneswandel folgt offenkundig nach der Zusage weiterer Subventionszahlungen. Davon dürfen wir getrost ausgehen.

Es hat sich ein zerstörerischer Mechanismus zwischen Großkonzernen und der ökosozialistischen politischen Führung etabliert. Auf Medienebene inszenieren Konzernleitungen und Funktionäre ein Ping-Pong-Spiel, das dem Wähler kritische Dialoge und konfliktierende Interessen auf oberster Entscheidungsebene der Politik vorgaukelt.

Offenkundig ist man nicht einmal bereit, den Wohlstandstransfer trotz der Dauerrezession von den produktiven Bereichen der Gesellschaft zu den politisch begünstigten Extraktionssektoren wie der Ökowirtschaft abzubremsen. Über die ökonomischen und sozialen Konsequenzen, die aus dieser Politik folgen, muss man sich derzeit weder in Brüssel noch in Berlin Gedanken machen.

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Kommentare ( 7 )

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Budgie
10 Minuten her

Die Zauberlehrlinge der Blockparteien haben es dank der massenhaft vorkommenden Schmierenkomödianten wie Kullmann geschafft:
Der 1. April wird jetzt 365 Tage im Jahr „gefeiert“.

Spyderco
11 Minuten her

,,Offenbar hat die EU-Kommission der Chemiebranche ein Subventionssedativum verschrieben.“

-Was unterscheidet die EU von einer Bananenrepublik?
-Die Entscheider in Bananenrepubliken sind i.d.R. gewählt!

humerd
1 Stunde her

Ursula von der Leyen erkauft sich Meinungen mit unseren Steuergeldern. Deutschland ist größter Nettozahler zur EU.
F. Merz 21.3.2026 “In diesen unsicheren und schweren Zeiten müsse Deutschland „für eine gewisse Zeit die Ärmel aufkrempeln“, um UvdLs Eu zu finanzieren, die Ukraine zu finanzieren

flyingmick
1 Stunde her

Feigling…. die ganze CO2-Abkassiererei ist nur eine riesige Verarschung der Bvölkerung. Sorry, aber anders kann man es nicht mehr bezeichnen. Spinner und Schlangenölverkäufer konstruieren eine phantastische Blase und stehlen den Menschen ihren Wohlstand und ihr Auskommen. seit 30 Jahren demolieren die intellektuellen Minderleister in Politik und Gesellschaft unser technische und gesellschaftliche Infrastruktur und zerstören mutwillig die Grundlage unseres Wohlstandes. Dumme Menschen, die einer Pseudo-Religion hinterher laufen: Statt Fortschritt nur Rückschritt und Zerstörung. Von technisch-physikalischen Zusammenhängen keine Ahnung aber 70-140 Geschlechter konstruieren. Alle nur noch bekloppt…statt sicherzustellen, dass Energie unabhängig und allzeit im Überfluß günstig verfügbar ist, werden kümstliche De-Growth Phantasien… Mehr

humerd
1 Stunde her
Antworten an  flyingmick

Feigling….
keineswegs. Er ist den Unternehmen verpflichtet. Mit seiner ersten Kritik hat er Subventionen eingesammelt. Läuft also.

Stefan Frings
1 Stunde her

Den deutschen (und europäischen) Klimakult will man anderswo sicherlich nicht haben, es gibt aber schon Länder, die mit Blick auf ihre Natur (und Kultur) sagen sie würden auf (mehr) Wachstum verzichten. Das sind nicht so viele, ich nenne einmal Bhutan. Dort war ich vor einem Monat in Urlaub (sehr empfehlenswert, wenn Sie hohe Berg UND Buddhismus mögen). Dort wird der Tourismus stark reglementiert, nicht über CO2-Steuern, sondern über eine hohe Tourismussteuer von USD 100 pro Person und Nacht und staatlich festgesetzten, hohen Hotelpreisen. Und sie müssen einen Reiseführer haben und über eine örtliche Agentur buchen. Folge: Unter 300-350 € pro… Mehr

Montesquieu
2 Stunden her

Der CO2 Handel ist ein relevanter Teil der globalen (Finanz)Wirtschaft.
Digitale Gewinne in irrwitziger Größenordnung durch Steuern auf Luft.
Und das abkassierte Wahlschaf glaubt auch noch die Propaganda, wonach seine Beraubung zu seinem Besten geschehe.
Das ist genial!
Da bedarf es keiner Bestechung, um Kritiker zu „überzeugen“. Da genügt ein Blick von „guten Freunden“.

Last edited 2 Stunden her by Montesquieu