Mainzer Papiertiger: CDU spielt Wirtschaft – und bleibt SPD-geführt

Die CDU eröffnet den Wahlkampf mit einem ordnungspolitischen Papiertiger: Steuer-Slogans, Bürokratie-Träume, Gründerschutzzonen. In der Realität führt die SPD, der Subventionsstaat wächst, die CO2-Abzocke läuft – und Merz verkauft das als wirtschaftspolitische Wende.

picture alliance / Chris Emil Janßen

Fünf Landtagswahlen sowie drei Kommunalwahlen stehen im laufenden Jahr auf dem Programm. Nach knapp einem Jahr Erfahrung mit der Regierungskoalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz erodieren erwartungsgemäß die Umfragewerte von Union und SPD in einer Wirtschaftskrise, die man mit aller Macht aus dem medialen Diskurs herauszuhalten versucht.

Die gegenwärtige Krise ist das Ergebnis eines vollkommenen Staatsversagens, und zwar auf allen Ebenen. Zusammengeschoben mit den anderen sozialistischen Parteien vor der Brandmauer ist die CDU angekommen in der Familie der Zentralplaner und Klimasozialisten. Um diesen Eindruck ein wenig zu zerstreuen, präsentierte die Partei nun auf ihrem Kongress in Mainz einen ordnungspolitischen Papiertiger.

Merz als Kanzler der Wirtschaft

Der bislang wirtschaftspolitisch desolate Friedrich Merz soll nun als Kanzler der Wirtschaft aufgebaut werden. Die CDU will demonstrieren, den Ernst der Lage erkannt zu haben und sich nun den Kernproblemen zu widmen. In der sogenannten Mainzer Erklärung steht es schwarz auf weiß: Die Körperschaftssteuersenkung, ursprünglich für das kommende Jahr geplant, soll vorgezogen werden, kleine und mittlere Einkommen von der Einkommensteuer entlastet und Überstundenzuschläge steuerfrei gestellt werden.

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Die SPD eröffnet den Kampf gegen die Wirtschaft - und die CDU schaut zu
Das klingt nach der Big Beautiful Bill von Donald Trump – einer Wirtschaftspolitik, die im besten Deutschland aller Zeiten längst als populistisch gebrandmarkt und undurchführbar in der Schublade der toxischen Projekte abgelegt worden war. Merz und seine CDU wollen den Bürger entlasten. Das klingt zynisch angesichts der Tatsache, dass der Staat bereits Rekordsteuern einnimmt und den Bürgern tiefer denn je in die Taschen greift.

Ob im Konrad-Adenauer-Haus der Zusammenhang zwischen wachsender Staatsaktivität, fallender Produktivität und systematischer Verarmung der Bürger erkannt wurde? Dies wäre wohl zu viel der Ehre, denn die fundamentalen Themen wie die ungebrochene Armutsmigration in das deutsche Sozialsystem sowie das Zerstörungswerk des Green Deal bleiben im CDU-Papier ausgespart. An eine systematische Aufarbeitung des Katastrophenwerks wagt sich bei der grünen CDU niemand mehr heran.

Dass ausgerechnet der Bundeskanzler vor diesem Hintergrund die Chuzpe besaß, den Deutschen durch die Blume einen Hang zur Arbeitsverweigerung zu unterstellen, sollte in den kommenden Monaten gerade bei denjenigen, die das entgleiste neue Deutschland finanzieren, zu einer heftigen Abwehrreaktion führen. Um dies zu verhindern, wird nun die koordiniert operierende Medienmaschine hochgefahren.

Bürokratieabbau mit Gründerschutzzonen

Für die Wirtschaft soll es ein weiteres Bonbon geben: Bürokratieabbau. Ein Klassiker, der selbstverständlich im hektisch zusammengeklöppelten CDU-Programm nicht fehlen darf. Doch angesichts massiver Schuldenprogramme und des Umbaus der Wirtschaft in eine klimasozialistische Kommandowirtschaft wird eher mehr Bürokratie benötigt als weniger. Wie sollte es sonst gelingen, die Milliarden an Subventionen für gescheiterte ideologische Projekte wie den grünen Wasserstoff unter das Volk zu bringen? Dennoch: Bürokratieabbau klingt gut, es vermittelt dem Bürger den Willen zur Entlastung und zum seriösen Umgang mit Steuergeld und darf daher im Programm der Union nicht fehlen.

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Genehmigungsprozesse sollen, falls die personell bestens ausgestattete deutsche Bürokratie nicht nachkommt, nach drei Monaten automatisch als abgeschlossen gelten. Ein Traum von Effizienz und Bürgernähe. Zudem sollen Gründerschutzzonen eingeführt werden, in denen Unternehmensgründungen bereits nach 24 Stunden möglich wären. So etwas steht tatsächlich im Papier, unterzeichnet vom Kanzler und dem CDU-Präsidium.

Die Frage drängt sich auf: Was geschieht eigentlich außerhalb dieser Schutzzonen? Wird dort weiter Jagd auf Unternehmer und Gründer gemacht – durch Bürokratie, Fiskus und Klimaregulierer in Brüssel? Doch Gründerschutzzonen klingen plakativ, sie vermitteln einen Hauch von Zukunft und Hoffnung für junge Gründer – das Land der Macher und Bahnbrecher. Doch tatsächlich ist diese Idee nichts anderes als eine Bankrotterklärung des deutschen Bürokratismus, der als Hindernisparcour entlarvt wird.

Wäre das Thesenpapier der CDU eine ernst gemeinte politische Initiative, wären massive Kürzungen im Subventions- und Sozialetat die logische Konsequenz. Deutschland müsste mehr Javier Milei wagen und weniger Lars Klingbeil – und genau dies brandmarkte Friedrich Merz bereits mehrfach als unmenschliche Intervention des „Rechtspopulisten“. Dass derart unangenehme Konsequenzen aus dem Medienspiel der CDU ausgeschlossen sind, garantiert der Koalitionspartner SPD.

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Die CDU wird selbstverständlich, das hat sie mehrfach angekündigt, die Ausweitung der Erbschaftsteuer auf Familienbetriebsvermögen mittragen, genauso wie sie die Erhöhung der CO2-Steuer zu Jahresbeginn mit keinem Wort kritisiert hat. Die ehemalige bürgerliche Partei segelt im Wind der Brüsseler Klimatransformation wie alle Parteien, die sich vor der Brandmauer zu einer Einheit fest zusammengeschlossen haben.

Die Mainzer Erklärung bringt zudem eine energiepolitische Überraschung: den Einstieg in die Kernfusionsforschung. Sie ist das perfekte medientaktische Feigenblatt im Angesicht der virulenten Energiekrise, an der die CDU mit Pathos und Eifer mitgewirkt hat.

Kernfusion simuliert Technologieoffenheit und eine Hinwendung zur Zukunft, ohne dass man sich ernsthaft einer Reform der zerstörten Energieinfrastruktur zuwenden müsste. Wer wagt es schon in einem Wahljahr, das heißeste aller Eisen anzufassen und damit die Katastrophe zu thematisieren, in die man das Volk wissentlich und mit Emphase gestoßen hat?

Täuschungsmanöver und Medienspiel

Das Tragische an dem Positionspapier der CDU ist, dass es rationale Elemente der notwendigen ordnungspolitischen Wende im Land als medientaktische Nebelkerzen einsetzt. Man weiß im Konrad-Adenauer-Haus im Prinzip noch immer um die notwendige Medizin für den erkrankten Patienten Deutschland. Doch hat man sich ideologisch auf die Seite einer globalistischen und klimaideologischen Revolution geschlagen und steht fest an der Seite des Kartells der Zentralplaner.

Medienstrategisch folgt das Papier der Logik der alten Bundesrepublik. Politische Programmarbeit war den Grundpfeilern der alten Republik und ihrer grundgesetzlich verankerten Prinzipien verpflichtet. Selbst die Sozialdemokraten respektierten den Geist der Sozialen Marktwirtschaft und verstanden, dass eine Gesellschaft ohne die Prinzipien Freiheit und Verantwortung mit Leistungsorientierung und freiem Unternehmertum nicht prosperieren kann.

Die Mainzer Erklärung besäße ein Existenzrecht in einer politischen Matrix vor Angela Merkels migrationspolitischer Katastrophe und bevor klar wurde, dass der Umbau der deutschen Wirtschaft in eine klimasozialistische Utopie ein Gemeinschaftsprojekt des Parteienkartells wäre.

Ihr ordnungspolitischer Sound ist eine Reminiszenz an die alte bürgerliche CDU. Die einzeln aufgeführten Punkte könnten sich in der Zukunft in ein politisches Programm einer Partei einfügen, die in einer marktwirtschaftlichen Wende die Lösung für Deutschlands Probleme sieht.

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Kommentare ( 15 )

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Oberlausitzerin
1 Monat her

Heute wurde der Trend zu den Landtagswahlen 2026 in Baden- Württemberg veröffentlicht. Spitzenreiter ist die CDU, gefolgt von den Grünen, die weiter aufholen, auf Platz drei, die AFD. Was soll man dazu noch sagen, den Wählern ist nicht mehr zu helfen.

Kontra
1 Monat her

Die beiden Witzfiguren auf dem Titelfoto können erzählen was sie wollen, man glaubt ihnen kein Wort mehr!

Paprikakartoffel
1 Monat her

Merz schnackt wie ein ewiger Oppositionsführer oder ein grüner Wirtschaftsexperte. Billige zuverlässige Energie, wenn gerade der Wind weht (das mitteleuropäische Modell des 18. Jahrhunderts), und Gaskraftwerke, die es nicht gibt, mit Gas, das sauteuer ist, wenn es überhaupt einer liefert.

Da das nicht funktionieren kann, gelangt er unweigerlich zur nächsten sozialistischen Eskalationsstufe: die Arbeiter sind schuld, weil sie nicht genügend arbeiten..,

Nibelung
1 Monat her

Wenn man die Worte des Black Rock-Vorsitzenden Fink vernommen hat, scheint er nicht mehr so überzeugt zu sein von ausschließlich grünen Experimenten und das alles kommt einem langsam vor wie die Tandemfahrer, während der eine fest in die Pedale tritt und der Sozius hinten bremst, weil die Koordination nicht mehr vorhanden ist. Bei den Schwarzen verhält es sich fast ähnlich wie bei Trump, die in voller Verzweiflung nach dem Motto handeln, rinn in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln, während die Roten wie Putin konstant auf ihren Standpunkt beharren und auch hier wird es sich zeigen, wer am Ende der… Mehr

Berlindiesel
1 Monat her

Wieder einmal ein länglicher Bericht über die CDU, ohne dass am Ende etwas greifbares entsteht. Das kann doch, in der Diktion des Autors, nur sein: „Wählt endlich wieder die CDU anstatt der AfD“. Schließlich existiert ja im Grundgesetz ein mit unsichtbarer Tinte geschriebener Paragraph, der lautet: „Die Regierungsgeschäfte werden von der Christilch-Demokratischen Union wahrgenommen. Ausnahmen mit der Übertragung an die SPD sind möglich“

Dazu kann ich nur sagen: Sogar NIUS, einst mit CDU-Geldern anschubfinaziert, ist da heute schon weiter.

yeager
1 Monat her

Die CDU produziert bestenfalls heiße Luft. Migration, Bürgergeld, Energiewirtschaft; alles was da von der CDU kommt sind leere Sprüche. Bestenfalls geschieht daraufhin gar nichts, denn wenn etwas passiert, dann das Gegenteil von all den großen Ankündigungen.
Was Kanzler Merz so von sich gibt gehört ins Unterhaltungsprogramm.

Zack
1 Monat her

Ehrlich gesagt, ich schäme mich mittlerweile für meine Mitmenschen! Die Lüge und das Chaos ist offensichtlich , und immer noch hat die CDU und CSU die Nase vorn in Ländern wie Baden-Württemberg oder Hessen! Mir scheint wirklich, die Leute haben seit dem Nachrennen des Hitlers immer noch nichts begriffen! Wir sind keine Kulturnation mehr, wir sind ein Volk der Idioten , die ihren eigenen Untergang auch noch willfährig besiegeln. Wir wissen alle, die wir hier quasi mittlerweile im“ Widerstand“ sind , dass das ein böses Ende haben wird! Die Menschen können von ihrer knappen Rente nicht leben , unsere Energiewirtschaft… Mehr

Spyderco
1 Monat her

74%der Wähler würden für WEITER SO stimmen,wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Nichtwähler stimmen schweigend zu!

Wahlumfragen zur Bundestagswahl – Sonntagsfrage (Wahlumfrage, Umfragen) https://share.google/udLn1qWztGBRtZfA0

Kassandra
1 Monat her

Hier spielt die Musik!
Trump redet in Davos:
https://www.youtube.com/watch?v=7dROvom5hVY

DrMabuse
1 Monat her

Jedes Mal wenn Merz den Mund aufmacht, um wieder eigene großartige Heldentaten kundzutun, warte ich darauf, dass ihm geradewegs eine lange Nase und Eselsohren wachsen.