Die Vereinigten Staaten ordnen weiterhin ihre sicherheitspolitischen Prioritäten grundlegend neu: In der aktuell veröffentlichten Nationalen Verteidigungsstrategie kündigt Washington eine deutliche Verschiebung seines strategischen Fokus an, Europa verliert an Bedeutung. Und es setzt harte Kritik an den Verbündeten.
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Evan Vucci
Die Verteidigung des amerikanischen Heimatgebiets, die Abschreckung Chinas und die Sicherung zentraler geopolitischer Schlüsselregionen – insbesondere Grönlands – werden laut diesem Strategiepapier in den Vordergrund rücken.
In dem Strategiepapier heißt es unmissverständlich, Europa bleibe zwar ein wichtiger Partner, doch sein relativer Einfluss nehme ab. Der Anteil Europas an der globalen Wirtschaftsleistung sei rückläufig, weshalb die Vereinigten Staaten ihre militärische und strategische Aufmerksamkeit künftig stärker auf andere Regionen richten müssten. Die USA würden weiterhin in Europa engagiert bleiben, zugleich aber ihre Ressourcen prioritär für den Schutz des eigenen Territoriums und für die Eindämmung Chinas einsetzen.
Zitat aus der National Defense Strategy: “Es ist für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten lediglich vernünftig, sich auf die Möglichkeit vorzubereiten, dass ein oder mehrere potenzielle Gegner koordiniert oder opportunistisch gleichzeitig in mehreren Regionen der Welt handeln könnten. Ein solches Szenario wäre deutlich weniger besorgniserregend, wenn unsere Verbündeten und Partner in den vergangenen Jahrzehnten ausreichend in ihre eigene Verteidigungsfähigkeit investiert hätten. Genau das ist jedoch nicht geschehen.”
“Unkluge” Annahmen
Und weiter: “Stattdessen begnügten sie sich – mit wenigen Ausnahmen – allzu oft damit, ihre Sicherheit durch die Vereinigten Staaten gewährleisten zu lassen, während sie ihre Verteidigungsausgaben kürzten und die frei werdenden Mittel in Bereiche wie den Sozialstaat und andere innenpolitische Programme lenkten. Die Verantwortung dafür liegt jedoch nicht allein bei ihnen. Zwar war es ihre eigene Entscheidung, in den jeweiligen nationalen Verteidigungsfähigkeiten zu wenig zu investieren. Doch diese Entscheidung wurde häufig von früheren US-Regierungen begünstigt oder sogar ausdrücklich gefördert. Diese gingen unklugerweise davon aus, dass die Vereinigten Staaten von Verbündeten profitieren würden, die eher abhängige Schutzbefohlene als gleichwertige Partner seien.”
Diese Neubewertung, die sich schon im Dezember abzeichnete, bringt eine klare Erwartungshaltung gegenüber den europäischen Verbündeten: Die Strategie sieht vor, dass die europäischen Staaten künftig selbst die Führungsrolle bei der Bewältigung regionaler Sicherheitsbedrohungen übernehmen sollen – insbesondere bei jenen Risiken, die für Europa unmittelbarer und für die USA weniger existenziell sind. Washington will in solchen Fällen zwar weiterhin unterstützen, allerdings in begrenzterem Umfang.
Zur Begründung verweist das Dokument auf die wirtschaftliche und militärische Leistungsfähigkeit Europas. Die Verteidigungsstrategie stellt fest, dass die europäischen NATO-Mitglieder ohne die USA Russland wirtschaftlich deutlich überlegen seien. Daraus folgert das US-Verteidigungsministerium, dass Europa „stark positioniert” sei, um die primäre Verantwortung für seine konventionelle Verteidigung selbst zu tragen.
Neue strategische Bedeutung Grönlands betont
Parallel dazu misst Washington Grönland eine neue strategische Bedeutung bei: Die arktische Insel wird in dem Papier ausdrücklich – gemeinsam mit dem Panamakanal – als Schlüsselterritorium genannt, dessen Sicherung für den Schutz amerikanischer Sicherheitsinteressen notwendig sei. Das Pentagon kündigt an, dem Präsidenten „realistische Optionen” vorzulegen, um den militärischen und wirtschaftlichen Zugang der USA zu entscheidenden Regionen „vom arktischen Raum bis nach Südamerika” zu garantieren. Dabei wird explizit auf die Aufrechterhaltung der Monroe-Doktrin verwiesen, die traditionell den amerikanischen Einflussbereich in der westlichen Hemisphäre definiert.
Diese Formulierungen fügen sich nahtlos in die jüngste Rhetorik von Donald Trump ein. Der US-Präsident hatte in der Vergangenheit wiederholt Interesse an Grönland betont und damit in europäischen Hauptstädten für Irritationen gesorgt. Die neue Verteidigungsstrategie bestätigt nun die Annahme, Washington könne langfristig eine aktivere Rolle im arktischen Raum anstreben – auch gegen europäische Vorbehalte.
Inhaltlich baut das Papier auf der Nationalen Sicherheitsstrategie der Trump-Regierung vom Dezember auf. Bereits dort war der Schwerpunkt der amerikanischen Sicherheitsarchitektur vom transatlantischen Raum hin zur westlichen Hemisphäre verschoben worden. Europa wurde zwar nicht aus dem Blickfeld verdrängt, jedoch nicht länger als primärer Schauplatz amerikanischer Verteidigungspolitik betrachtet.
Beide Strategiedokumente betonen letztlich dasselbe Grundprinzip: Die Vereinigten Staaten bleiben Partner Europas, erwarten jedoch eine deutlich stärkere Eigenverantwortung der europäischen Staaten für ihre Sicherheit. Gleichzeitig unterstreichen sie den strategischen Willen Washingtons, seine militärischen Ressourcen auf globale Machtkonkurrenz, territoriale Schlüsselräume und die Verteidigung des eigenen Einflussbereichs zu konzentrieren.



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Der Pazifik war schon immer der „Lieblingsteich“ der Amerikaner. Es ist kein Zufall, dass Trump den Mount Daneli wieder in Mount McKinley umbenannt hat. Es war ja dieser 25. Präsident der Vereinigten Staaten, der mit der Annexion Hawaiis und seinem „splendid little war“ gegen Spanien den Amerikanern das Tor zur pazifischen Gegenküste geöffnet hat. Ginge diese Gegenküste verloren und der Verlust von Taiwan wäre ein Anfang, wäre auch die hegemoniale Rolle der Vereinigten Staaten beendet. Europa ist in der bevorstehenden Auseinandersetzung mit China nur Ballast, da reichen Grönland und eventuell noch Island.
Die USA haben ja nach dem Machtwechsel dort einen Partner, Freund, Wirtschaftsfaktor, politischen Gleichgelagerten, und nicht zuletzt vernünftig handelnden Akteur in EU und Deutschland verloren. Eine EU die im Interesse der Länder handeln würde, die islamische Übernahme stoppt und wirtschaftlich, sowie militärisch ernstzunehmen wäre, würde von Trump respektiert. Für die USA ist Europa ein fail state. Islam, Kommunismus, totalitäre Maßnahme, übergriffige Politik, all das führt unweigerlich in die Verelendung. Wenn Vance oder Trump beim WEF die Wahrheit ansprechen, schreien die Europäer Lüge. Die EU ist wie ein Drogensüchtiger, bei dem Trump schon auch mal ein Auge zudrückt, aber er merkt… Mehr
Grönland ist Fakenews. Man kann auf Grönland weder Bodenschätze fördern noch Raketenabschussrampen bauen. Das „Straßennetz“ Grönlands ist insgesamt 150 Kilometer lang, davon sind 60 Kilometer asphaltiert, der Rest Schotter. Um diese „Straßen“ bauen zu können brauchte man vor allem ein Hilfsmittel: Sprengstoff. Auf Grönland gibt es keine Toiletten mit Spülung, weil es keine Abwasserrohre dort gibt und keine Kläranlagen, weil es das alles dort nicht geben kann. Man kann zwar „Straßen“ mit Sprengstoff bauen aber keine Abwasserleitung damit verlegen oder eine Klärgrube abdichten. Die Gebäude auf Grönland bestehen ausschließlich aus Holz. Dieses Holz muß zu 100% dorthin transportiert werden. Bevor… Mehr
Trump hat vollkommen recht. Wer jahrzehntelang seine Armeen kaputtspart, seine innere Sicherheit den Bach runter gehen läßt, obwohl man die Patienten x-mal angemahnt hat, das zu unterlassen, der bekommt irgendwann die Quittung. Und wenn man ihn dann persönlich trifft, haben sie keine Eier, gegenzuhalten und kneifen. Aber sobald sie wie wieder unter sich sind, fangen sie an zu kläffen und zu intrigieren. Selbst schuld, no mercy.
Trump: America FIRST❗
Merz: Germany LAST ❓
> “Stattdessen begnügten sie sich – mit wenigen Ausnahmen – allzu oft damit, ihre Sicherheit durch die Vereinigten Staaten gewährleisten zu lassen, während sie ihre Verteidigungsausgaben kürzten und die frei werdenden Mittel in Bereiche wie den Sozialstaat und andere innenpolitische Programme lenkten.
Die USA sind auch die einzige Macht, die systematisch jede andere ständig angreift, für „Eindämmung“ und ähnliche Spinnereien. Bloss dortige Rüstungsindustrie pampern.
> In der aktuell veröffentlichten Nationalen Verteidigungsstrategie kündigt Washington eine deutliche Verschiebung seines strategischen Fokus an, Europa verliert an Bedeutung.
Genauso, wie Röper bereits gestern schrieb. Kotaus lohnen nicht, der Papa kommt nicht zurück. Für hiesige Transatlantikende:innen bricht die ganze Welt zusammen?
Vielleicht sollte man neuen Papa suchen? Xi, Putin oder Modi? Auf jeden Fall – bloß keinen mehr ärgern.