Medien-Skandal: Weimer übergibt Geschäftsanteile an Treuhänder

Nach monatelangem Skandal um Urheberrechtsverletzungen hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nun auf öffentlichen Druck hin seine Anteile an der Weimer Media Group treuhänderisch abgegeben. Gleichzeitig geht er mit kritischen Medien hart ins Gericht.

picture alliance / Andreas Gora | Andreas Gora

Kulturstaatsminister und Skandalunternehmer Wolfram Weimer meldet sich mit einem Gastbeitrag bei Table Media zurück. Der parteilose Politiker warnt darin vor ideologisch betriebenen Kampagnen. Selbstverständlich bezieht sich Weimer indirekt auf die Enthüllungen kritischer Medien, die seine skandalösen Geschäftspraktiken offenlegten. Weimer rät Medienkonsumenten dazu, sich sogenannter „Vertrauensmedien“ zu bedienen. Gemeint sind offenkundig der öffentlich-rechtliche Rundfunk sowie etablierte, staatsnahe Medien, die ihm während der Diskussion um Weimers Geschäftspraktiken des vergangenen Jahres weitgehend die Treue hielten.

Wir erinnern uns: Weimer, Mitgründer und früherer Geschäftsführer der Weimer Media Group, steht seit dem Herbst des vergangenen Jahres im Zentrum eines Medien- und Urheberrechtsskandals. Ausgangspunkt waren Vorwürfe, wonach das zur Media‑Gruppe gehörende Online‑Magazin The European über Jahre hinweg journalistische Texte, Reden und Inhalte prominenter Personen – darunter auch Politiker wie Alice Weidel und Alexander Dobrindt – publizierte. Auf diese Weise wurde der Eindruck einer tiefen redaktionellen Verankerung im politischen und medialen Betrieb suggeriert. Dies sorgte für Reichweite, Klickzahlen und entsprechende Werbeeinnahmen.

Zwar löschte das Unternehmen in den Wellen der Diskussion um Weimers Geschäftspraktiken zahlreiche Beiträge, doch Rücktrittsforderungen an den Minister verhallten ungehört.

Ähnlich verhielt es sich mit dem von Weimer jährlich veranstalteten Ludwig‑Erhard‑Gipfel. Auch hier geriet der Kulturstaatsminister in schwere Gewässer. Der Vorwurf: Über exklusive Teilnahmeformate seien Gespräche mit Ministern und politischen Entscheidungsträgern an interessierte Teilnehmer vermittelt worden. Ob diese Kontakte gegen Bezahlung zustande kamen oder nicht, ist bislang unbewiesen und bleibt in der Schwebe.

Der Vorgang erinnert an eine frühere Affäre aus der deutschen Politik: die sogenannte „Rent‑a‑Rüttgers“-Affäre. Damals sorgte der heutige nordrhein‑westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst, seinerzeit Generalsekretär der NRW‑CDU, im Jahr 2010 für bundesweite Aufmerksamkeit, als persönliche Gespräche mit dem damaligen CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zu Preisen von bis zu 20.000 Euro an zahlungskräftige Interessenten vermittelt wurden.

Politik und Mediengeschäft: Ein heikler Mix

Der Fall Wolfram Weimer zeigt die Brisanz, die in der Vermengung politischer und geschäftlicher Aktivitäten liegen kann. Dies gilt erst recht für das Medienbusiness, was durch die Funktion Weimers im Kabinett von Kanzler Friedrich Merz als Kulturstaatsminister mit der Zuständigkeit für den Mediensektor noch zusätzlich verschärft wird. Der Ruf nach einer strikten Trennung von seinem Amt als Geschäftsführer der Weimer Media Group, zumindest während seiner Tätigkeit als Bundesminister, ist berechtigt. Weimer beteuerte mehrfach während der vergangenen Monate, genau diesen Interessenkonflikt durch seinen persönlichen Rückzug lösen zu wollen. Am 7. Januar dieses Jahres wurde dann die aktualisierte Gesellschafterliste der Weimer Media Group veröffentlicht. Offenbar wurden die Gesellschaftsanteile Weimers auf Peter Michael Kersting übertragen, der seit 2020 als COO (Chief Operating Officer, also operativer Geschäftsführer) in der Weimer Media Group arbeitet und als enger Vertrauter Weimers gilt.

Rückzug nur auf Druck

Dessen Rückzug aus der Geschäftsführung und die vorübergehende Abgabe der Geschäftsanteile geschah erst, nachdem der öffentliche Druck erheblich zugenommen hatte. Weimers heftige Kritik an den Medien, die den Skandal aufdeckten, zeigt, dass von Verständnis für die problematische Lage nicht die Rede sein kann. Weimer gibt sich trotzig, als habe er beim Schummeln lediglich eine gängige Praxis fortgesetzt, und zeigt damit ein Symptom einer politischen Klasse, die sich wenig um Anstand und Ethik schert.

Dass die Aufdeckung dieses Skandals innerhalb der Politik eine edukative Wirkung entfalten könnte, lässt die jüngste Entscheidung aus Bayern hoffen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat angekündigt, seine Schirmherrschaft über den Ludwig‑Erhard‑Gipfel 2026 auszusetzen und bei der Veranstaltung nicht teilzunehmen, nachdem der Gipfel wegen der Kritik an möglichen Einflussnahmen stark in die öffentliche Diskussion geraten ist. Auch der damit verbundene Staatsempfang soll zunächst ausbleiben.

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Kommentare ( 14 )

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Europafriend
4 Stunden her

„Weimer rät … , sich … ‚Vertrauensmedien‘ zu bedienen.“.
… gemäß der Devise: Schenkst du diesen dein Vertrauen, wirst du deinen Intellekt versauen.

ceterum censeo
4 Stunden her

Jaja, so sind sie, die Pattex-Beamten. Einmal im Sessel, bleiben sie, bis sie verwesen…

PapaAN
4 Stunden her

„UnsereDemokratieElite“ in Bestform. Rücktritt war gestern, wenn Alternativmedien aufdecken. Erst wenn die Blöd UNSERE DEMOKRATEN zerreißt, dann wird der Michel wach und fordert den Rücktritt. Ist wie damals in der DDR, das Parteienkartell schützt sich selbst und bereichert sich bis zum Anschlag. Die BRD ist tot, hoch lebe UNSERE DEMOKRATIE! Ein hoch auf Merkill!

TruthHurts
5 Stunden her

In einem normalen Rechtsstaat wäre dieser Kerl schon lange im Gefängnis. Neben der Zelle von Merkel, Merz, Klingbeil, Habeck, Spahn, Baerbock, Scholz, Faeser und weiteren feinen Damen und Herren der „unsereDemokratie Elite“

Maria KH
5 Stunden her

Ob der Maximalopportunist Söder „edukativ“ zu erreichen ist, kann man diskutieren. Rein strategisch finde ich seine Distanzierung geschickt, die natürlich „keine Beurteilung, auch keine vorläufige Bewertung“ sei.

Damit sehen sowohl Weimer als auch seine Fürsprecher und anderen politischen Gäste automatisch ein kleines bisschen dubios aus. Oder gar käuflich im Gegensatz zum „prinzipienfesten“ bayerischen MP. Der gerissene Typ hat mit „ich komme lieber nicht“ den anderen einen Haufen Birnen aus den Kronleuchtern am Tegernsee geschossen.

Merkt Herr Merz eigentlich Tritte vors Schienbein noch oder ist er inzwischen geistig wie physisch endgültig aus Deutschland entschwunden?

Europafriend
4 Stunden her
Antworten an  Maria KH

Er kann die Tritte nicht spüren wegen Anästhesie durch Selbstverliebtheit. Es kann lange dauern bis die Schmerzunempfindlichkeit schwindet. Das Erwachen aus der Narkose wird aber um so schrecklicher, je länger sie anhält.

ralf12
5 Stunden her

„Weimer rät Medienkonsumenten dazu, sich sogenannter „Vertrauensmedien“zu bedienen“ Aber natürlich, da hat er Recht. Vor lauter Fake und gezielter Desinformationen die ÖRR, FAZ, SZ usw. seit Jahren verbreiten, nutze ich nur noch Vertrauensmedien wie TE, Multipolar, Nachdenkseiten. Selbst zum russischen Staatsender (RT) hab ich noch wesentlich mehr Vertrauen als zum ÖRR.

Dieter Rose
6 Stunden her

Jemand mit so einer Einstellung gehört nicht in ein Minsteramt.

U.S.
6 Stunden her

Am Ende von nur wenigen Jahren als „Minister“ erhalten „verdiente pensionierte Regierungs- Minister“ PENSIONEN (im 6-stelligen Bereich über 100.000 €uro / pto Jahr lebenslang),….
(siehe z.B. Annalena B, Robert H, …) ,

von denen die Normal verdienenden Angestellten noch nicht einmal träumen können.

Fragen hilft
6 Stunden her

Meine Fresse !!! Vertrauensmedien ? Noch ´ne neue Kampfvokabel.
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. schon mal gehört?
Ich hätte noch 99% Vertrauenswissenschaftler im Propaganda-Angebot.
Und Ja ich weiß, dass es in jedem Beruf auch Ehrbare und Redliche gibt.

Buck Fiden
6 Stunden her

Ein Treuhänder macht auch nur das, was ihm angewiesen wird. So what… reine Augenwischerei.