Friedrich Merz tritt gegen Krankheitstage an – die Krankheitstage gewinnen

Das Private ist politisch. Das ist die Grundregel aller linken Bewegungen. Folgerichtig macht Kanzler Friedrich Merz den Krankenstand in Deutschland zum Thema. Doch das feuert zurück, die Zahlen sprechen gegen den Christdemokraten.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr

Der Krankenstand in Deutschland sei zu hoch, meinte Friedrich Merz (CDU) jüngst wieder. Die Ursachen müssten noch gesucht werden, aber dass es zu leicht sei, sich krank zu melden, steht für den Christdemokraten schon fest. Interessante Theorie, mit der sich Merz Parteifreund Kai Wegner auseinandersetzen müsste. Denn die Beamten des Berliner Bürgermeisters sind durchschnittlich 36,8 Tage im Jahr krankgeschrieben. Ein einsamer Rekord. Das macht die Merz-Theorie von der zu laxen Krankschreibung plausibel – denn wenn Wegner eins kann, dann zu lax.

Insgesamt sind die Krankheitstage nirgends so hoch wie unter den Berliner Beamten. Aber mit 19,5 Kalendertagen – also vier Arbeitswochen pro Jahr – kommt im deutschen Schnitt ebenfalls eine bemerkenswert hohe Zahl zustande. Gemeldet hat das jetzt die DAK-Gesundheit. „Der Krankenstand in Deutschland pendelt sich demnach auf einem hohen Niveau ein“, sagt Kassenchef Andreas Storm.

Die meisten Fehltage gehen laut DAK auf das Konto von Atemwegserkrankungen. Direkt danach folgten psychische Erkrankungen. Während in anderen Bereichen die Zahl der Krankheitstage stagniert und leicht rückläufig ist, gibt es bei den psychischen Ursachen eine Zunahme von 6,9 Prozent. Damit verdrängten sie laut DAK Muskel-Skelett-Probleme als bisher zweitwichtigsten Grund für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle auf Platz drei. Während Atemwegserkrankungen – etwa Erkältungen – eher zu kurzen Krankschreiungen führen, ziehen psychische Erkrankungen lange Ausfallzeiten nach sich. Merz und seine Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wollen dem entgegenwirken, indem sie den Prozess der Krankschreibung erschweren.

„Psychisch bedingte Krankschreibungen sind oft mit langen Ausfallzeiten verbunden“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Die Betriebe stünden vor der Herausforderung, eine hohe Zahl an Ausfalltagen wegen dieser Erkrankungen kompensieren zu müssen. Insgesamt seien die psychischen Krankheiten die Treiber bei den Krankheitstagen.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt seit der Pandemie stark und stetig. Menschen zuhause einzusperren, sie zwangsweise von Familien und Freunden zu trennen und sie im dauernden Alarmzustand zu halten, hat halt doch einen Einfluss auf ihr Wohlbefinden. Wer hätte es gedacht. Die Regierung Angela Merkel (CDU) jedenfalls nicht.

Die DAK hat einen eigenen Vorschlag: Merz soll einen Gipfel zu dem Thema veranstalten. Das ist etwas ganz anderes als ein Arbeitskreis, ein Runder Tisch oder eine Kommission – denn es hat einen anderen Namen und es heißt auch anders. Aber immerhin: Bei einem Gipfel sperren sich die Politiker selbst ein, statt die Bürger. Damit würde sich der Gipfel also weniger verheerend auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken als die Pandemiepolitik der CDU.

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Kommentare ( 48 )

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Fulbert
27 Minuten her

Warum muss man über den Wahrheitsgehalt derartiger Aussagen noch diskutieren? Darum geht es doch nicht, sondern um die Stossrichtung: nicht die Regierung hat versagt, sondern die Bevölkerung, zumindest deren arbeitender Teil und ganz besonders der nicht korrekt wählende Anteil. Was wir erleben, ist eine zunehmende Kritik der Regierenden am Volk, aus dem auch eines Tages eine Kriegserklärung der Exekutive an den Souverän resultieren kann, was nicht das erste Mal in der Geschichte wäre.

Deutscher
31 Minuten her

Wenn ich für 30 – 40.000 € immer nur ausgemachten Schwachsinn in irgendwelche Mikrofone zu schwafeln bräuchte, so wie Merz & Co, würde ich mich sehr zurückhalten bei der Beurteilung der Leistung anderer Leute.

Bonzo der Grosse
35 Minuten her

Wichtig ist zu betonen, dass praktisch alle Bürgergeldempfänger jederzeit bereit sind zu arbeiten, aber ihre Gesundheit dies allzu häufig verhindert. Dafür muss derjenige, der bereits arbeitet unbedingt noch damit drangsaliert werden, eine Krankschreibung zu bekommen. Um Himmels Willen darf man nicht diejenigen noch sanktionieren, denen es ohnehin schon so schlecht geht, dass sie auf Stuerzahlers Kosten leben. In einem Land, das von Leuten regiert wird, die sich wenig bis nichts um die eigene Bevölkerung scheren, die Kriegsangst aufbauen, die eigene Nation, Kultur und Sprache verachten, die am liebsten jeden abgepressten Euro ins Ausland oder wenigstens aufs eigene Konto schaffen wollen… Mehr

Innere Unruhe
39 Minuten her

»Ich bemängele den hohen Krankenstand in Deutschland.«
Dass wir sehr viele gesunde junge männliche Asylanten ohne Job durchfüttern, ist aber OK, oder wie?
Wieso stört er sich nicht daran, dass die Asylanten sich zu wenig an der Wirtschaft Deutschlands beteiligen?
Sie sind weder krank noch alt. Meistens sind sie des Deutschen nicht mächtig und nicht qualifiziert. Aber sind das Gründe, dem ARbeitsmarkt fernzubleiben, während Deutsche krank arbeiten müssen?

Dieter
42 Minuten her

wenn man den echten Kaufkraftverlust des Euros der letzten 25 Jahre nehmen und die Besteuerungs“tabellen“ um den Wert hochschieben würde,müßten die Leute nicht 168 Std für 400€ über der Sozialhilfe im Monat arbeiten, sondern könnten sich ein Leben, Familie, Wohnung aufbauen.
Das wäre mal ein Anreiz zu Arbeiten.
Für viele ist eine Krankschreibung heute das, was in Frankreich die Gelbweste gegen einen übergriffigen Staat ist.
Aber dann müßte die Politik ihre Familien -NGOs, und den globalen Netzwerken wohl die Alimente auf Kosten des Steuerzahlers aufkündigen

Last edited 39 Minuten her by Dieter
Digenis Akritas
49 Minuten her

Vor ein paar Jahren hat man eine Impfung durchpeitschen wollen, mit der man sich und seiner Gesundheit keinen Gefallen getan hat. Jetzt kommt die Quittung.

Zack
50 Minuten her

Ich habe das so satt! Die zocken uns ab wo sie nur können und leisten nichts für das Volk dass Sie gewählt hat!
Wenn nicht bald mal etwas Gravierendes geändert wird dann ist es vorbei mit diesem Land.
Das sind Leute die haben mit 40 schon ausgesorgt und geben uns eine minimale Rente.
Wobei sie immer weniger zu leisten imstande sind!
Kein Wunder dass die normalen Arbeiter und Angestellten keinen Bock mehr haben!

Last edited 48 Minuten her by Zack
BellaCiao
55 Minuten her

Zitat Merz: »Ich bemängele den hohen Krankenstand in Deutschland.«

Was für ein hohles, unreflektiertes Statement. Wenn Merz etwas gegen Leute unternähme, die nur krank feiern und gar nicht krank sind, wäre das etwas anderes. Aber dann müsste Merz ja handeln und nicht nur schwadronieren.

Gegenüber denjenigen, die ernsthaft erkrankt oder gar chronisch krank sind, ist so eine Aussage eine pure Unverschämtheit! Hinzu kommt, dass Herr Oberlehrer Merz nur schwadroniert, aber nicht handelt, um Missstände abzustellen oder die Situation zu verbessern.

Ich bemängele hiermit den schlechtesten Bundeskanzler seit bestehen der Bundesrepublik.

Last edited 53 Minuten her by BellaCiao
Juri St.
56 Minuten her

Wenn Merz gegen irgendwas oder irgendwen antritt, gewinnt immer das/der Andere! Weil er es nicht kann.

ceterum censeo
1 Stunde her

Vielleicht sollte man die psychische Erkrankung der Messerattentäter mal heraus rechnen. Dann sinkt der Krankenstand in dieser Krankengruppe signifikant!

Pieter Ries
32 Minuten her
Antworten an  ceterum censeo

„Krankenstand“ betrifft nur die arbeitende Bevölkerung. Die kann sich Messer dank der hohen Belastung durch die Bestversorgung für „Unsere Attentäter“ nicht mehr leisten.