Der Bundeskanzler im Podcast: Alles für den Klimagott – alles für den Abstieg

In einem WELT-Podcast skizziert Kanzler Friedrich Merz seine Agenda. Mehr Regulierung und Zensur der digitalen Kommunikation, massive Aufrüstung und der irrationale Kampf gegen den Klimawandel überlagern jeden Ansatz einer rationalen Lageeinschätzung. Ohne grundlegende politische Wende droht dieser Crashkurs mit der Realität bald außer Kontrolle zu geraten.

Eine simple, aber fundamentale Frage steht am Anfang: Wie erzeugt eine Gesellschaft Wohlstand? Ökonomen wie Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises haben zu diesem Thema ganze Bibliotheken hinterlassen, und ihre zentralen Thesen sind von der historischen Entwicklung in bemerkenswerter Weise bestätigt worden. Der Wohlstand einer Gesellschaft korrespondiert mit dem Grad ihrer ökonomischen Freiheit, mit der weitgehenden Absenz staatlicher Interventionen und mit einer kulturellen Grundierung unseres Handelns, die von bürgerlichen, meritokratischen Werten getragen wird.

Anders formuliert: Je entschiedener wir freies Unternehmertum zulassen und je konsequenter wir den staatlichen Akteur auf seine Kernaufgaben zurückführen, desto rascher wird es uns gelingen, jene Schäden zu beheben, die im Namen von Klimareligion und Ökosozialismus angerichtet wurden.

Klarnamenpflicht
Friedrich Merz macht das Internet zum Machtinstrument
Hinzu tritt eine ebenso nüchterne wie zentrale Beobachtung: Eine wohlhabende Gesellschaft verbraucht ein enormes Energievolumen. Sie aktiviert sämtliche verfügbaren Quellen und setzt bei Erzeugung wie Distribution auf modernste Technologien – auf modulare Atomkraftwerke ebenso wie auf hochmoderne Kohle- und Gasverstromung – und ergänzt dort, wo es ökonomisch rentabel ist, durch dezentrale Energieformen wie die Solarenergie.

Florierende Gesellschaften sind ideologisch agnostisch, und es gelingt ihnen, pathologische Ideologen in Schach zu halten und parasitäre Strukturen, Bürokratien und Parteienfilz zu sanktionieren.

Diese Feststellung führt unmittelbar in die Tagespolitik, die sich zu einem regelrechten Abwehrkampf eines klimasozialistischen Apparates entwickelt hat – einer Art Staat im Staate –, der sich im zunehmend aggressiven Duktus gegen die heranbrandende ökonomische Realität stemmt.

Wie sich diese Abwehrarbeit der Berliner Politik im medialen Tagesgeschäft konkret darstellt, kann der politisch interessierte Bürger im ersten großen Interview studieren, das Bundeskanzler Friedrich Merz in diesem Jahr gegeben hat.

Im Podcast „Machtwechsel“ der beiden WELT-Journalisten Robin Alexander und Dagmar Rosenfeld legte Merz in stichpunktartiger Form seine Regierungsagenda dar. Wenig überraschend betonte er dabei seinen ungebrochenen Willen, gemeinsam mit der vereinten Linken im Land die sogenannte Brandmauer gegen die AfD zu verteidigen.

In diesem Zusammenhang warf er der Partei vor, ein System der Vetternwirtschaft zu praktizieren. Anlass der Kritik waren Fälle, bei denen AfD-Mandatsträger Angehörige oder Vertraute im parlamentarischen Umfeld beschäftigten. Solche personellen Verflechtungen sind zwar rechtlich unter bestimmten Voraussetzungen zulässig, politisch jedoch regelmäßig Gegenstand scharfer Kritik, weil sie den Eindruck mangelnder Transparenz und parteiinterner Begünstigung erwecken. Der Habeck-Graichen-Filz lässt grüßen.

Unabhängig von der parteipolitischen Zuordnung gilt: Wird ein solcher Vorgang öffentlich, wirft er berechtigte Fragen nach politischer Ethik und Kultur auf. Zugleich ist festzuhalten, dass die Praxis, Mitarbeiter aus dem persönlichen oder parteinahen Umfeld zu rekrutieren, im deutschen Politikbetrieb keineswegs ein singuläres Phänomen darstellt. Die Vergabe von Positionen innerhalb des Staats- und Parlamentsapparates an Parteifreunde, langjährige Weggefährten oder familiär verbundene Personen, ist seit Jahrzehnten Gegenstand politischer Debatten und strukturell tief im System verankert.

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Dass Friedrich Merz im Russland-Konflikt auf eine kreditfinanzierte, massive Aufrüstung setzt, um auf diesem Wege auch seine ökonomische Bilanz – letztlich auf Kosten der Steuerzahler – aufzubessern, wird im Podcast zur geopolitischen Ratio strategischer Notwendigkeit umgedeutet. Was als fiskalisch riskante Schwerpunktverlagerung gelesen werden könnte, erscheint dort als Ausdruck staatspolitischer Verantwortung in unsicheren Zeiten.

Vom Brückenbau zu Russland als unverzichtbarem Energie- und Rohstofflieferanten ist weiterhin nicht die Rede. Stattdessen wird der eingeschlagene Kurs der Distanzierung fortgeführt. In dieser Hinsicht bleibt man der europäischen Linie treu und praktiziert eine maximale Abkehr – nicht nur von früheren Formen pragmatischer Kooperation, sondern auch von geopolitischen Realitäten und der sichtbaren ökonomischen Schwäche der Europäischen Union.

Diese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund einer EU, deren strukturelle Verwundbarkeiten – von Energieabhängigkeiten bis zu Wettbewerbsnachteilen – zunehmend offen zutage treten. Was als wertegeleitete Geschlossenheit präsentiert wird, erscheint aus dieser Perspektive zugleich als strategische Selbstverengung, die sich in einer wachsenden internationalen Isolation zu kristallisieren beginnt.

Sein Vorgehen im Bereich der digitalen Öffentlichkeit fügt sich aus dieser Perspektive in ein geschlossenes Bild. Der verschärfte Kurs gegenüber der Meinungsfreiheit im Internet, die Befürwortung einer digitalen Identität sowie Überlegungen zu einer Klarnamenpflicht lassen seinen ideologisch-etatistischen Standpunkt deutlich hervortreten. Hier manifestiert sich ein Politikverständnis, das spontane und freiheitliche Selbstorganisation gesellschaftlicher Kräfte als schädlich auslegt und mit allen Mitteln zu bekämpfen bereit ist.

Merz begreift sich als Verantwortungsträger in einer komplexen, fragilen Ordnung – als eine Art domestizierender Elitist, der im Zweifel bereit ist, dem politischen Antagonisten sprichwörtlich das Mikrofon abzudrehen, wenn die eigene narrativische Deutungshoheit erodiert.

Die Singularität beginnt
Merz begegnet der Singularität
Seinen wahren, beinahe schon schizophren anmutenden Charakter in der öffentlichen Kommunikation offenbart Friedrich Merz, als das Gespräch auf die Klimapolitik und auf den für die deutsche Industrie zerstörerischen Handel mit CO₂-Zertifikaten kommt.

Ab Minute 27 des Podcasts verdichtet sich das Gespräch auf den Nukleus des ideologischen modus operandi der Politik. Der Bundeskanzler hebt an zu einer Argumentationsfigur, die nur noch als maximale Beugung von Realität und Wahrnehmung gelesen werden kann. Was zuvor noch als nüchterne politische Einordnung erschien – zivilisatorisch zerstörerisch und repressiv, dabei jedoch in sich argumentativ nachvollziehbar –, verwandelt sich in eine rhetorische Konstruktion, in der wirtschaftliche Belastungen relativiert, strukturelle Probleme umgedeutet und politische Zielkonflikte in die ewige Erzählung strategischer Notwendigkeit eingebettet werden.

Was Friedrich Merz zum CO₂-Handel ausführt, veranlasst den Zuhörer, fassungslos an jene Stelle zurückzuspulen. Das Europäische Emissionshandelssystem (ETS) sei ein voller Erfolg gewesen, so der Kanzler. Und es sei ausdrücklich nicht das Ziel, zusätzliche Staatseinnahmen zu generieren, sondern einzig darum, über steigende Kosten Anreize für klimafreundliche Produktion zu setzen.

Es sind Sätze, die ebenso gut aus einem ökonomischen Seminar mit Robert Habeck stammen könnten. Ganz gleich, auf welche Weise man diese Worte miteinander kombiniert – sie ergeben für das normal kalibrierte Verständnis keinerlei Sinn mehr.

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Denn selbstverständlich erzeugt der Mechanismus erhebliche Zahlungsströme, die vom privaten Sektor in staatlich regulierte Kanäle umgeleitet werden. Im vergangenen Jahr summierten sich die Einnahmen aus dem CO₂-Zertifikatehandel in Deutschland auf Milliardenbeträge; die Belastungen trafen Industrie und auch die privaten Haushalte. Insgesamt summierten sich die Zahlungen auf über 20 Milliarden Euro – Mittel, die wiederum in klimapolitische Programme, Transformationsfonds und nicht zuletzt in den parasitären NGO-Komplex fließen.

Dass der Bundeskanzler über die Gabe verfügt, sich innerhalb weniger Sätze gleich mehrfach zu widersprechen und dabei der Realität die rote Karte zu zeigen, ist nicht neu. Doch gerade an dieser Stelle wirkt die Spannung zwischen Ideologie und wirklichem Leben besonders intensiv und lässt erahnen, was in den kommenden Jahren zu erwarten ist. Mit der geplanten Ausweitung des Emissionshandels auf die Bereiche Verkehr und Wärmeerzeugung werden auch private Haushalte stärker in das System einbezogen. Für Verbraucher, die auf konventionelle Heizsysteme setzen, bedeutet dies zusätzliche jährliche Mehrkosten, die sich auf mehrere hundert Euro summieren.

So entsteht ein Milliardengeschäft – für den Staat und seine grüne Günstlingswirtschaft gleichermaßen, die vom legislativ erzwungenen Aderlass der Bürger profitiert.

Man darf gespannt sein, wann diese Zitrone – um eine rhetorische Figur des Kanzlers selbst zu bemühen – endgültig ausgepresst sein wird und nichts mehr hergibt außer der Illusion moralischer Überlegenheit.

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Kommentare ( 64 )

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Helfen.heilen.80
1 Monat her

Jmd. ggf. „das Mikrophon abzudrehen“ wurde im digitalen Raum wohl am umfassendsten von der VR China erforscht. Ob diese Vorgänge für den Rest der Welt Zukunft oder lediglich intellektuelles Glasperlenspiel bleiben, ist mittelfristig sicher noch unklar.
Jedenfalls lohnt es sich vermutlich dieses chinesische Vollbild einer „digitalen Einbettung“ in Augenschein zu nehmen:
Kristin Shi-Kupfer: „Digit@l China – Überwachungsdiktatur und technologische Avantgarde“ Edition Mercator CH Beck

BKF
1 Monat her

Ich sehe das so. Bei aller Kritik der USA-Administration an Europa und Deutschland, wenn sich Merz energiepolitisch von den USA lösen würde und Rußland zuwenden würde, wäre er wahrscheinlich nicht mehr lange Bundeskanzler.

Last edited 1 Monat her by BKF
Schwabenwilli
1 Monat her

Für Merz dauert der Ukraine Krieg ja auch schon länger als WWII.
Eine ideologisch Destruktion hat ihre eigenen Gesetzte. Das ist wie bei einem Vulkanausbruch, irgendwann ist die Lava kalt erst dann kann man das Ausmaß des Schadens erkennen.

BKF
1 Monat her
Antworten an  Schwabenwilli

Das ist ein Problem mit den Daten. Wenn man es wirklich als Weltkrieg erst ab der Kriegserklärung des Reichs an die USA einstuft, würde es passen. Den Beginn des Folgekrieges (auch als WK II bezeichnet) auf den Deutsch-Polnischen-Krieg zu legen ist ja auch suspekt, was ist dann mit den Angriffen von Italien, Polen und Japan ua vor diesem Datum?

Last edited 1 Monat her by BKF
Gottfried
1 Monat her

Über angebliche Vetternwirtschaft regen sich die Schwarzen und Roten auf, aber seltsamerweise platzieren sie ihre Leute auf höchsten Posten, z.B. dem Verfassungsgericht, und finden nichts dabei, sich diese wichtigen Ämter untereinander aufzuteilen. Und hier geht es nicht um irgendwelche Mitarbeiter, hier geht es wichtige mit großem Einfluss versehene Funktionsträger.

Eddy08
1 Monat her

das mit dem Klimageld ist wie mit den Bußgeldern. Da wird auch immer behauptet, das man keine Einnahmen generieren möchte, jedoch werden in die jeweiligen Haushalte Bußgelder in Millionenhöhe verplant und man merkt wie gierig die Behörden sind die Planziele zu erfüllen.Genauso ist die Abzocke mit dem Klimageld. Und von wegen die CO² belastungen werden erst ab 27 beim bürger ankommen, was für eine Lüge schon jetzt merken die bürger beim heizen, beim Tanken und allem was in läden transportiert wird die co² steuer

Eddy08
1 Monat her

aha die reden also über Klimageld, haben die grünen auch gemacht, ergebnis ist weniger als nichts, denn es treibt das konto ins minus. der vergleich soziale medien mit alkohol ist ja abartig, zeigt aber wie diese Elite von ihrem Volk denkt. Im übrigen hat er noch keinen aus dem Volk ins Kanzleramt berufen, denn auf dieses sollte man hören, für dieses ist die regierung nämlich da, nicht nur für dirigenten und eltitenkriecher es wäre schon mal schön zu erfahren was der macaronie dem putin angeboten hat, wenn sie genauso einen mist erzählt haben wie der merz im interview oder bei… Mehr

bfwied
1 Monat her

Scholz war schon sehr nichtssagend, nur der linksgrünen Ideologie verfallen, Merkel war die Schlaueste, weil sie den Niedergang in allen Aspekten schleichend eingeleitet hat und jede Gelegenheit, wie den Tsunami, emotional instrumentalisierend ergriffen hat, um D. sozialistisch umzugestalten und so der DDR-Ideologie einen späten Sieg zu verschaffen. Aber Merz, sprachlich geschult, um Erwartungen zu wecken, ein Wackelpudding, unglaubwürdig durch und durch, bringt es fertig, den eingeleiteten Weg bis zum Exzess durchzupeitschen. Während Merkel alles im wolkigen Ungewissen ließ, ist Merz das Gegenteil von Faffinesse und wirft eloquent die Sätze ins Publikum, das genau diese gerne hören möchte, aber er denkt… Mehr

Unglaeubiger
1 Monat her

Er kann sich zwar als Vieles begreifen, ernennen, selber sehen oder bezeichnen, er ist und bleibt ein Lügner, ein Betrüger, ein Verräter und ein Zerstörer! Also eigentlich Jemand, dem ich nicht mal meine Hausratte anvertrauen würde, geschweige denn mein Heimatland, mein Schicksal und das meiner Kinder. Eine Figur, von eigenen Gnaden in höhere Sphären hochgeschwungen, weder schwindelfrei, trittsicher und wetterfest. Würde er nicht von zig charakterlich maroden Seilschaften gehalten, wäre er schon lange abgestürzt.

Guzzi_Cali_2
1 Monat her

Dem Typ sieht man schon von weiter Ferne an, daß zwischen den Ohren allenfalls etwas ist, was die niederen Körperfunktionen steuert und das unter Umständen auch vom Rückenmark übernommen werden könnte. Bei Joe Biden hat sich die fortgeschrittene Demenz vor allem im Ausfall des Sprachzentrums manifestiert; bei diesem Herrn läuft die Formulierungsmaschinerie wie geschmiert, alllerdings ohne jeden intellektuellen Hintergrund. Man möchte Billy Madison zitieren – in der deutschen Übersetzung etwa: „Was Sie da gerade gesagt haben, ist eines der schwachsinnigsten Dinge, die ich je gehört habe. Zu keinem Zeitpunkt Ihrer wirren, zusammenhangslosen Rede waren Sie auch nur in der Nähe… Mehr

Donostia
1 Monat her

Es geht eigentlich nur noch darum, wie man sein „Vermögen“ dem Zugriff der EU und dem deutschen Staat entzieht. Danach einfach abwarten bis es genügend Bürger schlecht genug geht das sie aufstehen.
Nach dem Zusammenbruch kann man dann sein „Vermögen“ wieder herausholen um einen besseren Neustart zu haben als der Otto-Normal-Obrigkeitshöriger-Altparteienwähler.
Früher wollte ich immer dem Niedergang entgegen wirken. Mittlerweile ist mir klar, dass der Niedergang Teil der Lösung ist, und ich es deshalb auch begrüße wenn es schnell eintritt. Je schneller und absurder das Geld verschwendet wird umso besser, denn dann kann der Neustart früher erfolgen.